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Der Israelit · 1933-07-06 · Heft 27 (6.7.1933) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 27 (6.7.1933)
Date
1933-07-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 5 Seite 3 . 6. Juli 19.33 stige Situation. Am nächsten Tage fand noch ein wissenschaftlicher Vortragsabend statt, an dem Dr. Deutschländer ein Referat über das Thema „Judentum und Weltkultur" hielt. Der Aufenthalt von Dr. Deutschländer in Rumänien gab Gelegenheit, über Ideologie der Agudas Iisroel, wie auch über Zweckunö Z i e l d e r L e t h Jacob - B e w e g u n g den staatlichen und jüdischen Behörden Bericht zü geben. Auf Einladung und Empfehlung des rumänischen Gesandten in Wien hat Herr Dr. Deutschländer auch einen Besuch in B uk a r e st abgestattet, wo er ebenfalls im Außenministerium empfangen wurde und über seine Mssion Bericht erstattete,. die von der Regierung mit größter Sympathie ausgenommen wurde. * * (Einen ganz besonderen Eindruck hintecließen die Besuche bei dem Wischnitzer Rabbiner in Oradea, beim B oj an e r Rebben in. Tzernowitz und bei Oberrabb. Wesel, Präsident der Landeskanzlei in Transsilvanien, die ihre Verbundenheit mit dem großen Werke in herzlichen Begrüßungsworten Ausdruck gaben. Leider war es nicht mehr möglich, die großen Je sch iw aus in Gberwrfcha, Satmar und Szighet zu besuchen, dies mußte aus technischen Gründen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden. Dagegen war es möglich, von Tzernowitz aus, mit einem Spezialauto von Tzernowitz aus Stadt, Rabbinat und Ieschiwah in Wischnitz zu besuchen. Die Ieschiwah von Rabbiner Tlieser Hager, Sohn des Wisnitzer Rabbiners, wird mustergültig geführt. Ts ist unglaublich, was dort geleistet wurde. Die Stadt war nach dem Krieg vollkommen zerstört; dem unermüdlichen Eifer von Rabbiner Hager ist es gelungen, das zerstörte große Leih Haimörasch wieder aufzubauen, die ■ Ieschiwah herzurichten,. die ein eigenes wunderbares Internat Hatz in dem 70 Bachurim aus dem ganzen Reich untergebracht sind. 2 Millionen Lei wurden hierfür Rabb. Hager zur Verfügung gestellt, an der Spitze der Spender Herr Thaim Ivanier mit 500.000 Lei und Max Ritter von Anhauch. Eine große eigene Rote bekommt die Ieschiwah von Wischnitz durch die Angliederung der eigenen Teppichweberei, in der 15 Bachurim arbeiten. Ein schönes Beispiel für die Verbindung von Thora und Rlelocho. Interessant ist es, daß von den 18 Ratmännern der Stadtverwaltung 17 Juden sind, die alle zur Agudas Iisroel gehören. Selbst der Bürgermeister ist Jude. Die Beth Jacob-Schule ist eine der ältesten, sie bekommt jetzt ein eigenes neues Heim. Die Leiterin ist die Tochter des Kölner Dajan Gibermann, die auch eine Bsnoth-Gruppe gegründet hat. Die großen Zeitungen des Landes, rumänische, deutsche und ungarische bringen große Berichte über Agudas Iisroel, Beth Jacob, Keren Hathora, Interviews mit den Delegierten usw. Agudistische Erez-Zisroel-Acbeik. Von Freds Lustig in Lihingen. . ■ (Aus. dem Rachrichtenblatt der Agudas Iisroel- IugenöorganlfaUon.). . Vielleicht gibt es heute keinen jungen Agudisten, der nicht von der Rotwenöigkeit durchdrungen wäre, daß die Aguöa Lrez-Iisroel-Arbeit treiben muß. Es kann nicht behauptet werden, daß diese palästinensische Einstellung geradewegs aus dem Agudismus, aus ihren agudistischen Anschauungen und aus ihrem agudistischen Willen erwachsen wäre. Vielmehr handelt es sich um eine verbreitete und deshalb im Unbewußten verwurzelte Bewegung, die aus der wirtschaftlichen und politischen Lage, aus der religiösen Sehnsucht nach heiligem Boden und nach dem Leben in jüdischer Gemeinschaft entstanden ist, die vielleicht ohne die augenfällige zionistisch-misrachistische Palästina-Arbeit nie so stark geworden wäre. Zweifellos kann man in manchen Zügen der derzeitigen Haltung unserer Jugend zu Crez Iisroel eine Art Agudismus erkennen. Aber es handelt sich hier um politische Tätigkeit in großem Ausmaß und wahrscheinlich um Umwälzung mit tiefgreifenden Folgen. wir haben nicht das Recht, Dinge von so bedeutendem Range aus gefühlsmäßiger Grundlage zu tun. Wir müssen uns die Frage vorlegen: Müssen wir aus agudistischer Verantwortung Palästina-Arbeit trei- D e r Israelit Bl älter . den? welche Stellung hat diese Arbeit im Kreis unserer gesamt-agudistischen Tätigkeit einzunehmen? Gibt es eine spezifisch-agudistifche Crez-Iisroel-Arbeit, die nur von der Aguda als Organisation geleistet werden kann, oder decken sich unsere Ziele in E. I. im Grunde mit denen des Misrachi? Agudismus ist Anschauung und Programm. Weiter ist Agudismus Politik, d. h. er beschäftigt sich mit dorr Dingen, die einer Vielheit gemeinsam sind. Dabei wird allerdings der Begriff Politik von den äußeren Verhältnissen auf innere geistige ausgedehnt. Schließlich muß Agudismus, da er keine neue Offenbarungen bringen will, ein Teil oder eine Anwendung der Tauroh sein. Was ist nun Agudismus? Zuerst die Bedeutung überlieferter Ideen über Sein und Lebensführung des jüdischen Volkes. Darin ist eingeschlossen der Wille der zwischen Sein und So- Sein steht. Dann die Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um die Wirklichkeit diesem Idealbild anzugleichen. Das erste ist die agudistische Idee, das zweite das agudistische Programm. Das Sein. Der Agudismus bejaht rückhaltlos die Existenz des jüdischen „Volkes" als schicksalmäßig gegebener Gruppe. Sowohl in der historischen Lntstehung des jüdischen Volkes, als auch in der immer wieder eintretenden Erneuerung des jüdischen Volkskörpers sind alle, die von der Bewegung ersaßt sind, Objekte der Geschlchte, es geschieht mit ihnen etwas, meist gegen ihren Willen. Israel ist entstanden durch die gewaltige Hand G'ttes und es bleibt immer wieder Körper durch die harten Schlage derer, die ihnen selbst unbewußt — die Werkzeuge des verborgenen Königtums G'ttes über dem Menschengeschehen sind. Insoweit ist der Klall Iisroel also ein „gegebener klall Iisroel" und in der Erkenntnis dieser Erscheinung steht die Aguöa in scharfem Gegensatz zu jeder nationalen Assimilation. Der Wille zum Agudismus ist die entschiedene Betonung der Wahrheit, daß die Entstehung des Volkes gegen seinen Willen und nicht durch seine eigene Kraft die Verpflichtung zu einem Volkswillen in sich schließt, G'tt hörig zu sein. Der König gab zu erkennen, daß das Ziel -der Volkswerdung und ihr einziger Sinn in der Uebernahme des Gesetzes liege. Das Volk fügte zu der objektiven Verpflichtung die subjektive und nahm das Gesetz aus sich. Seitdem ist jeder Einzelne in Israel durch den Volkswillen an das Gesetz gebunden.^ Weil aber jedes Geschlecht das Volkstum neu aus des Königs Händen empfängt, ruht auf jedem Geschlecht von neuem die Verpflichtung zum Volkswillen vom Sinais Deshalb konnte jenes erste Geschlecht die subjektive Verpflichtung aller späteren Geschlechter vorwegnehmen. Zu allen Zeiten hat es einen Ausdruck des ungebrochenen Sinaiwillens gegeben. Im Altertum war das Erscheinen des Volkes vor dem Herrn an den Wanderfesten, im Mittelalter, der Gelbe.Fleck die äußere Dokumentierüng dafür gewesen, daß die Juden nicht nur ein gegebener Klall, sondern eine, wirkliche Einheit sind, durch den Willen zumGesetz der „bewußte Klall-Iisroel". Rach dem Fall der Ghettomauern gab es keinen Ausdruck des Gesämtwillens zum Gesetz mehr, bis diejenigen Einzelnen, bie die Treue bewahrt'hatten, in der modernen Form der Organisation den Ausdruck des bewußten Klall-IiLroel schufen — wenigstens den Beginn dazu. Agudas Iisroel will also die Keimzelle des durch den Willen geeinten Volkes sein. Indem A. ,I. das Wesen des jüdischen Volkes als des Tauroh-Volkes zum Ausdruck bringt, muß es das notwendige Ziel dieses „Wefensverbanöes" sein, möglichst alle Bezirke des durch die Geschichte auch in unserer Zeit „gegebenen; Klall-Iisroel" zu erobern. Zugleich bringt Agudas Iisroel für die bis jetzt schon als Einzelne Gesetzestreuen klar zur Erkenntnis, daß die Verpflichtung des Einzelnen abgeleitet ist aus der Verpflichtung der Gesamtheit. Das Leben. Ts hat sich gezeigt, daß es der Aguda nicht gelungen ist, den ganzen gegebenen Klall-Iisroel zu IN Bewußten umzuformen, ja sie umfaßt heute noch nicht einmal alle Einzelne, die gefetzestren sind. Zwar ist die große Tat der Organisierung immerhin, wträchtlicher Massen geleistet und damit der Grundkein gelegt zum neuen und zugleich historischen Volk. Aber die Entwicklung steht. Die Eingliederung der jüdischen Massen kann erst dann erfolgen, wenn Agudas Iisroel selbst einen Schritt weiter geht, wenn Agudas Iisroel selbst dem historischen jüdischen Volk ähnlicher wird. Bis jetzt stand Agudas Iisroel gewissermaßen am Sinai und wurde Volkspersönlichkeit durch den gemeinsamen Willen zum Gesetz. Wohlan, möge diese Volkspersönlichkeit nun das Gesetz zu leben beginnen, denn dazu wurde es gegeben. Es muß uns klar werden, daß heute das Volk das Gesetz nicht erfüllt. Rur wir Einzelnen sind gesetzegtreu. Rur an den Tischen unserer Häuser herrscht die Tauroh. Aber der Lebensbezirk der Gesamtheit, die Lebensformen der Gesamtheit sind nicht vorhanden, oder sind nicht von der Tauroh geformt; Sprache, Kunststil, Musik, Literatur, vor allem Recht, Wirtschaft, Beruf, politische Führung, die Lebensäußernngen der Gesamtheit sind dem Herrschaftsbereich des g'ttllchcn Gesetzes entrückt. Und doch spricht zu uns der Geist der Tauroh, daß genau so wie die'Einzelwillcn zum Gesetz ihren Grund und ihre Kraft aus dem Gefamtwillen ableitcn, das einzelne Gefctzeslcbcn auf die Dauer erlahmt, wenn es nicht immer wieder gespeist wird aus dem großen Kraftbecken des gesetzestreuen Lebens des Volks. Daß die Tauroh nicht bewahrt wird in der Verborgenheit der Privathäuser, sondern lebt durch die Gestaltung der Oessentlichkeit. Der Gefamtwillen verlangt nach dem Gesamtleben. Der bewußte Klall Iisroel wird so zum natürlichen Klall Iisroel. vom Sinai nach Erez Iisroel. Hier erkennen wir mit Zittern, daß durch g'ttliche Fügung hinter dem symbolischen „Erez Iisroel", das hier für uns bedeutet: Gründung eines Volkslebens, irgendwo, unter der Herrschaft der Tauroh, das aktuelle Crez Iisroel steht. Wenn auch vereinsamt, verdüstert, wenn auch wie wir im Golns, 'so doch heiliger Boden. Es fließt hier zusammen die '.ewige Ausgabe des Volkes, der Tauroh eine Stätte auf dem — Markte zu bereiten und die ewige Bedeutung des Landes, vom Lande aus gesehen! Das aktuelle und das überzeitliche Erez Iisroel. So ergibt sich klar die Beziehung der Agudas Iisroel zu Crez Iisroel aus dem Zentrum des Aguöismlls. Erez Iisroel ist nicht irgend eine Ausgabe der Agudas Iisroel, es müssen nicht von der Aguda irgendwelche Maßnahmen getroffen werden, sondern das Wesen des Agudismus kann jetzt nach dem vorläufigen Abschluß der Organisternngsperiode — nur zum Ausdruck kommen durch Gründung des taurohgebunöencn Volkslebens und zwar durch glückliche Fügung der Umstände auf dem geheiligten Boden von Trez Iisroel. Es handelt sich nicht um wirtschaftliche Maßnahmen, nicht darum, die religiöse Rote im zionistischen Aufbau etwa stärker zur Geltung zu bringen — es handelt sich um etwas Großes, Geschichtliches, das wir über den notwendigen kleinen Dingen auch ides palästinensischen Lebens nie vergessen dürfen, um den unerhörten Versuch — unerhört für die taurohgetreuen Massen und unerhört für das moderne Palästina — das öffentliche Leben eigenartig und traditionsgebunden zu gestalten, um die Umformung der durch den willen geeinten Massen der Aguda zum lebendigen jüdischen polt, die Grundsteinlegung zum natürlichen Klall Iisroel. Die Garantie für die Durchführung dieser Aufgabe liegt, neben einer intensiven praktischen Tätigkeit für das neu taurohgetreue Palästina, das sich als neuester Iischuw an den alten Iischuw irgendwie anschlicßen muß, in der immer neuen Erweckung des Gesamtwillens, zur. Tauroh, in der stetigen Erneuerung des bewußten Klall Iisroel. Denn in der Stoffwerdung des abstrakten volkswillens liegt nicht etwa eine Stärkung, sondern eine Gefahr der Erstarrung und Erlahmung. Drohend klingt zu uns der Mahnruf des Führers in der Wüste, daß das Volk im Tagoslebon Nicht vergessen solle,, was vor der Lanöergreifung lag, daß es den Schwung des Sinai nicht einbüßen möge. Und schmerzlich mahnt die Geschichte, daß die Aufgabe, den schweren Stofs des Volkslebens mit dem Geist des Volkswillens zum Gesetz zu durchdringen, letzten Endes nicht gelöst wurde. Darum gilt es den alten Agudismus, der die Dokumentiernng des Gesamtwillens zum Gesetz allein war, verstärkt hineinzutragen in den neuen Bau. Darum müssen von vornherein stärkere Ausörucksformen dieses Willens, als es in einem Volksleben die Organisation sein kann, gesch^-m werden, etwa volkstagc mit einem Massenbekenutnis zur Tauroh und die öffent-

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