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Der Israelit · 1933-07-06 · Heft 27 (6.7.1933) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 27 (6.7.1933)
Date
1933-07-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 2 Nr. 5 einen Satz zitieren» der.mehr als lange Darlegungen die Notwendigkeit unserer Arbeit' kennzeichnet. „Ich danke Ihnen herzlichst für Ihr Schreiben vom 25. ITlai, das uns in diesen furchtbar schweren Tagen Aufrichtung und Hoffnung bedeutet und uns aufs neue zeigt» welch eine herrliche seelische Verbundenheit bei allen Gliedern der Agudob vorhanden ist . . . Seien Sie überzeugt» daß ich alles tun werde» urn die Agudoh materiell zu unterstützen» soweit nur meine Kräfte reichen. Wie gerne würde ich selbst meinen Wohnsitz nach Crez Iiscoel verlegen» nach dem Land» wo mein Vater feine ersten v'-ii2N erscheinen ließ» um dort der jüdischen Jugend meine ganze Kraft widmen zu können. Die heute im »»Israelit" erschienenen Berichte» daß durch die Neueingewanderten der Schabbos weiter verletzt wurde» krampst einem das Herz zusammen und läßt den brennenden Wunsch aufkommen» daß es der Agudoh mit G. H. bald gelingen werde» einen großen Stamm echt frommer Menschen nach Crez Iisroel verpflanzen zu können." So beurteilt eine im Dienst der jüdischen Öffentlichkeit bewährte Persönlichkeit unsere Arbeit. Was meint die Jugend nun? Hören wir» was einer ihrer Sprecher — ein Kam sch» der nicht Kritik um der Kritik willen übt» sondern Kritik aus Liebe» die vor allem durch Arbeit bezeugt ist — uns zu sagen hat: „Wir haben den Lindruck» daß die Agudoh jetzt wieder einmal, viel Dinge ansängt» ohne die Gewähr zu bieten» daß die Arbeit auch geistig und materiell fundiert ist. Daß man heute die Arbeit nicht auf lange Sicht materiell im voraus fundieren kann» weiß jeder. Aber die Anfangsbasis muß so sein» daß nach menschlichem Ermessen für eine, gewisse Zeit die'Arbeit fortgesetzt werden kann." Diese Aufforderung verdichtet sich dann in einer Zuschrift aus der gleichen Gruppe zu der Forderung: „I. Schaffung einer gemeinsamen Hachschoroh unter geschulter geistiger» landwirtschaftlicher und handwerklicher Leitung. Unser Lehrgut muß sich von den anderen dadurch unterscheiden» daß es eine echt orthodoxe Hachschoroh ist. Ls geht nicht an» daß 5 in Polen» 5 in Holland» 5 in Deutschland» 5 im Elsaß aus Hachschoroh sind» sie haben keinen Zusammenhalt und keine geistige Führung. 2. Cs muß von der Agudas Iisroel versucht werden» in Crez Iisroel eine Leitung zu bilden» die die Führung der Agudisten in Crez Iisroel übernimmt und ihnen dort einen festen Rückhalt gibt. 5. Die Agudas Iisroel muß sich offen zu Crez Iisroel bekennen. Die Agudisten, die hier ihre Existenz verloren haben und die keine Aussicht sehen» hier etwas positives für sich zu erreichen» müssen mit Nachdruck auf Crez Iisroel hingewiesen werden." Aus den begleitenden Ausführungen hierzu geht deutlich hervor» daß diese starke Crez Iisroel-Vetonung auch im Hinblick auf den Wunsch» auf den begreiflichen und von agudistischer Seite nur zu begrüßenden Wunsch geäußert wurde» nicht ausgesprochen misrachistische Csrakreise unserer Organisation» zumindest ideell» wieder nahe zu bringen. Wir bemerken zu all dem: Die Zuschrift des Vaters» der für die Fürsorge für seinen Sohn dankt» wird wohl doch der augenblicklichen Situation mehr gerecht» als Zie kritische Stellungnahme der Jugend. Worum handelt es sich? Cs handelt sich darum» zunächst und vor allem um fmsj nto' dies int rein körperlichen Sinn verstanden. Cs handelt sich darum» einer jeder Existenz- und Zukunftsmöglichkeit beraubten Jugend Spaten oder Jammer in die Hand zu geben» damit sie den Weg zum Leben findet. Das ist das Crste» das ist das Wichtigste» das ist die Voraussetzung für alles andere. Das ist die vordringlichste Aufgabe», die das wirtschaftsamt zu leisten hat. Und wenn es dem Wirtschaftsamt gemeinsam mit der Palästina-Zentrale gelungen ist» sei es bei Mlawa» fei es in Cnfcheöe» fei es im Elsaß, eine ganz beträchtliche Anzahl junger Menschen unterzubringen» leider zunächst nur zur lanö- Der Israel i t , B l S itcr wirtschaftlichen Ausbildung und noch nicht auch zu der geplanten handwerklichen» wennneuerdings auch in Gonzenheim bei Frankfurt die Möglichkeit gärtnerischer Ausbildung geschaffen wurde» und wenn die begründete Aussicht besteht» eine große An-' zahl junger Leute weiter in England» Iugoflavien» Lettland» Litauen und in der Slowakei in den nächsten Wochen weiter unterzubkingen» wenn dann durch das wirtschaftsamt mit g'ttlicher Hilfe und durch die Bereitschaft» mit der die Freunde in den verschiedenen Ländern draußen sich uns zur Verfügung stellen» in den ersten Monaten nuferes Leflehens etwa 100 junge Leute in einer Weife untergcbracht haben werden» daß sie nach Ablauf ihrer Lehrzeit in der Heimat oder wo immer in der Welt» auf eigenen Füßen stehen können» dann hofft das Wirtschaftsamt» Dienst an der Gesamtheit geleistet zu haben. Die Jugend verkennt die Situation. Wir haben keine Zeit zur Schaffung von »»Voraussetzungen"» deren Vorhandensein unter normalen Verhältnissen von uns gewiß gewünscht wäre» wir haben keine Zeit» wir haben kein Geld. Da wir beides nicht haben. aber andererseits hunderte von Bitten um allerschnellstens Unterbringung bei uns vorliegen und täglich neue hinzukommen» nutzen wir die Gelegenheiten» die die Freunde uns bieten. Denn diese Freunde sind ja keine wahllos zusammengewürfelte Menschen» sie sind ja keine bloßen Philantropen» überall sind es ja Agudisten» und vor allem die agndlstifche Jugend» die diese Hachschorohstätten ausfindig machen» ja zum Teil selbst finanzieren. _ Das muß unsere Jugend wissen» ja das müssen unsere Hachschoristen selber wissen» denen manchmal der fürchterliche Ernst der Situation gar nicht zum Bewußtsein kommt: Cs handelt sich nicht darum» einmal ein paar Wochen aufs Land zu gehen» um bäuerliche Tätigkeit zu versuchen, eshandcltsich ganz einfach um die Schaffung treuer Existenzen» um Möglichkeiten» für die hierjeöeaberauchjeöevoraussetzung fehlt. Gewiß läßt die Höffnung im jüdischen Land als Landwirt oder Handwerker zu leben» die Zeit der Vorbereitung» die sehr schwer ist und keiner unterschätzen darf» leichter tragen. Gewiß ist es verständlich» daß unsere Jugend» die hier die Pforten der Zukunft verschlossen steht» nach den geöffneten Toren des heiligen Landes mit heißer Seele und brennendem Herzen Ausschau halt. Aber je heißer diese Sehnsucht ist und je brennender diese Liebe» desto weniger soll man sie durch demonstrierende Reden entweihen. Wir geben cs zu: unter unseren jungen Menschen Und viele» die eine magere Existenz drüben einem 'etien Dasein hier vorgezogen hätten.^ H eute ist es aber doch so» daß. es die äußeren verhältniffe sind» die diese innere Liebe.auslösen. Da sollte man sich vorb ereilen »da sollte der Freund den Freund» da sollten die einzelnen Arbeiter einer Hachschorohstätte einander wohl in dieser Liebe stärken» aber dieses demonstrierende Bekenntnis» das ganz unnötigerweise Gegnerschaften weckt» das sollte doch unsere Jugend endlich unterlassen. Sie mögen da an das Wort des deutschen Dickters denken: „Redet die Seele» redet die Seele nicht mehr." Cs sei in diesem Zusammenhang eines bemerkt: Der plan eines Lehrgutes, auf das man alle jungen Menschen gemeinsam bringen wollte» ist in den ersten chweren Tagen von ' maßgebenden Freunden des Auslandes, die nicht nur Rat, sondern auch Geld geben können» aufgegriffen worden.' viele» viele Wochen sind seitdem ins Land gegangen» dieses zentrale Lehrgut ist weiterhin ein plan» öie zahlreichen jungen Hach -- chororisten» die wir hinausgeschickt haben» sind Wirklichkeit. wie wir uns die geistige Vorbereitung auf Crez Iisroel trotz dieser Dezentralisation denken? Unsere Dalästina-Zentrale oder das Crez Iisroel-Amt un- 'erex Jugendorganisation oder beide zusammen chaffen ein A u s s p r a ch e o r g a n — es darf in technischer Hinsicht ganz primitiv sein — das sämtlichen Hachschorohstätten zugestellt wird. Jede Hach- 6. Juli 1933 schorohstätte ernennt ihren Korrespondenten. Diesesollen hier zu Wort kommen und sich über ihre Zukunftshoffnungen und Möglichkeiten aussprechen können. Hier soll unser Freund Jacob Landau, (der von unserer Palästina-Zentral e nach Crez Iisroel e n t f a n 6 t i |i u n ö m i t a nderen Freu n den bereits die Leitung in Palästina hat und d i e n a ch dort G eh e n d e n auffängt, und i h n e n das Rückgrat festigt») über unser Crez Iisroel berichten. Hier soll ein geistiges Band geschaffen werden» das diese Hachschororisten zusammenbinöet und bie gemeinschaftliche» einheitliche Grundhaltung schafft. 2lbec wir wiederholen es» mag man uns darum. auch steinigen» und mag uns deshalb manch schwankender Csräer verloren gehen: Wie wichtig auch die geistige Vorbereitung aufs Ziel» aus drüben ist» wichtiger ist die pflichteifrige» in täglicher Bewährung sich bekundende physische Vorbereitung und die allgemein jüdische Vorb e r e i t u n g : „das Lernen", daß unsere Menschen» einerlei ob sie hinübergehen oder hier bleiben, den richtigen Typ des „Talmudbauern" därstellen. wichtig ist sicherlich» daß die Kenntnis des Hebräischen und des Englischen innerhalb der Freizeit» die neben der Arbeit und dem Lernen bleibt» gepflegt wird. wir sind der Hoffnung» daß wenn das wtrtschaftsamt in diesem Sinne öle jetzige Arbeit fortsetzt», es nicht nur die Zustimmung der Cltern haben wird» sondern auch die 2lnerkennung derer» welchen es vor allem dienen will: die Anerkennung und die Zufriedenheit der gesetzestreuen Jugend. W. S. I. Eine Aguda-Delegation in Rumänien. 2lm 17. und 19. Siwan fand in C z e r n o w I tz. die erste große Zentralkonferenz der rumänischen Beth Jacob-Schulen» unter Vorsitz von Herrn Dr. Deutschländer statt» bei der sämtliche Schulen des Landes vertreten waren. Oradea, Cernauti» Seret Raöautz» Sadagora, Gura Humora» Banila» Wisnitz» Suczawa u. a. In organisatorischer Beziehung wurde beschlosen, einen verband der rumänischen Beth Jacob-Schulen zu gründen. Das Zentralkomitee besteht aus den Herren Rabb. Hager Wisnitz; Rabb. Landau, Sadagora; Rabb. Horowitz» Banila; Rabb. Joses Stern» Seret; Josef Bern- 'tein, Radautz. In pädagogischer Beziehung wurde beschlossen» nach dem Muster Polens» auch in Rumänien Fortbildungskurse für amtierende Lehrerinnen zu errichten» eine Wanderbibliothek zu schaffen» ferner Kurse nir schulentwachsene Mädchen zu gründen. Cinzel- 'ragen über die Gestaltung des Lehrplanes und Verbesserung der Methoden wurden in längeren separaten Verhandlungen mit , den Lehrerinnen erörtert. Die Entwicklung der Beth Jacob-Schulen muß als sehe günstig bezeichnet werden» trotzdem die meisten erst 1—2 Jahre bestehen. Richts beweist das Interesse der Bevölkerung an Beth Jacob so sehr» als daß bereits von 10 anderen Städten der Wunsch nach Enten düng einer Lehrerin geäußert wurde. 2luch in materieller Beziehung zeigt Rumänien trotz der Krise große Opferbereitschaft. In Radautz. hat der Philantrop Josef Hecht 300.000 Lei zum Ban eines eigenen Beth-Iacob-Heimes gestiftet; in Czernowitz hat ein Philantrop» der Nicht genannt sein will» der Beth Jacob-Zentrale 150.000'Lei für Propagierung der Beth Jacob-Idee zur Verfügung gestellt. In anderen Städten wurden noch größere und kleinere Beträge gespendet» so daß insgesamt 1' Million Lei während dieser Aktion gezeichnet wurden. In Czernowitz fand anläßlich der Anwesenheit s der Delegierten der „Agudas Iisroel"» Dr. Deutsch- läeder und Sch. Schönfeld, im großen prachtsaale! des jüdischen Gemeindehauses ein Massenmeeting -' statt» an dem mehrere tausend Personett teilnahmen. ' Nach Begrüßung durch die örtlichen Aguöavorstehec hielten die beiden Delegierten zroßangelegte Referate ' über die allgemeine politische Lage und über die gei-

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