Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1933)
- Date
- 1933-07-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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dev kandesoeganifalion dev Hgndos-Jisvoel in Deulfefiland, *9. Jahrgang Berlin, 6. Juni 1933 / 12. Tammus 5693 Schrrftlsrtung: Wolf S. Jacobson in Berlin. verlagspostanstall Frankfurt a. M. l Nummer 5 Ausruf für den Acren Hajtschllw der Agudas Iisroel zur Unterstützung der in den landwirtschaftlichen Ausbildungsstatten in Deutschlands Holland, Frankreich, England, Litauen, Polen, Tschechoslowakei auszubildenden jungen Agudisten, zum Aufbau eines Beth Alija in Jerusalem und Tel-Awiw und zur Unterstützung unserer Erez Iisroel-Emigranten. wer wird Zurückbleiben wollen, da es gilt, dringendste Aufgabe des Augenblicks mit dem Einsatz 'aller Rräste und aller Einsicht zu lösen und dafür Sorge zu tragen, daß auf geheiligtem Boden jüdischen Menschen die Möglichkeit gegeben wird, sich eine Existenz auf Grundlage der Thora zu gründen! Unerläßliche Voraussetzung hierfür bildet die Stärkung des Acren Hajischuw. Schon ist es uns gelungen, mit den bescheidenen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, über 100 jungen Menschen durch unsere palästinensische Arbeiterorganisation Arbeits- «ncglichkeit zu verschaffen, ein Informationsbüro in Tel-Awiw einzurichten, dessen segensreiche Tätigkeit in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits allseitige Anerkennung gefunden hat, einen jüdischen Kindergarten in Tel-Awiw zu gründen, dem mit G'ttes Hilfe bald ein weiteres Schulwerk folgen wird, welches den Bedürfnissen der westeuropäischen Orthodoxie gerecht werden wird. Die Vorbereitungen zur kollektiven Ansiedlung agudistischer Mittelstandsangehoriger sittd bereits getroffen und werden mit G'ttes Hilfe in aller Bälde realisiert werden. Jetzt wenden wir uns an jeden denkenden Freund unserer Bestrebungen mit der Bitte, irr den kommenden Wochen den Acren Hajischuw durch eine freiwillige Spende zu stärken. Jung und Alt stelle sich persönlich in den Dienst der Werbearbeit, Orts-, Iugend- und Frauengruppen werden gebeten, systematische Sammlungen vorzunehmen. Am 17. Tammus und 9. Aw möge ein jeder aus der nationalen Trauer heraus das Gelöbnis leisten, ein wenn auch noch so kleines Scherflein zur Wiedererstarkung des Thoralebens im heiligeil Lande beizutragen. Materialien, Redner und Informationen jeglicher Art bitten wir von uns anzufordern. Jetzt beweise Agudas Iisrocl, daß sie die Lösung der brennendsten Gegenwartsaufgabe gerecht zu werden vermag. Das S'chus dieser Mizwa wird der Gesamtheit beistehen. Geschäftsführender Ausschuß der Agudas Jisrocl Wien. Palästina-Centrale der Agudas Iisroel Frankfurt a. M., Schwanenstraße 12. Einzahlungen können geleistet werden: an die Palästina-Centrale der Agudas Iisroel, Frankfurt a. M., Schwanenstr. 12, Postscheck-Aonto 55900 Palästina-Schulwerk der Agudas Iisroel, Wien H, LeopoldZHaffe Iß, Postsparkasse D 115621 Palästina - Centrale der Agudas Iisroel, Zürich, Traubenstr. 1, Postscheck-Aonto VW 12017 Bankhaus S. Iaphct u. Co. Ltd., London C. C. 2, 60 London wall für Palästina-Tentrale der Agudas Iisroel. Bekanntmachung. Auf vielfache Anfragen teilen wir mit, daß wir der Organisation „Schwaß Iisroel" fernstehen, wir bedauern jede Zersplitterung orthodoxer Aräste. Die Organisation und Zentralisation einer Mittelstandssiedlung, die Einwanderung orthodoxer Areise mach Erez Iisroel und ihr Zusammenschluß gehört augenblicklich zu unsren vornehmsten Arbeitsagenden. Es werden voraussichtlich noch im Laufe der nächsten Wochen Vertreter des Mittelstandes zur Information über die bis jetzt bereits bearbeiteten Projekte nach Erez Iisroel reisen, wir ersuchen Interessenten, sich dieserhalb mit uns ins Benehmen zu setzen. Palästina-Zentrale der Agudas Iisroel Frankfurt am Main, Hanauerlandstr. 15. Zur Lage. Die Feststellung, die wir in der letzten Hummer der „Blätter" machen mussten, daß die deutsche Iudenheit, die Schwere der ihr auferlegten Situation wohl mit innerer würde trage, daß sie aber dennoch noch nicht zurückgefunden habe zu den wahren Quellen jüdischer Kraft, daß sie viele Wege suche, die aus der schlimmsten Rot, der tiefsten seelischen Bedrnkkung hinausführen, aber den einen weg noch nicht gefunden habe, den weg bedingungslos z u r ü ck z u G ' t t , — diese Feststellung muß leider erneut in noch stärkerem Maße getroffen werden, wenn wir Rückschau halten auf das Geschehen der letzten Wochen. Sehr richtig hat der Vorsitzende unserer Jugendorganisation, D'r. Kalman Kahan, in seinem in den Iugendblättern erschienenen Aufsatz „Umstellung oder Umkehr" diese Gegenwartslage beleuchtet. Uicht Umstellung, sondern Umkehr, Umkehr, wie sic das alte ewig junge Wort nuirrm so eindeutig und doch so vielseitig kennzeichnet. Die deutsche Iudenheit, die in ihrer Arbeitsfähigkeit, in ihrer Selbstsicherbeit, welche auf die Unverletzbarkeit der wohl erworbenen Rechte pochte, so sehr erschüttert worden ist, sucht viele Wege und prüft viele Möglichkeiten, die sie aus der über sie gckommencn n°is binausführen können. An der Kraft des Gedankens: mxn '218 iöj?- an dieser stärksten aller Kräfte, an ihr gehen die Sprecher, achtlos oder gar mit Bedacht,-schweigend vorüber, wir hören es oft — jeder Standpunkt beleuchtet die Lage zwar verschieden: die deutsche Inden,heit hat den weg zu s i ch zurückgesnnden; daß sie den weg zu dem sie allein gestaltenden G' t t, zu der sie allein widerstandsfähig machenden Lehre, daß sie den weg dahin zurückgefunden habe, davon schweigt man geflissentlich. Zu sportlicher Betätigung ruft man unsere Jugend auf, zu pbilantropischcr Leistung mahnt alles, was ein jüdisches Herz im Innern hat, von der Rückkehr Prominenter, die einst unsere Gemeinden verließen, berichtet man mit Stolz und Genugtuung, das nationaljüöische Lager weist auf stolze Ziffern, die Zeugnis des Wachsens und Erwachens weiter Kreise sein sollen, mit Befriedigung hin, aber über die Wurzel des U e b e l s schweigt man sich aus: v i e l e w e g e f ü h r e n n a ch Rom, e i n einziger fuhrt nach Jerusalem, das ist dieser weg zur Rückkehr zu G'tt und seinem Gesetz! wo sind die Männer, die dem Todesengel sein Geheimnis abgelauscht haben, die da wissen, daß nur dem heiligen, jüdischen Alter entnommenes Räucherwerk, die furchtbare Gefahr des Auflösens, des Absterbens bannen kann, die da wissen, und wissen sn n d p f l i ch t g e m ä ß bandeln! wo sind die Männer, die da wissen und dem wissen gemäß bandeln, daß nicht organisatorisches Gehaben und Gebaren dem Hebel abbelfen, sondern nur die Zurückhaltung zu reinem, unverfälschtem, totalem Iudentuin, die da wissen und es aussprechen, daß nicht Geschäftigkeit uns die Rettung bringen kann, sondern nur allein die Wieöerknüpfung der Seelen an das große Geheimnis unserer Kraft: an Lehre und Gesetz! Die deutsche Iudenheit kann nur am jüdischen Wesen genesen und dieses jüdische Wesen kennt keine zeitgemäße Umstellung, sondern nur die überzeitliche, ohne Scheu und Hemmung vollzogene Rückkehr. wir Agudisten verfügen nicht über große Mittel, nicht über eine in alle Häuser gelangende, in allen Farben schillernde Presse, nicht über ein Riesenheer von Menschen, wir verfügen aber über eines, wir sollten über eines verfügen können: Jüdische Hingebung, geworden und gewachsen auf dem Altar des Judentums, das sollte uns zu eigen sein und mit dieser Kraft gerüstet sollten wir die Rot, die von Draußen kommt und die Fremdheit, die IN so vielen Herzen ist, überwinden können: •wi nmo bv non 'kehim rru' Seit Jahrzehnten haben in unserein Kreise fremde Parolen Geltung bekommen, diese sind zu unserem Unglück geworden, hätten wir uns rechtzeitig gegen sie zu wappnen gewußt, rechtzeitig auf die Stimmen gehört, die wieder und wieder warnten, daß wir nns^ nicht mit fremden Federn schmücken, in fremden Bezirken nicht mit Gewalt heimisch machen sollen, man hätte uns besser, innerlicher vorbereitet der neuen Lage gegenüber gesunden, wir hörten nicht und weil wir nicht hörten, müssen wir nun fühlen, wir fühlen es alle, wenn aber nun über uns der ^>j?a geschwungen wird, dann wenigstens dann, in zwölfter Stunde, sollten wir zurückfinden. Um unserer Selbst und um der gesamten deutschen Indenheit willen, haben wir das Bekenntnis zur Rückkehr abzulegeu: M ö g e n die and e r n , die Fortgeschrittenen, die weggeschritteueu, a u f u n s h e r 6 b s ch 6 u e n , in diesen schweren Stunden muß uns alle das heilige Bewußtsein durchdringen und neu stärken; das deutsche Judentum wird orthodox sein, oder e s w i r d nicht sein. Spannen wir alle Kraft an: „der Eine unlcrstütze den Nächsten und rufe cs dein Bruder zu: Sei stark", spannen wir alle Kraft an, daß es sei u n d b l e i b e. w. S. J. Das Mrtschafksamt der deutschen Agudas Iisroel. Es widerstrebt uns, mit großen Worten über Bestrebungen und Tätigkeit des Wirtschaftsamtes der deutschen Agudas Iisroel zu berichten. Denn in heutiger Zeit erscheint uns . das immer wahre Wort doppelt wahr, daß „Segen nur aus den Dingen ruht, die dem Auge verborgen sind" und sich nicht der weiten Öffentlichkeit durch mündliche oder schriftliche Propagairda darbietem Besondere Verhältnisse zwingen uns aber, von diesem Standpunkt, den wir für alte agudistische 'Arbeit als richtig erachten, abzugeben. Die einen glauben, es geschieht nicht s. Die anderen meinen wiederum, das Wirtschaftsamt kann jeder an cs ergehenden 'Anforderung sofort entsprechen. Diesen ist das wirtschaftsamt die schönste agudistischestc Leistung, die je vollbracht wurde, jenen erscheint cs als planloser Wirrwarr nebeneinander oder gar gegeneinander wirkender Kräfte. Zunächst mag festgestellt werden: Wir haben das Wirtschaftsamt gegründet für die zahlreichen jungen Leute, denen durch die Umgestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland keine Eristenzmöglichkeit mehr gegeben ist: Sie dort, wo sich Freundeshand hilfreich und entgegenkommend bietet, auf neue Berufe vorzubcreiteu, vorhandene Möglichkeiten anszubaucn und neue Möglichkeiten zu schaffen, das ist die Aufgabe unseres Wirtschaftsamtes. Die Jugend, welcher wir vor allem dienen wollen, sie selber ist sich vielleicht der Dringlichkeit der Dinge gar nicht genügend bewußt. Um so mehr aber sind es die Eltern. Wir möchten hier aus dem Brief eines bochaugesehenen deutschen Juden an uns vom 8. Inn! 33