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Der Israelit · 1933-07-06 · Heft 27 (6.7.1933) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 27 (6.7.1933)
Date
1933-07-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 27 Der Israeli! i F,;>;■ U «■ i-V. i fr t ' >:• ,;,y?! U 6. Juli 1933 Gleich nach dem Hawöawhgebete zu Hause^ und nachdem er sich ein wenig gelabt hatte, sammelten sich die Kinder und Enkel. Auf dem Bette sitzend, segnete er jedes der Kinder und Enkelkinder: „Was habt ihr bereits für die^uckob gerichtet?" fragte er. Und indem die Kinder mit dem Auspacken der Ketten und Körbchen begannen, lies; er sich den Talmudband „Gucka" reichen und legte ihn auf das Gestell vor seinem Bette, auf dem eben noch der Band „Ioma" gelegen hatte. In den vier Tagen bis zuin Sukkothfeste schien der Rabbi wie verjüngt. Reue Kräfte waren ihm aus geheimen Duellen zugeflossen. Er jubelte und tänzelte wie ein Jüngling mit dem Lulaw in der Hand, ^ein Bett, das er auch tagsüber zumeist hüten mutzte, stand in der Sukkoh. Dorthin strömten die Wünschen nacheinander, um dem Rabbi „Gut Iomtow" zu wünschen. Es fiel auf, datz Rabbi Mosche, sonst jn seinem Vortrage alles vermeidend, was jenseits der o f f c - n e n Lehre lag, an diesen Festtagen mit Vorliebe von überirdischen Dingen sprach. Ein Hauch der Ewigkeit lag in der Hütte des Rabbi. Er sprach von den „Höheren Uschpisin", den himmlischen Gästen im Zusammenhang mit den von ihnen verkörperten „sieben Sphären", von V l a in h a b b a und A u fe r st e h u n g , von den letzten Kämpfen des „Gog megog" und der Erlösung durch M o s ch i a ch , von L i w j a t h a n und der D a v i d s h ü t t e, vom Lichte des Ganeden hinter dem'Düster des vergehenden Tages . . . Und an frühere Gchüler, die, jetzt selber Männer und Führer von Rainen, aus ihren Wirkungsstätten zu ihm gekommen waren, gewendet: „Elijabu, der scheidende Prophet, spricht zu seinen! Jünger Elischa: G i e h st du, wie ich von dir scheide, dann möge sich meines Geistes ein Doppelmatz auf dich übertragen. Es ist wichtig, datz der Jünger mjs klaren, offenen 'Augen zum Lehrer hinaufsteht, wenn dieser scheidet . . . Mir war c8 nicht beschieden . . ." Ganz unvermittelt kam das heraus, ohne Zusammenhang mit dem vorangegangenen Gespräche. Rabbi Daniel prosnitz's Wangen rannen dicke Tränen hinab. Rabbi Abraham Schmuel, der älteste Sohn, bückte sich, um den Schemel unter den Füßen des Vaters znrcchtzurücken, vielleicht auch nur, um das tränenumflorte Auge zu verbergen. Rabbi Mosche legte beide Hände auf das Haupt seines Aeltesten. „Und Elischa sah den Meister scheiden," lehrte er mit schwacher, aber klarer Stimme weiter, „und er rief: „Vater, Vater, Wagen Israels und fein Vorreiter . . ." „Vater, Vater!" sah der Sohn zum Vater hinauf, als sähe ec ihn schon entschweben. „Was soll das mit dem Wagen und Reiter?" fragte der Rabbi ganz sachlich wie im Lehrhause, um gleich selbst zu antworten: „Der Vorreiter führt, der Wagen w i r d geführt und gezogen. Jeder Lehrer in Israel ist Wagen u n d Vorreiter zugleich, Führer und G e - führte r. Was ich, Kinder, euch gelehrt, habe ich selbst gelernt, bei Rabbi Rosson in Frankfurt. Und er selbst, der Heilige, war geführt von Früheren und noch Größeren. Wo sich Lehrer nur als vorroiter dünkten und eigene neue Wege gingen und führten, da brachten sie Unheil über Israel ..." 'Alle wußten sie, wo der Rabbi hinaus wollte und alle schwiegen sic. Aller Augen hingen gebannt an den Lippen des Rabbi, aller Ohren lauschten gespannt aus die tiefen Worte, die ein Vater an seinen Sohn richtete und für sie alle bestimmt waren. „Wagen u n d Reiter," nahm Rabbi Mosche noch einmal das Bild auf. „Ich wählte für mein Werk den Ramen „ E h a t a m Sofer." Soll aber nicht heißen: A b s ch l u ß , den gibt es in unserer heiligen Lehre nicht. Du, mein Sohn, wirst das Wort, wenn mein R'lund verstummt ist, aufnehmen und weiter verkünden, du wirst die Feder, wenn sie meiner Hand entglitten ist, wieder aufheben, und von neuem schreiben, wirst ein „K e t a w Sofer" sein. Und ihr alle, meine Söhne, und meine Schüler..." (Fortsetzung folgt.) Der Engel, der Amen sagen muß. Zum 60. Geburtstag Dr. 21t. Aschers. Von B. Lohen in IriedrjchstM. (Angesichts des Todes. — Hungert nicht auch die Seele? Von Dr. M. Ascher, Bex-les-Bains. Kl. 4° 67, Verlag Hermon, Frankfurt a. M., Preis Mk. 2.50.) Wird bekannt im Finstern dein Wunder, deine Gerechtigkeit im Lande der Verlassenheit? (Ps. 88, 12). Es hat die Erziehungsarbeit eines ganzen Menschenlebens gekostet, bis dem Zeitalter nach der Reform die Erkenntnis aufging, daß die Betrachtung des Todes und der menschlichen Hinfälligkeit keinerlei religiös schöpferischen Wert besitzt, und daß, wie der Meister es ausspricht, der Tod unrein macht, weil er an Unfreiheit erinnert, — kurz, daß G'tt der G'tt des Lebens ist. Aber diese ganze Reinigungsarbeit galt dem falschen und gesühlsberauschten Toten- und Todeskult jenes Zeitalters. Eine Seele, von der dieser Schutt geräumt ist, — nur eine solche Seele wird imstande sein, dem „letzten Tage entgegenzulächeln", das Gerippe-Schreckbild des Todes als Phantom zu erkennen und den Todesengel als einen Freund sich nahe zu wähnen, der das Leben mit den Maßen der Ewigkeit messen lehrt: — „nicht als Schrecken dem Weisen und nicht als Ende dem Frommen." Doktor Ascher in Bex ist ein solcher, dem gerade durch die Reinheitssymbole der Thora die Gewalt gegeben ist. selbst den Todesengel nicht mehr von seiner Seite zu lassen, bis er ihn gesegnet hat. Zu sovielem Segen, den uns Ascher schon aus seinen tiefen Blicken ins Leben und feine Gesetze gespendet, tritt nun in der neuesten Schrift der Segen des Hinausblickes über das Leben. Sehen wir auf die Gewalt des Wortes und auf das Iugendfeuer der Begeisterung für die Ideale der Thora und Menschenliebe, wie sie dieses Buch durchatmst, so will es. uns kaum glaubhaft scheinen, daß dies ein Mann geschrieben hat, dem schon die Jahrhundertwende g'ttbegeisterte Aufrufe zu tätigem Judentum verdankte. Kein Anlaß zu Todesgedanken ist hier weniger bemerkbar als irgendwelche unschöpserische Resignation. Aus'mittäglicher Höhe des Schaffens und Denkens steht der Geist, der diese ernsten Warte schrieb, und taghell wirklichkeitsnahe ist der Blick, mit dem hier durch die Welt und durch die Menschen hindurch gesehen wird. Die traurigen Tatsachen der völlig verfahrenen Weltwirtschaft von heute werden mit gleicher Ehrfurcht wie die erhabensten Aeußcrungen der Renaissancekunst zu Anlässen erschütterndster Selbstbesinnung gemacht. Das Buch ist in einem friedlichen Lande und in einem an innerem Frieden reichen Lebensalter geschrieben. Dennoch weiß es sogar uns, die wir im Lande stürmischster Krise und Befehdung leben, den Sinn unseres Leides erlösend, aber zunächst aufwühlend zu deuten. Wir müssen gestehen, daß viele von uns nicht nur nicht auf der Stufe derer stehen, für deren Weg zu G'tt eine „Erweckung von oben", — ein Wort der gütlichen Lehre^ als Wegweiser genügt, sondern nicht einmal auf der Stufe derer, die durch erschreckende Schicksale richtig zu G'tt gelenkt werden, sondern wir bedürfen des Propheten, der uns noch g'ttlichem Maße das Erlebte und Erlittene deutet. Und solche Deutung schenkt uns Ascher, schenkt uns der Todesengel, der als holde Taubengestalt ihm auf der Schulter hockt und auf die schreibende Hand sieht. Kein Anflug einer Sehnsucht nach vergangenen Zeiten, jenes von Koheleth als unrveise verspotteten Sehnens, durchzieht diese Schrift. Die erdrückende Fülle und Hast heutigen Erlebens, wenn richtig erlebt, wird dem Verfasser zum Quell des Segens, zum beflügelten Schritte des nahenden Messias. Als Zukunftsideale, nicht als Vergangenheitsidylle, werden hier die Armenfürwrgeoorschriften (Leket usw.) der Thora postuliert. Auch die Rückkehr zum ländlichen Berufe erscheint hier ohne falsche Romantik einfach als Konsequenz des heutigen Wirtschaftschaos, — und dennoch als Grundelement des Thora-Lebens gefordert. Man mag wohl für den Moment zweifeln, ob 'der gegenwärtige Palästina- Aufbau dauernd, d. h. länger als ein Menschenalter dazu taugen wird, unser Volk zur verländlichen, oder ob nicht schon jetzt Vorzeichen dafür erkennbar sind, daß auch dort der Zug in die Stadt oder in die Stadtnachahmung den zu Wohlstand gekommenen Siedler (auch den zu einer Kewuza Gehörigen), zu ergreifen pflegt. Aber wenn nur recht viele überzeugte, bewußte und treue Gesetzesbefolger Aschers Palästinasiedlungsideen lesen und zu den ihrigen machen, dann ist vielleicht zu hoffen, daß in einem bescheidenen Winkel des heiligen Landes dasjenige Gemeinwesen heranwächst, welches G'ttes Heilesplan auch in der Menschheit heranreifen läßt. Es wird wohl, wenn wir gründlich europamüden westlichen Gesetzestreuen dorthin flüchten sollen, nicht nur auf strikteste Einhaltung der ganzen Thoragesetzlichkeit in allen Lebensäußerungen des Gemeinwesens und seiner Glieder, sondern ebensosehr darauf ankommen, daß es Aschers Warnrufe gegen Rekordsucht und „Aufschwung" befolgt und die Intelligenz seiner Siedler fast ganz in den Dienst der Ewigkeitswerte stellt. Denn nur so wird es dem Völkergetriebe gegenüber Distanz halten können, in welchem Gewalt vor Recht geht. Hier scheint nun die Brücke auch zu denjenigen unserer Brüder (und unserer Feinde) geschlagen, welchen bei der Anerkennung des jüdischen Nationalprinzips um ihr reines Menschheitsideal bangt. Man müßte Aschers I Schrift Allen diesen in die Hände geben, — besonders aber den beiden irrenden Parteien, von denen die eine glaubt, ein jüdisches Gemeinwesen könne bei getreuem Nachahmen westlicher Gewaltstaatsverfassung mit religiösen Kautelen (und romantischen Erinnerungen) etwas wirklich Jüdisches, dem Propheten-Jdeale Entsprechendes, — ja auch nur eine Zuflucht überzeugter Juden werden, — und die andere alles mit den Doktrinen der modernen Sozialisten zu heilen wähnt, die dem produzierenden Dasein auch wenig Sinn und Regelung geben konnten. Die irdischen Dinge in himmlisches Licht gestellt, — die täglichen Wünsche vor den Richterstuhl der Ewigkeit gebracht, — das erfordert eine ebenso erhabene wie ungeschmückte, — eine ebenso politisch wie religiös eindeutige Sprache, und diese Sprache weiß Ascher ganz fortreißend zu meistern, — so daß die Andacht des Lesenden noch lange nach dem Durchlesen nicht verklingt. Die Ausstattung ist schlicht und würdig. Die Umschlagszeichnung erinnert an das talmudifche Wort: „Das Buch und das Schwert kamen verbunden miteinander vom Himmel herab." Aber die Thora erscheint hier geöffnet und der Tod nur mit Namen genannt. Mögen recht Viele das Buch lesen und das Leben gewinnen. (jüdische LikecAur.) Unter dem Titel „Jiddische Literatur" erscheint in Warschau ein Monatsjournal für jüdische Literatur, Wissenschaft usw. Die erste Nummer enthält Aufsätze aus dem Nachlasse von S. R. Hirsch, Dr. David Hoffmann, Dr. M. Lehmann wie Beiträge von zeitgenössischen Autoren aus allen Gebieten des jüdischen Wissens, Denkens und Glaubens. Die Monatsschrift, ein Novum in der jüdischen Literatur, ist bei der Redaktion. Warschau, Nalewki 9/6, zu beziehen. Familiennachrichken. Geburten: Einen Sohn, Kantor W. Brünn und Frau Babette geb. Schenkolewski, Schlüchtern. Barmizwoh: Erich, Sohn des Herrn M. Pfeuffer, Giebelstadt, ow'v -v. - Josef, Sohn des Herrn Eugen Levy, Ladenburg, pi>a 's. Die Produkte der Opekta-Gesellschaft mbH. Köln-Riehl (in flüssi-ger Form) werden vom Rabbinate der Synagogengemeinde „Adaß Jeschurun" in Köln als rituell durchaus zuverlässig empfohlen. Damit sich alle von der Güte der Opekta-Rezepte überzeugen, ist die Firma gern bereit, jedem, der ihr seine Adresse mitteilt, einige Normalflcrschen Opekta u n berechnet zuzusenden. Einige Rezepte seien hier wiedergegeben: Marmeladen und Gelees in 10 Minuten. Eine willkommene Ueberraschung bringt allen Hausfrauen die soeben erschienene Ausgabe 1933 des Opekta- Kochbuches (in Drogerien und Kolonialwarengeschästen zum Preise von 20 Pfg. zu erhalten). Dieses Büchlein, das innerhalb 3% Jahren eine Gesamtauflage von mehr als 3 Millionen Stück erreicht hat, ist in diesem Jahre durch seinen reichen Bilderschmuck besonders anziehend und lehrreich gestaltet. Jn Wort und Bild zeigt es, wie einfach und mühelos aus jeder beliebigen Frucht in der erstaunlich kurzen Kochzeit von 10 Minuten mit Sicherheit eine wohlschmeckende Marmelade oder ein köstliches Gelee bereitet werden kann. Wieviel Arbeit, Zeit und Geld mußte früher nutzlos aufgewandt werden! Durch tundenlanges Kochen gingen Nährwert und Aroma der Früchte unnötig verloren. Das Buch hilft jeder Hausfrau, sparsamer und gesunder als bisher, Marmeladen und Gelees bereiten. A r o sa. Haben Sie schon von diesem Sommerparadies gehört? 1800 Meter hoch in den Schweizer Bergen gelegen, in 14 Stunden von Frankfurt, in 9 Stunden von Stuttgart oder München aus erreichbar, bildet Arosa das Ideal für den Ferienreisenden. Herrliche Bergtouren, ein natürliches Berg-Strandbad, Tennissport und die berühmte Aroser Sonne sichern dem vom Alltagsleben ei müdeten Menschen gute Erholung und genußreiche Ferien. Im behaglichen, jüdischen Milieu des mit allem neuzeitlichem Komfort ausgestatteten Hotel Metro pol (Bes. B. Levin) fühlt man sich wohl geborgen. Sei es bei der Sonnenkur auf den Valkonen mit der wundervollen Aussicht, bei gemütlicher Gesellschaft mden vornehmen Aufenthaltsräumen, oder ' bei den exquisiten Mahlzeiten, überall hat man das Bewußtsein, daß man in diesem Hause bestrebt ist, den verwöhntesten Ansprüchen gerecht zu werden. vom 8.—15. Juli 1933 ' vom 14.—21. Tam. 5693 ’av tp Samstag 8 14 nma’ 5? ", m pas pVa Sonmag 9 15 Montag Juli 10 nar 16 n? Dienstag 11 17 V nana iw nsav Mittwoch 12 18 r? Donnerstag 13 19 n? Freitag 14 20 Dp Samstag 15 21 onrs [iHMir-ar

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