Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 27 (6.7.1933)
- Date
- 1933-07-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 27 Seite 5 6. Juli 1933 Rormpoiiüenren * Nachrichten Deutsches Reich. Schwuß Jisroel. Frankfurt a. M., 3. Juli. Vom „Schwuß Jisroel" wird uns geschrieben: Alle Mitglieder und Interessenten, die sich dem Verein Schwuß Jisroel anschlietzen, werden gebeten, bis spätestens 25. Juli genaue Angaben darüber einzusenden, welchen Beruf sie bisher gehabt haben und welche landwirtschaftlichen oder handwerklichen Kenntnisse bezw. die einzelnen Familienmitglieder auszuweisen haben. Weiterhin sind Mitteilungen über Anzahl, Geschlecht und Alter der Kinder sowie deren Ausbildung erforderlich. Ferner find bis zu diesem Datum die Bestätigungen der zuständigen Rabbiner oder Lehrer über die religiöse Führung beizubringen, aus denen sich die Garantien für eine gesetzestreue Führung in den Kolonien des Schwuß Jisroel ergeben. Außerdem werden Angaben darüber verlangt, welche Beträge die Interessenten des Mittelstandes bis Oktober und welche weiteren Beträge bis Dezember ds. Js. zur Verfügung für ihre Ueberfiedlung mach Erez Jisroel haben. (Adresse: R.-A. Martin Katz, Stiftstrahe 33.) (Siehe hierzu die Erklärung der „Palästina-Zentrale" in den „Blättern". Red.). Deutsche Arbeitsfront als Fundament der künftigen Volksgemeinschaft. Frankfurt a. M., 3. Juli. Wie der „Frankfurter Zeitung" aus Dresden gemeldet wird> entwickelte der sächsische Leiter der Deutschen Arbeitsfront,. Reichstagsabgeordneter Stiehler-Chemnitz auf einer Riesenkundgebung der Dresdener nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation vor mehr als 70.000 Zuhörern das Programm des Aufüaus der Deutschen Arbeitsfront. Hiernach solle die Arbeitsfront das Fundament der künftigen Volksgemeinschaft bilden. Je-, der schaffende Deutsche gehöre ihr kraft Gesetzes als Arbeiter, Angestellter oder Beamter an, so daß die Arbetsfront die drei Säulen der Arbeiter, Angestellten und Beamten umfasse. Mit der Mitgliedschaft verbunden sei das Staatsbürgerrecht. F r e m d r a f f i g e können der Arbeitsfront nicht angehören und -werden also kein Staatsbürgerrecht (?) und damit auch kein Wahlrecht besitzen. Sie dürften auch keine öffentlichen Aemter bekleiden. Reichsbürgerrecht auf Rassengrundlage angekündigt. Berlin, 3. Juli. Der Staatssekretär im Reichsministerium des Innern, Dr. Pfundtner, kündigte in einem in der Verwaltungsakademie gehaltenen Vortrag über „Die neue Stellung des Reiches" eine Neuregelung des Bürgerrechtes in Deutschland auf Grund des Massenprinz ipes an. Er erläuterte Sinn und Zweck von Gleichschaltungsgesetz, Reichsstatthaltergesetz und Gesetz zur Wiederherstellung des ' Berufsbeamtenlums und erklärte, nicht nur bei dsr Bildung der deutschen Jugend werde die Rassenlehre eine erste Rolle spielen, sondern auch in der kommenden Gesetzgebung.Em neues Reichsangehörigkeitsgesetz werde nicht nur an die Stelle der deutschen Staatsangehörigkeit treten, sondern auch innerhalb der Reichsangehörigkeit Unterscheidungen zu treffen haben, je nachdem der Reichsangehörige deutschen oder fremden Blutes ist. Das Reichsvolk des neuen Staates werden nur die Reichsdeutschen bilden können. Die ältere Generation möge durch geeignete Uebergangsbestimmungen von Härten verschont bleiben, wenn dies mit der Wahrung der Grundsätze vereinbar erscheine. Die Notwendigkeit gesetzlicher Ordnung und Sicherung eines wertbetonten Reichsbürgerbegriffs zeige schon der Täuschungsversuch, der z. B. in der Bezeichnung „deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" liege. jverfailler Vertrag und Diskriminierung der Juden. Berlin, 2. Juli. Bei der großen Kundgebung gegen den Friedensvertrag von Versailles, die vom Arbeitsausschuß deutscher Die Woche. ■ Frankfurt a. Al. Wie die „Frankfurter Zei- '''^tung" meldet, ist der Centralverein deutscher ' Staatsbürger jüdischen Glaubens im Lande Thüringen durch Verfügung des thüringischen Ministeriums des Innern auf Grund von 8 Id er Verordnung des Reichspräsidenten zürn Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar --1933 verboten und aufgelöst worden. Berlin. Vom Vorstand des Verbandes p r io ater Krankenkassenversiche- 5 r u n g e n wurde auf einem Empfang erklärt, - daß auch in der privaten Krankenversicherung die Einschränkung der Tätigkeit- 'nichtarischer Aerzte vorgesehen sei. — Der Reichsoerband deutscher Hausfrauenvereine erläßt ein Rundschreiben, wonach Jüdinnen in Vorständen und Ausschüssen, unter dankbarer Anerkennung der bisher geleisteten verdienstvollen Arbeit,' zum Rücktritte zu veranlassen sind. .Jüdische Mitglieder dürfen nicht mehr ausgenommen werden. Breslau. Auf die Synagoge zu H i nd e n b u r g ist in der Nacht zum 26. Juni ein Anschlag verübt worden, durch den die Sy-! nagoge, die jüdische Schule und auch einige Privatwohnungen der Nachbarschaft beschädigt wurden. Als Schuldige wurden ein paar junge Burschen verhaftet, die scheinbar im angetrunkenen Zustande ihre Untat verübten. Die Kreisleitung der NSDAP., der die Tä- , * ter angehören, hat dem Vorstand der Gemeinde i; ihr Bedauern ausgesprochen und vollen Schadenersatz angeboten. Allenstein. Nach dem J „Allensteiner Volksblatt" soll der jüdische Kaufmann Max Levy am 20. Juni einen oorbei- - marschierenden S. A.-Trupp beschimpft und, als er zur Rede gestellt wurde, auch auf einen Führer eingeschlagen haben. Hierauf wurden . Levy und ein anderer Jude namens Rosenthal so schwer verletzt, daß beide ins Krankenhaus verbracht werden mußten., Würzburg. Um die deutschen Studenten von den nichtdeutschen zu unterscheiden, hat die.Deutsche Studentenschaft die Ausweiskarte der deutschen Studenten mit einem Stempel versehen: „Mit- - glied der Deutschen Studentenschaft". Die Geschäftsleute und Unternehmer werden ersucht, solchen Studenten, deren Karte den Stempel nicht aufweist, jede Vergünstigung zu versagen. Tilsit. In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde ein Dringlichkeitsantrag angenommen, dem deutfchnationalen Rechtsanwalt und Notar Dr. Jacoby keine städtischen Rechtsausträge mehr zu erteilen, weil er dadurch, daß er in einer Anwaltsversammlung das gegen einen jüdischen Rechtsanwalt erlassene Bertretungsverbot bedauerte, seine Judenfreundlichkeit zu erkennen gegeben habe. Wien. Nach einer von der Telegraphen-Union in Deutschland verbreiteten Nachricht, hätten eine Anzahl österreichischer Juden, die als lästige Ausländer aus Deutschland ausgewiesen wurden, in den letzten Tagen die deutsch-österreichische Grenze passiert. Lemberg. Im Kreis Stryj dauern die von ■ ausländischen Agitatoren geschürten antisemitischen Unruhen unter der ukraini-! schen Bauernbevölkerung an. In den letzten Tagen sind wieder Uebersätte auf Juden in ukrainischen Dörfern verübt worden. Im Zu- - . sammenhang mit diesen Ausschreitungen wurden 28 Bauern verhaftet. — In letzter Zeit mehren sich die Nachrichten über Angriffe gegen Juden in ukrainischen Dörfern. Besonders häufig ist es im Städtchen S a s ° s o w zu antijüdischen Ausschreitungen gekommen. In einem Dorfe haben Ukrainer die Fensterscheiben der jüdischen Häuser zertrümmert. Czernowih. Der Prozeß gegen die Gendarmen, die Anfang Mai 1932 in Jedinetz :i (Beßraabien) den Sekretär der dortigen zion nistischen Ortsgruppe Samson Braunstein in unmenschlicher Weise mißhandelt hatten, wurde vom Czernowitzer Appellationsgericht wegen Abwesenheit von zwei Hauptangeklagten auf den 4. Oktober vertagt. Es ist dies -• bereits die sechste Vertagung der ursprünglich für Juni 1932 festgesetzten Verhandlung. Paris. Die 12. Pariser Strafkammer hat den bekannten Parfümfabrikanten C o t y wegen Beleidigung der jüdischen Kriegsveteranen zu einer Geldstrafe von 100 Francs und Veröffentlichung des Urteils in sechs Pariser Tageszeitungen verurteilt. — Im Rathause des XI. Pariser Stadtbezirkes fand unter Beteiligung vieler Abgeordneter und Deputationen die feierliche Uebergabeeiner Fahne an die o st j ü d i s ch e n ' ’ Kriegsfreiwi I I igen des Weltkrieges statt. Verbände am 28. Juni, dem Tag der Unterzeichnung des -Versailler Vertrages, im Reichstagssitzungssaal der Kroll- Oper zu Berlin veranstaltet wurde, hielt der Leiter des Außenpolitischen Amtes der NSDAP., Alfred Nosenberg, eine große Rede, in der er auch auf die Regelung der Judenfrage in Deutschland zu sprechen kam und den Standpunkt vertrat, daß von einer Diskriminierung der Juden in Deutschland nicht die Rede sein könne. Er führte in diesem Zusammenhang, dem Bericht des „Völkischen Beobachters" zufolge, aus: Man spricht bei der Regelung der Judenfrage in Deutschland, es fei barbarisch, ein ganzes Volk zu diskriminieren. Wir haben hier festzustellen, daß die deutsche Regierung die größten Bemühungen gemacht hat, um den unhaltbaren Zustand, der seit 14 Jahren bestand, in ritterlichster und gesetzmäßiger Weise zu ändern. Wir glauben, daß jeder unvoreingenommene, ausländische Beobachter es als unmöglich begreifen wird, daß von allen Anwälten der Reichshauptstadt 74 Prozent Juden waren, wenn die Krankenanstalten zu 80—90 Proz. jüdische Aerzte hatten. Das ist ein Zustand, der nicht herbeigesührt worden ist durch eine besondere Leistung der betreffenden Anwälte und Aerzte, sondern ein bestimmtes System suchte sich nur jüdische Aerzte und Anwälte aus. Es war deshalb notwendig, hier Wandel zu schaffen, damit unser junger deutscher Nachwuchs, der Jahre vorher gehungert und gebettelt hat, nunmehr auch zu Arbeit und Brot kommt. Wir haben nicht ein ganzes Volk diskriminiert, sondern nur Gerechtigkeit und Parität hergestellt. Es handelt sich hier nicht um eine sogenannte Judenverfolgung, sondern nur um Gerechtigkeit der deutschen Nation gegenüber. Wir bestreiten jedem das Recht, uns den Vorwurf der Diskrminerung der Juden zu machen, solange eine Entmündigung des großen deutschen Volkes durch den Versailler Unfriedensvertrag geduldet über gar verteidigt wird. Das neue deutsche Beamtengcsetz. Verlin, 5. Juli. Die Reichsregierung hat im Reichsgesetzblatt vom 1. Juli ein Gesetz publiziert, durch das Re bisherigen Bestimmungen des Reichsbeamtenrechts dahin abgeändert werden, daß in Zukunft Personen nichtarischer Abstammung nicht zu Beamten des Reichs, der Länder, der Gemeinden, Gemeinüeverbände, sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts berufen werden. Entsprechendes wird für die Reichsbahn, die Reichsbank und die öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften noch bestimmt werden. Außerdem dürfen Personen, die mit Frauen oder Männern nichtarischer Abstammung verheiratet sind, nicht zu Beamten berufen werden. Beamte arischer Abstammung, die mit einer Person nichtarischer Abstamunung die Ehe eingehen, sind künftig zu entlassen. Juden scheiden aus ihren Aemtern. Berlin, 5. Juli. : Eine soeben veröffentlichte neue Liste von Notaren, die in Berlin auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums entlassen wurden, enthält die Namen von 62 bisherigen jüdischen oder dem Judentum entstammenden Notaren. Unter, den Enllassenen befindet sich auch Justizrat Dr. Julius Brodnitz, der erste Vorsitzende des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Der preußische Unterrichtsminister R u st hat den Geheimen Regierungsrat Dr. Max I. Friedländer von der Leitung der Direktion der Gemäldegalerie im Kaiser Friedrich - Museum entbunden. Regierungsrat Friedländer, eine international anerkannte Autorität auf dem Gebiet der älteren deutschen und niederländischen Malerei, war länger als ein Menschenalter der engste Mitarbeiter und Freund Wilhelm v. Bodes. Sein 1916 erschienenes Werk „Von Eyck bis Bruighel" gilt als eine der besten geschichtlichen Darstellungen der niederländischen Malerei. von der Berliner Repräsentantenversammlung. Berlin, 2. Juli. In der letzten Repräsentantenversammlung wurden unter Vorsitz von Heinrich Stern zunächst einige personelle Fragen: und kleine Subventionsangelegenheiten -erledigt. U. a.^wird mitgeteilt, daß Professor Dr. Heinrich Löwe, bisher Bibliothekar an der Berliner Universitätsbibliothek, einem Rufe als Stadtbibliothekar nach > T e l - A w i w folge und damit aus der Repräsentanten-