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Der Israelit · 1933-06-29 · Heft 26 (29.6.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 26 (29.6.1933)
Date
1933-06-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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29. Juni 1933 Der Israelit Nr. 26 Seite 5 mriß geklagt wird, hat andere Ursachen. In den Saardörfern leben die Leute außer von einem kleinen Garlenbetrieb nur von den Hütten- und Bergwerken, so daß bei der riesengroßen Arbeitslosigkeit das Versagen der -Kaufkraft erklärlich ist. Es ist auch nicht richtig, daß die Saarbrückener Zeitung, die sich allerdings gleichgeschaltet Hat, den jüdischen Händlern den Zeitungsverkauf entzogen 'habe: Lediglich einem einzigen Herrn aus Homburg a. S. ist der Verkauf wegen angeblich kommunistischer Einstellung entzogen worden. Man sollte sich hüten, die gespannte Lage durch Uebertreibungen noch zu komplizieren. 'Schuldispens an Sabbaten und jüdischen Feiertagen. Berlin, 28. Juni. Aus Anlaß der vom Halberstädter „Verband gesetzestreuer Synagogengemeinden" soeben erwirkten Verfügung -des preußischen Kultusministers, wonach die bisher bestehenden Bestimmungen über den Schuldispens an 'Sabbaten und jüdischen Feiertagen unverändert in Kraft bleiben, sei wiederholt auf die instruktive Schrift! Hingewiesen, die der „Weltverband für Sabbatschuß (Schomre Schabbos)" unter dem Titel: „Der Schuldispens an Sabbaten und jüdischen 'Feiertagen, Gesetze, Verordnungen und Praktiken der europäischen Länder" (bearbeitet von Dr. Joseph Stern mit einem Geleitwort von Dozent Dr. Samuel Grünberg) herausgegeben hat, und die Interessenten durch das Sekretariat des Verbandes Berlin, Thoma- Pusstraße 7, beziehen können. Das außerordentlich sorgfältig redigierte Heft enthält die einschlägigen Bestimmungen aus 32 Ländern. Jüdische Firmen in Deutschland. Berlin, 29. Juni. Die „Deutsche Goldschmiedezeitung", das Fachblatt^ des Goldschmiedegewerbes, veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 24. Juni d. I. folgende Zuschrift der Spitz e,nurganisation des deutschen Jndustrie- und Hanüelstages auf die Beschwerde einer jüdischen Großhandelsfirma an die Handelskammer: „Das Schreiben der Kammer vom 19. Mai hat uns Veranlassung gegeben, uns mit dem Reichsministerium für Volksausklärung und Prop aganda in Verbindung zu setzen. Die Auffassung des Ministeriums geht dahin, daß es sich bei dem von der Kammer angeführten Fall wohl nur um den Antrag einer Einzelpersönlichkeit handelt, der kaum von der Innung angenommen werden dürfte. Andernfalls würde sich die Innung zu den Absichten der Verlautbarungen der Regierung in Gegensatz setzen. Sowohl der Herr Reichskanzler wie andere Mitglieder der Reichs- und Preußischen Regierung haben wiederholt erklärt, daß jeder bei der Mitarbeit an Deutschlands Wiederaufbau willkommen sei, der guten Willens ist. Solange also ein Geschäftsmann nicht gegen die bestehenden Gesetze verstößt, liegt kein Grund vor, irgendwelche Sondermaß-, nahmen gegen ihn zu treffen. Es bestehen bekanntlich für die Juden keinerlei Ausnahmegesetze auf wirtschaftlichem Gebiete. Lediglich die^ Zulassung zu Beamtenstellen usw. ist durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums und das Gesetz gegen die Uebersüllung der Hochschulen und Schulen neu geregelt worden. Die Geschäftsführung, gez. Unterschrift." Untersuchung durch nichtarischen Arzt kann abgelehnt werden. Berlin, 27. Juni. 'Der Reichsarbeitsminister' hat in einer Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über Ehrenämter in der Sozialversicherung und der Reichsversorgung festgestellt, daß jeder in der Sozialversicherung und in der Reichsversorgung die Untersuchung durch einen nichtarischen Arzt vor Beginn der Untersuchung a b l e h n e n kann. In diesem Falle ist dafür zu sorgen, daß die Untersuchung von einem geeigneten Arzt arischer Abstammung vorgenommen werden kann. Diese Bestimmung trifft auch aus die Zahnärzte zu. Neue Demonstrationen in Mainz. Mainz, 28. Juni. In der vergangenen Nacht kam es hier, nach der T. U., zu neuerlichen Demonstrationen der Bevölkerung vor den Wohnungen verschiedener bekannter Personen. Der geistliche Rat Karitasdirektor Alois Strempel, Die Woche. Berlin. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat das geheime Staatspolizeiamt die Berliner Tageszeitung „Der R e i ch s b o t e " bis zum 5. Juli wegen eines unter der Ueberschrift „Kreuzzug des Geistes" erschienenen Artikels, in dem die Behandlung der Juden frage unter der nationalen Regierung kritisiert x wurde, verboten. — Die „Vössische Zeitung" meldet: Der Hauptausschuß des Münchener Stadtrats hat die Grabdenkmäler der Novemberrevolutionäre Kurt Eisner im Ostfriedhof und Gustav Landauer im Waldsriedhof sofort entfernen lassen. Die beiden Aschenurnen wurden der israelitischen Kultusgemeinde zur Verfügung.gestellt. — Wie der „Schild", das Organ des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten mitteilt, hat der Bund in den letzten Wochen einen Zuwachs von 1700 Mitgliedern erhalten. Breslau. Wie die „Jü- > dische Zeitung" meldet, wurde anscheinend auf Beschluß einer Versammlung der Klinischen Gruppe der deutschen Studentenschaft die Vorlesung von Professor Fränkel boykottiert. Es verlautet, daß auch die Vorlesung von Prof. Bielschowsky boykottiert werden soll. Sowohl Professor Fränkel als auch Professor Bielschowsky, sind getauft. Men. An der Bestattung des jüdischen Juweliers Norbert Futter weit, der bei dem gegen fein Geschäft vor einer Woche verübten Bombenan- I schlag ums Leben gekommen ist, haben 5000 Juden teilgenommen. Der Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Desider Friedmann, hielt eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß Futterweit zu Kriegsbeginn als Kriegsfreiwilliger in die österreichische Armee eingetteten sei und vier Jahre lang an der Front gekämpft habe. Amsterdam. Das Amsterdamer Hilfskomitee für deutsche Juden gibt gegenwärtig wöchentlich 15 0 0 0 holländische Gulden an Unterstützungsgeldern für Wohnung und Beköstigung von über tausend jüdischen Auswanderern aus Deutschland aus. — Das von den beiden jüdischen Gemeindeverbänden in Holland eingesetzte Komitee für jüdische Interessen beabsichtigt, gemeinsam mit dem jüdischen Frauenbund während der Sommermonate 4 0 0 Kinder deutsch-jüdischer Familien bei jüdischen Familien in Holland unterzubringen. In Betracht kommen Knaben und Mädchen im Alter von 6 bis 15 Jahren. -^-Aelgrad. In Serajevo verstarb-der Präsident ' . der dortigen aschkenasischen Gemeinde Dr. Moritz R o t h k o p f. Dr. Rothkopf, der die jüdische Gemeinde von Serajevo 35 Jahre lang , geleitet hat und Jahre hindurch Präsident der ' - Advokatenkammer von Bosnien und Herzeogwina war, waren vom König von Jugoslavien eine Reihe hoher Auszeichnungen verliehen worden. London. Mitglieder der radikalen 8 und antisemitischen Faschistengruppen versuch- 8 ien einen nächtlichen Ueberfall auf das Lon- » doner Hauptbüro der I e w i s h Agency und » der Zionistischen Organisation durchzuführen. Die Polizei, welche rechtzeitig von den Absichten der Faschisten Kenntnis erhalten hatte, konnte entsprechende Gegenmaßnahmen treffen, so daß der Ueberfall vereitelt wurde. — Der XVIII. Zionistenkongreß ist endgültig für den 16. A u g u st 19 3 3 nach Karlsruhe einberufen worden. Brüssel. Als Nachfolger des verstorbenen Rabbi Hochstein wurde Rabbi Jakob Meer Sagalowitsch aus Danzig, Verfasser von „Meassef Druschi" und „Neunrim" zum orthodoxen Rabbiner von Brüssel gewählt. Warschau. In Rzeszow verstarb im Alter von 72 Jahren der hebräische Schriftsteller und Privatgelehrte Aba Apfel- - bäum. Er hatte sich durch seine Schriften, von denen eine Monographie über den berühmten Mischnah-Kommentator und Verfasser des ersten hebräischen Dramas „Jesiod Olam" Rabbi Mosche Sakuta (1926) besonders zu erwähnen ist, einen weitreichenden Ruf als Wissenschaftler erworben. Jerusalem. Auf den Wächter der Siedlung Hisachon bei Tel Mond wurden gegen Mitternacht, als er sein Haus betreten wollte, von Unbekannten Revolver- und Flnienschüsse abgegeben, die jedoch ihr Ziel verfehlten. — Wie die arabische Presse meldet, hat die Regierung von den wegen Baumfrevels in der jüdischen Kolonie Nathania zu einer Kollektivstrafe von 300 Pfund verurteilten Einwohnern des Dorfes Um-Khaled 50 Pfund eingetrieben. Der Rest der Straffumme wurde den Bestraften erlassen. — Die jüdischen Kreditkooperativen Palästinas haben beschlossen. einen Fonds von 5000 Pfund aufzubringen, der zur. Gewährung von Ausbau- I | krediten an deutsche Juden bestimmt ist 8 ein früherer Stadtrat und mehrere jüdische Einwohner wurden iy Schutzhaft genommen. Strempel wurde wieder freigelassen. Die in Schutzhaft genommenen Personen wurden sämtlich dem Konzentrationslager in Osthofen zugeführt. Schweiz. Delegiertentag des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. Zürich, 23. Juni. Am Sonntag, den 18. Juni, fand im Hotel „Baur en Ville" in Zürich, die 29. ordentliche Delegiertenversammlung des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes statt. Alle Gemeinden waren durch 66 Delegierte vertreten. Der Präsident des Gemeindebundes, Herr I. Dreyfus-Vrodsky, charakterisierte kurz die durch die deutschen Ereignisse geschaffene Lage. Aus die Schweiz übergehend, konnte der Vorsitzende mit Genugtuung konstatieren, daß die Behörden und der weit überwiegende Teil der maßgebenden Presse, für unsere verfassungsmäßigen Rechte eintreten und sich auch politisch nicht gegen uns stellen. Gewisse antisemitische Strömungen könnten am besten dadurch bekämpft werden, daß wir den Beweis für die Erfüllung unserer Pflichten erbringen. Die demokratische Gesinnung unseres schweizerischen Vaterlandes gibt uns Vertrauen für die Zukunft, für welche optimistische Zuversicht notwendig sei. Es müsse ein jeder seine Pflichten erfüllen zum Segen des Vaterlandes und des Judentums. Es folgte die Behandlung des Tätigkeitsberichtes. Betreffend die Wanderlehrerfrage, die nun den Gemeinden übertragen ist, konnte der tatkräftige Sekretär des Gemeindebundes betonen, daß die Gemeinden in ihrem Kreis alle Kinder erfassen müssen und wo es notwendig ist, solche Lehrer zu stellen haben. Der Jahresbericht wurde angenommen. Der Kassier, Herr Dr. Leva i llant (Basel), konnte in der Rechnungsablage über einen normalen Ablauf des Jahres und über eine kleine Vermögenszunahme berichten. Es folgte die Berichterstattung des Präsidenten der Züricher Israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Saly Braun schweig, über die deutsch-jüdische Flü ch tl i n gs s ü r s o r g e. Der am 5. April geschaffene Arbeitsausschuß des Spezialkomitees für die Flüchtlingsfllrsorge legte seine bisherigen Arbeiten dar. Der Aufruf an die Schweizer Juden hat ein sehr befriedigendes Ergebnis gebracht, von den Spenden wurden bis zum 26. Mai Fr. 22,815.— für Flüchtlingshilfe verausgabt. Bedauerlicherweise sind die Spenden in der letzten Zeit versiegt, obwohl die Aufgaben beständig wachsen und gesteigerte Anforderungen an das Komitee stellen. Die Behauptung, daß Tausende von deutschen jüdischen Flüchtlingen sich in der Schweiz aufhalten, wurde durch die Angabe des Redners widerlegt, wonach sich bisher im ganzen überhaupt nur ca. 300 m i tt ello se jüdische Flüchtlinge aus Deutschland zur Unterstützung auf dem Flllchtlingsbüro gemeldet haben. Alle übrigen hielten sich nur ganz kurze Zeit in der Schweiz auf und benützten die Schweiz nur als Durchgangsstation. Das totale Arbeitsverbot gemäß den Verordnungen des Vundesrates steckt der Fürsorge enge Grenzen. Die Richtlinien der Pariser Hilfsorganisation Hicem (Hias, Jca und Emigdirect) umfassend), geben hierfür einen Wegweiser. Die örtliche Hilfe muß von den Gemeinden besorgt werden, mit Ausnahme der Kosten für die Emigration solcher, für die ein Ziel bereits besteht. Die Probleme der produktiven Fürsorge (Gelehrten-Studentenhilfe) ist in allen Ländern noch im Fluß. Leichter ist es z. B. in Holland und Frankreich, wo wohlwollende Zustimmung der Regierung die Unterbringung Arbeitswilliger nicht vollständig ausschließt. Die Pariser Hilfs- Organisation wird vermutlich bald nach London übersiedeln. Amerika und England haben erklärt, sich in den finanziellen Aufgabenkreis einzubeziehen. Die Untersuchungen über die in Betracht kommenden Emigrationsländer haben bisher ergeben, daß nur für einen kleinen Teil der Flüchtlinge und nur für bestimmte Berufsgruppen Arbeitsplätze und Existenzmöglichkeiten zu finden sind. Vermehrung der Einreise-Zertifikate und Mittelbeschaffung für Palästina ist ein überaus wichtiges Problem. Unsere Pflicht wird sein, weitere Mittel zu beschaffen. Die Frage der beruflichen Umschichtung wird uns noch lange beschäftgen, nur so kann dauernde Hilfe gebracht werden. Es sollen für Jugendliche Arbeitsstätten und landwirtschaftliche Trainierungsschulen, sog. Hachscharas, geschaffen werden.

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