Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1933)
- Date
- 1933-06-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 25 Der Israelit 22. Juni 1933 gleich eine Abbreviatur seines Hamens — erhielten die Neueren ihre Weisungen. (Lb auch jene, gerade am neunte n A w' das Feste s s e n zur Einweihung der Schule abzuhalten, stand nicht fest, vielleicht wollten die Herren damit von sich aus demonstrieren, daß mit der Schule die geistige, politische und soziale Erlösung angebrochen sei, die die Trauer um das alte Jerusalem überflüssig mache . . . Wieviele heißen Tränen vergoß an diesem Trauertage — man zählte 1827 — Rabbi Rio sch e beim Hersagen der Klagelieder. Am Sabbat darauf bekam die Gemeinde von der Ranzel all jene mahnenden und beschwörenden Worte zu hören, wie sie uns heute noch aus dem sechsten Lande seines Responsenwerkes Ziel und Riä.iung weisen. XXIX. Und die Zukunft? Die Richtlinien für den Kampf um Haus und Svnagoge waren festgelegt. Ein Defenstvkampf, geführt durch Errichtung immer neuer Barrieren und Wälle in den Geineinden, durch Ausbau der Institu-- tionen, der Rehrhäuser für Klein und Groß, Organisierung der Sammelstellen für das Heilige Land. Ging auch die reinliche Scheidung nach Recht und Gesetz nicht an. so schieden sich dennoch die Geister nach rechts und links streng voneinander, nach den Weisungen des „Ehatain Sofer", des Menschen, wie des so geheißenen Werkes. Für ein Jahrzehnt waren die Dinge im jüdischen Raume gesichert. Uird später? . . . „Roch ist Israel nicht verwaist," sprach Rabbi Mosche, der nun schneeweiße, aber ungeinein rüstige Siebziger, zuversichtlich. „Und das Licht G'ttes verlöscht 'nimmer," heißt es in der Schrift. „Altert Eli. so vernimm: S a m u e l Stimmen . . . G'tt rust ihn . . .“ Und cu fall dabei voll glühender HcFnung aus seinen Llellcsten, Rabbi'Abraham Schmuel Linjamin, der ein Zwanziger erst mit weichem Flaume um das Rinn, schon solchen Ruf über preßburg hinaus genoß, daß ihn ansehnliche Gemeinden zu ihrem Führer ernennen wollten. Er aber zog cs vor, auch nach der frühen Ehe mit der Tochter einer der ersten Familien des Landes, an der Seite des großen Vaters zu bleiben und an seiner Zeschiwa zu lehren. „Und was soll aus uns in Deutschland, wo wir von den neuen Stürmen und Strömungen am härtesten bedroht sind, werden?", fragten die Vertreter aus Frankfurt und Fürth besorgt. „Was nützt uns die stets neu aufgehende Sonne, wenn sie an ganz anderem Horizonte erscheint? Als mit dem Tode von Rabbi Pinckos, dem Baal Haflooh, und Rabbi Rosson Adler sich die Sonne im westen senkte, strahlte eine andere Sonne aus — aber nicht für uns, sondern im weiten preßburg. Seitdem.geht es bei uns abwärts ..." „Für euch in Deutschland wird der Erretter von aitdeucr Seite kommen. Ich sehe ihn Kommen, den Wann. Aus der Zerstörung heraus kommt der Aufbau, auf reingebranntem Grunde . . ." Er sah ihn kommen, sagte nicht, wie, sagte nicht, wann und woher . . . Dachte er an einen Bestimmten, sah er wirklich mit den Augen des Sehers — mit zunehmendem Alter beschäftigte sich der Rabbi in stillen Rachtstunöen viel mit Kabbala, obwohl er das Wort nie in den Wund nahm — einen neuen Stern am Westhimmel auftauchen? . . -. (Fortsetzung folgt.) Vom Geisteswerk Rabbi Schalom Zizchak Lewilhan's '"2. Dem Leser dieser Zeitung ist vielleicht die kleine Notiz entgangen, die von der Wahl Rabbiner LewitäNS zum 21 einer Gemeinde in Litauen berichtet, die dem Ideal des R. Josse ben Kißmoh in nns 'piß zu entsprechen strebt, seinen Reichtum einzig und allein mrmr Werten angelegt zu haben. — Der Name Lervithan wird jedoch dem aufmerksamen Leser kein fremder sein, wenn er die jeweilig hier erscheinenden Proben aus seinem Sammelwerk „Jalkut Hadrusch" verfolgt hat. Den Mann zu würdigen, sei anderen überlassen. Schreiber dieser Zeilen aber hält es für ein nobile officium, auf das Werk des rastlosen Geistesarbeiters hinzuweisen. Wir weisen zuerst auf den bereits genannten „Jalkut ha Drusch" hin. Mit dem verdienstvollen Rabbi M. L. Weißblum zusammen hat hier Rabbi Lewithan ein Werk geschaffen, das wirkliche Blüten klassischer und moderner Homilien und Druschim in schöner Form vereinigt. Erstaunlich groß ist der Anteil, den der Hauptherausgeber selber beigesteuert hat. Klar und überzeugend herausgearbeitete Gedanken, die von manchem köstlichen Stück 12V1 ym begleitet werden. Die Bände mvvi m v«is sind bereits erschienen, rrip'i harrt nun der Veröffentlichung. Daß R. Lewithan auch das Gebiet der praktischen Halacha meistert, zeigt sein Werk "diVw '121", in dem sich die Halacha zu wertvoller Agada gesellt und L. sich als ein Kämpfer für die Reinheit der iai»8 beweist. Wertvolle Gedanken für ein Zeitalter, das diesen Wert nicht immer so recht erkennt. Rabbi Sch. I. Lewithan ist ein warmer Freund der Sprache, die noch immer von den großen Massen des jüdischen Ostens gesprochen wird. Im Jargon schrieb er "insi diVc? '121" eine Art großangelegten Sendschreibens an das jüdische Volk. Die erste i^iia7'023, an der Raw Lewithan teilnahm, regte ihn zu diesem Schreiben an. In diesem Werk spricht der einstigs Zögling der großen nirp» des Ostens diesen seinen Dank aus durch eine warmherzige Werbung für die min 'imp in aller Welt. Das Kapitel „Thoraerziehung als Schutz gegen Mischehen" ist unter dem besonderen Aspekt skandinavischer Verhältnisse geschrieben. Ein schmales Bändchen, vivaip pns» naio bietet Halacha und einige wertvolle maiwn, 11. a. von R. Ehaim Oser Grodsenski die z. V. das interessante halachische Problem der Umwandlung Christianas in Oslo pv'a roms behandeln. Die Produktion Levithans ist aber noch weitergehend msa- An diversen Werken eines der Großen des Ostens, R. A. Frindling, hat sich Raw Lewithan als Mitautor, und verständnisvoller Herausgeber von Jargon-Uebersetzungen beteiligt. Wir nennen "D'’ixai v"N" über alle Zusammenhänge von iv8 bv ion nV’na und weiteren Pietätspslichten, ferner "'2L2 p", eine Lanze, zu Ehren der ,iiin und n"naus dem edelsten Material der klassischen Fundgruben geschmiedet, "vi-ivi Dvp", ein Werk, das die Väter zur Thora-Erziehung ihrer Kinder mahnt. Nicht vergessen sei in diesem Zusammenhänge die Monatsschrift „Hammagid", an deren Herausgabe Lewithan beteiligt ist. Erwähnung finde auch der großangelegte Versuch, den Raw Lewithan mit der Herausgabe des 1. Bandes einer neuen »"^-Ausgabe unternommen hat. Es scheint, daß dieser Versuch sticht fortgeführt werden kann wegen der allzugroßen Kosten. Eines aber zeigt auch dieser Versuch: Das rastlose Streben eines Gelehrten, sein Teil beizutragen. -mmn pp n»ii!> Diese Zeilen aus 'kollegialer Gesinnung sollen nicht umsonst geschrieben sein, mir pp3 nnai» n-nnn- Die mm soll aber nicht im Winkel verborgen sein. Ein Riesenwerk, wie das hier beachtete, sollte auch in Deutschland seinen Kreis finden. Wo findet sich in einer Zeit, die mit Vergänglichem spekuliert, der Verleger, Buchhändler, Käufer, der sein Geld in Ewigkeitswerten anlegen will? •an’2 brr 1212 8'2ii> i>iv'i 82' i>iv'i> nsvm ^2 Rabb. Julius Samuel. Oslo (Norwegen). Rabbi Rer Frenk, der Schammes von Preßburg. Mein Sind! Mein liebes Kind. Du sollst nicht wandern Von einem Wald und Berg zum andern, Weil wir im Gvlus sind. Mein liebes Kind, Du sollst nicht baden. Auch wenn dich Sonn' und Wellen laden. Wo wir im Golus sind. Mein liebes Kind. Auch lach' nicht laut, Denk' dran, der Vater ist ja abgebaut, Da wir im Golus sind. Nur eins, mein Kind, Mußt du im Sinn behalten: Wir müssen unser Leben so gestalten. Daß uns zum Guten gleich zu schalten Moschiach bald uns würdig sind'. Bertha Pappenheim. Berliner Grotesken Die Hörerschaft der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums beschließt, im Rahmen der pädagogischen Möglichkeiten die Vorlesungen in hebräischer Sprache abzuhalten. Die „Jüdisch-liberale Zeitung" nennt dies eine „unbegreifliche Entschließung" nnd droht mit der Entziehung des Brotkorbes. Sie schreibt: „Hierzu ist mehrerlei zu bemerken. Zunächst: bisher hatten wir geglaubt, die Dozenten, nicht die Hörerschaft, halten die Vorlesungen ab. Sodann: bisher hatten wir geglaubt, die Hochschule sei eine deutsche Bildungsanstalt, bestimmt, in erster Linie deutsche Rabbiner heranzubilden. Wir glauben beides noch heute, wir glauben nicht, daß darin eine Aenderung eintritt. Worin aber allenfalls eine Aenderung eintreten könnte, das ist die Erteilung von Stipendien an diejenigen Hörer, die sich durch derartige Beschlüsse so. deutlich von der deutschen Judenhell distanzieren, daß wir heuteschon erkennen: wir werden aus dem Studium jener Leute niemals kulturellen oder sonstigen Nutzen ziehen und haben nicht nötig, es zu finanzieren: es gibt heute dringlichere Aufgaben." Bei der Trauerfsisr für den Prediger des Reformtempels in der Johannisstraße -D. I. Lehmann betonte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. Direktor Stahl, die enge Verbundenheit zwischen der Berliner Jüdischen Gemeinde und dem R e f 0 r m t e m p e l. Darauf sprach die Versammlung im Chore das Gelöbnis, dem toten Führer aus der von ihm gelehrten Bahn eines r e i n g e i ft i g e n ritusfreien Judentuins zu folgen. Also Verbundenheit im Reingeistigen, Rituslosen?! Was sagt die Gemeindeorthoüoxie zu dieser Verbundenj heit? In der zur Zeit bei uns laufenden Chatam Sofer- Nooelle von Schachnowitz, „Licht aus dem Westen" figuriert ein Preßburger Gemeindediener mit Namen Vär u ch F r e n k. Eingeweihte teilen uns mit, daß es zur Zeit von ivio du wirklich einen Schammes Frenk in Preßburg gab, der wegen seiner großen Gelehrsamkeit und menschlichen Qualitäten in höchsten Ehren stand. Er hieß mit Vornamen nicht Varuch, sondern B e r und fungierte als Oberschammes und zvrra der Preßburger Gemeinde von 1805 bis 1845, war demnach schon im Amte, als Rabbi Mosche nach Preßburg kam und überlebte diesen um fünf Jahre. Rabbi Ber Frenk zählt zu den merkwürdigsten und jedenfalls interessantesten Persönlichkeiten des alten jüdischen Preßburg. Er stammt aus dem Orient (worauf auch sein Name hindeutet) und wurde etwa im Jahre 1770 geboren. Er genoß in der Gemeinde ein großes Ansehen sowohl in seiner amtlichen Stellung, die damals nur besonders ehrenwerten Personen zuerkannt wurde, wie auch als Gelehrter und Verfasser zahlreicher Werke in hebräischer und mehreren europäischen Sprachen. Er popularisierte vornehmlich das Wissen von jüdischer Moral und von den agadischen Teilen der talmudischen Literatur. Er schrieb u. a. auch eine n'2 'tnip asr nos 'b^bb man piin, sodann eine „Religionslehre für die weibliche Jugend mosaischen Bekenntnisses." Auch ein geographisches Werk Wegweiser durch Europa". yn ->bs snia- Fast alle diese Werke tragen die Approbation des Chatam Sofer, was ein deutlicher Beweis für die unerkannte Gelehrsamkeit dieses „Tempeldieners" der guten, noch gar nicht so „alten" Zeit ist. Er verschied am zweiten Tage des Schewuotfestes 5605, hochbetagt. Die Inschrift seines Grabsteines ist im mim i'2 rns von Weisz veröffentlicht. Ihm entstammt eine große und zahlreiche Nachkommenschaft:. Rabbi Menachem Katz, Proßnitz, der spätere Rabbiner von Zehlim, und Rabbi Ascher Wachterlitz, Rabbiner in Schattmannsdörf und spätere Vereinsrabbiner in Preßburg, waren seine Schwiegersöhne. :! .Berlin ist nicht Jerusalem". | Die Prophezeiung eines allen Rabbi. i Angesichts der Vorgänge in Deutschland gewinnt eine j Aeußerung, die der bekannte Gaon von Dwinsk, Rabbi! Meier Simcho ’rxi, vor über 50 Jahren in seinem! Werke 11211 niedergeschrieben hat, eine ganz aktuelle, fast prophetische Bedeutung. Ganz gegen seine Gewohnheit, alles lapidar in möglichster Knappheit auszudrücken, verbreitet er sich hier sehr eingehend über den Thoravers in der Tochachah M. HI -121 Ö1'2'18 1*182 am',12 ,18k va t]81 Er schreibt dann fast wörtlich: „Wenn es eine höhere Wallung wollte, daß sich das jüdische Volk bis zu einem gewissen Zeitpunkte in fremden Ländern aufhalte, so hat der himmlische Vater dafür gesorgt und die Mittel geschaffen, daß die Juden auch auf dem fremden Boden Juden bleiben und aus ihren Assimilationsträumen gerissen werden, um sich zu entsinnen, wohin sie gehören. Um ihnen solche schmerzliche Mahnzeichen zu ersparen, hatte Vater Jakob seinen Söhnen anbefohlen, sich durch Art, Kleidung. Namen, Sprache usw. in den fremden Ländern selbst ihr Eigenes zu bewahren. Auch in dem Wunsche, daß seine Leiche in die Heimat nach Kanaan gebracht werde, lag schon eine Mahnung in diesem Sinne. Den gleichen Wunsch hegte und sprach auch Josef aus. - Und was wollten die Späteren, von Esra bis zu den letzten Führern, mit ihren Lehren und Verordnungen anderes, als den Juden ihr Anderssein in den Stürmen wie in der Sonnenglut des Golus in Erinnerung zu bringen? Geht Israel dieses Gefühl-und diese Erkenntnis verloren, so dauert der Traum der Befreiung hundert, zweihundert Jahre, bis die neuen Stürme kommen und es in ein neues Golus werfen." &