Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 25 (22.6.1933)
- Date
- 1933-06-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- Oradea 2× ep/1002404
- Haifa 1× ep/1047930
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22. 3um 1933 Der Israelit Nr. 25 Seite 11 Die Ausführungen schließen mit den Worten: „Sie glauben, B e r l t n fei I e r u s a l e m. Das . ist aber ein fataler Jrrtüm. Möge denen, die so denken, die Ernüchterung nicht allzu überraschend und allzu schmerzlich kommen." Als nach der Umwälzung in Rußland und dem Sturze der Zarenregrerung es für einen Augenblick so aussah, als habe die jüdische Tragödie in Rußland endgültig ihr Ende erreicht, äußerte der gleiche Rabbi Meier Simcho einem Freunde gegenüber seine Skepsis mit dem kurzen Hinweis auf die Mischnahstelle in Jomah III, 2 vxrw IV'NI rea^n ->irr» nby rmrr ays „Einmal drang der Widerschein des Mondes durch, und da glaubte man schon, die Sonne sei im Osten aufgegangsn." Leider hat der große kluge. Rabbi auch für Rußland recht behalten. (Ausgrabung einer Synagoge aus dem 1. Jahrhundert in Syrien.) Die unter Leitung von Graf Doumesnil und Mr. Hopkins arbeitende Franko-amerikanischs archäologische Expedition hat in dem Dorfe S a l h i e h bei Damaskus, wo sie feit vielen Jahren Ausgrabungen vornimmt, Reste einer aus dem 1. Jahrhundert n. übl. Ztr. stammenden Synagoge aufgesunden. Diese Entdeckung betrifft das älteste während der ganzen Ausgrabungsaktion Vorgefundene Baudenkmal. Auf den Mauerresten der Synagoge ist der Auszug der Juden MS Aegypten und die Wüstenwanderung unter der Führung Moses' bis zum Eintressen im Lande der Verheißung in Mosaikbildern dargestellt mm Korrespondenzen * ßaenricnten. Rumänien. Zugendkonferenz der rumänischen Agudas Jisroel. Oradea Mare (Großwardein), 9. Juni. Bei der am 10. und 11. Siwan (dem 21. Jahrestage der Kattowitzer Konferenz) stattgehabten ersten Lande s z u s a m m e n k u n f t der r um ä n i s ch e n Agudas Jisroel-Jugendgruppen waren 50 Gruppen mit über 150 Delegierten vertreten. Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden der Großwarüeiner Gruppe, Eugen F e l d m a n n , wurden zahlreiche Begrüßungsschreiben fast aller orthodoxen Oberrabbiner Rumäniens sowie zahlreicher ausländischer Agudo-Führer verlesen. Oberrabbiner Fuchs -Oradea berichtete über die bisherigen Leistungen der Agudas Jisroel-Jugendgruppen und schlug ein Huldigungstelegramm an den König vor, das mit warmer Sympahie beantwortet wurde. Im Aufträge des Wiener G. A. der A. J.-Weltorganifation wohnten Me ßemn Dr. Leo Deutschlän - der und Sch. S ch ö n s e l d der Konferenz bei. Letzterer sprach über die Ideologie der Agudas Jisroel, während Herr Dr. Deutschländer die Wirksamkeit des Keren Hathora und die Probleme und Erfolge der Beth Jacob- Bewegung in den.Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte. In der Abendsitzung wurden die Erez Jisroel- Fragen, insbesondere das Problem der Hachschara behandelt. Bisher bestehen Ausbildungsstätten für agudiftifche Chaluzim in E l u j und C e r n a u t i. Es wurde beschlossen, in Szighet eine Zentrale für Jifchuw-Angelegenheiten zu schaffen, in der die Gruppen von Cluj und Cernauti, Trg. Mures und Oradea vertreten fein sollen. In den rumänischen. Moezes Chachme Hathauro wurden gewählt die Oberrabbinen von Chisinau (Veßarabien), Wisnitz (Bukowina) sowie die Oberrabbiner von Oradea, Sghiftara, Trg. Mures, Vifaul de Sus und Halmeu. Der folgende Tag war den Fragen der Presse und der Verfassung gewidmet. Es wurde die Herausgabe eines ungarischen und jiddischen Presseorgans beschlossen. Die erste Nummer des jiddischen ist bereits erschienen. Als Landeszentrale wurde Oradea gewählt. Am Abend der zweitägigen Konferenz veranstaltete die Jugendgruppe von Oradea ein Bankett, das den tiefen Eindruck der ganzen Konferenz vertiefte und abrundete. Es ist zu hoffen, daß die Konferenz sich als einen glänzenden Auftakt für die Propagandareift der Herren des G. A. durch Rumänien erweisen wird. Ausführlicher Bericht bleibt Vorbehalten. Erste Zentralkonferenz der rumänischen Beth Jakob-Schulen. C z e/r n o w i tz , 16. Juni. Am 11'. und 12. Juni fand hier unter Vorsitz des Führers der Beth Jakob-Bewegung, Dr. Deutschländ er, die erste Konferenz der rumänischen Veth Jakob- Schulen statt, an welcher fast sämtliche Lehrerinnen der rumänischen Beth Jakob-Schulen teilnahmen. (Ruth David, Sadagora; Schreiber, Radautz; Schlesinger, Czernowitz; Berlinger, Gurahumora; Giberman, Wischnitz; Hirechheimer, Balina; Finkelstein, Sereth). Aus der Tagesordnung standen organisatorische sowie pädagogische Fragen. Gleichzeitig tagten die Kuratorien der Schulen, die ein Zentralkomitee, bestehend aus den Herren Rabbi Hager, Wischnitz, Rabbi Stern, Sereth, Rabbi Landau, Sadagora, Horowitz, Banila, Bernstein, Radautz, wählten. Das Sekretariat liegt in Händen der Beth Jakob- Verwaltung Czerrwwitz. Die Entwicklung der Schulen ist trotz der schweren wirtschaftlichen Lage günstig. In Radautz hat der Philantrop Josef Hecht Lei 300.000 für den Bau eines eigenen Beth Jakob-Heimes gestiftet. In Czerrwwitz und Wischnitz, sowie anderen Städten der Bukowina wurden die Schulen durch Dr. Deutschländer inspiziert. In größeren Versammlungen hat Herr Dr. Deutschländer mit Vorträgen, die mit ungeheurer Begeisterung ausgenommen wurden, für das Beth Jakob- Werk in wirksamer Weise geworben. Agudadelegation in Rumänien. — Erfolgreiche Propagandaarbeit in der Bukowina. Czernowitz, 15. Juni. Die aus vielfaches Verlangen verschiedener orthodoxer Gruppen zurzeit in Rumänien weilende Delegation der Agudas Jisroel-Weltzentrale besuchte in den letzten Tagen die Bukowina. In vielen Städten wurden Massenveranstaltungen abgehalten, auf welchen über Ziele und Zwecke der organisierten Weltorthodoxie referiert wurde. Den Höhepunkt dieser Aktion bildete wohl die Massenversammlung in Czernowitz. Am Dienstag, den 13. Juni, fand im jüdischen Nationalhaus ein Meeting statt, an welchem weit über tausend Personen aus den verschiedensten Schichten der jüdischen Czernowitzer Gesellschaft teilnahmell. Es sprachen zunächst die Gäste aus Wien, Dr. L. Deutschländer, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses der Agudas Jisroel und Redakteur Samuel'S ch ö n f e l d, Sekretär des G. A. über Probleme der Agudas Jisroel und brennende Tagesfragen. Die glänzenden Aussiihrungen der Redner wurden immer wieder durch starke spontane Beisallskundgebunegn unterbrochen. Im Anschluß an diese Vorträge sprachen noch Rabbiner Josef Stern aus Sereth u. a. bukowinenst'sche Herren. Im Rahmen der Beschlüsse dieser Konferenz sind in der Bukowina zahlreiche neue Gruppen für Keren Hajischuw, Keren Hathora, Beth Jacob in Neugründung begriffen, während die bereits bestehenden Gruppen neue Impulse für eine starke Aktivität erhielten. Die rumänische jüdische und nichtjüdische Presse bringt ausführliche Berichte über die Tagungen und spezielle Interviews mit Dr. Deutschländer. Palästina. Dr. Arlosoroff ermordet. Tel-Awiw, 18. Juni. Der bekannte Zionistenführer und Vorsitzende der Palästina-Exekutive der Jewish Agency, Dr. Ehajim A r - l o s o r o f f, wurde am Freitag abend, als er mit seiner Frau nach Tisch am Strande von Tel-Awiw spazieren ging, in der Nähe des mohammedanischen Friedhofes von zwei unbekannten Tätern erschossen. Die Täter sind unerkannt entkommen. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen, deren Resultat man noch nicht kennt. Die Polizei hat eine Prämie von 150 000 Pfund für die Ergreifung der Täter ausgesetzt. Es waren, nach Aussage der Frau Dr. Arlosoroff, zwei jüngere Männer, die sich an ihn heranmachten und ihn nach der Zeit ftagten. Als er antwortete: „11 Uhr," ftagten sie ihn, ob er Dr. Arlosoroff sei. Kaum hatte er die Frage bejaht, als sie zwei Revotverschüsse auf ihn abgaben, deren einer das Herz des Opfers traf. Dr. Arlosoroff stammte aus der Ukraine und war erst 34 Jahre alt. Ein anerkannter Arbeiterführer, sowohl als Theoretiker wie als Organisator, berühmt, erstrebte er in seiner Partei, ohne Betonung des Klafftnkampfgeüankens, einen konstruktiven Sozialismus. Er kam 1924 von Berlin, wo er längere Zeit lebte, nach Palästina und nahm bald eine zentrale Stellung in der Führung der zionistischen Politik ein. Aus dem letzten Zionistenkongreß wurde er an Stelle von Kolonel Kisch zum politischen Leiter der Palästinaexokutive ernannt, in welcher Stellung er stets eine politische Annäherung zwischen Juden und Arabern erstrebte. Er war auch gewissermaßen der Vater des Gedankens einer j üdi - scheu Besiedelung Transjordaniens und befaß das unbedingte Vertrauen der transjordanischen Scheichs, die sich dem Plane geneigt zeigten und gegen die nationalistischen Gegenströmungen ankämpflen. Ob der entsetzliche Mord mit diesen Vorgängen in und um Transjordanien im Zusammenhänge steht, wird die Untersuchung, wie wir hoffen, bald feststellen. Erwähnt sei noch die rege und liebevolle Mitarbeit Dr. Arloforoffs an der Hilfsaktion für d i e d e u ts ch e n Juden. Er weilte erst vor wenigen Wochen in Deutschland und entwickelte in Beratungen seinen Plan, jüdische Kinder aus Deutschland in Palästina einzuschulen und sie für die ländliche und städtische Ansiedlung zu erziehen. Der Mord rief im ganzen Lande unbeschreibliche Erregung hervor. Mangel an jüdischen Arbeitern. Jerusalem, 14. Juni. Der empfindliche Mangel an jüdischen Arbeitern führt in den Kolonien, insbesondere im nördlichen Teil der Scharon-Ebene, zur Ausbreitung nichtjüdischer Arbeit. Die Jmmigrationsabteilung der Jewish Agency hat an die Paläsiinaämter aller Länder ein Rundschreiben gerichtet, in dem gefordert wird, die technischen Arbeiten im Zusammenhang mit der Zertifikateverteilung zu beschleunigen und dafür zu sorgen, daß alle Zertifikatinhaber möglichst bald die Ueberfahrt nach Palästina antreten. welche Arbeiten sollen mit Hilfe der palästinensischen Regierungsanleihe durchgeführt werden? Jerusalem, 14. Juni. Wie die hebräische Tageszeitung „Haaretz" mitteilt, soll die 2y, Millionen Pfund-Anleihe, die die Regierung auszunehmen beabsichtigt, zur Durchführung folgender Arbeiten verwendet werden: Wasserversorgung und Kanalisation in Jerusalem, Errichtung eines Hauptpostgebäudes in Jerusalem, für eine Agrarbank, Ansiedlung landloser Araber, Ausbau des Jaffaer Hafens, für Wasserversorgung und Kanalisation in Haifa und für Wasserversorgung in den Dörfern. „Al Jamea al Arabia", das Organ des Großmufti von Jerusalem, behauptet, die transjorüanische Regierung bereite ein Gesetz vor, durch das Kauf und Verkauf von mehr als. 300 Dunam großen Grundstücken verboten werden sollen. Das Gesetz soll ferner eine Bestimmung ' enthalten, die Juden die Niederlassung in Transjordanien und den Verkauf von Grund und Boden an Juden verbietet. „Al Jamea al Arabia" zufolge soll das Gesetz demnächst im Ammaner Amtsblatt kundgemacht werden. Aerzte in Tel-Awiw. Tel-Awiw, 15. Juni. Auf der vor kurzem in Tel-Awiw abgehaltenen Jahresversammlung des jüdischen Aerzte Verbundes Palästinas wurde eine Resolution angenommen, in der gegen jeden Versuch, die Zulassung jüdischer Aerzte aus Deutschland nach Palästina einzuschränken, Einspruch erhoben wird. Das Zentralkomitee des Verbandes wurde beauftragt ein 3 n f o r mati 0 n $? unb Stellennachweis-Büro für aus dem Ausland kommende jüdische Aerzte einzurichten. Der Tel-Awiwer Arzt Dr. A. Metman hat einen interessanten Vorschlag, wie eine möglichst große Zahl jüdischer Aerzte aus Deutschland in' Palästina Unterkommen finden könnte, gemacht. Dr. Metman schlägt vor, daß jede jüdische Siedlung, die mindestens 25 Familien umfaßt, ein Grundstück zur Ansiedlung eines jüdischen Arztes aus Deutschland zur Verfügung stellen solle. Die o angesiedelten Aerzte sollen gegen ein kleines festes Gehalt und Naturalversorgung durch die auf ihrem Grundstück gezogenen Produkte die ärztliche Betreuung der betreffenden Siedlung und ihrer Umgebung übernehmen.