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Der Israelit · 1933-06-22 · Heft 25 (22.6.1933) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 25 (22.6.1933)
Date
1933-06-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 25 Der Israelit ,''s n V-»' I iS 22. Juni 1933 Schweiz. Der Jahresbericht der palästinensischen Regierung. > G e n f, 19. Juni. Der Mandatkommission liegt der Jahresbericht der palästinensischen Regierung für 1932 vor. In dem Berichte sind einige Stellen enthalten, welche sich aus die agudistischen Interessen beziehen. Aus Seite 13, Ziffer 56, wird berichtet, daß die Agudas Jisroel-Zentrale in Jerusalem erneut um öffentlich-rechtliche Anerkennung der orthodoxen Gemeinschaften petitionierte, doch sei es. nicht möglich gewesen, dem Gesuche stattzugeben. Rabbiner Sonnenfeld, sagt der Bericht weiter, das religiöse Oberhaupt der Agudas Jisroel, starb im März 1932 und eine hervorragende, rabbinische Persönlichkeit aus der Tschechoslowakei ist zum Nachfolger gewählt worden. Auf S. 16 wird berichtet, daß die Altersgrenze für Rabbiner, die sich um Einwanderungs¬ und Niederlassungserlaubnis in Palästina bewerben, beseitigt worden ist und daß jetzt Einwanderungszertifikate für alle Rabbinen gewährt werden auf Grund eines Gutachtens entweder des Oberrabbinates von Palästina, oder der Agudas Jisroel-Zentrale. Es muß in dem Gutachten bescheinigt werden, daß die Bewerber als Rabbiner qualifiziert sind und einer religiösen Berufung folgen. Endlich referiert der Bericht ausführlicher über die Verharrdlungen, die zwischen der Regierung und dem Wa^'i leumi wegen Abänderung des Gemeindegesetzes in verschiedenen Punkten geführt worden sind. DerWaad leumi wünschte das Austrittsrecht wesentlich zu beschränken und außerdem seinen Einfluß zu -stärken in Bezug auf die Lizenzen für die Herstellung von Mazzos. Die Regierung habe es jedoch unmöglich gefunden, diesen Abänderungsvorschlägen züzustimmen. ' Iugoslavien« Zentralisierung der Hilfsarbeit für deutsche Juden in Iugoslavien. Belgrad, 15. Juni. Die gesamte in Iugoslavien zugunsten deutscher Juden organisierte Hilfsarbeit wurde beim Verband der jüdischen Gemeinden in Iugoslavien, Belgrad, Kralja Petra 71, zentralisiert. Der jugoslavische Gemeindeverband richtet an alle Hilfsstellen in Deutschland und anderen Ländern das Ersuchen, sich in Angelegenheiten der Hilfsarbeit zugunsten deutscher Juden ausschließlich an ihn unmittelbar zu wenden, da jeder andere Weg — Anknüpfung von Verbindungen mit einzelnen.. Gemeinden, Institutionen oder Privatpersonen — eine rasche erfolgreiche Erledigung dieser Angelegenheiten erschwere. Frankreich. Antijüö.lscher Boykott im Saargebiet. Saarbrücken, 15.. Juni. Im Saargebiet hat eine Bewegung zur Boykottierung jüdischer Geschäftsleute eingesetzt. Es werden Flugzettel verteilt, in derben es als. Pflicht jedes „guten. Saarländers" bezeichnet wird, in^.jüdischen.Geschäften nicht einzukaufen. Die Saarbrückener Zeitung hat den jüdischen Buchhändlern und Zeitungsverkäufern mitgeteilt, daß ihnen das Blatt nicht.rnehr zwecks Weiterverkaufs zugesteüt werden wird. Als Gegenmaßnahme gegen diese Voykottbestrebungen haben die. Eigentümer der betroffenen Geschäfte beschlossen, sich nur, noch-unabhängiger Zeitungen als Jnsertionsorgane zu bedienen. Es herrscht allgemeines Erstaunen darüber, daß die internationale Regierungskommission bisher noch keinerlei Maßnahmen zur Bekämpfung der Boykottbewegung getroffen hat. Rumänien. / Äus der rumänischenlÄgudas Jisroel. O r a d e. a Mare, 17v Juni. Die Landeskonferenz der rumänischen Agudas' Jisroel beschloß eine Sammlung für die Juden in Deutschland einzuleiten, um'die Uebersiedlung nach Erez Jisroel zu erleichtern. Außerdem erklärten sich bie-Hachschara-Stätten der rumänischen Agudas Jissroel und die vom Jöink unterhaltenen, gleichartigen Institutionen. bereit, insgesamt 96! junge Leute aus dem Äu!slande aufsiineynien. England. Ein wort wacdonalds. London, 16. Juni. In der Rede des englischen Ministerpräsidenten Macüonalds bei der Eröffnung der A n g l o - P a l ä ft i n a - Ausstellung, über die wir bereits berichtet haben, verdienen folgende Worte besondere Beachtung: „Sie und ich haben etwas-sehr Wichtiges, vielleicht Entscheidendes gemeinsam: unsere r-e l i g i ö s e G r u n dlage. Ich wurde in höherem Maße als ein Engländsr im allgemeinen im Geist des Alten Testaments erzogen. Man lehrte mich, daß in einer bestimmten Zeit eine neue Vergebung der Sünden erfolgte, aber wenn ich auf meine presbyterianischen Vorfahren zurückblicke, auf John Knox und die übrigen, so sehe ich, daß die Furcht G'ttes sie vom Frevel sreimachte und daß feine Verheißungen ihnen Lebensmut gaben; eine Denkungsart, die mehr denü Alten als dem Neuen Testament entspricht. Dies brachte ich mit, als ich nach Palästina kam. Ich kam als „Tourist" und war doch mehr als das. Wenn ich fragte: Ist das die Ebene Saron, sind dort die Berge von Judäa, ist dies hier Jerusalem?, so fragte ich dies nicht wie ein Vergnügungsreisender, sondern wie ein Pilger, der ins wahre Heilige Land gekommen war, um mit den Wurzeln seiner Seele, seines religiösen Seins, Berührung 'zu finden." Verband der Svnagogengemeinden Englands für die Aktion, zur Ansiedlung deutscher Juden in Palästina. L o ndo n, 13. Juni. Auf einer unter dem Vorsitz von Morris 'M y e r abgehaltenen Versammlung hielt der Präsident der Federation of Synagogues, M. H. Davis, eine Ansprache, in der er die Ansieölung deutscher Juden in Palästina als. den heute einzig möglichen Weg zur Lösung der durch die Veränderungen in Mitteleuropa entstandenen Probleme bezeichnete und erklärte, der Verband der Synagogengemeinden Englands.habe in dieser Erkenntnis dem Jüdischen Nationalfonds ein Darlehen von 10 000 Pfund auf. 30 Jahre gewährt, um dem Fonds seine Aufgabe, Land zur Ansiedkugn deutscher Juden in Palästina zu erwerben, soweit Lies in den Kräften des Synagogenverbandes steht, zu erleichtern: ferner habe der Verband einen Beitrag von 5000 Pfund für den Britichen Zentralhilfsfond für deutsche Juden geleistet. Dajan. Feldmann brachte eine Resolution ein, in der gegen die Zurücksetzung der Judenin Deutschland Einbruch erhoben wird. Der Resolutionsantrag wurde vom Abgeordneten Barnett Jänner und vom Präsidenten der Anglo-Jewish Association und Mitoorsitzenden des Joint Foreign Committee Leonard G. Montefiore unterstützt. Montefiore teilte bei dieser Gelegenheit mit, daß sich der Präsident des Board of Deputies, Neville Laski, im Zusammenhang mit den Bemühungen, eine Verbesserung der Lage der deutschen Juden herbeizuführen, nach Genf begeben habe. (ITA.). Palästina. Zunehmender Wassermangel in Jerusalem. , Jerusalem, 15. Juni. Die amtlichen Berichte besagest daß es feit 85 Jahren in Jerusalem keinen! solchen Wassermangel gab, wie in diesem Sorststrer.' Ust jö .unerklärlicher Hst die Gleichgültigkeit;der Regierung dieser Kalamität gegenüber. Alben Ankündigungen ^um Trotze, ist bis jetzt, zur Abhilfe des unerträglichen Zustandes noch nichts Wesentliches geschehen. •' Auf der anderen Seite weiß der „Doar Hajom" zu berichten, daß ein Konsortium unter Leitung -von Advokat Oster, das sich anschickte, mit einem Kapital von 300 000 Pfund die Wasserleitung in Jerusalem auszubauen und! .sich i bei der Regierung um die Konzession bewarb/ nach langem ^.Warten die lakonische Antwort erstell, „es sei dev,.Regierung nicht möglich,, auf das Geuch einzugeheM"' ' 1! . ‘ i! . Diese Ablehnung ohne Grundangabe erregt begreiflicherweise die Gemüter sehr. Es fehlt auch jeder Hinweis-darauf, daß die Regierung selbst Willens oder im- 'tande wäre, in Bälde an die. Lösung des Wasserproblems heranzugehen. Inzwischen wird berichtet, daß vorige Woche mehrere Restaurants und Cafes in- Jerusalem vier Taste lang ohne Wasser blieben. Daß sich Üabei unhaltbare hygienische' Zustände herausbilden, muß nicht., erst gesagt werden. Eine Massenflucht aus Jerusalem nach her Küste setzt ein, und Jerusalem erlebt in einer Zeit, da der Jischuw allenthalben neuen Zuzug erhält, einen schweren.. Niedergang. . Deutsche Christen beteiligen sich an -er Hilfsaktion - für deutsche Juden in Palästina. Ierusalem, 15. Juni. Diei in Palästina in Angriff genommene Aktion für den Hilfsfonds zugunsten jüdischer Auswanderer aus Deutschland nimmt einen außerordentlich günstigen Verlaus. Dem Spendenaufrüf des Zentralkomitees hat nicht nur die jüdische Bevölkerung in starkem Maße entsprochen, auch von christlichen Einwohnern, insbesondere von in Palästina ansässigen deutschen Christen, sind namhafte .Spenden. emgelausen. In zahlreichen Begleitschreiben zu diesen Spenden wird dem Mitgefühl für die von einem harten Schicksal betroffenen deutschen Juden Ausdruck gegeben. Gründung einer, arabischen Faschistenpartei in Palästina? Jerusalem, 15. Juni. Einem, Bericht der Zeitung „Al Balag" zufolge ist unter der arabischen Jugend Palästinas eine Bewegung im Gange, die die Gründung einer arabischen faschistischen Partei zum Ziele-hat. Die.neue Partei soll sich nicht nur aus Palästina, sondern auch aus die-benachbarten arabischen Länder erstrecken. Zum Attentat auf Dr. Arlosorosf. Tel-Awiw, 20. Juni. Am Sonntag, den 18. Juni, 11 Uhr vormittags, wurde Dr. Chaim Arlosorosf iy Tel-Awiw unter ungeheurer Beteiligung der Bevölkerung zu Grabe getragen. Die Straßen, durch die sich der Leichenzug vom Hause des Waad Hapoel, wo die Leiche Arlosoroffs aufgebahrt worden war, zum Friedhof bewegte, waren von dichten Menschenmassen eingesäumt. 30 000 Menschen, unter ihnen hohe Regierungsbeamte und das gesamte Konsularkorps von Tel-Awiw, folgten dem Sarge. Unter den Deputationen sah man auch eine solche -der Agudas Jisroel. Zum Zeichen der Trauer war eine eintägige Arbeitsruhe angeorünet worden, .auch sämtliche- Schulen blieben geschlossen. . Tel- A w t w, 22. Juni. Die ITA. meldet aus Palästina, daß der Mörder Dr. Arlosoroffs in dem verhafteten Abraham Stavsky mit aller Sicherheit festgesteII t wnrü e. Stavsky ist erst vor einigen Monaten ins Land gekommen und ist-Mitglied des .revisionistischem Brith Trum peldor. (Siehe auch Seite 11.).- Afrika. Brief aus Südafrika. ' Kap stadt, 5. Mai. Die wirtschaftliche Lage hat sich hier leider nicht gebessert. Das Einwanderungsverbot, das die Behörden vor Jahren erlassen haben, wirkt sich in unseren jüdischen Kreisen besonders schmerzlich aus. "!-'!Seit 2 Jahren hat es käuM «geregnet! und-Landwirtschaft, Ackerbau und . Viehzucht leiden uüter der unnatürlichen Dürre.. . - - Ein Lichtstrahl in der allgemeinen. Finsternis ist der- Aufstieg des jüdisch-religiösen Lebens,..Der Delegierte des Keren Hathora, .j^abhirier Eryanuel' Z i m m e rmann, hat das ganze Land bereist und durch die Gründung der^ Machsike Hadah-Gruppen wird ideell und materiell für das Lernen viel, getan. Chief-Rabbi Dr. Landau leistet allen diesen Bestrebungen seine wertvolle Hilfe. Es hat deswegen in den Kreism der Eharedim Befremden und Erregung hervorgerirsen, daß stesttzestreüe Blätter Europas Ehref-Rabbr Dr.'Landau wegen einer angeblich irreführenden Aeußerung in zudisch-eherechtlichen Fragen maßlos angegriffen haben. Äazu lag kein Anlaß vor, da Chief-Rabbi Landau ganz zweifellos mißverstanden worden ist und es ihm nicht einfiel, in irgendwelchen Gegensatz zu den Bestimmungen' des jüdischen Religionsgesetzes zu treten. Als «jüngst, zu Ehren Weizmanns.ein großes Bankett veranstaltet wurde, war Chief-Rabbi Landau der einzige, der öffentlich..in der Synagoge flammenden Protest gegen den Chillul Haschern erhob, daß man bei dieser jüdischen Veranstaltung die Speisegesetze außer Acht lasse. ' i! Das Mitgefühl mit allen Nöten Und allen Leider der Judenheit ist nicht schwächer geworden. Für Tauroh, Jeschiwos und Erez Jisroel. herrscht nach wie vor das ii, •i .i. ■ i. ii - , i-i!H. «

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