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Der Israelit · 1933-06-22 · Heft 25 (22.6.1933) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 25 (22.6.1933)
Date
1933-06-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Der Israelit 22. Juni 1933 wette 4 ’Jtr. 25 D1Ä19N "Puder bewahrt Ihren Liebling vorWiindsein. des Sanhedrin auch metaphysisch das Hechte l Jüdische Theologie ist somit; grundsätzlich nicht syst'' fvrtVi-rt Urt Artnirti P At ♦♦ *11 »"AM -l-V-% A4*i- A«**» V«*««/* 7t KrtVrt VM /*T » V |4a T* f ,1« A nf *41. sl i- * A *4 4»14 A.T!(1! r J*4 . . trum bet jüdischen Theologie steht die halachische 2lrbeit. Zu dieser Cinstcht muß eine theoretische Bemühung um den Begriff der „jüdischen Theologie" unweigerlich gelangen, und zwar aus der Erkenntnis des Fundamentalphänomens der Verith heraus, die als Berich nur Forderungscharakter haben kann und hat. Daraus ergibt sich: jedes jüdisch-theologische System, das dieser Zentralstellung der Halacha strukturell nicht gerecht wird, ist verfehlt. Verfehlt sind alle die theologischen Systeme, in die das Moment des Halachischen nur sekundär künstlich eingebaut ist, die nicht.— umgekehrt — dem Halachischen den Prinrat einräumen. Die mittelalterliche Religionsphilesophie hat das Metaphysische vom eigentlich Theologischen de facto abgelFt. Maimomdes ist als Autor des „Iad hachafaka" Theologe, als Verfasser des „More Rebuchim Religionsphilosoph. Gewahrt ist die theologische Einheit des Halau,t,wen und Metaph^slsch^hcologischen etwa bei Malbim oder S. R. Hirsch. Ls zeigt sich also, daß der Osfenbarungsbezng allein noch nicht ausreicht, um eine jüdigye Theologie als solche zu legitimieren. Auch der More ist in seiner Arbeit . durchaus offenbarungsbezogen. Der Abschnitt über die „Gründe der Gebote" mit seinen rationalistischen, die Halacha im Grunde entwertenden Konstruktionen (man denke an die Begründung für das verbot des Znsannnenkochens von Fleisch und Milch) ist durchaus offenbarungsbezogen, und doch ist es kein Kapitel jüdischer Theologie, sondern einer Religionspsychologie. Rur e i n e o f s e nbarungsbezü gliche und zugleich um dieHalachazentrierteTheologieöarf jüdische Theologie heißen. Zu dieser theologischen Arbeit ist, wie gesagt, keine Kirche oder Synagoge oder gemeindliche Behörde, sondern das Volk berufen. Cs gibt keinen eigentlichen theologischen Stand (die Funktion der Kohanim ist keine theologische, sondern g'ttesdienstliche), sondern jeder ist bei Voraussetzung seines Wissens und seiner gläubigen Haltung zu halachischer Arbeit legitimiert. Das ist die Grundsituation. Ihre Komplizierung durch den theologischen Begriff der „Sernicha" (der Ordination) soll hier nicht weiter erörtert werden. Auch sie vermag aber — darauf sei kurz hingewiesen — den grundsätzlichen Sachverhalt nicht zu tangieren. Linen schwerwiegenden Cinwand gegen unsere These scheint jedoch die Institution des Sanhedrin zu bilden. Ist es nicht eine Art Kirchenbehörde innerhalb des Judentums? Line Art g'ttlich-menschlicher Lehrbehörde mit pneumatisch begründeter inappellabler Autorität in Analogie zur Kirche? Rein. Das Sanhedrin ist eine — metaphysisch gesehen — rein menschliche Institution. Sie ist zwar von der Thora gefordert. Das begründet ihre Machtbefugnis, gegen deren Votum jede 2luflchnung Revolution gegen die Fittiche Forderung selbst bedeutet, (vgl. Deut. 17, 8 ss.). Aber es ist nicht so, das; das Sanhedrin seine Entscheidungen jeweils auf eine aktuelle pneumatische Erfahrung, auf eine inaner neue 2lnrede des „Wortes G'ttes" gründen dürfte. Charakteristisch hierfür treffe, bedeutet keim Argument gegen unsere; These Jene Erwägung-basiert nämlich auf'her für die .'Grundhaltung der jüdifchenFTHeologie entscheidenden'Lehre einer „analogia entis" zwischen G'tt und Mensch Daß der Mensch -im Cbeubttde G'ttes geschaffen ist und — entgegen jeder Sündenfallstheorie — den Cha raktec der „Reinheit" prinzipiell nicht eingebüßt hat begründet den Geltungscharakter einer menschlichen 2lrbeit an der Offenbarung auch für den transzendenten Bereich, Hier wird der unaufhcbbare Unterschied sichtbar zwischen der jüdischen Theologie und der dialektisch-protestantischen. In der letzteren ist gerade der "menschliche Charakter der Kirche der Grund der Krisis und Dialektik. Der „qualitative Rnterschied", dieses theologische Grunddogma des reformatorischen Gedankens, das bekanntlich, von Karl Barth in Anknüpfung an Kierkegaard zum 21 und O der neuen Theologie gemacht wurde, erzeugt die Paradoxie und diese die Krisis und Dialektik, von dieser theologischen Haltung hat sich eine ihrer selbst bewußte jüdische Theologie fernzuhalten. Man darf das Mo ment des „qualitativen Unterschieds" nicht verwechseln mit dem einer bloß logischen Dialektik. Cs ist vielmehr wie H. w. Schmidt (Zeit und Ewigkeit, S. 21) dargetan hat, vor allem das einer ontologischen Spannung, das fundiert ist auf der christlichen Lehre vom Sündenfall. Man sieht daraus, wie falsch eg ist, das gewiß edel klingende Pathos des „qualitativen Unterschieds" naiv nachzusprechen, wie es Schoeps in völlig unkritischer Uebernahme der dialektischen Theologie in Bausch und Bogen getan hat. Leider hat auch Wiener diesen Fehler nicht ganz vermieden, vielmehr, ohne Beachtung der grundsätzlichen Diffe renz, die Lehre des „qualitativen Unterschieds" mit der negativen Attributcnlehre (die ja nur eine logische Dialektik impliziert) in eins gesetzt. Das Phänomen des Sanhedrin stellt also keinessalls die Cinschiebung einer „Kirche" zwischen G'tt und Volk dar. Cs bedeutet bloß die Konzentration der dem Volk überantworteten theologischen Arbeit in einer obersten Instanz, die vor allem für die hala chische Deziston als notwendig erscheint. Mit dem Aushören der an den Tempelbestand gebundenen svnhedrialen Gewalt ist daher das Dezistonscecht nicht notwendig, überhaupt verloren gegangen. Wäre das Sanhedrin eine Art Kirche gewesen, so würde seine 2lufhebung dem Untergang des jüdisch-theologischen Lebens gleichgekommen sein,. Da jedoch das Sanhedrin sich immer als eine durchaus menschliche Instanz und letztlich nur als die symbolische Repräsentation des Volkes vor G'tt betrachtet hat, konnten seine wesentlichen theologischen Funktionen ohne weiteres von Cinzelmenschen, die religiös und intellektuell genügend disponiert waren, übernommen werden. Jeder Lehrer wurde somit für seinen Kreis die halachische Instanz. In einer Form aber hat das Sanhedrin sich verewigt: seine Verordnungen blieben bindend. Wesentlich jedoch ist für diesen Sachverhalt — dessen Details hier natürlich nicht aufgerollt werden können — die Einsicht, daß alle gesetzlichen Bestimmungen des Sanhedrin nur dann , als nicht abrogierbar gelten, wenn sie sich bereits im Volke durchgesetzt haben. 2lnöererseits gilt selbst jeder Brauch als unaufhebbar — „selbst Elijabu könnte ihn nicht aufbeben" — wenn er bereits Volksgut geworden ist. Cs erfolgt also letztlich für die Begründung aller halachischen Arbeit an der gegebenen Offenbarung der Rekurs auf die halachische Haltung des volksist die talmudische Erzählung vom Streit zwischen! ganzen. Ebenso ist bei eindringender Betrachtung R. Clieser und dem Sanhedrin, wo dieses selbst einem' sichtbar, daß auch alle späteren kodifikatoren und Bath Ool, einer aktuellen 2lnrede aus der Trans-Dezisoren, z. B. R.»Iosef Karo oder etwa der „Cha kam Sofer zendenz, das Recht abspricht, die logische Entscheidung, die nun einmal der menschlichen Instanz des Sanhedrin überantwortet ist, irgendwie zu beeinflussen. Cs wird also ganz deutlich: das Sanhedrin ist keine sakrale 2lutorität, wie die Kirche als der „Leib" des Stifters (der selbst das „Haupt" dieses „Leibes" ist) dessen pneuma in sich trägt und so aus ihrer sakralen 2lntorität heraus entscheidet. Cs ist vielmehr seinem 2lnspruch nach nur „halachische Autorität", oder besser halachische Instanz, die nur durch das einmalige Faktum ihrer Einsetzung seitens der, Thora, nicht aber durch einen aktuellen pneumatischen Bezug aus G'ttes Wort, sanktioniert ist. Die theologische Erwägung, daß der Spruch ihre 2lutorität nicht etwa kraft einer sakralen 2lutorifation, sondern eben durch Zuerkennung seitens des Volksbewußtseins empfangen haben. Cs ergibt sich demnach, daß der elementare theologische Sachverhalt: das Volk ist als unmittelbares Korrelationsglied zu G'tt das Subjekt der Theologie, sich empirisch bewährt. Jüdische Theologie ist so in ihrem lebendigen Vollzug die Totalleistung des jüdischen Volkes an der 2lusfaltung der Offenbarung, primär in halachischer, sekundär in metaphysisch-theologischer Hinsicht. (Der letztere Gesichtspunkt soll demnächst gesondert behandelt werden. Aber auch er wird sich am Moment des exegetischen „Verstehens" orientieren müssen). malisch-literarische Arbeit, sondern aktualistisch-dez. sorische Funktion. Cs ist daher wesenhast „offene System". Diesem Sachverhalt: 'entspricht sinngemäß die Form und Anlage ihres StandarH-A)eFs> des Talmuds. nichtsdestoweniger hat der systematisch ^Gesichtspunkt' im Dien st e des fortschreitenden, 'ewig im Fluß befindlichen Arbeitens seine Gültigkeit. So scheint es uns heute das dringendste Erfordernis der jüdischen Theologie, die Prinzipien der halachischen Entscheidung neu zu sichten und die Dezision an den gewonnenen Ergebnissen zu orientieren. Ob diese Sichtung in der Tat ertragreich genug sein dürfte, um den halachischen Bedürfnissen der Gegenwart (man denke z. L. an die neu auftauchenden..halachischen Probleme, die die Sabbathoiligung in den landwirtschaftlichen Betrieben Palästinas betreffen) Rechnung tragen zu können, muß erst das Ergebnis dieser theologischen Prinzipienuntersuchung lehren. Rotwendig ist sic unter allen Umständen. Die in c t a p h y s i - scheu Probleme der speziellen Theologie sind gewiß brennend. Aber für die Existenz des Judentums als eines vom halachischen Denken primär bestimmten volkhasten Daseins sind eben die halachischen, daspraktische Leben regulierenden Entscheidungen zweifellos brennender. Hierfür ist eben die Klärung der Prinzipienfragon notwendig. Wertvolle Vorarbeit hierfür haben vom theologischen Gesichtspunkte, aus bereits Gelehrte wie R. Zebi Hirsch Chajcs (Darche Horaah 1842, u. a. Werke) Michael Guttmann u. a. geleistet. Begrüßenswert ist es, daß gerade vor wenigen Wochen das neue Semester des Berliner Rabbiner-Seminars durch einen Vortrag über „Die Veränderlichkeit der Halacha" (von Moses Auerbach) eingeleitet wurde, ein bedeutsames Zeugnis für die Notwendigkeit, im Interesse des halachischen Lebens ihre Prinzipienfragen neu aufzuwerfen. Cs bat sich ergeben: das jüdische Volk ist der Träger der halachischen 2lrbeit an der g'ttlichen Offenbarung und damit die letzte Instanz der Halacha. Die halachische Autorität der Cinzelpersönlichkeit und ihrer Entscheidungen ist nur sinnmöglich auf dem Grunde eines h a l a ch i s ch - d e n k e n d e n und diese 2l u t o t i t ä t fundierenden Volkst u m s. Die halachische Atmosphäre des Volkstums erzeugt die Autori - tat, und sie empfängt als Gegengabe die Entscheidung der-Autorität, der sie sich, als dem ihr Wesenseigenen, beugt. Heute fehlt für weite Strecken des jüdischen Volkstmns (vor allem im Westjudentum) die halachische 2ltmosphäre. So darf man, sich nicht über den Mangel an entscheiöungsmutigen Autoritäten wundern. Die rabbimsche Instanz muß, wenn sie den Rückhalt der halachischen Atmosphäre im Volke nicht hinter sich spürt, notwendig zu einer Art isolierter kicchenbehörde herabsinken, die sich aber andererseits, da ihr die organisierte kirchliche potestas natürlich 'ehlt, aller autoritativen Cntscheidungsmöglichkeiten von Format beraubt steht. Cs wird fo die dringendste Gegenwartsaufgabe, zur Herstellung der notwendigen Wechselwirkung zwischen Führern und Volk d i e groß e Masse ö e s v o I f cs wieder z u hala ch i s ch e m D e n ke n z u e r z i e h e n, es wieder in seine historische Funktion der halachischen Geraltung einzusetzen. Damit erst würde der Sinn jüdischer-theologischer 2lrbeit auf seinem vornehmsten Gebiete, dem Halachischen, wieder realisiert werden und das Volk Israel seine Würde als Partner der Berith wiedergewinnen. Wochenkalender. von, 2t. Juni bis 1. Juli 1833 / vom 30. Siwan bis 7. Tarn. 6893 ’»T> ep N'»3' Samstag Jun 24 IVO 30 V2 Sonnrag 25! 2 Montag 26 2 SS Dienstag 27 »ßn 3 32 Mittwoch 28 4 32 Donnerstag 29 5 . "12 Freitag 30 6 N2 Samstag Juli 1 7 12 'K jns mp Vin sm'-n rr nr V1N '3 DV '1 '3 ps

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