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Der Israelit · 1933-06-22 · Heft 25 (22.6.1933) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 25 (22.6.1933)
Date
1933-06-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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22. Juni 1933 Der Israelit Nr. 25 Seite 3 auf der Höhe von Sased aus den Augen gelassen. Tiberias und Sased gehörten ja mit Jerusalem und Hebron zu den msnx srnnx des alten Iischuw > den man von der-karte des neuen Palästina so gut wie gänzlich striche Wer aber einmal die herrliche Landschaft um Sased gesehen hat, von der Höhe den Ausblick ins Kinerettal und auf die weißen Gipfel des Hermon und Tabor genoß, wer da einmal die würzige Luft, auch wenn im Hochsommer das Tal in tropischer Hitze brütet, eingesogen hat, der begreift es, warum schon in Bibel und Talmud Sesoris oder Sased — annn by msxa nnwrw '->128, als die perle des oberen Galiläa bezeichnet wurde. Wir wollen aber hier kein romantisches Idyll entwerfen, sondern ganz sachlich davon reden und darüber klagen, daß in einer Zeit, die stetig nach neuen Auswertungsmöglichkeiten in Palästina sucht, noch keiner daran gedacht hat, jene äußeren Schönheiten und inneren Bodenschätze von Stadt und Land im Borden Ccez Iisroels in den Dienst des Ansbans zn stellen und daraus eine Menschen ernährende Industrie zu machen. Wenn man bedenkt, wieviele Tausende von Soinmersrischlern ans Aegypten, Palästina selbst, ja auch aus dem ferneren Ausland Jahr für Jahr nach dem Libanon pilgern, nm ans seinen Höben die Sommermonate zu verbringen, so kann man danach ermessen, wieviele von dieser Schar der Ratnrsreunde und Kurbedürftigen die ungleich schöneren. Höhen von Galiläa bevorzugen würden, wenn sie in Sased und Umgegend die gleichen Voraussetzungen für Kur und Komfort fänden wie im Libanon; wenn die Hotels, Heilanstalten, Sanatorien,, die Parkanlagen und alle anderen zu einem Erholungsaufenthalte einmal nötigen Einrichtungen in Sased und Umgegend so ausgebaut wären wie sie in Syrien in letzterer Zeit unter dem Protektorat der französischen Macht entstanden. Wie viele jüdische Handwerker, Restaurateure, Metzger, Bäcker usw. — und gerade solche, die es in Deutschland gelernt haben, mit solidem Betriebe in schöner Ausmachung dem ästhetischen Empfinden eines Kurpublikums Rechnung zu tragen, — könnten sich dabei redlich und reichlich ernähren! ' Sased, Tiberias wie das obere Galiläa überhaupt, sind heute schon das ganze Jahr hindurch die beliebtesten Äusslugsplätze für die bemittelten Touristen aus Amerika und Europa. Die Unterkunsts¬ und Verpslegungsverhälkniffe da oben schreien aber geradezu nach fachmännischen Händen. Der nun vollendete Ausbau der heißen (Duellen von T ib e r i a s in modernem Sinne lockt Knrbediirstige in großer Anzahl dahin. Und diesen winkt vom kanaanitischen Berg vor Sased, der die kühlste und würzigste Lust im Lande hat, die gegebenste Gelegenheit zur Rachkur zu. Durch entsprechende Gründungen an dieser Stelle könnte ebenso den Kranken und Erholungsbedürftigen, wie Vielen, die im Besitze von Geldmitteln und Fachkenntnis eine Existenz suchen, bestens geholfen werden. Cs ist ein Fehler, daß die Palästinawanderer zum überaus größten Teile ihre Augen nur nach dein überfüllten Tel-2lwiw richten, wo das Leben und die Wohnungen so teuer sind, daß sie in kurzer Zeit die letzten Ersparnisse der Einwanderer auszehren. Der kleinere Rest denkt höchstens noch an Haifa, die als Stadt der Zukunft gilt, aber eigentlich noch keinen Existenzboden für die Gegenwart bietet, während der Rorden mit seinen noch unausgeschöpsten Möglichkeiten ganz übersehen wird. Auch Galiläa ist noch in Crez Iisroel, heiliger Loden, genau wie Judäa, und seine Städte sind Zentren warmer unverfälschter Iüdischkeit, wo die Kinder von Gifte der nationalen Assimilation eher verschont bleiben. Wichtig wäre es, daß innerhalb der Gesetzestreuen Palästinas sich eine Kommission bildet, um die Wege nach Galiläa zu ebnen/dort die Voraussetzungen für die Ansiedlung zu schassen und denen, die die Mitte! und die Eignung mitbringen, an die Hand zu gehen, daß sie dort dem Lande und sich selbst dienen. Palästina wird leider vorerst eine rationelle Lösung der Iüdensrage nicht bringen, aber die Frage Galiläas kann durch die neue 2l u s w ander u n g s w e l l e wohl gründlich gelöst werden. * Aeifrrl und Abdullah. Feisal heißt der König vom Irak. Abdullah ist der Uame des Emir von Transj o r d a n i e n. Feisal geht es gut, sein Land braucht keinen „Schuldigen", darum gibts im Irak keine Iudenfrage. Abdullah geht es weniger gut, sein Land jenseits des Jordans liegt.brach, sein Volk hungert. Und da es bislang keine Juden in Transjordanien gab, denen man die Schuld für alles Unglück, — für Dürre, Rogenmangel, Heuschrecken und primitive Bodenbearbeitung — zuschieben konnte, muß man sie herbeihoten, die Juden nämlich, um über sie als den Sündenbock herzufallen. König Feisal vom Irak wollte dieser Tage in Palästina. Cr empfing in Jerusalem eine arabische Delegation, die ihm ihre Rot „infolge der jüdischen Invasion" klagte, und der König war höflich und huldvoll genug, seinen islamitischen Glanbensbrüdccn von der anderen Seite zu erklären, daß es keine Iudengefahr für das Land gebe, daß das jüdische Siedlungswerk eine „vorübergehende Erscheinung" sei und Palästina arabisch bleiben würde wie England englisch und Frankreich französisch sei. Wie Allah will! Zur gleichen Zeit aber bestürmten in der Hauptstadt Transjordaniens, in A m m a n , die Rationalisten ihre n König, ihre bittere Rot zu beheben, aber nur ja keine Juden ins Land zu lassen. In niensrage heute für die Juden, und erst recht für die neuen Wanderteile unserer Gemeinschaft, nur ein Phantom bleibt, ist von den Rationalisten Transijordaniens durch jene Ducrtrcibcreicn erreicht. Der! Hunger wird das Volk vermutlich noch zu weiteren j Aktionen treiben, die aber, in Ermangelung an Injden, ihre Richtung nach anderen Zielen nehmen 'werden.! Und dabei hätte man sich, sähe die Welt vom Jordan bis zum Rhein, vom Euphrat bis zur Donau heute anders ans, eine Zusammenkunft zwischen Feisal und Abdullah ans halbem Wege in Palästina auch anders denken können. Transjordanien zeigt, von welch rettender Bedeutung ihm die jüdische Kraft, das jüdische Geld und der jüdische Unternehmungsgoist wäre. Der König v o m I r a k könnte aber aus den Erfahrungen in seinem Heimatlande, wo es wirklich Inden ohne Indenfrage gibt, bezeugen, i wie wohl es sich machen läßt, daß Juden und 'Araber 1 freundnachbarlich miteinander leben und arbeiten und am gleichen Strange ziehen zum Wohlc und zum Segen für Land, Volk nnd Staat. In p a l ä st i n a selbst spricht jeder Dunain Fruchtboden, der durch jüdischen Willen und sehr oft mit Hilfe arabischer Hände dem Sumpfboden abgernngen wurde, für diese Synthese, die Bosheit und Engherzigkeit,. zum Schaden aller, zur 2! n t i t b c f c machen. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat Juli Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M, Transjordanien gibt es zur Zeit eine Judenfrage ohne Juden, eine Iudensrage im p o - s i t t v e it und eine solche im negativen Sinne. Unzählige Scheichs, der ganze alte 2ldcl des Landes, und an ihrer Spitze Emir 2lbdullah selbst, sehen die einzige Rettung des Landes vor der Verwüstung nnd des Volkes vor dein Verhungern in dem verkauf der weiten brachliegenden Ländereien an Inden, von denen man nach der palästinensischen Erfahrung weiß, wie sie Sümpfe in blühende Aecker zu verwandeln, Geld, Kultur und Wohlstand auch für die einheimische Bevölkerung ins Land zu bringen verstehen. Demgegenüber verstanden es aber einige interessierte Esfendis mit Hilfe der anderen Seite, die Bauern ohne Land und die 2lrbeiter ohne Arbeit gegen die Juden zu hetzen, die noch gar nicht da sind, und gegen 2lbdullah, den Emir, der der Juden Protektor sei. Zur gleichen Zeit, als König Feisal in Jerusalem das stolze Wort an die Araber richtete und mit einem Hauche aus seinem königlichen Munde eine Entwicklung von fünfzig Jahren zurückschrauben zu können glaubte, hielten die transjordanischen Rationalisten in ihrer Hauptstadt ihre Protestkundgebung gegen die Inden ab, die „die Transjordanier um ihre Rechte berauben wollen." Sie stellten zwölf Thesen aus (ob ste wohl die Zahl von der Deutschen Studentenschaft übernommen haben?), die sich zum Teil aus eine Säuberung des Beamtentums, eine Befreiung vom Ausländertum, eine Bodenverteilung an die Fellachen, einen Steuererlaß usw. erstrecken, in der Hauptsache aber e i n G >e s e tz erstreben, durch das Juden verboten werden s o l l, in Transjoröanren zu leben und Grund und Boden zu erwerben. In welchem Maße diese Entschließungen und Forderungen aus Emir Abdullah und seine Berater Eindruck machen werden, ist nicht bekannt. Daß aber die ganze Transjoröa- Was ist jüdische Theologie? Beiträge zur jüdischen Reuorientierung. Von Rabbiner Dr. Alexander Alimann in Berlin. II. Anstelle der Kirche steht im Judentum das Volk als der unmittelbare Träger der historischen Dssenbarung. Das Volk hat die Lehre G'ttes, die Thora, empfangen und bat sie nunmehr im Alltag seines Daseins durch alle Zeiten zu verwirklichen. 2lusdruck dieses Unmittelbarkeitsverhältnisses ist das Symbol der Berith, die nach dem Sinai-Vorgang G'tt und Volk zu einer geistig-sittlich-metaphysischeu (nicht etwa rein biologisch-ritualistischen. wie Goldberg-Unger wollen) Bundesbeziebung zusammenschließt. Die absolute Theokratie ist die staatsrechtliche Verfassung, die diesem Berith-Vcrhäitnis entspricht. (Die Sinngetadenbeit und retigions-phänomenologisch einzigartige Form dieser Theokratie hat Buber jüngst gut berausgearbeitot vgl. Buber, Königtum G'ttes, S. 60I Die Realisierung dieses Bundes durch die tägliche Verwirklichung der Thora erfordert nun eine immer neue, aus jeder Situation sich gebärende Fragestellung an die ewige, aber durchaus nicht eindeutig jeden Vorgang regelnde Dssenbarnng. Die 2krbeit an der Dssenbarnng ist somit eine wesenhast unabgeschlossene, durch jeden Tag geschichtlich neu geforderte. Daraus ergibt sich die geschichtliche Dynamik der jüdisch-theologischen 2lrbeit. Das lebendige Volk ist berufen zum theologischen Tun. Zugleich ist damit das Prinzip der Entfaltung der Halacha aus dem. Wesen der berith-stistenden Dssenbarnng Fier einschibar. Das Wort „Entwicklung" wäre n'üßvcrständ- | lieb. Besser sagen wir: Entfaltung. Jedes Wort der i Thora hat, wie im Talmnd mehrsach betont wird, Fahlreiche Aspektmögltchketten, die im geschichtlichen 'Daseinsprozeß mit seinen Notwendigkeiten kooperativ durch die Geschlechter erarbeitet werden. Diese unmittelbar an der einmalig-statischen Dssenbarnng geleistete dynamische 2lrbeit des Durchsorschens und 2lnwcndens, kurz, die halachischc Arbeit an der Thora, darf als die theologische Arbeit des Judentums bezeichnet werden. Damit ist die Aufgabe des Hernieneutischen „Verstehens" der im engeren Sinne „theologischen" Sinnkomplexe (Schöpfung, Dssenbarung, Rlessianismns, Attvibutenlehre, Lohn und Strafe usw.) nicht als wcsenhaft n ich ttheologisch deklariert und aus der Theologie ausgeschaltet. Ihre Zugehörigkeit zur Theologie erhellt schon daraus, daß der Berith-Vorgang sowohl rein gesetzliche Forderungen, wie geschichtsmetaphysische und spezifisch theologische Sachverhalte zur Offenbarung bringt. Aber der Kern der Bnndesbeziehung wird eben durch das theokratisch-gesetzliche Clement repräsentiert. Damit ist ein grundlegender Gesichtspunkt gewonnen: Im Zen-

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