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Der Israelit · 1933-06-08 · Heft 23 (8.6.1933) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 23 (8.6.1933)
Date
1933-06-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 23 8. Juni 1933 beraten und verabschiedet, ohne daß das jüdische /Gesamtproblem. in Deutschland zur Sprache kam. Nachdem das Gutachten der Juristenkommission die deutschen Einwände gegen die Petition nicht anerkannt hat, verliest der Berichterstatter ,L e st er noch, einmal seinen Bericht, der jetzt in der Form etwas gemildert ist. Der deutsche Vertreter erklärte darauf, sich in seiner Auffassung durch das Gutachten nicht beirren lassen zu können, er wolle sich jedoch zum Berichte der Stimme enthalten. In ähnlichem Sinne spricht sich der italienische Vertreter aus, der die wiederholten Erklärungen der deutschen Reichsregierung als genügend erachtete Älle anderen Vertreter stimmen dem Berichte, unter Hinweis auf ihre Aeußerungen in der letzten Sitzung bei. Besonders der spanische und englische Delegierte bekunden ihr Vertrauen, daß die deutsche Reichsregierung den Streitfall im Sinne des Minderheitsrechtes aus der Welt schassen werde. Damit darf die Sache als erledigt betrachtet werden. Nach den Gepflogenheiten des Völkerbundes wird die deutsche Reichsregierung durch ihren Vertreter mber ihre unternommenen Schritte zur Wiederherstellung der Rechtslage in Oberschlesien dem Ratsberichterstatter Mitteilung machen. Judeir-Debatte auf der Tagung des IVeltverbandes " der völkerbundligen. Montreux, 8. Juni. Die Minderheitenkommission des Weltverbandes der Völkerbundligen widmete ihre Sitzung vom 4. Juni der Lage der Juden in Deutschland. Dr. M o s s i n s o h n schilderte die Lage der Juden in Deutschland. Frau D u g d a l e, Herr B o r e l von der französischen Völkerbundsliga und Herr Vaxa von der tschechoslowakischen Völkerbundslga vertraten den Standpunkt, daß Rasienverfolgung nicht, wie Deutschland behaupte, eine interne Angelegenheit Deutschlands sei. Der neue Leiter der deutschen Delegation, Gouverneur Dr. Schnee, erklärte, daß einige der von der deutschen Regierung ergrifsenen Maßnahmen nur vorübergehenden Charakter haben. Die ganze Angelegenheit sei noch nicht beendigt, der Verband müsse die Resultate abwarten, Dr. Schnee bestand darauf, daß die jüdische Frage eine interne politische Angelegenheit ist, und sagte, daß die deutschen Juden keine Minderheitsrechte wollen. Die HerrenM o tz k i n und Mander setzten sich mit Dr. Schnee auseinander. „Wir Engländer," sagte letzterer, „sind stolz auf die englischen Juden und ihre Leistungen für die englische Nation.". Die Kommission ernannte eine Unterkommission auch acht Mitgliedern, einschließlich Herrn M o tz k i n, die die Aufgabe hat, den Text der Resolution über das Verhandlungsthema zu entwerfen." Am Mittwoch, den 7. Juni, fand die Schlußsitzung, statt. Die in den Kommissionen vorgeschlagene ENtschlie-, hung in der I u d e n f r a g e fand den heftigen Wider-! stand der deutschen Delegation, die es ablehnt, in eine Diskussion? ühex.ll nnerüeutsch e. Fragen einzm gehen. Die schließlich, bei Stimmenthaltung der,, Deutschen 'angenommene' Pesolüticin 'bringt den''Gedanken, zum Ausdruck, daß jeder Staat:gehälten sei, allen-seinen! Bürgern, die sogenannten Menschenrechte in einem Um-s fange zuzugestehen, wie sie durch die Minderheitenverträge gewährleistet sind, und schließt mit der Bitte an den Präsidenten Lord Robert C e c i l, die Empfindungen des Weltverbanües in einem Brief an die deutsche Abordnung zum Ausdruck zu bringen. Polen. Aktion für die ^ubliner Jeschiwa.- W a r f ch a u, 2. JüNi. Auf einer Propagandaveranstaltung für die Lublin er Jeschiwa in Warschau, bei der neben dem Lubliner Raw und Leiter der Jeschiwa auch die prominentesten Männer der Warschauer Judenheit das Wort ergriffen, wurden 60.000 Zloty für den, Rettungsfonds der Lubliner Jeschiwa gezeichnet. Von öer Acren Hathora-Zentrale in Polen. . W arsch au, 2. Juni. Angesichts der großen Not der Jeschiwoth und anderer religiösen Erziehungsanstalten, mit der sich in letzterer Zeit auch vielfache Sitzungen in Wilna unter Vorsitz Der I s r a eilt _ '•von Rabbi Oser Grodzenski befaßt,haben, hat die Keren Hathora-Zentrale in. Warschau.einen Aufruf erlassen, durch eine kleine Besteuerstng der Sabbatlichter, ein Notfonds fÄ die Lehranstalten zu schaffen. Man hofft, daß 'die, Aktion guten Anklang findet und mt der.-großen Spende viel zur Besteuerung der Not in d'en Schulen und Lehrhäusern erreicht, wird.' Empfang beim polnischen Außenminister. Warschau, 2. Juni. Mr. Harry Goodman aus London, Mitglied der Politischen Exekutive der Agudas' Jisroel, wurde, gemeinsam mit dem agudistischen Deputierten Minzberg vergangene Woche vom polnischen Außenminister empfangen. Mr. Goodman gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung, sowie sie den jüdischen Bürgern Polens jn politischer Hinsicht, während der letzten Jahr,e in dankenswerter Weife entgegengekommen sei, auch auf wirtschaftlichem Gebiete der bedrängten polnischen Judenheit ihre Hilfe nicht versagen werde. Der Minister erklärte, daß die Regierung sich verpflichtet fühle,, für die bedrückten jüdischen Mitbürger einzutreten, weil sie keine Unterschiede nach Rasse und Religion mache, und alle Staatsbürger Gleichberechtigung genössen. Ihm . persönlich sei der Antisemitismus unbegreiflich; er verabscheue ihn als mittelalterliche Barbarei. Die polnischen Juden seien durch die Geschichte mit dem polnischen Volke durch Jahrhunderte verbunden und beiden das auch weiterhin durch ihre staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten. Der Minister erklärte'sodann, es freue'ihn, daß die Agudas Jisroel die Berechtigung der regierungsfreundlichen Politik der polnischen Agudas Jisroel anerkenne. Herr Goodman konferierte mit dem Minister' noch über einige Vorschläge der Aguda in bezug auf allgemeine. jüdische Fragen, wie z. V. über eine Erleichterung der schwierigen Lage der Besitzer von Nansen- Pässen, über die Möglichkeit einer landwirtschaftlichen Kolonisation von polnischen Juden in gewissen Gegenden Frankreichs und über die landwirtschaftliche Ausbildung junger Juden aus Deutschland auf -polnischem Boden. Der Minister versprach, für die günstige Erledigung der oorgebrachten Wünsche einzutreten. Gras Josef Potocki stattete dem Vertreter der Agudas Jisroel, Herrn Goodman, vor seiner Abreise namens des Außenministeriums im Hotel einen Besuch ab. Tschechoslowakei. Eine neue agudistifche Hachscharastation. N i t r a, 4. Juni. Am Sonntag, 33. Omer, wurde die erste agudistifche Arbeitsstätte („Machne Aulim") zur theoretischen und praktischen landwirtschaftlichen Ausbildung orthodoxer junger Leute in feierlicher Weise eröffnet. Hier sollen auch die jungen Agudisten aus der Slowakei und P.K.R., die für die Schaffung und Erweiterung^ der orthodoxen landwirtschaftlichen Siedlungen in Erez Jisroel in Betracht kommen, ihre religiöse-und praktische .Ertüchtigung erfahren.: Es'sind vorläufig, 16 junge Leute, sämtlich ehemalige Schüler von Jeschiwoth, auf den Gütern der Herren Heinrich und Julius Schlesinger in' Ina und Nitra untergebracht. Die Herren Schlesinger: fänden sich in dankenswerter Weise, bereit, sihre AusHilduntz? selbstlos! 'zu, leiten.,. Zur Eröffnungsfeier fand .sich eine, große Anzahl'der Mitglieder der Nitraer Agudajugendgruppe und Herr Emil Koth aus Bratislava als Vertreter der Agudas Jisroel-Iugendorganifation in Ina ein. Dort wurden die Gäste von den hoffnungsfrvhen Eleven aufs herzlichste begrüßt. Bei der Feier ergriff als erster Herr Koch dqs Wort. i(^r ermahnte die Teilnehmer an hre große Aufgabe und legte ihnen die Erfüllung ihrer! fPflichtest rstit. eindringlichen Worten ans Herz. Seine Ausführungen ernteten reichen 'Beifall. Darauf sprach Herr. Isidor Katz, Vorsitzender des „Machne-Aulim-Komitees" der Nitraer Agudä-Jugendgruppe, und spornte die jungen Leute zu! vorbildliches Leistungen an. Namens der ostslowakischen Agndajngend. prach Herr Hermann T h all er aüs lptropkow und berichtete über die? Begeisterung, mit der die Schaffung dieser. Arbeitsstätte und 'die ZufsihxunH thoradeflifsener junger Leute zur landwirtschaftlichen Berufsbetätigung in den jüdischen Gemeinden-der Ostsiowakei ausgenommen wurde. Mit dem Absingen des «H1k'owzu"-Lieöes 'and die stimmungsvolle Feier ihren Abschluß. Nach der Feier wurden die Gäste von dem allbeliebten Gutsverwalter, Herrn Lamm, auf das gastfreundlichste bewirtet. Rumänien. Landeskonferenz der Agudas Jisroel in Rumänien. # Groß würde i n2. Juni. Am 10. Siwast'''findet hier etri£;!Ö a n d e s k o nfe - renz der Ägm das Jisroel statt, wobei der Moezos Chachme Hathauro (Rabbinifcher? Rat) für Rumänien konstituiert werden soll. Die Konferenz wird sich in weitem Umfange mit Erez Jisroel-Fragen und der Sammeltätigkeit des Keren Hajischuw befassen. Gegen das Monopol der Jewifh Agency zur Verteilung, von Einwanderungszertlflkaten, das eine schwere Ungerechtigkeit gegen die Orthodoxie bedeutet, wird' Protest eingelegt werden. . , Der G. A. der Agudas Jisroel wird bei öer Konferenz durch die Herren Dr. Leo Deutschländer und Redakteur Schönfeld-Wien vertreten sein, die im Anschluß an die Tagung eine Propagandareife durch Rumänien unternehmen. Dank der Tätigkeit der Großwardeiner Agudas Jisroel sind in letzter Zeit in verschiedenen rumänischen Orten neue Ortsgruppen gegründet worden« Tagung der Repräsentanz der transsvlvanischen Orthodoxie. Cluy, 1. Juni. Vor kurzem tagte in Klausenburg die Repräsentanz der orthodoxen Landeskanzlei in Transsyhvanien. Dia Konferenz beschäftigte sich mit den laufenden Angelegenheiten der rumänischen Orthodoxie und mit der durch die tristen Finanzverhältnisse der Gemeinden hervorgerufenen Not der Gemeindeangestellten. Es wurde ferner beschlossen, eine Hilfsaktion zugunsten der notleidenden deutschen Juden durchzuführen und den Erew Rosch Chodesch Siwan als Taanis zu proklamieren. Weiter wurde als Resultat einer eingehenden Beratung beschlossen, einen Jssur gegen Schechitas-Chuz zu erlassen. Der zweite Tag war vornehmlich mit Erziehungsfragen ausgefüllt. Oberrabbiner Fuchs, Großwardein, wies in einem Referat auf den immer ansteigenden Abfall Jugendlicher vom historischen Judentum hin, der durch die Propaganüaarbeit der Zionisten verursacht wird. Es müßten Mittel und Wege gefunden werden, um die Jugend der Orthodoxie zu erhalten. Oberrabbiner Sof e r, Marosvafarhely, beantragte die tatkräftigste Förderung der bestehenden und die Unterstützung von Neugründungen der „Zeire-Agudas-Jisroel-Gruppen". Nur die straffe orthodoxe Organisation ist imstande, die Jugend, trotz der zionistischen und misrachistschen apikorsischen Agitation, der Orthodoxie zu erhalten. Er wies auf einen an ihn gerichteten Brief des Belzer Raw hin, in welchem derselbe, der bisher der Aguda nicht beitrat, schreibt, daß er mit der Gründung von „Zeire-Agudas- Jisroel-Gruppen" einverstanden ist und daß die Gründung solcher Gruppen, dort wo die areligiösen Zionisten Fuß gefaßt haben, besonders zu empfehlen fei. Es wurde beschlossen, die agudistischen Jugendgruppen wohlwollendst zu fördern. Der Kroler Raw, Rabbi Teitelbaum, verlangte eine intensivere Beschäftigung der Jugend mit dem Lernen,- besonders wies er auf die Musfar-Seforim hin. Durch die engere Verknüpfung -der Jugend mit dem Vöshamrdrosch soll dem geschilderten Abfall entgs^snge-- wirkt .werden. •.••••? - Nachdem die Konferenz"sich noch mit den Differenzerr in einigen Gemeinden beschäftigte und Beschlüsse faßte, um diese beizulegen, wurde die Tagung geschlossen. Weitere Korrespondenzen siehe Seile 11.) Berichtigung. In' Nr. 22 des „Israelit", Literarische Warte, erschien eine Besprechung der Broschüre „Die Diskussion über den Begriff der nationalen Minderheit", wöbet irrtümlicherweise nur öer Vorname des Verfassers angegeben wurde. Verfasser ist Dr. für. Hellmut Tanzmann, Verleger die Firma Risse-Verlag; in Dresüen-A. 1, ^chießgassel. Die Broschüre kostet Mk. 3.—: Personalien. Halberstadt. 2. Juni. Am 22. Isar, dem 1. Jahrzeitstag unseres unvergeßlichen Rabbiners Dr. Isaak Auerbach Wt, versammelten sich die Mitglieder unserer Gemeinde zu einer schlichten Gedenkfeier auf dem abw rra - In zu Herzen gehenden Worten entwarf der erste Redner, Herr Mbb.'Dr. Fr am kl, ein Charakterbild unseres dahingegangenest' Führers Md.; Meisters, dessen unsere Gemeinde und die gesamte so 'schwer leidende Judenheit heute so dringend benötigt hätte. '.-uv-' „Wer kann ihn ersetzen, wer die klaffende Lücke ausfüllen?" Noch einmal schauten wir im Geiste

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