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Der Israelit · 1933-06-08 · Heft 23 (8.6.1933) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 23 (8.6.1933)
Date
1933-06-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Der Israe l l t Nr. 23 Seite 3 8. Juni 1933 Ein historisches Bekenntnis. Bei den Genfer Beratungen am Ntontag nachmittag über die sogenannte Bernheim-petiition in Sachen der oberschlestschen Juden tritt aus dem Komplex der Verhandlungen, die uns im Ganzen gewiß keine ungetrübte Freude brachten, e i n Rloment hervor, das Ln seiner hervorragend historischen Bedeutung festgehalten werden muß. .Unter den Staatsmännerndie nacheinander ihre Weinung äußerten, ergriff auch der Vertreter Spaniens das Wort ZU einem historischen Bekenntnis, vor 400 Jahren, sagte ec, haben wir die große Schuld auf.uns geladen,-die Juden aus dem Lande zu weisen, .wirb e.dan ent es heute sehr und bemühen uns, das Unrecht durch Gleichberechtigung der einheimischen Juden und durch Oeffnung der Tore für jüdische,Änigrgüten wieder gut zu machen. Man darf keine allzugroßen Hoffnungen in politischer und wirtschaftlicher Beziehung an diese schönen Worte knüpfen. Spanien' ist, wie alle anderen Länder Europas, von der Krisismud Arbeitslosigkeit miterfaßt, und mit- Toleranz allein können die Menschen, die nach Spanien'gekommen und, , wie wir jüngsthin leider Mitteilen konnten, dort in größte Uot geraten sind, kein Dach über ihrem Haupte und fein Brot für ihre Kinder beschaffen. Vor einer planlosen Auswanderung nach Spanien wird wiederholt gewarnt. Nichtsdestoweniger behält jene Aeußerung des spanischen Diplomaten vor dem höchsten Weltforum in Genf ihre eigene historische Bedeutung. Line historische „wrdui", zugleich -ein Memento und eine Warnung an alle ... Die spanischen Machthaber denken historisch genug, um zu wissen, daß der kurz nach Austreibung der Juden einfetzende Niedergang der spanischen Weltmacht kein bloßer Zufall war, sondern eine Bestätigung der Tatsache, daß man nicht Menschen, die führend -in Kunst und Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft sind, entwurzeln und aus dem öffentlichen Leben ausschalten kann, ohne sich selbst, der eigenen geistigen und wirtschaftlichen Kultur damit den Todesstoß zu versetzen. Sie wissen ebensogut, daß das rapide Aufsteigen des bis dahin kleinen Holland, das just zu jener Zeit mit der Aufnahme eines Teiles der spanischen Anden etnsetzt, auch kerne Laune des Zufalls sei. Die Feierlichkeiten, die Holland zur Zeit zu Chren von w i l h e l m v o n G r a n i e n begeht, haben manche Dokumente an den Tag gefördert, die jene inneren Zusammenhänge belegen. Cs war somit gewiß keine sentimentale Anwandlung des spanischen Außenministers, als er jenes Bekenntnis am Montag nachmittag im Völkerbundsratc öffentlich vor aller Welt ablegte. Kleines Feuilleton. Gin Rabbiner im Radio. Wie bereits an dieser Stelle berichtet, feierte die Kopenhagener Gemeinde das hundertjährige Jubiläum ihrer Synagoge. Dieses Fest gab der „Stwatsradiofonie" Anlaß, Herrn Oberrabbiner Dr. M. Friediger zu ersuchen, über das Thema „die Synagoge in Kopenhagen" zu sprechen. In -würdiger Form und übersichtlicher Kürze verstand es der Referent — die Synagoge als Mittelpunkt betrachtend — ein Bild über das Leben der Juden in Dänemark in den letzten 300 Jahren zu entwerfen. Dänemark habe es niemals bereut, die Juden als gleichberechtigte Bürger zu behandeln. Sowohl im Kriege als im Frieden haben' sie sich als treue und ehrenhafte Staatsbürger bewährt. Der Jude diene dem Staate, in welchem er wohntmit voller Aufrichtigkeit. Weder Religion noch Abstammung bilde die Grenzen der Völker. Die Synagoge, die einen Abglanz des Tempels zu Jerusalem darstelle, erziehe uns zu denselben ethischen Grundsätzen, die das Stiftszelt in der Wüste symbolisiere, was wir auch in unseren täglichen Gebeten so deutlich zum Ausdruck bringen: wir beten für das Wohl aller, alle Menschen haben einen Schöpfer: gleiche Rechten und Pflichten für alle, die im Ebenbilds G'ttes geschaffen sind, jedes Volk und jede Religion gehöre als gleichwertiger Faktor in die Sinfonie der Menschheit. Diese absolute Freiheit drücken wir u. a. durch einen orientalischen Brauch aus. indem wir bedeckten 'Hauptes vor die g'ttliche Majestät hintreten. I wir wollen bas stolze ehrliche Wort, wenn auch zunächst kein praktischer Nutzen für das wanderlos! unserer Gemeinschaft daraus entstehen kann, doch als eine m o r a l i sch e Wiedergutmachung , nach 440 Fahren mit Dank. und Genugtuung registrieren. Die «einzige" Lösung... „Die Lösung des deutschen Iudenproblems liegt einzig in pa l.ä st i n a ," so sagte Nahum S o - kolow dieser Tage >in einem öffentlichen Vortrage ■i]\ Lynch o n, „Palästina kann im allerbesten Falle nur 5 0 00 0 jüdische - Einwanderer jährlich aufnehmen!" lautet eine Aeußerung, die Chajim weiztn a n n fast zur gleichen Zeit in offizieller Form in p a r i s getan hat. ' .> Wer hat recht, Sokolow oder weizmaun? wo ist die Wahrheit gesprochen-Wörden, in London öder in paris? - . Selbst nach der nunmehr in den politischen Blättern veröffentlichten Ergänzung, zu der Reöeweizmanns, wonach weizmanns-Zahl, nur als „vorerst" und „jährlich" zu verstehen fei, bleibt noch eine so weite Distanz zwischen den Botschaften beider zionistischer Führer, daß sie mit aus ehrlichen wünschen geborenen Gedanken und Ideologien nicht zu überbrücken ist. Ls muß gesagt werden — wir konstatieren, es mit tiefstem Bedauern — daß in diesem Punkte der Realpolitiker weizmann die Dinge richtiger steht, als der Außen- und Propagandaminister des Zionismus Sokolow. „Ich war überall in der Welt," sagt Sokolow, „und fand als einziges Land, in dem die Müschen zufrieden und im besten Glauben an ihre Zukunft leben, Crez Israel. Aber das Land liegt brach und hätte noch Platz für zehn T e l - A w i w s mit je 60 000 Rlenschen, für deren Schaffung gerade das deutsch-jüdische Clement am besten geeignet wäre . . .“ Da es aber nicht durchwegs Kapitalisten sind, die sich heute nach Crez Israel getrieben oder hingezogen fühlen und da die wenigen Kapitalisten — leider — ihr Geld in europäischen Banken und Industrien immer noch besser ausgehoben glauben als dort, wo die Zeder blüht, so bleibt doch jene Sokolow'sche Aeußerung eine schöne L^rik, mit der man weder Städte bauen, noch das deutsche Iudenproblem rationell lösen kann. Cs ist wahr: man steht in Palästina viele, recht viele zufriedene junge Mnschen, mehr vielleicht als in allen anderen Städten Europas. Cs braucht kein junger Mensch mit gesunden Gliedern, der arbeiten will, in Judäa und im Cmek zu hungern. Und das ist viel, das Schönste vielleicht, was wir p« nnatpa sagen können in einer Zeit, da überall in der Welt Arbeitslosigkeit und Deklassierung durch öffentliche Fürsorge gerade die Iugendkraft der Nationen aufreiben. Aber darüber hinaus muß doch, angesichts der Tatsache, daß in der Vorstellung Unzähliger heute Palästina ein Dorado, eine Art Schlaraffia ist, die bittere Wahrheit ausgesprochen werden, daß wir auch viel Elend und Verzweiflung int Lande gesehen haben. Nirgendwo — auch in den Gstländern nicht — haben wir so viel nackte, darbende, hohlwangige Armut gesehen, wie in den alten lvuartieren von Jerusalem, Tiberias usw. Und auch im neuen Iischuw, in Stadt und Land, kann man viel Hoffnungslosigkeit sehen, wenn man sich in den Kolonien „ K f a r Gideon", oder „ k e f a r Chassidim " oder in der neuen Stadt des Cmek Äful§ aushält. wir wollen damit gewiß keinen entmutigen. Im Gegenteil wären wir glücklich, wenn recht viele junge Menschen, besonders thoratreue Elim aus Deutschland und Polen, ihr Leben von unten herauf in Crez Israel aufbanten, um dort auch die brennenden geistigen Probleme zu lösen. Aber ältere Jahrgänge und Familienväter ohne Kapital und ohne Fähigkeit zur grundlegenden inneren und äußeren Umstellung, müssen über die Dinge von vornherein so orientiert sein, daß sie vor schweren Enttäuschungen bewahrt bleiben. Hat nun werzmann recht, so dürfen die maßgebenden Instanzen über der Förderung der Cmigration und besonders der palästLnaauswanöemng nicht das Hauptziel aus dein Äuge verlieren: die Wahrnehmung aller Möglichkeiten und Gegebenheiten zur Lösung der deutschen Iudenfrage -im Lande selbst. Durch die Märchen von der unbegrenzten Aufnahmefähigkeit Palästinas, die den weg auch zu den regierenden Kreisen des neuen Deutschlands finden, werden jene Möglichkeiten gehemmt und gemindert. Darum war vielleicht weizmanns Feststellung, die vcn den Gefühlszionisten als Defaitismus stark angegriffen wirb, ein rechtes Wvrt zur kochten Stunde. Der Sinn der jüdischen Führung. Von I. Raphael in Berkum. Die Richtungslosigkeit — oft verhüllt sie bloß den erschreckenden Grad der Ratlosigkeit — der deutsch-jüdischen Führerschaft treibt zu verhängnisvollen Resultaten. Line Summe von liberalistischen Entwicklungstendenzen hat die jüdische Seele atomisiert, schlimmer noch: hat sie verkrüppeln lassen. Nun Ausgrabungen in Samaria. Die Vereinigte archäologische Expedition hat die Ausgrabungsarbeiten in Samaria wieder ausgenommen. Von den ursprünglichen Mitgliedern der Expedition sind der Leiter I. W. Erowf o o t, sein Stellvertreter Dr. E. L. S u k e n i k von der Hebräischen Universität, Frau und Frl. Erowfoot, Frau Lake. Frl. Kenyon und die Herren Buchanan, Pinkerseld und Reiß am Orte der Ausgrabungen wieder eingetroffen. Nachdem im Monat April die Ausgrabungen im Gebiet der Paläste aus der israelitischen Periode fortgesetzt worden waren, hat man nunmehr eine Stelle in Angriff genommen, an der man auf Grund einer von einem englischön Militärflugzeug aus gemachten Aufnahme das Amphitheater der Herodesftadt Sebafte vermutete. Die Flugzeugaufnahme zeigte eine Einbuchtung am Nordabhang des Hügels, ein kleines Stück östlich von dem von Herodes errichteten Auguftustempel. Die Ausgrabungsarbeiten haben die auf Grund der photographischen Ausnahme entstandene Vermutung bestätigt. Obwohl der größte Teil des Mauerwerks abgetragen worden war, sind doch die Grundmauern, mehrerer Sitzreihen und die Pflasterung der Orchestra deutlich erkennbar freigelegt worden. Es wurden auch einige architektonische Fragmente, die zum Bühnenaufbau gehören» gesunden. Die Ausgrabungen an dieser Stelle werden fortgesetzt. Außerdem wurde bei den im Monat Mai vovgenommenen Ausgrabungen die Freilegung der Stadtmauer auf her Ostseite der Römerstadt weiter fortgesetzt. Es wurden Teilstrecken der Fundamente dieser Mauer mit drei offenbar der herydischen Periode zugehörendssN, jedoch in einem späteren Zeitpunkt restaurierten Türmen ausgegraben. Es bleibt nur noch ein kleines Gebiet zur Forschung übrig, um die Gesamtlage der römischen Stadtmauer festzustellen. Es ist damit zu rechnen, daß diese Arbeit in nächster Zeit zum Abschluß gelangt. schließlich wurde das Gebiet der Säulenstraße in Angriff. genommen. Der erste Graben wurde itt .der Nähe des 'Westtores ausgehoben. Es wurden mehrere gepflasterte Stücke der Straßenoberfläche freigelegt. Darunter wurde ein Stück Mauerwerk gefunden, das auf Grund seiner Lage in einem aus dem Fels ausgehauenen Graben und des in diesem gefundenen Töpferwerks mit ziemlicher Sicherheit der israelitischen Periode zugeschrieben werden kann, womit neuerdings der Nachweis erbracht ist, daß die ursprüngliche israelitische Stadt, das biblische Schomron, sich nach Osten bis in die Gegend der späteren Säulenstraße ausgedehnt hat. Von den kleineren Funden ist der bedeutendste das Fragment einer Ke'ilschrijttafel. die in einer aus losen Steinen aufgeschichteten Grenzmauer zwischen zwei Ackerfeldern gefunden wurde. Diese offenbar aus der Zeit der assyrischen Okkupation stammende Tafel ist der erste in Palästina - gemachte derartige Fund. Zigarren.,«* Wolf ' Zeil Tel. Hanta 27930 Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate t. B>: S. S ch ach « nowitz, ebenda. - Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag oes Israelit und Sermon ®. m. b. tz., Frankfurt a. M. - Druck tzermon Druckerei. Frankfurt a. M. /

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