Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1933)
- Date
- 1933-06-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 23 D er Israelit 8. Juni 1933 beute kaum noch von x"i 017 min sprechen, im besten Fall von ri-nii 05T An Arbeit unö Bewertung ist das Tauroblernen in fast allen jüdischen Schulen weit zurückgetreten hinter die allgemeinen Fächer Wer kann behaupten, daß Taucoh wirklich das beherrschende Prinizp der jüdischen Schule ist, insbesondere der jüdischen Rlittelschule? Wir , haben uns damit abgefunden und uns selbst und anderen gesagt, daß die Berechtigungen, die die Schulen gewähren, davon abhängig sind, Hat es sich gelohnt? Welche Resultate im Taurohlernen Haben die Schüler erzielt? Und wie sähen die Resultate aus, hätten nicht immer wieder einzelne Eltern gesucht, außerhalb der Schule den Kindern einen gewissen Ersatz zu bieten, für das, was die Schule ihrer ganzen Struktur nach nicht geben konnte? Umbau der jüdischen Schule ist eine Mahnung der Zeit, die wir nicht übersehen dürfen. Und weiter der jüdische Kaufmann und der jüdische Akademiker. In unserer großen Mehrheit haben wir uns für unsere Söhne, -die in das Erwerbsleben eintraten oder die Universität besuchten, mit dem geringen Maß von Taurohwissen begnügt, das die Schule ihnen übermittelte. Wir waren froh, wenn sie neben dem Berus, neben dem Studium noch etwas lernten, fanden uns damit ab, daß intellektuell fähige Menschen im besten Fall fromme Ame Hoorez blieben. (Und wie oft wurden gerade von den Intelligenten so manche, äußerlich fromme Menschen, in ihrem Denken und Fühlen aber ganz unjüdlsch, orthoprax aber nicht orthodox.) Das Gebot der Stunde heißt: zurück zu min- Ls darf keine allgemein gebildeten Äme Hoorez mehr geben. Und nun zu üNs selbst, zu Ihnen, die Sie Mit G'ttes Hilfe einst Führer des jüdischen Volkes sein wollen, und zu uns, Ihren Lehrern. Haben Sie, haben wir immer dem Taurohlernen den ihni gebührenden Raum gegeben? Wie oft haben wir ihm Zeit geraubt für nichtjüdlsches Fachstudium, das nicht organisch sich der rabbinischen Ausbildung eingliederte. Wie oft haben wir uns mit der Zeit für filifl und dem Maß an Nim-wissen begnügt, das wir für genügend hielten. Sind wir damit unserer Pflicht Ihm gegenüber gerecht geworden, und Sie sich selbst gegenüber und vor allem wir gemeinsam der jüdischen Oeffentlichkeit gegenüber? Das ist die bange Frage, die wir in dieser Zeit der Prüfung uns vorlegen. Keiner von uns glaubt auch nur zu wissen, wohin die nächste Zukunft uns führt. •*pD’ '01 vj?27' 'O 1711' '01 Nil' '0 Gebe '"Pn uns allen die Möglichkeit, mmn pioj^ mf?E7i ihwo- Gerade Sie, meine Freunde, die erst jetzt zu uns gekommen find, müssen wir mit aller Klarheit auf das Unsichere Hinweisen, das über uns allen liegt. Aber eins sollen und wollen wir wissen: mvr Lernen, und wieder muv£emen mit all seinen Ausstrahlungen in jüdischer Wissenschaft ist unsere Aufgabe und unser Ziel, dem wir mit G'tt im jetzt begonnenen Semester und immer nachstreben wollen, hier und, wo'"v7,i uns hinführen wird. Das sind wir uns und der jüdischen Öffentlichkeit schuldig. Die deutsche Iudcnheit soll wissen, daß in dieser Zeit, da sic um ihre nackte Existenz ringt, es Stätten gibt, wo die .1018N *yil novi' wo die Seele des jüdischen Volkes gepflegt wird. -121 01711 ',T1 -N270N Hl7 1j?in TOO E7X Wochenrundschau. Das neue deutsche Erbhofrecht. Einen der interessantesten versuche, charakteristische Ideen rechtsschöpferischer Art aus dem jetzt außerordentlich erleichterten Wege der.parlamentslosen Gesetzgebüngsmethode zur praktischen Verwirklichung zu bringen, stellt das neue deutsche Crbhofrecht dar. Zwar ist die Tendenz seiner Bestimmungen, -die daraus hinausgehen, einen erbansäfstgen, wirtschaftlich kräftigen und völkisch selbstbewußten Bauernstand zu schaffen und ihn fest in feinen Boden zu verwurzeln, nicht ohne Vorgang auch in der bisherigen deutschen Gesetzgebung, aber es ist das erste Mal, daß über den Zufall der provinziellen Sitte und der persönlichen Willkür hinaus -derart tief eingreifende Bestimmungen zur Abwehr der landwirtschaftlichen Zersplitterung und Ueberschuldung geschaffen werden. Die Verfasser des Gesetzes haben gewiß nicht daran gedacht, daß ste mit ihrem Werke nicht nur auf alte deutsche, sondern auf noch viel ältere biblische Rechtsgedanken zurückgehen, und eigentlich, wenn auch ::: veränderter Form, anknüpfen an die Tendenz der a l l j ü d i f ch e n Agrargesetzgebung mit ihren Veräußerungsverboten, Geulainstitutionen und ihrem Iobelrecht. Ist schon unter diesem Gesichtspunkte das Neue Gesetz für uns Juden von besonderem Interesse, so müssen wir leider sagen, daß aus der anderen Seite durch die Sprache, deren sich das neue Gesetz bedient, in der langen Kette von Zurücksetzungen und Kränkungen, die das deutsche Judentum in den letzten Monaten erfahren hat, ein über alles bisherige Maß htnausgehendes Rovum geschaffen wird. Man könnte zur Rot verstehen und hinnehmen, wenn die neue deutsche Gesetzgebung besondere rechtliche Schutzbestimmungen, die sie zur Erhaltung eines völkisch bewußten Bauernstandes treffen zu müssen glaubt, lediglich Bauern/ deutscher. Ahstamniung zugute kommen lassen will und diejenigen deutschen Staatsbürger davon ausschließt, die einer anderen Rasse angehören. Darin würde noch keine INinderbewertung dieser anderen Rassen, liegen. Wenn das neue Gesetz also bestimmte, daß nur derjenige „Bauer" im. Sinne des neuen Gesttzes genannt werden darf, der unter seinen Vorfahren im Mannesstamme oder unter seinen übrigen Vorfahren bis ins zweite Glied keinen Vorfahren nichtde>utscher Rasse hat, so hätten wir keine Veranlassung, an dieser Stelle über eine solche Bestimmung Beschwerde zu führen. Hier aber hat. man einen ganz anderen Weg gewählt, der, wie wir überzeugt sind, unmöglich dem Geschmacke aller an der Spitze der nationalen Regierung stehenden führenden Persönlichkeiten entsprechen kann. Man bestimmt nicht, daß Personen nichtdeutscher Rasse oder nichtdeutscher Herkunft den Sohn oder Enkel des deutschen Lauernrechtes berauben, sondern Personen „ j ü d i s ch e r oder farbiger Herkunft." Das bedeutet ein doppeltes: Einmal, wie Rechtsanwalt Dr. von Zwehl in der neuesten Rumtner der Juristischen Wochenschrift ausdrücklich feststellt; daß! unter den nichtdeutschen Rassen eine ganz' neue Differenzierung hergestellt wird. Unschädlich-tst z. B. eine Beimischung slavischen oder romanischen Blutes, offenbar, we-U Slaven und Romanen zwar als fremde,! nicht -aber als minderwertige Rassen betrachtet werden. Minderwertig sind dem Gesetzgeber offenbar erstens alle diejenigen Rassen; deren- Glieder eine farbige Haut tragen, und zweitens — das Volk der Bibel, die Juden. Aber noch ein zweites. Da die gleiche sächliche Wirkung ja auch durch eine andere Terminologie hätte erreicht werden können, so z. B. durch die Bezeichnung: „nicht-arisch^ oder „nicht-europäisch", so muß in der Zusammenstellung von Juden und Für- Ligen — ohne daß mir selbst damit eine menschliche Bewertung der farbigen Rassen vornehmen wollten — doch wohl die Absicht erblickt werden, im Einklang mit der Auffassung, die im ganzen deutschen Volke über den menschlichen Wert der Reger oder Mongolen herrscht, die Juden zu diffamieren und in ihrer menschlichen würde zu kränken, wir konstatieren diese Tatsache, ohne beleidigt zu sein, aber wir appellieren an alle diejenigen an der Spitze der nationalen Regierung Deutschlands, die sich ein Empfinden für die katastrophalen Wirkungen eines derartigen gesetzgeberischen Aktes nach innen und außen bewahrt haben, hier im deutschen Interesse Rcmedur eintreten zu lassen. -- Von Rabbiner Dr. 2tt. Lewin in Hamburg. Vom jüdischen Felde. Kein Festtag ist von so starker Nachwirkung auf das Leben des Tages, wie das Schwuausfest, denn es bedeutet Gesetzgebung, empfangen müssen wir das Gesetz täglich von Neuem a'snm ^nya '»m an Vaa- Ruth ist ein Buch für das ganze Jahr, nur daß an niviav uns. das jüdische Feld in seiner ganzen ethischen Pracht erblüht. •nRsi nnar vpVa w>y-i ns* 1» -pn „Schön ist Israel, die G'ttesgefährtin, mit der Institution der Nachlese und dem Eckenstehenlassen für die Armen." Darum mögen ein paar Nachbemerkungen zum Buche Ruth noch post testuw hier Platz finden. 1. iVv'VR BTKn avi- Des Mannes Name war Elimelech, so wird der Name des Mannes, der in der Zeit der Not. aus Beslechem schied, preisgegeben. Die Schrift beginnt und erzählt: mim anV ma» v'rr iV'i „Es ging ein Mann aus Beslechem in Iehudo". und nennt dann seinen Namen, um ihn hervorzuheben. Hierin liegt ein Vorwurf: ,1inV ripavi ^V nVrs rm?y nnst jna Wo die Nüt gekommen. — (wo viele vielleicht glauben und hoffen iVva Rin Ra ’Vr er wird jetzt wie ein König, mit hochgemutem Sinn und liebevollem Herzen zu mir kommen und über mich walten) — machst du dich auf und gehst davon! Das soll in unseren Tagen viele zur Besinnung mahnen, wenn sie es vermögen, auszuharren. um anderen, den ganz Schwachen, die rat- und fassungslos sind, eine Stütze zu sein. Daß wir es ja beherzigen: .Jiiba V® *pB p» Diiopn dr D'Vmo tr^ntiTw nvwa „Wo die Großen und Machtvollen die Schwachen und Geringen zu tragen und zu stützen suchen, da kann der Riß des Golus doch gemildert werden." 2. mR mP3 dipbb 'obn bx via nynv xbn nn Vr Tina ->»R->1- „Boas sprach zu Ruth: Höre wohl, meine Tochter, gehe nicht zu lesen auf fremdes Feld." Es ist die Liebe, die hier warnt. Ruth könnte auf anderem Felde Zurückweisung erfahren. Er fürchtet nicht so sehr, sie könnte leer ausgehen an Erntertrag, als vielmehr, sie könnte seelisches Leid, das noch schwerer wiegt, erdulden. Er setzt doch seine Mahnung fort: •’myj ay rpm/i nai ma may/i kV däi „Gehe auch nicht fort von hier und halte dich hier zu meinen Mägden." Schön heißt es im Midrasch: .a'inR 'pVR *jV '»n» kV av Vy -irr nwa aipVV ’abn Vs „Gehe nicht auf fremdes Gebiet, um dort zu sammeln . . , weil du keine fremden Götter haben sollst." «V on ans viiaj?n gehe auch ja nicht von hier, 'V? m av Vy inuRi weil Israel gesungen: Das ist mein G'tt, ihn will -ich verherrlichen. T-npp B’p’nsn mipi ay npatn nai und hier schließe dich meinen Mägden an, die fromm und lauter sind und darin sich ewig jung fühlen." Dieses Wort des Boas klingt als Warnerus durch alle Zeiten und Geschlechter. Ob er immer vernommen wurde, immer der jüdischen Frau den Antrieb gab, das jüdische Haus von allem Fremden rein zu erhalten und ihr das stolze Bewußtsein verlieh, Hüterin großer Traditionen zu sein urtf) Pflegerin des Besten und Edelsten, wenn sie auf eigenem Felde ausläs und nicht das Schöne immer nur wo anders suchte? Unsere Zeit ruft verstärkt, daß der Ruf gar nicht überhört werden kann. Jüdische Frauen und Mütter, bleibt euch eurer Aufgabe und Verpflichtung vom Sinai bewußt, — seid Hüterinnen im jüdischen Haufe und Schützerinnen unserer Erbtugenden, daß niemals mehr die Söhne und Töchtsv Israels hingehen,, um auf fremdem Felde Lese zu halten und dann vielleicht zurückgewiesen.werden und halt- und gestaltlos in.Resignation verzweifeln ... 3. Noami möchte Ruth glücklich sehen am -eigenen Herde. Aus diesem ihrem Sehnen wächst ihr Wunsch, ihre Schwiegertochter mit ihrem Verwandten Boas zu verbinden. Sie geht da klug zu Werke und bestimmt Ruth zu einem Vorhaben, dessen Ausführung der edlen züchtigen Frau große Ueberwindung kostet. Ruth drängk ihre Bedenken zurück und fügt sich, sie weiß ja, daß Liebe und Fürsorge sie umhegen. •n»ys (’Vr) pttRh awR Va'»Vr *i»rtii „Da sprach sie: Alles, was du mir sagst, will ich tun." Die Massöra weist darauf hin, daß 'Vs. wohl gelesen^ aber nicht geschrieben wird. Das bedeutet unendlich viel. Ich weiß es, — das liegt in ihren Worten — deine große Güte für mich hat in dir diesen Plan zur Reife gebracht. An mir ist es darum, zu gehorchen und meinen Willen deinem Wunsche unterzuordnen. Deine Liebe fordert, meine Dankbarkeit fügt sich. Das ist Vertrauen, das in Liebe wurzelt und zur Liebe führt. Als Ruth nach ihrem Zusammentreffen mit Boas heimkehrt, erzählt uns die Schrift: .V'«ri nV nty ~iwk Va n« nV asm ma fiR *>» *i»rw „Da fragte sie: W er bist du — (wie stehts um dich) — und sie erzählte ihr alles, was ihr getan der Mann." Ruth braucht nichts zu verschweigen. Ohne zu erröten, kann sie alles erzählen. Glückliche Ruth. Des Mannes Wort gilt ihr als Tat, von der sie in vollen Tönen berichtet ...