Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 23 (8.6.1933)
- Date
- 1933-06-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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8. Juni 1933 &♦ Wl*f ÄeN 14. Siwan 5693 Nr. 23 Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Hv.v»»c:»o» ab 3utt 1939: Deutschland ILO Mark monatlich; Ausland: Bterteltahrpreise len sprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Streifband-Bersanves) Deutsch-Österreich" Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 6 sh.; ab 1 Juli Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.37. Belga 5. Holland 3.8.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Iugo» slavten 55 Din.; Litauen 7L0 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Gold» mark zum Tageskurs oder 7 Zlotys Schweiz 8 Fr.; Dschecho-Slowakei W Kronen; Ungarn Pengö 5 ab i. Juli 1937; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.58 Kran.; Schweden 3.58 Krön - ' - Einzelnummer vierzig Gvldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Eoldpf. für die stebengesp alten« Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen bet Stellengesuchen und Famtlkenanzeigen nur 40Pf, Die.75 mm breite Reklamezeile: letzte Textsette 3.— Mk., vorletzte Textsene 3.50 Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbrtefportos. ° Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. .Inseratenannahme durch den Verlag des Israelit T. m. b. H., Frankfurt a. M, Rechneiarabenstraße 7, Tel. Hansa 21084 fow. durch samt!. Annoncen-Expcd. d. In- und Auslands! Alleinige Inseraten»»». für Franks. GeschMsanz.: Jut.Tchmidt, Östsndstratze Y3 Tel. 18888. Platzvorfchr. ohne Bvrbindlicht. Zahlungen direkt an den Verlag auf Postscheckkonto Verlag des Israelit und Hermon G.m.b.H., Frankfurt (Main) Nr. 19803.—Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79608.— Pcstsparkaffenamt Budapest Nr: 18434/— Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. .- Postscheckamr Zürich Nr. Via 7254. — Postscheckamt Amsterdam Nr. 34869 — Pomcheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtt. Filialen Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat . Juli Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M, Die Lehre der Zeit. Von Rabbiner Dr. Moses Auerbach in Berlin.*) nn rp*n dk oms yw’Vx p 'vi' .rmsms Vaw nv> prm rma mm -v"bp naw x1?« ki *6 nxaw A. 3ofc bcn Cltscha lehrt: wenn Du eine Generation siebst, über die viel Unglück kommt, so prüfe die Richter Israels; denn alles Unglück, das über die Welt kommt, hat seinen Grund in den Richtern Israels. Ein schweres Wort an die Führer einer Zeit des Unglücks. Lin furchtbarer Vorwurf, wenn es über die Führer gesprochen wird, ein Ruf zur tiefsten Aufrüttelung des Gefühles der Verantwortung, wenn es -die Führer als Anruf an sich selbst spüren. Wollen wir das Wort des Tanna als Ruf an uns betrachten, wir, die wir unserem Amte nach die Verantwortlichkeit der Führer auf uns nehmen müssen. Wir wollen uns prüfen, ob der Weg, den wir gewiesen, der richtige ist, und ob die Art, wie wir ihn wiesen, die richtige war. ' ■ Die Aufgabe, die die deutsche (Orthodoxie seit einem Jahrhundert stch gestellt hat, die von einem 0. R. Hirsch in so flammenden Worten immer wieder verkündet würde, ist N"“t or min in dem Sinne von Verbindung der Tauroh in Denken, Fühlen und Tun mit der allgemeinen Kultur der europäischen Rulturvölker, Nicht als ein Notbehelf, um uns einer niM^ewün schien Gegebenheit anzupassen, sondern als ein absoluter Wert, als ein Ideal, das die Tauroh selbst der Indenheit gibt. *) Ansprache bei Eröffnung des Sommersemesters am Berliner Nabbinersemlnar. Die Aufgabe, die unser Rabbi, R. Lsr. Hildesheimer, sich und feinem Seminar gestellt hat, ist die Eingliederung wissenschaftlicher Forschungsmethoden in das Taurohlernen, nicht nur ein Nebeneinander von Tauroh'und Wissenschaft, sondern' das Streben nach Synthese. In dem Augenblick, in demdie wirtschaftliche und gesellschaftliche Grundlage der deutschen Indenheit in nie geahnter Weise erschüttert scheint, ist es Pflicht, nachzuprüfen, ob der geistige Weg, den die deutsche (Orthodoxie seit einem Jahrhundert gegangen, der richtige ist. War es vielleicht doch nur ein Kompromiß, um innerhalb des Raumes der europäischen Knlturwclt zu leben? War cs vielleicht ein Irrtum, von Harmonie und Synthese zu sprechen? Cs wäre ein Leichtes, Bequemes, die Frage zu bejahen. Im Augenblick der furchbarsten Erregung ist das Extrem das geistig Einfachste. (Ohne jede Kompliziertheit ^zn verwerfen, was in einem Jahrhundert geworden, es wäre eine einfache Lösung. Wäre sie aber die richtige? Sind wir berechtigt, im Augenblick der Enttäuschung, im Augenblick des Schmerzes, einfach das zu leugnen, was in schweren, reinsten geistig-sittlichen Arbeiten die Großen in drei Generationen geschaffen? Die Form nämlich der deutschen Orthodoxie, wie wir sie mit Recht den schönsten Zeiten der spanischen Epoche zur Seite stellen dürfen, eine Form, die mit geringen Veränderungen für die ganze Orthodoxie des westeuropäischen Kulturkreises Beispiel wurde? Es wäre eine Ungerechtigkeit, und mehr ein Zeichen der Verzweiflung als der Sclbstpcufung, das zu verneinen, woran Generationen wertvollster Persönlichkeiten gearbeitet haben. Wir würden dem jüdischen Volke und der jüdischen Geschichte Werte rauben, die schwer zu ersetzen wären. Das bewußte Streben nach Harmonie zwischen Tauroh- und - Weltkultnr, nach Synthese zwischen Taurehlernen und wissenschaftlicher Forschung ist nicht eine Episode im deutschen Raunt, es ist eine Epoche für die Gesamtjndenheit, die in fast allen Ländern der Welt in mannigfachen Abstufungen -in nie gewesener Art sich verbunden und verkettet sieht mit dem wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Ringen der Gesamtmenschheit, in unerhörter Weise beeinflussend und beeinflußt, von der deutschen Indenheit ausgehend bat dies Streben seinen weg -in säst alle Länder der jüdischen Diaspora angetrctcn, Rettung und neues jüdisches Leben angebahnt und gebracht, wo man schon fürchtete, das jüdisch Geistige sei verloren. Reben der majestätisch hohen Einseitigkeit der Th'orastätten des östlichen Judentums hat das Streben nach der Harmonie und Spnthcse Berechtigung, ist Rotwendigkeit. Wollten wir -es von uns abschütteln, wir glichen einem Heere, das in kopfloser Flucht seine besten Waffen wegwirft, nur nur schneller fliehen, zu können, wer kann heute sagen, wohin der g'tMche Ratschluß die deutsche Indenheit führt, ob sie doch bis zur endgültigen Erlösung in ihrer großen Mehrheit im Heimatslande bleiben kann oder den Wanderstab ergreifen muß. Wie cs auch ist, das Erbe des vergangenen Jahrhunderts dürfen wir nicht wegwerfen, wollen wir nicht uns und die jüdische Gesamtheit ärmer machen, zu. einer Zeit, wo der Getstesbesitz der deutschen Orthodoxie für uns selbst und die gesamte Indenheit unersetzlich ist. Der Talmud (Erub. tob) erzählt: Lrnairr ibbn rrm w'i ipbm nsnai ö’w ■»tiw yti tzmaia ibbrn inruwa ‘irvp mna nbw a^V ib nu rm rimi uaj x->aa xbwa ijvp xnaaw a-inb ib nia VaLtO' «122^ nnr rrbü» ib •■pipiraa Lta^a' nV •»‘laui Wttan R. Lhaim Rio sch e Lnzatto versteht unter unawa wyan die Prüfung, ob die Handlungen gut sind, unteri'wyaa rnawa die Prüfung, inwieweit die an sich guten Handlungen in ihren einzelnen Auswirkungen wirklich gut sind. Ob das geistige Streben der deutschen Orthodoxie seit einem Jahrhundert gut war, suchten wir zu prü-- fen. Und wir glaubten cs bejahen zu sollen. Es bleibt zu fragen, ob feine Auswirkungen gut waren. Und sehr, sehr ernst müssen wir es prüfen in dem Augenblick, da G'tt uns durch schweren Schicksalsschlag zur Scibstprüfung aufruft, daß wir das, was uns betroffen, nicht rn als ein np« einen Zufall, behandeln. wir sehen in ihm mnN bw p'viD*, das Zuchtmittel des alitebenden Vaters. n-npnii iy>2Yi In solchem 2!ugciibllck müssen wir unfern Weg durchforschen und tief schürfend untersuchen. Richt gegen das Prinzip von azb wollen wir uns wenden, um so mehr gegen die 2lnswirkung, der es unterworfen war. Beginnen wir mit der Grundlage unseres Geisteslebens, der jüdischen Schule in Deutschland. Ist sie in Wirklichkeit eine jüdische Schule? Ist. sie nicht tatsächlich nur eine Schule für jüdische Kinder? Hier dürfen wir uns nicht auf das Beispiel der Gründer des thoratrencn jüdischen Schullcbcns berufen, vergleichen wir die Stundenzahl, die s i e dem Tauroblernen znwiesen, mit der ständigen Schrumpfung des' Taurohunterrichtes im Laufe der Jahrzehnte. Hand in Hand ging bas 2lbnehmen' der Taurohkeniitnisse und des Taurohverständmsses der Schüler. Rlan kaiin