Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1933)
- Date
- 1933-05-30
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450777--79640-2537421- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 Nr. 22 30. Mai 1933 Pflege des r a b b i rt i scheu Hebräisch. Anbesch adet unserer neuhcbräischen Studien, ohne die wir in Palästina Fremde im Lande bleiben müssten, haben wir zweifellos die Pflicht, die rabbinische Schreibweise in unserer Korrespondenz unter uns zu pflegen und uns dazu zu erziehen, daß wir,im Tefchuwoth-Stil denken. Denn danach wird, unsere Handlungsweise und unser Lebensrhythmus zweifellos dem unserer Großen und somit dem G'tteswillen angepaßt bleiben. Diese rabbinische Sprachpflege braucht und soll sich gar nicht .im Geheimen vollziehen. Sie kann gern unaufdringlich öffentlich propagiert werden. Findet man den rechten, gewinnenden Ton dieser Propaganda, dann kann unser r-abbinisches Hebräisch vielleicht der Bruder sein, der dem modernen und entfremdeten Bruder die Hand zum Ausgleich und zur Versöhnung reichen wird. Denn nur von unserer als der erfahreneren Seite aus kann der Anfang zum Frieden gemacht werden. Ts ist ein im Sinne der Einheit Israels gewagtes Experiment, zu veranlassen, daß in Palästina zwei hebräische Sprachen zugleich existieren sollen; ja, es ist ein Schnitt durch die Seele Israels. Aber der Schnitt ist längst vollzogen; nicht vollzogen, seit die Ghettomauern gefallen sind und moderne neben, gesetzestreuen Juden leben. Drüben sprechen die Entfremdeten ein entfremdetes, die Getreuen aber gar kein Hebräisch. Das ist eine Verewigung des „Trachtenfestes Europa" in Palästina, ein Transport des v. Scheler sogenannten Trödelladens von Kulturtypen aus dem Westen ins heilige Land. Wir müssen drüben mit den Anderen neuhebräisch konversieren. Aber wir sollen und wollen drüben das rabbinische Hebräisch spcechbar ausgestalten, indem wir es täglich benutzen und auch im Exil uns in dieser Sprechweise verständigen. ' Die Bemühungen der Aulim um eine neue, d. h. dem Hebräischen selber angepasste Schreibweise des jüdisch-deutschen Jargons, deren wir auch am Schluß vorigen Aussatzes anerkennend Erwähnung zu tun 'hatten, können zur Folge haben, daß auch die des Hebräischen nicht kundigen Teile der ostjüdischen Bevölkerung wieder in den Strom rabbinisch-jüdischen Schrifttums einmünden und ihn neu beleben helfen. Denn jeder aus dem Hebräischen entstandene Dialekt darf nur zum Hebräischen zurückführen, und nur aus echt rabbinisch-hebräischem Denken kann echt rabbinisch-hebräisches Tun werden. Wir müssen das Judentum als ewige Kritik an allem Bestehenden kennen lernen und dürfen in uns nie ein Gefühl der Befriedigung über etwas aufkommen lassen, das zufällig geworden ist, — ob irrt europäischen oder im neuhebcäischen Kulturkreise. Wir haben dort ebenso unzufrieden zu sein wie hier. Dazu diene uns das dort so wie hier landfremde echt rabbinische Hevräisch. Man mag hiergegen nun etwa einwenden, auch in Europa habe man im Reorganisationszeitalter der (Orthodoxie keine besondere Sprache des orthodoxen Kreises angestrebt und bedürfe dessen auch im Lande der Väter nicht. Das ist jedoch erstens für Palästina nicht zutreffend. Denn dort ist vorerst das Reuhebräische nicht im gleichen Maße Alleinherrscher der Iudenheit wie das Deutsche bei den deutschen Juden. Außerdem aber stimmt auch die.Prämisse nicht. Auch Hirschs Deutsch ist und will sein eine Sprache für sich. Kein altertümliches, regelloses Iudendeutsch. Aber schon gar nicht das Deutsch der modernen Tageszeitung. Unsere Gegner, die Bubers Diktion besser folgen zu kömren vorgeben als dem Stil des Meisters, bezeugen es ungewollt. Auch der Meister hat wie jede überragende Persönlichkeit auf dem Umwege über die neue Sprache neuen Geist geschaffen. Vielleicht wird unserem armen verwaisten Geschlecht einmal der Titanengeist geschenkt, der ein neubelebtes Rabbinisch-Hebräisch im Lande der Väter und im Galuth heimisch macht, durch diese altneue Sprache altneuen Geist weckt und diesen Geist zum Aufbau eines Gesellschaftssystems verwertet, der, wo er auch Loden findet,, den abgewirtschafteten .Kapitalismus, den Zwillingsbruöer des Reformjuöentums ebenso überwindet wie die Ingendgärung der Gottlosen und Sprache, Recht und Liebe des Sinajwortes zugleich mit Konsequenz realisiert? vielleicht aber wird uns Juden, die wir nie den Persönlichkeitskult kannten, es Möglich sein, anstelle des fehlenden überragenden Cinzelgeistes die Kleinarbeit zum großen Ziele uns allen zu teilen. Der Israelit Lernet rabdinifches Hebräisch und sprechet und schreibet es, um den Staat der Thora und des Talmud zu ertnöglichen. •tsnpn “iui nnrn px Von Studiendirektor i. R. Dr. Elias Fink. Hundert Jahre stnö verflossen, seitdem W o l f H e i d e n h e i m b"T' die Augen zum ewigen Schlummer geschlossen hat. Allein man kann nicht sagen, daß diese lange Zeit ausgereicht hat, um seine Bedeutung für die hebräische Literatur, restlos auszuschöpfeu. Was er als Grammatiker geleistet, seine Kommentare zum und seine großen Verdienste unr die Schaffuirg fehlerfreier Texte haben freilich schon längst die ungeteilte Anerkennung der ganzen Iudenheit gefunden. Aber feine Erläuterungen zu den D'vv2 der Festtage scheinen bei weitem nicht so gewürdigt zu sein, wie es ihnen gebührte wegen mancher Perlen, die in ihnen aufbewahrt sind. Wenn ich nun auf zwei von ihnettz die die nnna naa betreffen,' die Aufmerksamkeit zu lenken unternehme, so möchte ich damit gleichzeiig eine Dankesschuld gegen. Heidenheim abtragen, dessen snpan man neben seinen Erklärungen zu den nnva mir manche Stunde seelischer Erbauung vermittelt haben. Wenn es sich um mina naa handelt, so wird man wohl an das -pi»-Gebet von vniaan av> denken, als die Stelle, wo sie im vi's oder in einer nn'bv Vorkommen mögen. Das trifft aber nicht zu für die in der Ueberschrift genannten. Diese finden sich gewissermaßen verstecktim “jus?1? min nbmn nns zum qvia- Gebet des erstenniyaty-Tages. Diese Stelle wird von den Crklärern wegen des 1 in dem Worte *im scheinbar mit Recht bemängelt, weil unpn in von ihnen als Apposition zu px gefaßt wird im Einklang sowohl mit niaty 39,50 (iinv am Enpn ma ps na wyi) als . auch mit 8,9 M. in ms bia bs naaxan by vw'i) •(unpn ma anin px. ns Run fand aber Heidenheim dieses unverständliche 1 nicht bloß in sämtlichen Druck-, sondern auch in den handschriftlichen Ausgaben, die ihm Vorlagen, und das war ihm Anlaß genug, hier, tiefer zu schürfen, um diesen Buchstaben zu rechtfertigen. Das ganze Unternehmen ist gleichzeitig ein schöner Beleg für die philosophische Gewissenhaftigkeit, die Heidenheim in seinen Arbeiten betätigte. Verfasser des nbnan nns tarn ist kein geringerer alsbnan pyaty laniein Schüler desvabs aH'Cr erblickt in den Worten tynpn ma der oben angeführten zwei Vain-Stellen nicht eine nähere Bezeichnung des px» sondern Stellvertreter für nban bna im Einklang mit einer smna in S"y mbp phim die lautet: px mbyi bna pa tysna nnaia nnn nax bw nan by ins nmi (t"b rra niaty) nasaty na D”pb pna •naaxan by nni mban b-’ns Ueber die Art und Weise, wie der yn an der Stirn des bna pa befestigt war, besteht bekanntlich eine Meinungsverschiedenheit unter den Gelehrten. Die einen, an deren Spitze '"tzn steht, finden sich mit den drei Angaben (nban bna by ins naan) px'n by bna (nban bme i^by lan'i) 'b’nan by psi /mm 28,57 nnb) nbyaba naaxan by bna und >mm 59, 51 ,maty 39,3i (nbyaba naaxan by mit der Annahme ab, daß das goldene Stirnblech an seinen beiden Enden und in der Mitte je ein Bandpaar aus himmelblauer Wolle trug. Diese Bänder vereinigten ihre Enden am Hinterkopf und hielten so den px fest. Der Verfasser des bs^y’ msem der '"im folgt, liest diese Ansicht aus unserer smna heraus, indem er sie freilich ein klein wenig ändert. In seiner als D'bann naip bezeichnten ersten Vorrede zu nyia naoa sagt er im Abschnitt rznp nia ’^a sub verbo px: ay yxasaty nmn bnamy *>b nsnai nax bv naa in’ n’snpa an omxnaty v'b'nan xa mbyty bna ]na tysna nnaia nnnty b"tn innarty -in La b v pna f»sn (m’ bv Die letzten zwei Worte sind ein Zusatz des 'tzn mxan zur Stütze seiner Theorie von dem n*?an V’na wie auch das w von mbyw, das er durch ni' by interpretiert. Daß dieses der Sinn der rrnma gewesen sein soll, erscheint wenig einleuchtend. Zu ihrem Verständnis bedarf es vor. allem einer Klarstellung des Wortes naa' das allerdings verschieden gedeutet wird:, '"tzn übersetzt es hier mit ^noba pp raia also „kleine Filzmütze", während er es in VNNN2V ti"a bei dem Satze vnna rrav rriNV naa mit „Schleier" wiedergibt. Entsprechend finden wir auch in der niVaDrr^n pna wai; 'n >r\"a 'T"ü a^Va) dieses wort sowohl von miiana als auch von 'Kity» mxsn bald mit „Haube", bald mit „Schleier" übersetzt. Jedenfalls ergibt sich die' Zulässigkeit beider Bedeutungen für naa- * ' . Setzt man nun naa gleich n^an $”na im Sinne unserer so begreift man sofort, daß n"aa"> fic scheinbar unberücksichtigt gelassen hat. Denn als identisch mit n*?an V’na ist naa gar kein selbständiges Kleidungsstück, spielt vielmehr nur etwa die 'Rolle des Futters beim naiLa und ist nichs Anderes als der vnpn Der Gestalt nach wird er nn genannt, weil er im Gegensatz zum F'L „dem- Sttrnblech" den Kopf ringsum bedeckte und snprt ist als (Benetiv des Besitzers zu fassen. Dieses Vnpn ist als pars pro toto Stellvertreter für p'L, weil es Äs Inschrift auf dem p'L stand, so daß also vnpn nu — psn nt: d. h. der zum p'L gehörige NN' Seinem Stoffe nach — dieses „Läppchen" Lestand aus Wolle — heißt er ebmh'ns nhan- Uebrigens finden wir diese Identität von rvnp mit p'L auch bei'^-i in mm 29, 6 zu nn nk nnn naisan Vir irrpn bemerkt er wörtlich: nn l"Ln nt‘ Daß er hier p'LN Nt'ganz in Rebereinstimmung mit dem p"S' nur auf das wort Vtpn und nicht etwa auf das ganze tinpn nti bezogen wissen, will, daß also keineswegs die GleichungpL—unprim gilt, beweisen gerade die beiden v'piva: nrr bsr vV'i (39, 30 maty) mno am rznpn in •(8'9 mpu)ryipn nta anm nrr v>aa bia brr nsjmn Diese wären ganz unverständlich eben wegen dieser bedeutungslosen Tautologie. Cs besteht also die Gleichung ps — Vipn und desgleichen ■— nban b’na naa« Wenn z. B. nan von rnirn (38, 18 n^ma) als Pfand neben qvai ^ann auch qb'na verlangt, so me,int sie sicherlich nicht irgendwelche Schnur, die jcr gar keine Persönlichkeitsbeziehungen hat, sondern entweder seine Kopfbedeckung, die als Mütze ein Merkmal des Besitzers sein konnte, oder seinen Schleier, den er wohl zum Schutze gegen den schädlichen Einfluß des tropischen Sonnenbrandes >am Hintechaupt getragen haben mag. Wenn daher 28, 37 niaty vom ps verlangt nban b'na by ins naiyv so heißt das: setze das Stirnblech neben das Käppchen; by kann gar mannigfache Bedeutungen haben, von denen für uns hier namentlich in Betracht kommt bir-finna»- wie .in d’tyjn by ü*nmn isa^v oder-rnnn b^ abnn ns '.iaiin mmann onb by (stehe smy ps zu maty 28, 37) und by -pisb' wie '"tyn zu niary 28, 25 bemerkt: qniLb -pbryn by ia iyapb na pbiyn? oder auch by — b^arya^ wie daselbst 'aan ynrya onaan by tmb myyn i"b pios* Dem p«a zufolge müßten die Verse niary 23, 56,37 und 59, 50. 31 folgendermaßen übersetzt werden, wobei ifn letzteren versenbyaba naiLaals ein Begriff „der zu oberst befindliche Kopfbund" wiederzugeben ist: „verfertige ein Stirnblech aus reinem Golde und grabe darin ein die Sieg-elinschrist: dem Ewigen heilig. wenn du es neben ein wollenes Käppchen legst, — und dieses wird zum Rutzen des Kopfbundes da sein — so soll es (feil, das Stirnblech) an der Vorderseite des kopfbundes sein. Und 59, 30. 31. Man verfertigte das zum Käppchen mit der Heiligkeitsinschrift gehörige Stirnblech aus reinem Golde und schrieb darauf in der Schrift der Siegelinschrift „dem Ewigen heilig". Man befestigte daran ein wollenes Käppchen, um (das Stirnblech so) seitlich neben den zu oberst befindlichen Lopsbünd zu bringen, wie G'tt dem-rnya geboten hat. Größere Schwierigkeit , bereitet für den p^a die Übersetzung von snp'i 8, 9. Ich möchte sie so gestalten: Lr legte den Kopfbund aus seinen Kopf und legte zu dem Kopfbund seiner Vorderseite gegenüber mit dem goldenen Stirnblech das Käppchen der Heiligkeitsinschrift, wie G't dem ,mya befohlen hat. ns kann bekanntlich auch „mit" heißen, wie z. B. niary 1, 1 bsmy» ’ja niaty nbsv apy ns Hansa a^sam Cs ließe sich noch manche „artige" Bemerkung, zu diesen Versen machen. Ich verweise nur aus den. Wechsel im Gebrauche der beiden Verben pi und Dity' daß z. B. inbezug auf naisa sowohl beim Befehl niaty 29, 6 als auch bei der Ausführung SHpn 8, 9 das Verb Dity gebraucht wird, während für den srrpn dort pj' hier am ctngewanbt ist. Allein das würde zu weit führend Ich begnüge mich mit dem Rachweis, daß die Meinung des p^a über den Sinn des tynpn an der Berechtigung nicht entbehrt. Die Erörterung eines anderen der rynpn nämlich des naina' sei einem weiteren Artikel vorbchalten.