Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1933)
- Date
- 1933-05-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450777--79623-2537404- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
30. Mai 1933 Der Israelit Nr. 22 Gelte 3 0o sagen wir denn mit dem Dichter des G'ttesfeuern beleuchtet ist, hat aber längst kein Verständnis lobes auch am Feste seines Hauses und seiner Dypmehr für Symbole des Scheiterhaufens nastie: und deutet ste in ihrer Art, st^eht in diesem Feuerschein „Nicht sterben will ich, denn leben und künden sich ein Stück Mittelalter auftun und kommt zu Ur- — mit meinem Dasein, meinem Fortbestände — das teilen über das geistige Deutschland, die der kulturel- ' len Grundeinstellung Deutschlands ganz und gar nicht Wunderwerk G ttes." •'n 'vya isoxi "nx ’2 MQX xV WochenrunSschau. Schwarze Listen. (Eine offizielle Bekanntmachung in den Zeitungen besagt, das; irgendwelche amtliche Schwarze Listen für den deutschen Buchhattdel vom preußischen Kultusministerium nicht h e r a u s g e g e b e n find. Nachdem sich damit also herausstellt, das; die im „Börsenblatt für den . deutschen Buchhandel" veröffentlichte erste amtliche „Schwarze Liste für Preußen" keine Nogierungsmaßnahme, sondern die recht unweise Handlung einer untergeordneten Stelle, gewissermaßen zur Konservierung des Brandgeruches aus den Scheiterhaufen, auf dem Studenten „undeutschen und' jüdischen Geist" verbrannten, ist, ist es erlaubt zu sagen, daß jene Scheiterhaufen mitsamt ihrer Stabilisierung in den „Schwarzen Listen" dem Namen Deutschlaitds in der Welt weit mehr geschadet haben, als alle Greuelmärchen, gegen die wir uns mit Recht wehren. Gewiß wollen wir manchem geistigen Erzeugnis unter den Dokumenten, die auf Dchfenkarren d'er Brandstätte zugeführt wurden, keine Träne nachweinen und auch nicht all das, was auf den Schwarzen Listen an Bücherbeständen verfemt wird, von uns aus empfehlen. Rein, das wollen wir nicht, obwohl wir wissen, das; manche Bücher und manche Autoren dabei sind, deren Beitrag zur deutschen und Weltkultur außer Zweifel steht und der dem Schunde ganz unverdient gewordenen Licht- und Feuerreklame gar nicht bedürfen. Mit Juden u n d Judentum habet: diese D i n g e n i ch t das Mindeste zu t u n.' Da aber die ganze Prozedur unter dem Titel „Wider den jüdischen Geist" geht, so braucht man sich nicht zu wundern, das; das Ausland eine jüdische Angelegenheit daraus gemacht hat. Wan nannte die Verbrennung eine „symbolische Handlung". Europa, das von änderet: gerecht werden. So haben wir es erlebt, daß in London, Newyork, Paris, sogar in Warschau, am Abend des IO. Niai, zur Stunde der Bücherverbrennungen in Deutschland, große Demonstrationen abgehalten wurden, bei denen Nichtjuden Referate über den jüdischen Anteil an der W e l t k u l t u r hielten. Auch das zu Unrecht. Wollten sie in Wahrheit das, was Judentum und jüdischer Geist zur Erleuchtung, Verstttlichung und geistigen Kultivierung der Welt beigetragen haben, erschöpfend schildern, es würden dazu, um ein Wort der Schwuaushymne zu gebrauchen, ‘td iVx "121 rn O’mi' „alle Federn, in die sich die Bäume des Waldes verwandeltet: und alle Tintenfässer, zu denen die Meere und Bäche geworden," nicht ausreichen. Aber was s i e als guten jüdischen Geist priesen, mag wohl gut sein, ist indes so wenig jüdisch, wie das, was die Herren Studenten bei uns als „jüdischen Geist" verbrannten und die Kulturöiktatoren des deutschen Buchhandels verfemen. Wenn schon Scheiterhaufen, dann verbrenne man das, was den Glaubet: entstehet: ließ, als sei der Judenhaß ein integrierender Bestandteil der nationalen Bewegung. Wan ziehe einen dicken Strich unter diese Periode der Gärung und zeige, nachdem sich die Dinge so weit geklärt haben, daß es auch und erst recht und noch viel bester mit Liebe und v e r f ö h n u n g g e h t. Auf der Linie dieser Einsicht liegt das Versprechen der zuständigen Ministerien, all jene „privataktionen" mit Stumpf und Stiel auszurotten und die „Sonderkommiffare", die ohne Auftrag und ohne Verantwortung ihren örtlichen Terror ausüben, hinter Schloß und Riegel zu fetzen. Auch das energische Abrücken des preußischen Kultusministeriums von jenen schwarz produziertet: Listet: für den deutschen Buchhandel ist ein guter Schritt nachdieser Richtung, und wir begrüßen ihn. And wieder Weltkonserenz und Welkkongretz l Der Gedanke des Jüdischen Kongresses wurde voriges Jahr von allen ntaßgebenden und ihrer Verantwortung sich bewußten Organisationen und Instanzen, wenn auch aus verschiedenen Gründen, doch so einmütig abgelehnt, daß man füglich glauben konnte, er sei ad calendas graecos verschoben Weit über 1000 schreibfertige FÜLLFEDERHALTER mit 14 Karat Goldfeder ab RM. 2.50 zur Auswahl Hausmarken Ceka u. Juwel, sowie die bek. Markenhalter AABI |f | ennp KAISERSTRASSE 75 vMIHa IVIalrr Ck Schreibwaren jeder Art worden. Inzwischen schlug die Welle der jüdischen Not hoch auf und brachte auch den Protektoren des Jüdischen Kongresses so viel neues Oberwasser, daß sie nun glauben, ihr Schiffleit: aus dem Hafen freimachen und ohne Widerstände in rascher Fahrt ans Ziel bringet: zu können. Nachdem man vorige Woche aus 'Amerika mit der Kunde überrascht worden ist, das; der Jüdische Kongreß noch im Laufe dieses Monats stattfinden wird, erfährt man heute über London, daß für diesen Sommer nur eine große Jüdische W e l t - konferenz geplant sei, dem zu Winterbeginn der Jüdische Weltkongreß folgen soll. Es gibt nämlich eine „Vereinigung der Freunde des jüdischen Weltkongresses." Nnd diese hielt in London eine Sitzung ab, in der Dr.-Rachum G o l d m a n n über die Fortschritte, die ^der Kongreßgedanke in Europa, besonders in Frankreich, gemacht hätte, berichtete. Diese Fortschritte rechtfertigten die Einberufung des Jüdischen Weltkongresses im nächsten Winter noch vor Ablauf des bürgerlichen Jahres. Die Vorkonferenz des jüdischen Weltkongresses soll schon Ende Juli in Genf tagen. Und die Organisationen, die im Juli v. I. ihre Mitwirkung an Konferenz und Kongreß unter Aeußerung schwerer Bedenken abgelehnt haben? Man will noch einmal an diese herantretet: und hofft, unter den verändertet: Verhältnissen jetzt ein besseres Echo bei ihnen zu finden. Man will den Anfang mit dem Londoner Iewish Board of Deputies »rachen, der sich damals wenig geneigt zeigte und setzt, mit Hinblick auf die neue Sachlage, jetzt ein besseres Verständnis Für die große Zusammenarbeit bei ihm voraus. Demgegenüber sei daran erinnert, daß der ablehnende Beschluß des Iewish Board of Deputies damals von der Haltung des Joint Foreign C o m »: i t t e e bestimmt wurde, das der Meinung war, der Kongreß würde sich vornehrnlich mit der Lage der Juden in Deutschland befasset: nnd damit eine Situation schaffen, die den deutschen Juden wenig dienlich und von diesen auch nicht erwünscht sei. Daß diese Erwägungen heute noch viel schwerer ins Gewicht fallen als damals, können nur die übersehen, die die Liebe zum Kongreßgedanken blind gemacht hat für die Dii:gc, wie sie einmal liegen. Befürchtete man damals schon eine Konzentrierung w»n MNI, „Ganz sei mit dem Ewigen, deinem G'tte!" Und dieser Ausspruch wurde später wiederholt: "nn o’an Tpbx -n ds, „Ganz sei mit dem Ewigen, deinem G'tt!" '-m mn mtzmp „Heilig seid, denn heilig bin ich der Ewige, Euer G'tt!" — „Läutert Euer Inneres, dainit es nicht mehr am Irdischen haften, sondern aus dem Staube der Jrdischkeit sich emporheben soll!" cvb'brrn brr iavr brr „Wendet Euch nicht den Götzen der Vergänglichkeit, sondern dem Reinen, Ewigen, G'ttlichen zu." Wie dies alles in dem nnnn rrb angedeutet ist. Euer Inneres muß derartig verjüngt und umgestaltet, gereinigt und geläutert werden, daß nicht einmal das Verlangen nach dem Gute deines Nächsten darin aufzukeimen vermag. Diese, aus die Erziehung eines innerlich, geistig und sittlich geläuterten Menschen gerichtete Gruppe der g'ttlichen Vorschriften wird unter dem Ausdruck verstanden: ntz?» va rnn-wi uv- III. Tb T r>a pD'lvv vn rvn-w ’IST „Zwei Handbreiten aber schieden die eine Hand von der anderen." Diese Bezeichnung umfaßt all die zahlreichen Thora-Vorschriften. welche das Verhalten der Menschen zueinander derartig regeln, daß die eine Hand von der anderen geschieden bleibt, daß die Menschenhand sich nicht an demjenigen vergreift, was dem anderen gehört. Die Heilesblüte all dieser Vorschriften ist das: iwrnyib naro«, bereit Lineamente aber die Vorschriften: "lai ,nmn «b -aiaan sb sind. Und eben inbezug auf diese, die Verhältnisse der Menschen zueinander regelnden Vorschriften lautet ein anderer Ausspruch des brrivv ", osra ">a*ia ">: miawm mmsva min nt?n nvn -"! pnn dvidd 'i pm vn mmbn •mn hp» bva ovvi »smks v"nsvi •tvMstsa „Die Tafeln hatten die Länge von 6 Handbreiten und ebenso die Breite von 6 Handbreiten. Moscheh hielt 2 Handbreiten in der Hand, ebenso auch die Schechinah. Zwei Handbreiten waren in der Mitte. Von dort nahm Moscheh die Strahlen seiner Majestät." Damit soll gesagt werden, daß ivan nv» eben jenen mittleren zwei Handbreiten den um seine Schläfen sich windenden Glorienschein entnommen hat. Die von der heiligen Thora verkündete Humanität und Menschenliebe ist eine der strahlendsten Kron e n , einer derunver welkbar st en I m m orte l l e n kränze in dem ewigen Ruhmespantheon des Judentums. Die treue Befolgung der in den mittleren zwei Handbreiten ihren Ausdruck findenden Thora-Vorschriften, welche das soziale Verhallen der Menschen zueinander regeln, indem sie das Gebäude alles menschengesellschaftlichen Verkehrs auf der granitnen Basis der Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Liebe errichten wollen, — sie wäre das sicherste Palladium gegen allen Menschenstreit und Menschenhaß, gegen allen Völkerstreit und Völterhaß, gegen allen Klassenkampf. Daher tönet die Mahnung in die von Zwietracht und Streit erschütterte Welt hinaus: rf]p»a z?wri nmn ps» nns „So die Wahrheit aus der Erde hervorsprießt, und die Gerechtigkeit vom Himmel hinunterblickt, aivn p’ 'n Da nbia' pn prrni, daun gibt auch G'tt das Gute nnd die Erde ihren Ertrag." Doch glaubet nicht, Ihr Menschen!, daß diese mnsts'a yszjKa an sich geeignet sind, um das menschliche Heil für die Ewigkeit zu begründen. Wohl ist es wahr, daß diese rvxmz mb t> pa d’bv-ib» vn rvnvv eine Zentralsonne der heiligen Thora bilden: -inin 'anp nsrn boa owm rnnina bvn bba m piaa *jjnb mnsi Aber ohne die anderen vier rvnvv bilden diese zwei mw-v dennoch bloß ein Bruchstück. Denn nur der G'ttesglaube, das G'ttesbewußtsein vermag die B e st i e im Menscheninnern zu bändigen. Ohne dieses G'ttesbewußtsein und ohne die von diesem Bewußtsein getragene U n: g e st a l t u n g und Re u gebürt unseres Innern fehlt d e m V e r h ä l t n i s s e der Menschen zueinander das stärkste Schutzmittel für die aus Wahrheit, Rocht und Frieden basierende Regelung derselben. Und dies meint auch jener merkwürdige Ausspruch des anani nxo D’va-ix 'ISDN vn mmbn »jin'v na "12 DV2 ''Uv "1 ,iboai nD» bi? vt bv naa anan mser ]va gbao rvn „Die Tafeln waren vierzig nrrv schwer. Die Schrift aber hat sie getragen. Wie aber die Schrift ihnen entflohen war, wurden sie zu schwer für die Hände des Moscheh. sie entfielen denselben und zerbrachen." Eine unerträglich schwere Last scheinen die Gesetzestafeln mit ihren Vorschriften: nnnn sb ,aiaan sb zu sein. Die Schrift aber, die eine g'ttliche war D'pbrr anan anavni /mmbn by mm »mn trug dieselben. Das Bewußtsein, die Ueberzeugung von der G'ttlichkeit dieser Schrift auf den Tafeln ermöglichte aber die treue Beobachtung jener Vorschriften. Der heilige G'ttesglaube beseligte die Beobachtung derselben. Wie aber die g'ttliche Schrift den Gesetzestafeln entfloh, durch die Anbetung des goldenen Kalbes Israel den Glauben an die G'ttlichkeit ber miam rnit&s? verleugnete, da entfielen die Tafeln den Händen des nsr — Ohne Glauben und innere Selb st Umwandlung haben auch die das soziale Verhalten der Menschen zueinander regelnden Moralgesetze keinen B e st a n d. Daher lautet der ewige Mahnruf: »'»w» pTti mvm pttn nns „Die Heilesblume sozialer Wahrheit und Gerechtigkeit soll auf Erden hervorspriehen, diese Gerechtigkeit muß aber vom Himmel hinunterblicken," d. h. sie muß ihr