Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1933)
- Date
- 1933-05-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 22 Der Israelit 30. Mai 1933 entstehen, Gleichschaltung von Seele und Körper des jüdischen Menschen, ’rru ’rvn oyv in einer Zeit, da dieses Wort in der Welt für ihn Ausschluß und Ausschaltung bedeutet ... * '21 f 6 o m u t in >i l i n! Zu Anfang aller Worte und aller Dinge stand das Gefe tz. Bei offener Thorarolle, die uns zum Sinai zurückführt, stimmen wir jenes alte aramäische Lied an, das dem Schwuausfeste seine innere Melodie gibt, im Auf und Ab seiner Akkorde Israels Kampf um feine heilige Thora in Tönen beschreibt. Am Anfang der Worte! Wir stnd wieder am Anfang! Des Wirtschaftsbodens, aber auch des Rechtes beraubt, scheint uns eine Entwicklung von hundert Jahren glatt weggewischt. Am Anfang? 0, ständen wir am Anfang wieder, an d e m Anfang, wie er aus der offenen Rolle und aus dem Sinaikapitel am Tage der Gesetzgebung sich uns in Tönen ausmalt! . . . Warum vererbt sich nicht immer die Thoraweisheit der Thoraweisen auf ihre Rachkommen? Weil, antworten die Weisen. imn Mbty n'rnn mimweil man cs vergessen hatte, in der Thora das Mast aller Dinge, den Primat, dem sich alles Denken, Tun und Fühlen zu unters cdncn hatte, anzusehen; weil die Thora auch nicht mehr die „erste Liebe" des Kindes am ersten Schultage ausmachte, weil die heiligen Buchstaben, die heiligen Schlüssel aller G'tteswahrheiten, in der Vorstellungswelt unserer Linder schon in den ersten Bildungsjahren still zurücktreten mussten vor den Wissenschaften der Welt und des Lebens. Selbst da, wo paus und Schule noch von jüdischem Geiste ducchtränkt waren, war es kein mim 1222 mehr, sprudelte das jüdische Wissen nicht mehr so frisch aus der (Quelle her. Richt zu reden von der grösteren Schar derer, für die das Wort Iirmejahus zutrifft: „Denn mich haben sie verlassen, die (Quelle des lebendigen Wassers, um sich untaugliche Brunnen zu bohren, untaugliche Brunnen, die kein Wasser enthalten ..." Höre Jude, der du dich aus lieblosem Lande heimsuchst: „ A k d o m u t m i l i n! . . „Cs war kein Wasser in der Grube," „wohl aber Schlangen und Skorpionen", wissen unsere Weisen den Thorabericht von der Grube Josefs zu ergänzen. Woher wissen sie das? Aus der Erfahrung, und wir wissen es n o ch besser aus der Erfahrung eines ganzen Emanzipationsjahrhunderts: wo die Grube, aus der unsere Jugend schöpfte, leer war, bar des Wissens um Thora und Judentum, da war sie in Wahrheit nicht leer, Schlangen und Skorpionen zischten aus ihr. Wo das Wasser der Thora den Geist unserer Jugend nicht labt und befruchtet, da stellen sich die Schlangen von selber ein, die die jungen Seelen vergiften und uns abwendig machen. Haben wir gleich zu Anfang genug Licht in des Kindes junge Seele geleitet, dann wird es sich späer an diesem Lichte zu uns finden. .2vi»b oraty vor dem Zusammenbruch ihrer Ideale und ihres Lebenswerkes stehen heute Männer der Kunst "und Wissenschaft, und mit ihnen die gewaltige Schar der plötzlich wider ihren Willen „zu Juden Ernannten." Cs ist die Tragödie einer verlorenen Welthoffnung. Wir rufen und locken und wissen nicht, ob sie nicht bereits zu weit von uns gegangen sind, als das; unser Ruf sie noch im leeren Raum erreicht und zu uns finden lässt. Aber denken wir zunächst an uns selbst i:p2*n mysnj* Ein Lied erhebt sich in seinem Auf und Ab wie aus der Versenkung der Zeiten herauf, ein Lied aus dem Sinaigefilöe, in das uns die offene Thora an diesem Morgen sanft zurückleitet: „Zurück zu dem Anfang aller Worte und aller Dinge! maipH Ruth. Und wieder öffnen wir das liebe Buch, aus dessen Blättern uns der frische Lusthauch aus den Feldern Bethlehems anweht. Wie lebendig und gegenwärtig uns alle Gestalten dieses Epos grüßen! wie Menschen unserer Tage, aus dem Personenkreise unserer nächsten Umgebung. Unzählig die E l i m c l c ch s , die uns heute begegnen, die Zagen und Matten, die sorgsam darauf bedacht sind, aus den Fluten der Rot ihr liebes Ich und was dazu gehört jenseits in Sicherheit zu bringen. Auch auf die Gefahr hin, daß, fern vom Geifleszentrum ihrer Gemeinschaft, fremder moabitischer Geist die Seele ihrer Kinder umschleicht und tötet. Roch größer aber die Schar der männlichen und weiblichen R a a m i s, die mit dieser, am Grabe ihrer Habe, händeringend klagen: „Sprechet nicht von Lieblichkeit, denn Bitternisse hat mich G'tt erleben lassen." verständen sie doch heute alle, das Schicksal der Armut mit dem ungebrochenen Mule und Stolze jener Helöenmutter aus dem Buche Ruth zu tragen! Und erst der p l o n i 2l I m o n i, der Anonymus in der Tragödie/der untertaucht, um sich ungenannt und ungekannt aller Bruderpflicht zu entziehen! Auch er ist eine Physiognomie der Gegenwart! vereinzelt aber tastet sich die Ruth aus fremden Feldern zu uns. Jugend, die (im Gegensätze zu der biblischen Ruth) aus fremden Feldern kommt, sucht und findet sich hie und da auf unseren Acker, um hinter den Schnittern her d a s aufzulesen, was sie früher durch Schuld der Väter verschmäht hatte. E>, daß sie, die Heimkehrer, gleich jener heimkehrenden Ruth, den Annehmer, finden, daß sie nicht abschwenken rechts oder links, nicht abgefaßt werden auf halbem Wege. '-»nrr ,my3 vipbb ^rr (D, -daß man später von unserer Zeit des großen Weckens und der Jugend bewegung in wahrem Sinne preisend sagen kann: hm «fc nvu ßn I112- „Dank Dir, Herr, daß Du den Heimkehrenden, den Annehmer und Erlöser zur rechten Zeit gestellt hast! ..." * König David. Und zuletzt ist Schwuaus das Fest von König David. Richt allein, weil aus der Liebe des Ruth-Idylls seine Dynastie erwachsen ist, nicht allein well die Gefilde von Bethlehem, die Iugendgefilde seines Hirtenlebens und der Schauplatz seines späteren Königstums sind. Auf den Feldern von Bethlehem spielte einst der Hirtenknabe, das blaue, träumende Auge zum Himmel gerichtet. Hier erhob sich aber auch später über dem Königsbette jene wunderharfe, über deren Saiten um die Rlitternachtsstunde der Nordwind fuhr, um ihnen die wundersamsten Töne von Sang und Dank und Preis abznlocken. Hier auf diesen Feldern, wo Boas den Bund mit der Ruth schloß, war der Bote des Todes gekommen — es war am Schwuausfeste —, um die in Lob und Lied widerklingende Königsfeele zu entführen. Er konnte nicht heran an den König, so berichtet Talmud, solange die Seele und der Mund sangen. Wie Wasserströme ergossen sich die letzten Lieder, wurden zu Stahl und ballten sich zu einem Panzer vor den Pfeilen des Todes. Feuerfunken sprühten aus dem begnadeten Munde, daran des Todes eisiger Hauch sich zu neuem Leben erwärmte. Ein Geräusch ließ der Bote des Todes in den Bäumen entstehen, so daß der königliche Sänger aufschrak, erschauerte und ein wenig stille hielt in Lied und Lehre. Diese Minute des Stillbaltens brachte dem König den Tod. Cr hatte sein Tillimbuch und sein Lebenslied zu Ende gesungen: „Aller Seelen loben G'tt! . . ." Wieviel uns doch gerade dieses Jahr diese talmudische Agada zu sagen hat! Im Purpurmantel des Königs, die Krone auf dem gesalbten Haupte, so steht Israel als Ganzes, ein lebendiger G'ttespreis, der sich in den Wellen des Gesanges von Geschlecht zu Geschlecht trägt. Und die Boten des Verderbens weichen, betäubt und betroffen von diesem Gesänge, zurück. Und es weht der Roröwind und kann auch und erst recht, wenn die L e i d e n s n a ch t den Höhepunkt e r r e i ch t h a t, den Saiten unserer Volksseele jenes Lied von Kraft und vertrauen ablocken, das alle Boten des Unheils von uns scheucht. Erst das Stillhalten, das erschrockene- Zurückweichen, das ängstliche Umunsschauen und Umunslauschen nach fremden Tönen, nach fiktiven Geräuschen bringt die Gefahr. Das dreifache Licht. Von Rabbiner PH. Fischer in Sarospaiak. Zu nismw* Trüb ist bas Bild, bas eine Betrachtung der Gegenwart uns darbietet. Ein furchtbares Chaos überflutet die gesittete Welt. Wenn wir jetzt, wie einst jener weise Mann in Sephoris, mit der lauten Frage in den Kreis der sich gegenwärtig zerfleischenden Völker treten würden: »s?2 jk» "ni rwo ptab „Will denn niemand von dem wunderbaren Lebensbalsam kaufen?!", von dem wunderbaren Balsam, der wie mit einem Zauberschlage all dem Jammer der Gegenwart ein Ende bereiten und die freie Bahn für eine bessere lichtere Zukunft eröffnen würde; der den Bruderhaß aus den menschlichen Herzen und die brudermörderische Waffe aus den menschlichen Händen entfernen würde; — o! wie würde da alles. Hoch und Niedrig, einem solchen entgegenjubeln, wie würden da Staaten und ihre Diplomaten diesem, den großen Völkersabbat verkündenden Sendboten entgegenjauchzen: 'iii nab „Komm' o Freund! Komm' o Freund!" Und doch weilt dieser Bote mit dem alles Leid und Weh zerstörenden Wunder schon seit Jahrtausenden hier auf Erden: am heutigen Offenbarungsseste der Thora wurde dieser Bote auf die Erde herabgesandt? Es ist dies die Thora, deren Offenbarung mit den vor Jahrtausenden vom flammenden Horebgipfel herab verkündeten Olivin 7n$7sr Zehnworten begonnen hat. 1222 7ins?n riinib '3» PZ2V1V ’2«7 „Die zwei Tafeln des Zeugnisses entsprechen zwei Trauungsbeiständen!" Sie kündeten an die Vermählung des Menschen mit dem wahren ewigen Heile! Tiefsinnig lautet der Ausspruch' eines Weifen: nvn lass? ■>» *P2 n»n bi2’22 -wrav 1 pix im Tiimbn "212 i'x perma» im omao '3»i -arnav '3e? nva b» ii'2i -arnav '3» abisn •1’b T P2 „Die Tafeln hatten die Länge von 6 Handbreiten. In der Hand desjenigen, aus dessen Befehl die Welt entstand, blieben hiervon 2 Handbreiten. In der Hand Moschehs waren 2 Handbreiten. Und zwei Handbreiten schieden zwischen der einen Hand und der anderen." Mit dieser rätselhaften Ausdrucksweise will der Weise folgendes sagen: Die mmb Gesetzestafeln sind die Repräsentanten sämtlicher Thora-Borschriften. Denn sie allesamt können von den Miaw nisp, Zehn-Wortsn abgeleitet werden. Die Zehn-Worte können gleichsam den Rahmen, das Bild für alle Ber- und Gebote der Thora abgeben. .-pib IPX ’23X 7» 711'71lX 1232 7118» 2"'171 P12 1',1 71177li>,1 Die Thora-Vorschriften lassen sich aber in drei Kategorien gruppieren: I. amao ’asr abiyn rrm inxe- »a ma in bia'aa- „Der Weltschöpfer hielt gleichsam zwei Handbreiten von den Tiinib in Händen." Dies besagt, daß ein großer Teil der Thora-Vorschriften G'tt zum Gegenstände hat. Denn wenn auch die heilige Thora uns kein klares Bild von der Wesenheit G'ttes geben kann noch will, '3xi' xb ni oixn, die geistigen Kräfte des am Sinnlichen haftenden Menschen nicht imstande sind, die Wesenheit des rnabij; mi2 zu erfassen und begreifen, so gibt sie uns dennoch Aufschlüsse, die wohl geeignet sind, uns eine notwendige, unser ganzes Leben beeinflussende klare Vorstellung von dem Verhältnisse G'ttes zu uns zu gewäh- ' ren. inm «b '331 'in« m nmn lautete der Zuruf G'ttes an Mofcheh. Meine Wesenheit kannst du nicht ergründen: nur den Lichtspuren meiner Wirksamkeit vermagst du zu folgen. Die heilige Thora gewährt uns ein klares erhebendes Bild über das Verhältnis G'ttes zum Menschen, wie derselbe. a'3inn7i,i b-i a'3vbyn bv n'3P» ist. Wie er der allerbarmende Vater der Menschheit ist, der sie mit väterlicher Güte, unendlicher Liebe und Weisheit für Seine Ziele erziehet, der sie in Prüfungsnächten und im Geschickesdunkel den von Ihm vorherbestimmten Heileszielen entgegenreifen läßt. Schon das erste Wort der Offenbarung eröffnet uns eine herrliche Perspektive unendlichen Segens Und Heiles. :D'13jm 71'2» D’IXö?18» I'TIXXIN IPX Ipbx m '238 Ich, '»n»i 711,1 'm das feit Ewigkeit und in aller Ewigkeit seiende erhabene Wesen, schaue aus Woltenhöh'n und Himmelszelten auf dich Staubgeborenen hinab, und mp!-« bin auch dein G'tt. der dich auf Vaterarmen trägt. Ich bin dir nahe iin all deinen Leidensnächten und tränenreichen Stunden,a'i2Vv Tina a^xa ^71x81,1 ipx wie dies auch jenes welthistorische Ereignis dokumentiert, welches die ewige Granitbasis der geschichtlichen Mission Israels ist und bleibt. II. ü'nav'3v.ipa bp ii'2i„Auch in Händen des Mofcheh befanden sich zwsronsvvon dsn snsv^' langen nrnib uv". Eine zweite große Gruppe der Thora-Vorschriften hat wieder den Mofcheh, den Menschen zum Objekte. Sie bezwecken die innere Umwandlung des Menschen, eine Läuterung, Umgestaltung des Menfchemnnern. Dasjenige, für dessen Gewährung der heilige Länger also flehet: .'21JS2 »in P23 nm B'jsb« ib «12 11.1v 2b „Ein reines, für alles Gute, Edle, Wahre und G'ttliche empfängliche Herz erschaffe mir G'tt und einen richtigen: Geist erneuere in mir." Und was bereits dem Stammvater Abraham mit den Worten anbesohlen ist '33b ibann-