Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1933)
- Date
- 1933-05-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 21 Der Israelit 24. Mai 1933 .W’üü.iii Weit über 1000 schreibfertige FÜLLFEDERHALTER mit 14 Karat Goldfeder ab RM. 2.50 zur Auswah I Hausmarken Ceka u. Juwel, sowie die bek. Markenhalter f» n ES| U'i IDDXTI KAISERSTRASSE 75 wHnla (\lalr r EiL Schreibwaren jeder Art „(Ein Am Haarez! Ausgezeichnet! Genau das Gleiche befürchtet Rabbi 2lkiwa. Hier fein Brief. Cr schreibt.' „wie kann ich, ein Rabbiner von geringer Bedeutung, es wagen, meine Hand auszustvecken nach dem Größten in Israel, der Leuchte der Diaspora? Cr wird schwerlich einwilligen, sich einen haarez als Schwäher zu wählen. Also," kommentierte Rabbi Daniel, „Amhaarez gleich Amhaarez, hier Amhaarez, dort 'Amhaarez, paffen für einander wie geschaffen! . . ." Rabbi Als sch e, stets zugänglich für ein heiteres Wort, mußte laut auslachen, was Rabbi Daniel als endgültige Zustimmung nahm. Aber es dauerte noch einige Zeit, bis Rabbi Daniel alle weiteren Steine aus dem Wege schaffen konnte. Die halachische Korrespondenz zwischen preßburg und Posen erhielt eine persönliche freundschaftliche Rote, die wuchs und wuchs. Auf diesem gelockerten Loden konnte Rabbi Daniel dann rasch zum Ziele kommen. Roch vor Winterbeginn traf man sich in Cisenstadt, dem Geburtsorte Rabbi Akttvas, zur Pochzeit, die ein Fest für das ganze Vurgenland und weite Teile Ungarns wurde. Seit R'lenfchengedenken hatte Cisenstadt nicht mehr so viel reges Leben und so viele neue Gesichter in seinen Mauern gesehen. Die kleine Stadt im Burgenlande war zum Treffpunkte erkoren, wo sich die zwei Führer und Fürsten des jüdisches Geistes die Hand zum verwandtschaftlichen Bunde reichten. Mit ihnen waren alle Rabbinen und Männer von Rainen aus dem Ungar- und Burgenlande in die Stadt gekommen, um das seltene Fest mit ihr zu feiern. Denn es war ein Fest der Stadt, der Städte. War Cisenstadt stolz auf feinen großen Sohn im Dsten, der all seine Briefe und Responsen mit Akiwa Gins aus C. S. (Cisenstadt) zeichnete und damit die Geburtsstadt im Ramen wie einen Edelstein im Ringe trug, so war preßburg nicht weniger stolz auf das große Licht, das ihm aus dem Westen zugefloffen war. Auch er entrichtete als „Mosche aus Frankfurt", feiner Heimatstadt in unzähligen Schriften, Refponfen und Gutachten den Tribut der kindlichen Liebe, aber er gehörte ihnen, preßburg und dem Ungarlande. Die jüngere Generation in Cisenstadt hörte allezrtl öcn namen Rabbi Akiwas nennen und hatte ihn noch nie gesehen. Auch Rabbi Mosche, obwohl man im ganzen Lande seine Hand und seinen Atem verspürte, kannten die wenigsten außerhalb preßburgs von Angesicht. Run strahlte im engen Raume Licht in Licht. Cs lohnte schon der Mühe, aus der nahen und weiteren Umgebung in Hellen Scharen herzuströmen, um des 2lnblickes teilhaftig zu werden, wie Rabbi Mosche Soser von Rabbi Äkiwa Gins-Cger unter die Chupa geführt werde, wie der große Vater den Segen sprach für die Tochter an der Seite ihres großen Gatten. Begrüßungslieder übten die Iüngerchöre ein, die mit den Worten des pismon am Iomkippursabbat begannen „Schne Sore kodesch, zwei heilige Fürsten fanden sich . . .“ Abends warteten Jünger und Gäste auf der Wiese vor der Stadt mit Kerzen und Fackeln auf den Wagen, der beide Rabbis in die Stadt bringen sollte. So viele Menschen hatten sich angesammelt wie zu einem Jahrmärkte, einer Messe, und die Menge jubelte in freudiger Feststimmung. Rächt dunkelte heran, schlecht war die Lange Straße, die schon gleich nach der Wiese die Stadt einleitete, mit einer Petroleumlaterne an der Kreuzung beleuchtet. Dunkler Tannenwald, am Rande des Weges schickte lange, schwarze Schatten. Die Wachskerzen in den Händen der Menschen vertrieben das Dunkel nicht, auch wenn sie dem Winde stanöhielten. Der Thor sang das Lied von dm „Zwei heiligen Fürsten", und die Menge fiel brausend ein, mit halben Tönen, halben Worten, und warf allen Rhythmus, alle guteing'eübten Fugen und Einlagen des Iüngerchores über den Haufen. Als jenseits des Stadttores vor den ersten Häusern die freudige Begeisterung den Höhepunkt erreichte, wurde Rote, der hartbedrängte Fuhrmann, der bei diesem feierlichen Anlasse nicht einmal fluchen durfte, sanft vom Bocke gerissen. Kundige Hände spannten die Gäule aus, die unter Führung Rotes geduldig und neidlos zur Seite traten. Kräftige 2lrme hoben den Wagen hoch, trugen ihn wie eine Sänfte auf den Schultern durch die dunklen Gaffen, singend, jubelnd. „Halleluja! . ." „Schne Sore kodesch! . .“ Wer sah in der Dunkelheit und in der Trunkenheit der Freude, wie aus der einen Seite Rabbi Akiwa sachte aus dem Wagen stieg. „Die Leute wollten ihrem Rabbi Mosche huldigen. Warum auch nicht? Cr verdient es. Ich mache mit ..." . Und auf der anderen Seite stieg langsam und bedächtig Rabbi Mosche ab. „Rabbi Akiwa, ein Kind ihrer Stadt. Man ehrt einen Gelehrten und ich darf mich nicht ausschließen." Und er legte mit Hand an. Was war das? Vor dem Hause des reichen Vorstehers Rabbi Meiteles, wo die hohen Gäste Duartier nehmen sollten, stellten die Begeisterten einen leeren Wagen ab. Die beiden Rabbis waren von der stürmenden Menge ein wenig zurückgedrängt worden und kamen etwas später, jeder für sich, langsam und keuchend nach ... (Fortsetzung folgt.) Die Pforten Zions. Von Rabb. Dr. Nürnberger in Ungarisch Brod. Vor wenigen Jahren beging die mährische Judenheit und mit oder neben ihr die thora- und gesetzestreuen Kultusgemeinden in der Slowakei die Wiederkehr des hundertsten Todestages zweier Männer von Weltruf: Des Landesrabbiners Mordechai Bauet in Nikolsburg und des Machazis-Hafchekel in Voskowitz. Das laufende Jahr rückt einen dritten, beiden ebenbürtig, in den Blickpunkt der Juden in Mähren. Am zwanzigsten Tamus sind es zweihundertfünfzig Jahre, seitdem Rabbi Nathan A s ch k e n a s i, Verfasser des „Kosakenflut" und des „Schaare Zion" als Märtyrer seine lautere Seele aushauchte. Wer war Rabbi Nathan Aschkenasi? Was stempelt ihn zu einer historischen Persönlichkeit? Welche Leistungen vollbrachte er, daß sich daran auch heute noch sein Selenlicht entzündet? Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort. Aus dem Leben eines Großen in Israel wird und wächst seine Arbeit von bleibendem Werte. Nathan Aschkenasi war wie Sabbatai Kohen, Verfasser des „Schach" und Ephraim Kohen. Verfasser der Responsen „Schaare Efraim" den Häschern Ehmelnickys in Polen glücklich entronnen. Während sich Sabbatai Kohen in Holleschau und Efraim Kohen in Ung. Brod niederließ, wechselte Nathan Aschkenasi wiederholt seinen Aufenthalt, bis er im Jahre 1671 der Berufung nach Ung. Brod folgtet Sein profundes talmudisch-rab- Vlnifiljes Wissen, gepaart mit seinem unbeirrbaren Wandel im Garten der Kabbala, ließ Großes von ihm erwarten. Seiner Tätigkeit, mit oielverheißendem Elan begonnen, setzte das „Broder Verhängnis" jäh ein Ende. Am 20. Tamus 5443 — 14. Juni 1683 — hatten sich Jung und Alt in der Synagoge zum Morgeng'ttesdienste versammelt. Plötzlich entfesselte der Einsall der Kuruzzen einen Schrei des Entsetzens. In Gebetmäntel gehüllt, mit Tefillim an Hand und Haupt, fielen die Andächtigen unter dem Todesstreiche der Rebellen. Nathan Aschkenasi betete gerade Schemone-eßre. Den Satzungen unserer Weisen treu, wandte er sich nicht um, auch dann nicht, als die Sichel des Todes einen nach dem andern abmähte. Darüber wutentbrannt, ließ ihn der Bandenführer in 3 Stücke zerhauen. Sein Grabstein, dreizackig auslaufend, bleibt ein grausiges Denkmal jüdischen Martyriums. Dieser Zickzack ist. näher betrachtet, ein Symbol des Innenlebens dieses Märtyrers. Ein Kabbalist, fühlte er sich mit G'tt vereinigt und dennoch dem Alltagsleben mit allen feinen Erfordernissen eng verbunden. Er liebt die Menschen, liebt sein Volk, das er überall von der „Kosakenflut" bedroht sieht. Er ruft und rafft zur erlösenden Tat sich auf. In diesem Augenblicke drängt es ihn, den Kabbalisten, zu den zehn „Sephiroth", den Schöpfungskräften der Schechinah. deren Flügelschlag er nur in stiller Abgeschlossenheit rauschen hört. Ein innerer Kampf schüttelt ihn, läßt ihn nicht zur Ruhe kommen. Bald zieht er sich von der Oeffentlichkeit zurück, bald' sieht er sich in ihr Netz verstrickt. Was er erlebt. und erlernt, kann er nicht für sich allein behalten.. Er geht zu seinen Brüdern hinaus, daß er sie aufrüttle, daß feine Ideen ziehen und zünden. Enttäuschungen bleiben ihm nicht erspart. Das Moment der Ablehnung begleitet ihn wie fein eigener Schatten. Zu feinem Glücke ist er von Selbstbespiegelung meilenweit entfernt. Die Menschen sind, gut. Die Schuld an seiner mißlungenen Arbeit schreibt er sich selbst zu, seiner Unfähigkeit, seine Bruder in den Bannkreis seiner Ideen fesseln zu können. In dieses Dunkel schlägt plötzlich ein Funke, der es im Nu aufhellt. Mit den Pforten des Himmels öffnen sich ihm die „Pforten Zions". Die Zerstreuung seiner Brüder über dem Erdball schmerzt ihn nach wie vor. Eine Gefalr für den Fortbestand des Judentums bildet sie nicht mehr. Die Diaspora in ihrer Länge und Breite, in Raum und Zeit, in ihrer horizontalen Ausdehnung und vertikalen Richtung, ist nichts anderes als der eiserne Riegel an den „Pforten Zions". Wenn der Jude seine Augen öffnet, seinen Platz an der Sonne.erkennt und die G'ttes- und Zionsnähe begreift, kann er eigenhändig den Riegel wegschreben, die Pforten öffnen und in Zion einziehen. ' > Den Anfang macht Nathan Aschkenasi selber. Um Mitternacht setzt er sich in einem Winkel auf den Schemel und „sein Haupt ragt bis an den Himmel". Er reiht Gebet an Gebet um die Erleuchtung des jüdischen Geistes, um die. Dämmerung der wahren Erkenntnis, um die Rückkehr nach Zion. Er sitzt allein, aber nicht einsam. Er sieht im Geiste Millionen seiner Brüder zur selben Zeit in gleicher Haltung wie er über den „Schaare Zion" gebeugt, heiße Tränen vergießen. Aus weiter Ferne tönt schon der Stundenschlag der Erlösung zu ihm herüber. Den Schlüssel zu den „Pforten Zions" will er nicht e r sunden, sondern g e sunden haben. Geschmiedet haben ihn schon unsere Weisen: „Wenn sie es verdienen, werde ich die Erlösung beschleunigen." Der Lenker der Geschichte ist G'tt. ' Die Kräfte, die „das All durchfluten und es in all seiner Vielfältigkeit beeinflussen," die „der Materie den Lebensgeist einhauchen und ihr verschiedene Formen und Eigenschaften einprägen", strahlt G'tt aus. Der moderne Leser verziehe nicht den Mund zu einem mitleidigen oder gar spöttischen Lächeln. Drückt doch dieser Satz mit etwas anderen Worten nicht mehr und nicht weniger als das Prinzip der Erhaltung der Energie aus: Energie entsteht nicht, vergeht nicht. Alles Werden und Wachsen ist lediglich eine Umformung der einen Energie. Ist nicht auch unser Golus eine jüdische paseinsform, die der Umgestaltung harrt! „Aber die Kabbala führte den Wahrheitsucher noch weiter, bis zum Himmelreich, vor den Thron der Herrlichkeit G'ttes ... wo die Geschicke aller Kreaturen und jeden einzelnen Volkes bestimmt werden." Arbeitet sich das jüdische Volk zu dieser Erkenntnis empor, so ist es das g'ttgewollte Werkzeug der eigenen Erlösung in- und außerhalb Palästinas. Nathan Aschkenasi lehrte die Vernunft Wunder erleben. Dadurch allein, gewann seine Persönlichkeit historische Bedeutung. Sein Seelenlicht funkelt in die Gegenwart und wird auch in der Zukunft nicht erlöschen. Ein anderes Moment beleuchtet feine geschichtliche Wendung im Judentum. Ein Träger der Kabbala und des Rabbinismus. baute er eine Brücke zwischen Josef Karo und Isaak Lurja. Kabbala und Rabbinismus sind nach Nathan Aschkenasi keine Gegensätze. Eine Idee ist es vielmehr, die verschiedentlich kristallisiert. Wer den Talmud, einerlei ob Halacha oder Hagada, wer die Werke eines Josef Karo studiert, wird zwangsläufig in den Feuerstrom der Begeisterung, der diese Werke durchflutet, gerissen. Das Gesetz hebt nämlich den, der es erfüllt, über die Enge des Alltags hinaus in die Sphäre der Ewigkeit, in der er sich als Teil des Ganzen begreift, in der die Aeußerungen der Allmacht ihn umrauschen. „Die Gebote dienen nur der Veredelung der Seele." (Midrasch.) Indem der Jude „im Feuer des Gesetzes" seine Seele läutert, wird er seiner hehren Bindung inne. erfährt er, daß die Fäden einer höheren Welt ihn umgarnen. Josef Karo ist daher ganz aus dem Holze, dem Isaak Lurja entstammt. Beide klammern sich an die g'ttlichen Vorschriften, daß durch sie ihr Innenleben stets eine Erneuerung erfahre. Diesen Weg ging Rabbiner Nathan Aschkenasi und wurde der Vorläufer des wahren Chassidismus. De Kultusgemeinde Ung. Brod erfüllt daher eine heilige Pflicht, wenn sie den bevorstehenden 20. Tamus würdig zu begehen und die Judenheit der Republik zur Teilnahme an dieser Feier einzuladen, sich anschickt. Ein Komitee ist bereits gebildet. Das Programm wird demnächst bekannt gegeben werden. ANNONCEN-BÜRO JULIUS SCHMIDT FRANKFURT A. M. OSTENDSTR. 83 TELEFON 45866 Bei Einkauf von Damenschuhe empfehlen wir das jüdische Spezialgeschäft für Damenschuhe Tip-Top, Zeit 83. Inh. Sally Köster ich (Siehe Inserat.) Hier finden Sie die neuesten Modeschöpfungen zu billigsten Preisen in bewährten Qualitäten. Im Friseur-Salon Fritz Weiß Rechneigrabenstraße 17 werden Herren und Damen in allen Haararbeiten bestens und billig bedient. Am Sabbat und Jomtow ist das Geschäft geschlossen.