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Der Israelit · 1933-05-24 · Heft 21 (24.5.1933) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 21 (24.5.1933)
Date
1933-05-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 21 D e r I s r a e I i t 24. Mai 1933 könne sich aber nicht damit zufrieden geben, solange das selbständige Recht ihrer Anhänger auf Erez Israel nicht gewährleistet ist. Nach Längeren Beratungen in Gemeinschaft mit den rabbinischen Lehrern wurde eine Resolution in folgendem 'Sinne' gefaßt: Das Z. K. der Agudas Jisroel empfindet die ausschließliche Aushändigung der Zertifikate an die zionistischen Stellen als eine Ungerechtigkeit gegen die Agudas Jisroel und die in ihr organisierten orthodoxen Massen, um so mehr als gerade die orthodoxen Palästinawanderer, die gewillt sind ihr Leben im Geiste der Thora im heiligen-Lande aufzubauen, das beste und geeignetste Element Wr Erez Israel zu bilden/ Das Z. K. der A. I. wird sticht eher ruhen, als bis die Orthodoxie in dieser Beziehung zu ihrem Rechte gelangt ist. Es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß mit Hinblick auf die Lage die Jewish Agency der Anregung der Regierung, die Wünsche der Agudas Jisroel zu erfüllen, .folge, damit letztere nicht gezwungen sei, den Kamps um diese Zertifikate weiter fortzusetzen. Die Mitglieder der Agudas Jisroel, wie besonders die Jugend, werden aufgerufen, sich im Kampfe für die Rechte der Orthodoxie auf Erez Jisroel geschlossen hinter das Z. K. zu stellen. palöfttna. Wassermangel in Jerusalem. Jerusalem, 20, Mai. In Jerusalem herrscht »pieder . einmal Wassermangel. Jahr für Jahr stellt sich dieses Uebel um die gleiche Zeit ein, Jahr für Jahr die gleichen Proteste, Aktionen und Interventionen, und es bleibt doch zunächst alles beim Alten. Einmal schien es so, als wollte die Regierung die Wasserfrage endgültig lösen, und im Sommer waren auch umfassende Vorbereitungen für eine reguläre moderne Wasserversorgung getroffen. Nun kommt der Sommer und mit ihm die Wasserkalamität in all ihrer Schärfe. Die Rationierung des Wassers ist eine durchaus ungenüoende. Kommt noch hinzu, daß der Jischuw in Je rusalem schwer unter diesem Mangel leidet. Gerade jetzt bei der verstärkten Alija wäre Hoffnung vorhanden, daß viele Einwanderer mit einigem Kapital, die nicht gerade auf der Jagd nach der Prosperität begriffen sind, die alte heilige Stadt als Wohnsitz wählten, um da aus ihren Ersparnissen zu leben und damit auch anderen eine Existenz zu schassen. Die Heiligenstätten und auch die Luft locken sie an, aber aus Angst vor dem Wassermangel verlassen sie am Ende doch Jerusalem, was man bei einem Europäer, der in der früheren Heimat eine Wasserfrage nicht gekannt hat und Anspruch auf Hyg'ene und Sauberkeit macht, wohl verstehen kann. Regierung und Stadtverwaltung, die für eine Entwicklung Jerusalenrs besorgt sind, sollten etwas weiter blicken und wissen, daß das Wasser das erste Element des Aufbaues und Hauptfaktor der Städtentwicklung ist.- Unmöglich -jst chie Errichtung des Wasserwerkes nicht, nicht 'einmal schwierig^ es fehlte bisher nur an der Initiative' und an der Tatkraft. Es verlautet, daß die Errichtung des Wasserwerkes noch in diesem Sommer in ^Angriff genommen/wird. Trifft dieses zu, dann soÜte wenigs!iests, eine Bekanntmachung darüber ergehen, damit'sich Äie Gemüter beruhigen. Lag beomer in wiron. Safeü, 20. Mai. Die „Hilula" am Grabe von Rabbi S ch i m e o n b en Iv ch i fand dieses Jahr am Lag beomer unter Beteiligung einer gewaltigen Menge statt. Neben Einheimischen aus Stadt und Land sah man auch unzählige Touristen. Die Freudenfeuer wurden in üblicher Weise angezündet, die Gebete verrichtet und religiöse 'Pänze am Grabe in gehobener Stimmung vollführt. Ein großes Polizeiaufgebot wachte über die Ordnung, die nirgends gestört wurde. Man sah auch zahlreiche Araber unter der Festgemeinde, die nicht allein aus Neugierde kamen, sondern um . am Grabe d^s auch von ihnen gefeierten Tanna in ihrer Art zu üeten. Unter den Gästen in Miron ragten hervor der Rebbe ausSadagora und der R e b b e a u s B o j a n, die vorige Woche nach Erez Jisroel kämen. (Weitere Korrespondenzen siehe Leite 11.) Berlin. Die .Revisionisten in. D e u t.s ch l.a n ü, die zu Jäbotinski halten, sind aus. der „Weltunion der zionistischen Revisionisten" ausgetreten und betiteln fortan ihre Organisation „Verbapd der Staatszionisten". — Wie die T. U. erfährt, hält es die Reichsregierung nicht für zweckmäßig, den für die Rechtsanwälte und andere Berufe eingeführten A r i e r p a r a g r a p h e n auch auf die Börsenmakler anzuwenden. Gesetzliche .Maßnahmen dieser! Art seien nicht zu erwarten. München. Der Jüdische Lehrerverein für Bayern ist polizeilich aufgelöst worden. Ueber die Gründe der Auflösung, gegen die bei den zuständigen Stel- . len Beschwerde eingelegt wurde, konnte bisher nichts in Erfahrung gebracht werden. Düsseldorf. Der Hauptausschuß dev- Stadt Düsseldorf hat dem Turnverein Mäkkabi die städtischen Turn- und Sporteinrichtungen,' deren Benutzung ihm infolge der politischen Veränderungen eine Zeitlang entzogen worden war, wieder zur Verfügung gestellt. Kassel. Die Regierung in Kassel hat eine Reihe öffentlicher jüdischer Volksschulen aus dem Lande a u f g e l ö st und die Kinder evangelischen Schulen zugewiefen. Schulen mit mehr als 20-Kindern, wurden von der Auflösung nicht betroffen. Breslau. Wie gemeldet wird, wurde in Breslau in einigen Schulen die Einrichtung getroffen, daß die jüdischen Schüler auf besonderen B ä n k e ndie von den anderen Schulbänken um einige Zentimeter abgerückt sind, Platz nehmen müssen. — Bei der kürzlich erfolgten offiziellen Einführung des Pastors für die evangelische Gemeinde in Rosenberg O.-S. sprach auf Einladung des Kirchenrates Prediger Erich Lewin namens, der jüdischen Bevölkerung herzliche.Begrüßungsworte. In herzlichen Dankesworten wandte sich der neue Pastor auch an die jüdische Bevölkerung -und betonte, er werde alles einfetzen, um den Frieden zu erhalten. Karlsruhe. Die „Badische Presse" meldet aus Schram b erg: „Auf dem letzten Markt richtete sich die Mißstimmung von Käufern und Verkäufern gegen die jüdischen Händler, die ausgesprochene Ramschware verkaufen wollten. Die jüdischen. Händler erhielten darauf vom Sonderkommissar 30 Minuten Zeit zum Einpacken ihrer Ware und nmßten den Markt verlassen." Amsterdam. In Holland fand ein Sammeltag zugunsten der jüdischen Auswanderer aus Deutschland statt. Das Ergebnis der Straßensammlungen betrug etwa 25.000 hfl. Bei der Büchsenleerung in Amsterdam wurde in 'einer der Büchsen ein Tausendguldenschein gefunden. — König Carol II. von Rumänien hat den bekannten Amsterdamer jüdischen Bankier L. B. van Nierop und den Amsterdamer Notar S. T e i x e i r a de M a t t o s mit hohen Orden ausgezeichnet. Wilna. Auf Anordnung des Unterrichtskuratoriums wurde in Wilna das von S. Gurewicz geleitete Gymnasium mit jiddischer Unterrichtssprache geschlafen. Da in Wilna schon früher zwei von den ursprünglich bestandenen Gymnasien geschlossen wurden, gibt , es' in dieser Stadt -nur noch eine einzige derartige Lehranstalt.. Warschau. . Im Alter von 55 Jahren ist in Warschau dev bekannte jiddische und .hebräische Schriftsteller und Pädagoge Mosche Gerson Feldstein, bekannt unter dem Pseudonym Reb Mosche, gestorbe,n. Feldstein war langjähriger Mitarbeiter der jiddischen Tageszeitung „Hajnt" und der > hebräischen Tageszeitung „Hazefira". — Der ' Rabbinerverband in Polen wendet sich in einem Aufruf an alle Rabbiner, in ihren Predigten ihre Gemeinden zugunsten der Hilfsaktion für die deutschen Juden aufzurufen. — Zwei jüdische Philantropen, die Herren Sternseld. und S p i n a k, stifteten der Warschauer Kehilla zehn Morgen Wald, um dort ein Sanato-. r i u m für arme jüdische Kinder zu errichten. Czernowitz. Der Professor' an der juridischen Fakultät der Czernowitzer Universität, Dr. R a d u l e s c u, hat feine Vorlesungen zum Protest dagegen eingestellt, daß die cuzistischen Studenten beschlossen haben, jüdische Hörer nicht mehr zu den Vorlesungen zuzulassen. Professor Radulescu hat erklärt, - daß er seine Vorlesungen solange nicht wieder ausnehmen werde, solange jüdischen Studenten der freie Zutritt zu den Vorlesungen verwehrt bleiben würde. Bukarest. 40 Studenten der Klausenburger Universität wurden wegen antisemitischer Exzesse relegiert. Man will mit diesen exemplarischen Strafen den Tumulten an den Universität ein für allemal ein Ende machen. Personalien. Lehrer kaUmann Rothschild Hamburg/24. Mai. , Der langjährige.Lehrer -an der Talmudthora-Schule^ Kallmünn.'R o th'sch il d, einer unserer Besten, ein. - wahrer Lehrer der Kleinen und Großen/.'ist plötzlich- , abberufen worden. Eingehende Würdigung, die uns nach . Schluß der Redaktion zuging, erscheint in nächster Nummer Alzenau, 22. Mai. Unter außerordentlicher Beteiligung von nah und fern, auch nichtjüdischer Kreise, wurde, am 30. April die Frau unseres Kultusvorstehers, Herrm Jsidor Hamburger, zur letzten Ruhe gebettet. Lehrer Wechsler würdigte, in'längerer Rede die Verdienste . -der Verschiedenen um die hiesige Gemeinde. Sie war seit' Gründung des Frauenvereins (1905) 1. Vorsteherin bis zu ihrem Tode und leitete den Verein in mustergültiger Weife. Besonders hob er ihre aroßenonnii"vz hervor, indem sie den armen Durchwanoevern Obdach in > ihren/ . Hause gewährte und sie mit Speise und Trank labte. Auch.im Kriege sorgte sie, daß die Soldaten Liebespakete erhielten. Ihr Haus suchte sie zu einem vrm snp>» zu gestalten, in welchem ihre ganze Liebe dem Gatten und den Kindern entgegengebracht wurde. Ihr Andenken wird nicht nur im Frauenverein, sondern bei allen, die sie kannten, ein gesegnetes sein. Vermischtes. Darmstadl, 22. Mai. Vom Hessischen Rabbinat Darmstaüt II (Rabbinat der Israelitischen Religionsgesellschaft) wird uns geschrieben: In verschiedenen Orten wird Fleisch verkauft, das von der Schechitoh des Herrn Groß in Griesheim stammt. Herrn Groß ist von den Herren Rabbinen Dr. Merzbqch, Darmstadt und Dr. Breuer, Frankfurt a. M! seine Kabolo entzogen worden; das Fleisch darf als nerüelöh utrefoh nicht gebraucht werden. Straßbprg, 15. Mai. Neben den wirtschaftlichen Sorgen bedrückt die deutschen Juden die Sorge um die Zukunft ihrer Kinder. Ein Verbleiben in den deutschen Schulen ist vielfach bis zur Unerträglichkeit erschwert oder bei höheren Schulen durch Gesetzunmöglich gemacht.. Und selbst, wenn die Kinder die Schulen absolvieren werden, bleibt noch immer das Problem der Fortbildung, des Studiums, des Berufs, wofür ja Nichtariern in Deutschland kaum Raum gelassen ist, falls keine Aenderung der Verwaltungsmaßnahmen und der Stimmung eintritt. In Anbetracht dessen und all der damit angedeuteten Schwierigkeiten, nicht zuletzt auch um die Jugendlichen in den entscheidenden Jahren des erst reifenden Verstandes dem quälenden Zwiespalt und geistigen Leid zu entziehen, das die Atmosphäre der deutschen Schulen in dem jüdischen Kinde Hervorrufen .kann, werden sich viele Eltern, wenn auch schweren Herzens, entschließen, die Kinder ausländischen Schulen anzüvertrauen. Der schwere Entschluß der Elternj sich von den Kindern zu trennen und sie einem freinden Milieu zu. überlassen, wird erleichtert, wenn ihnen eine Möglichkeit geboten wird, die Kinder in solche Obhut zu geben, wo bei der.zweckmäßigen beruflichen Ausbildung und Umschulung/ die jüdische Persönlichkeit der Jugendlichen gepflegt wird und ungebrochen wachse. In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, daß von bewährter pädagogischer Seite ein Internat gegründet werden soll, das Knaben oder Mädchen aufnimmt und dieses doppelte Ziel verfolgt: die erfolgreiche und rasche Umschulung des- Kindes mit Hilfe von französischen qualifizierten Fachlehrern in die betreffende französische Lehranstalt und die.Schaffung eines positiv jüdischen Jugendmilieus in diesem Heim, wo durch gemeinsames Erleben und intensives Lernen eine traditionelle Jüdischkeit erwächst in vollster Aktivität und geistiger Durchdringung. Interessenten, die näheres darüber wissen wollen, können Auskunft erhalten bei dem Hilfswerk für Auswandernde in Straßburg durch Dr. Judith Rosenbaum, Straßburg, Rue Oberlin 11. ..; > * Die Woche. Ein offenes Work an den Versucher! - Unter '! dem auf Sensation berechneten Titel „ U m - Sei n oöe r R i ch t s e i n " veröffentlicht die hiesige Lo- ■> kcilausgabe des Hamburger Familienblattes einen gegen die S y n a g o g e n g e m e i n d e „Israelitische R e l i g i o n s g e s e l l s ch a f t" gerichteten Artikel, der auf Grund unwahrer Voraussetzungen zu phantast i s ch e n S ch l u ß f o l g e r u mg e n gelangt und ‘ im Ganzen nichts als e i n e große Jrreführu,ng der jillllschen Oeffentlichkeit darstellt, .-Zunächst die unwahren Voraussetzungen: 1. Es ist unwahr, daß „innerhalb der Jsraeliti- . schen Religionsgesellschaft die Bestrebungen des Anschlusses an die große Gemeinde immer stärker werden." W a h r ist vielmehr. daß dieser selbstmörderische Gedanke vielleicht m den Köpfen einiger weniger, jedes lebendigen Idealismus baren Individuen spuken..mag, daß er sich aber innerhalb der Gemeinde noch niemals ans Tageslicht auch.nur irgendeiner Erörterunggewagt hat und daß ihn m i ndestens fü'nsündneunzig Prozent der Ge-

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