Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 21 (24.5.1933)
- Date
- 1933-05-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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24. Mai 1933 D er Israelit Nr. 21 Sötte S Ich führe den Sakko-Anzug nach Ihrem Maß (in koscherer Verarbeitung ohne Aufschlag) von Rm. 50i* bis 100a" MASSKONFEKTION nach Ihrem Maß den a » 1 b I .nach Ihrem Maß das Oberhemd nach Maß „Laco“ u. „Mowi“ die Krawalle Marken „Krone“ und „Ariston“ aber ist nicht der letzte Ausdruck ihres eignen planes, weil ihre Schöpfer noch nicht da stehen, wo sie hätten .angelangt fein müssen. Sie sind mit jedem Tag gläubiger geworden, immer dem Judentum nähergekommen. Aber sie waren noch nicht gläubig. Der Luder aus dem Jahre 1925 ist ein anderer als der im Jahre 4952. Ls.ist eine Frage, ob er die Bibel, wie er sie in jenem Jahre übersetzt hat, auch heute sie übersetzen würde. Indem sich aber beide zu Richtern über die Bibel aufwersen, mussten sie die Bibel beurteilen nach dem Stand, den sie gerade -erreicht hatten. Cs muffte gewissermaßen der Buber und Rofenzweig dieses Augenblicks die Bibel übersetzen. — Rofenzweig ist darüber gestorben. Das Buch Jesajas ist seine letzte Arbeit, und es ist ergreifend, wie er in die Visionen des Jesajas fein eigenes Leid hineinträgt und. sein Leid als messianisches Leid erfaßt. — Aber bei beiden war die innere Tntwicklung nicht abgeschlossen. Wer das Wort G'ttes geben will, muß am Ende seiner inneren Bahn stehen. Blicken wir auf diese Bibelübersetzung als das Werk ihrer Verfasser, dann gibt sie uns ein Bild von ergreifender Wucht: zwei Wärmer, Dichter und Philosophen, in geistiger Gemeinschaft am Bibelwort schaffend. Sie wollen das Größte, was es gibt, die Bibel, übersetzen. Aber das Größte war in ihrem Wunde nur e.in relatives Wort. Daher waren sie nicht berufen, d a s e n d g ü l t,i g e Wort denen zu sagen, die auf ihre Uebersetzung angewiesen sind. Sie selbst müssen sich erst auseinandersetzen mit jedem Wort der Tradition, ob es auch ihr Wort ist. Wie soll es den Leser verpflichten? Rur ein Absolutes verpflichtet. Wie soll ich einem 'Wort, einem Imperativ folgen, wenn ich noch nicht einmal weiß, ob. es echt, ob es nicht durch Zeit und Menschen verändert und verfälscht worden ist? Und so hat ihr Werk keine Cwigkeitsbeöeutung. Es 4ann Vielen der Besten unserer Zeit genug tun, -aber es kann nicht ewig leben, so gewiß nicht, als -liefet Glaubensbegriff, für den sie ihre Bibel schrieben, nicht der letzte äst. Wenn diese Glaubenshaltung /schwindet, ist auch ihre Uebersetzung nicht mehr in ihrer geschichtlichen Stunde. Daß jedes Wort der Bibel (also auch ihrer Uebersetzung) Cwigkeätsgeltung hat, haben sie selbst bestritten, haben sie selber nicht erfühlt und nicht erkannt. Cs ist schmerzlich, daß sie diese Konzession an ihre Vergangenheit haben machen müssen. Aber daß sie durch ihre Leistung mit leuchtender Sonne noch einmal das Land der Bibel überstrahlt, dieses Verdienst sichert beiden dennoch ein .würdiges Denkmal in der jüdischen Welt . . . Das letzet Jahr hat uns nun auch die Uebersetzung -des Propheten I e ch e s k e l beschert. Cs äst Bubers -alleiniges Werk. Cs steht auf derselben Höhe wie all.e 'feine Vorgänger. Wir hätten zu unserem Urteil, das wir in diesen Blättern bet früheren Bänden der Uebersetzung gegeben, über die künstlerische Vollkommenheit der Leistung nichts hinzuzufügen und nichts hinwegzunehmen. Jecheskel hat an vielen Stellen, mehr wie andere Propheten, in Cinzelwendungen noch die ganze ^Impulsivität, den aphoristischen Tharakter, die Wortspiele und Zuspitzungen des direkten, gesprochenen Dortrags. Cs ist Buber meistens äußerst glücklich gelungen, diese Wortprägungen festzuhalten. Richt einverstanden sind wir mitdem Worte „Dreckklötze" statt Götzenbilder; mit der Uebersetzung von 21, 56 „BoariM", was nicht viehisch, sondern feuertragend heißt, mit 15, 10 „Schleim" statt Kitt, mit der Uebersetzung des Verbums „nathan" in 28, 14 und 57, 26 mit einpflanzen, während es u. <£. heißt: sie sich selbst überlassen u. a. in. Gut ist die Prägung für Beth meri als „paus Widerspann", ferner „aöam astm" — Wenschheit seid ihr, in 21, 54 das Wortspiel: verworfen und nieöergeworfen. I Leider sind wie,immer Textveränderungen gegen die Rlassora an einzelnen Stellen vorgenommen, so 17, 8: möchte ich verpflanzt sein, statt: sie ist verpflanzt, so 21, 15, wo: „moeffeth" übersetzt ist mit: du hast verachtet u. a. m.; Verirrungen, die wir immer wieder von neuem als sinnlos kennzeichnen müs-- sen. Wie wir aster das Große des Unternehmens rückhaltlos anerkannt hüben, sei auch für diesen Band deni rüstigen Uebersetzer sowie dem Verlag Schocken unser Dank zum Ausdruck gebracht. Korrespondenzen * Nachrichten. - ' - Zu weit! Berlin, 24. Mai. Es liegen Anzeichen dafür vor — und auch aus Aeußerungen des „Völkischen Beobachter" in den letzten Tagen läßt es sich schließen — daß man in leitendne Kreisen mählich einsieht, baß man im ersten Stadium der nationalen Revolution dem Antisemitismus gar zu sehr die Zügel schießen ließ. Einige der letzten Verordnungen auf dem Schulgebiete, wie auch Bekanntmachungen aus Bäderstädten, so besonders aus Wiesbaden, in denen jedem Bürger und jedem Kurgast ohne Rücksicht auf Nationalität und Konfession volle Sicherheit, Rechtsschutz und ungestörte Erholung gewährleistet werden, zeigen den milderen Wind an, und wir zweifeln keinen Augenblick, daß es den leitenden Stellen mit diesen Verlautbarungen absolut ernst ist und daß sie alle Macht und Mittel anwenben werden, die Bestimmungen, allen übereifrigen unteren Instanzen zum Trotze, durchzuführen. Zu den Aeußerungen solch blinden Uebereifers gehört auch ein Aufruf, den der Kommissar im Provinzialverband der Aerzte in Brandenburg, Dr. R u p - p i n, im Aerzteblatt der Provinz unter dem Titel „F o r t mitden j ü d i s ch e mA e r z t e n! " veröffentlicht. Dieser Aufruf, in dem u. a. behauptet wirb, jüdische Aerzte vergifteten die öffentliche Meinung, steht in krassem Gegensätze zu all den zur Ruhe mahnenden und vor örtlichen Uebergrifsen. warnenden Veröffentlichungen und Bestimmungen der letzten Tage, und man darf hoffen, daß 'dieses Herrn Dr. Ruppin auch zu Bewußtsein gebracht wird. Noch kein Ausschluß nichtarischer Schüler. Berlin, 22. Mai. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat Kultusminister Rust an die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten einen Erlaß gerichtet, aus dem folgendes mitgeteilt wird: „Wie ich erfahre, sind einzelne Leiter höherer Lehranstalten bereits dazu übergegangen, Schüler nichtarischer Abstammung, zum Teil auch Angehörige ausländischer Staaten, vom Besuche der höheren Lehranstalt a u s z u s ch l i e ß e n. Ein solches Vorgehen ist nicht zulässig. Es sind vielmehr die näheren Ausführungsbestimmuugen des Reichsministers des Innern zu dem Gesetze gegen die Ueberfüllung deutscher Schulen und Hochschulen vom 25. April 1933 (Rgbl. S. 2251 und meine alsdann ergehenden Anordnungen a b z u - warten. Ich ersuche zu veranlassen, daß danach zu Unrecht etwa bereits von der Teilnahme am Unterricht ausgeschlossene Schüler und Schülerinnen unverzüglich wieder zugelassen werde n." Rönnen Juden in Deutschland Handwerker werden? Frankfurt a. M., 8. Mai. Aus Süddeutschland wird uns folgendes an einen Handwerksmeister gerichtetes offizielles Schreiben der NSDAP., des Kampsbundes des gewerblichen Mittelstandes vorgelegt: „Wie wir in Erfahrung gebracht haben, beschäftigen Sie in Ihrem Betriebe seit einigen Wochen einen Lehrling jüdischer Rasse. Wir ersuchenSie nun, diesen Lehrling umgehendst zu entlassen, da wir der Meinung sind, daß in einem nationalsozialistisch regierten Staat die Heranzüchtung von jüdischen Handwerkern auszuschalten ist. Außerdem stehen Ihnen ja so viele deutsche Jungens zur Verfügung, daß Sie diesen Juden, der u. W. nicht einmal die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, ruhig entbehren können. Es. besteht auch die Möglichkeit, daß bei evtl, auszuführenden Arbeiten für die Stadt bei der Auftragserteilung diese Angelegenheit ins Gewicht fällt. Die Handwerkskammer Nürnberg ist von diesem Schreiben unterrichtet. Um gefl. Nückäußerung wird gebeten. Heil ß'itlerl Stempel: Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes Kreiskampfbundführung Fürth. gez. Sandreuther." Zwangssabbatruhe. Berlin, 22. Mai. Auf der Tagung des Vezirksvereins des Fleischerverbandes in Mülheim-Ruhr begründete Stadtoorsteher Fleischermeister Ihle, Köln, zwei Anträge, von denen der eine ein Schlachtverbot von Schweinen und ein Verbot des Verkaufes von Schweinefleisch und Wurst durch jüdische Metzger vorsieht, während der andere eine Schließung jüdischer Geschäfte am Sabbat ins Auge saßt. Ihle erklärte hierzu, daß früher von keinem Juden Schweine geschlachtet und verkauft worden seien. Das müßte wieder eingeführt werden. Zu dem weiteren Antrag bemerkte Ihle, daß der Christ seinen Sonntag heilige und b cm Juden demnach auch die H e i l i g u n g seines Sabbats vorgeschrieben werden müßte. Beide Anträge wurden einstimmig angenommen. Landwirtschaftliche Ausbildung und Ansiedlung für Gesetzestreue. Berlin, 23. Mai. Das Wirtschaftsamt der Agudas Jisroel in Deutschland (Berlin NW. 87, Wullenweberstr. 3 bei Jacobson) wesst wiederholt darauf hin, daß von mehreren Laiiüesorganifütionen der Agudas Jisroel Möglichkeiten zur landwirtschaftlichen Ausbildung (für geeignete Jungen und Mädchen) und zur Ansiedlung zunächst für Familienväter mit einigen Mitteln geschaffen wurden. Bewerber erhalten Fragebogen bei den örtlichen Agudogruppen oder direkt bei obiger Adresse. Polen. Eine Sitzung des Z. K. der Agudas Jisroel. Warschau, 23. Mai. Der.Sitzung des Zentralkomitees der Agudas Jisroel, die der Z e r t i f i k a t s n f r a g e gewidmet war, wohnten auch einige Mitglieder von der Exekutive des R a b b i n i s ch e n Rates bei. Herr I. M. L e w i n berichtet über die Schritte der Agudas Jisroel bei der Palästinar^.ierung und anderen Instanzen zur Erlangung e i g e n e r Z e r t i f i k a t o für orthodoxe Olim. Im Prinzips seien die Forderungen der Aguda von der Regierung anerkannt worden, ihre Erfüllung scheiterte aber an formalen Gründen. Bon der Regierung aus wurde eine Einwirkung auf die Jewish Agency versprochen, dahin, daß sie den begründeten Forderungen der Aguda gerecht werde. Agudas Jisroel