Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1933)
- Date
- 1933-05-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Nr. 19 Der Israelit 11. Mai 1933 burger Rabbiners als Unterschrift trugen. Ls war eine offizielle Ausfertigung des Rabbinates» die den Gerichtsbeschluß des Besdin enthielt und die Rechte des einen und des anderen in jenem ominösen Lisenhandel festlegte. Mithin» so nahm die Anklage an» hatte der Rabbi Kenntnis von der Sache und seine Hand mit ,iin Spiele. Vielleicht» verflieg sich die Anklage zu der Behauptung» war von der obersten jüdischen Führung sogar das Ganze ungeordnet und geleitet» um die österreichische Heeresmacht gegen die Franzosen zu unterstützen . . . Das genügte für ein französisches Kriegsgericht vollkommen . . . Schwere Tage erlebte die Iuöengemeinde von preß bürg und alle Gemeinden in der Umgegend. Rabbi Mosche» durchdrungen von seiner Unschuld» verlor zwar nicht die Ruhe und den klaren Kopf» sah aber keinen Augenblick über den Crnst der Lage hinweg. Ls war schwer» in eigener Sache eine Aktion zu leiten. Ls war aber nicht eigene Sache» es ging um die Ehre der Gemeinde und Gemeinden» um Leib und Leben ihrer Menschen. Man hatte Beispiele» wie in solchen Fällen französischen Kolonialtruppen ein freier Plünderungstag geschenkt ward ... Rabbi Mosche tauchte bei den Beratungen, die nun die Rotabeln der Gemeinde unausgesetzt Tag und Rächt im Rabbinerbause Pflegten, wiederum» wie es seine 'Art war» tief in die alte Lehre hinab» die ihm stets Leben bedeutete. „Vater Jakob," sagte er» „rüstete sich dreifach: mit Gebet» Geschenk und Kampf! . . ." Also hatte man einen Fasttag für den Tag des Gerichtes angesetzt» mit alten Slichausgebeten und neuen, eigens vom Rabbi zu diesem Zwecke verfaßten, mit Spenden an die Armen und Anrufung der Frommcn in den Gräbern. Man s a m' m e l t e Gelder für alle Fälle» die den Weg ebnen und die Pforten öffnen sollten zu den Stellen» die es vielleicht in der Hand hatten» die Unschuld des Rabbi und seiner Gemeinde in so klares Licht zu stellen» daß die gestrengen Richter nicht darüber hinwegschauen konnten. Die dritte Rüstung hieß Kampf» nicht mit der Faust oder mit dem Schwerte. Mit der reinen Waffe des Geistes und des guten Gewissens. Kampf! Rabbi Mosche setzte seine Verteidigungsrede auf und besprach sie Wort für Wort» Satz für Satz mit seinen Freunden und Beratern. „2Ü8 eine Gnade» vielleicht einen Fingerzeig G'ttes nach dem Ausgang gus der Rot," sagte Rabbi Mosche» als spräche er in fremder Sache» „ist es anzusehen» daß man mich nicht gleich» wie sonst üblich» in Ketten vor das Gericht zerrte» Haß wir wenigstens wissen» wessen man mich anklagt und uns Zeit gegeben ist» mit dieser dreifachen Rüstung der Gefahr zu begegnen." In den Lethäusern wurde „(Qmrn Malkenu", zu „unserem Vater» unserem König" gebetet» daß er „das böse Verhängnis zerreiße." Auch Kinder und- Greise hatten am Tage des Gerichtes zu fasten. Cr» Rabbi Mosche selbst» fastete schon an den zwei vorangehenden Tagen und weinte am Grabe seines großen Vorgängers, Rabbi Meschulam Tusmenitzer» weinte im Geiste am Grabe feines großen Lehrers auf dem Frankfurter Friedhofe» Rabbi Rosson. „von einem Baume sprachst du» teurer Lehrer» der Früchte tragen soll. Cs wird die Axt an seinen Stamm» an seine Wurzel gelegt. Hilf» du hoher Priester» der du schon zu Lebzeiten ein Lngcl des Herrn Zebaoth gewesen bist! . . ." Lr wointe im Geiste am Grabe des alten Sofers auf dem Frankfurter Gräberfelde» der» der Freund und Schöpfer so vieler heiliger Rollen, da unten mit einer altverbrauchten Thorarolle ruhte, „vom Heiligsten der Pergamente sprachst du» teurer Vater» das du in die Fremde geschickt. Siehe» Vater, cs droht Gefahr für diese deine heilige Thorarolle! ..." Und sonderbar; jede Träne» die sich dem Auge entrang, sie kam wie aus einer (Duelle des Heiles, jede eine Entspannung, eine Erlösung für sich. (Fortsetzung folgt.) Wir glauben einem Bedürfnis unserer Hausfrauen entgegenzukommen, wenn wir von jetzt ab regelmäßig einen Speisezettel für die fleischlose Küche bringen. Er wird mit seinen Zutaten immer ungefähr der Jahreszeit entsprechen und ist zugeschnitten auf das Niveau des bürgerliche nHaushaltes. Freitagabend: Spargelsuppe mit Ei-Einlaus, Fischsalat mit Mayonnaise und Kartoffeln, Schokoladenpudding mit Vanillesauce. rmv-Mittag: Grünkernsuppe, gebackene Fischkottlets mit Kartoffelsalat und grünem Salat, Rhabarbertorte. N2v-Abend: Butterbrote mit Käse, Radieschen, Schnittlauch, Obst. Sonntag-Mittag: Erbsensuppe von geschälten Erbsen, Kartoffelpüree, gebackene Eier, grüner Salat, Aprikosenkompott. Sonntag-Abend: Butterbrote mit Sardinen. Montag-Mittag: Kartoffelsuppe. Reisbrei mit Rhabarberkompott. Montag-Abend: Abgekochter Fisch mit Senfsauce und Kartoffeln. Dienstag-Mittag: Suppe von weihen Bohnen, Heringssalat mit Kartoffeln, Kreppel aus Backpulverteig. Dienstag-Abend: Butterbrot und Eier. Mittwoch-Mittag: Gemüsesuppe mit Reiseinlage, Fischfrikadellen mit Tomatensauce und Kartoffeln, Pflaumenkompott von getrockneten Pflaumen. Mittwoch-Abend: Butterbrot mit Bückling. Donnerstag-Mittag: Linsensuppe, Bismarckheringe und Kartoffeln, Griespudding mit Himbeersaft. Donnerstag-Abend: Butterbrot mit Käse und Tomaten. Freitag-Mittag: Milchreis mit Zimmt und Zucker, Kaffee und Butterbrot. Jtot lehrt beten. Lin Freund unseres Blattes trat mit der Anregung an uns heran» man möchte mit Hinblick auf die Weltlage und die große jüdische Rot doch neue Gebete verfassen und in die alten einschalten, Gebete, die, aus der Misere des Tages geboren» mehr zu unserem Herzen sprechen und der Gegenwartssorge» dem Weh der Stunde Ausdruck verleihen. Wir sagten dem Freunde: „Haben Sie schon die alten Gebete richtig gebetet, sc gebetet» wie sie heute gebetet werden müßten, in dem Tone» in der inneren Melodie, wie sie ihnen Zeit und Stunde verleihen?" Richt? Dann haben Sie das Wort der Weisen nicht begriffen» -wonach das alte Gebet tagtäglich uns ein Reues» eine (Quelle der Erneuerung und Verjüngung sein kann und muß. Line Schale nur ist das Gebetwort» in die wir die Tränen und die Sorgen und die Hoffnungen des Tages hineinzugießen haben, was wir in den Rahmen des Gebetes hineinzustellen haben» muß neu» ein Stück von uns» aus der Stunde geboren» fein» das Gebet selbst kann das alte bleiben. Liner der Fünf, die vor dem großen Rabbi Iochanan in Iabne faßen, Rabbi Schimeon, hat» da er in den Vätersprüchen als vierter zu Worte kommt» nichts Anderes zu sagen als vaw nuripa tht ’in -vViinm n--am *6« snp InV'sn wsm rr n^snn „Sei achtsam beim Schma-lesen und beim Achtzehngebet und lasse dein Gebet nicht zum starren Schema werden» sondern es bleibe Inbrunst und Erbarmen heischendes Flehen!" Richt daß man Sch'ma sage und das Achtzehngebet verrichte» hat der Rabbi zu mahnen. Aber daß man „darauf achte", daß das Gebet zum täglichen inneren Erleben werde» daß man das alte Gebet mit «immer neuem Inhalt und neuer Inbrunst nach dem Stande der Zeituhr durchdringe» muß immer und immer wieder gemahnt werden. Das Sch'ma-Gebet» dessen Bezirk schon mit dem Liede vom Aufleuchten der Sonne beginnt» Ihm gewidmet» der „bildet das Licht und schafft die Finsternis» Frieden und Harmonie im All schafft," und mit dem Gebete um IsraelsLrlösung schließt» um zur stillen Zwiesprache mit G'tt überzuleiten — wer könnte heute» so er denkend und nachschassend zu beten gelernt hat» diese Worte sprechen» ohne an das Licht (paV i'rwri) und an die Liebe (.121 N2N8) zu denken» mit denen der Schöpfer und Lenker des All» des Lichtes und der Finsternis, das Volk seiner Wahl durch die finsteren Straßen der Geschichte geführt» durch die völkerwüste einem Sinai entgegen?! „Hilfe und Beistand unseren Vätern warst du von jeher» Schild und Erretter ihren Söhnen auch in jedem Geschlechte." „Gelobt seist du» der Israel erlöst." Und das große Schweigen, das dann über uns kommt» ist nicht Stillstand» ist nicht Unterbrechung» sondern das stille seelische vor auserlebendes C r l ö s u n g s w u n d e r s. Was wir da mit unserem Vater ausmachen» es ist unsere ureigene Sache»' die Welt» ja auch der Rachbar braucht es nicht zu hören. In drei Abschnitten schmeichelt sich das Kind in das Herz und in die Gunst des ach so guten Vaters ein» um dann mit der eigentlichen dreizehnfachen Bitte herauszurücken. Wissen» Weisheit und Verstand benötigen wir zu allererst, um unsere Litten auszubreiten» unsere wünsche zu formulieren und deren Gewährung auch so zu begreifen, daß sie uns zum Guten gereicht. Daß Lr unsere S t i m m c erhört» ja d i e S t i in tu c nur» (auch wenn sie nicht all das aussagen soll» was uns in Wahrheit drückt und nottut)» ist unser letzter Wunsch. Ja» es gibt Situationen, wo unsere Stimme gar nicht gehört werden kann» wo uns» wie den Vätern in Mizrajim» auch der Trost der Träne» die Möglichkeit der Entspannung durch die laute Klage genommen wird. In solchen Fällen heißt es epp*?!* y-pi - ll'pV« nt>v Wo nicht zu hören war» da s a h G'tt und wußte schon alles. Für solche Fälle sagen wir im täglichen stillen Gebete 1T>:W2 nun* „Siehe unser Llend," siehe und vernehme auch das Gebet, das unartikuliert und unformuliert auf unserem Herzensgründe liegt und nicht Wort werden kann. „Höre d i e Stimme unseres Gebetes! ..." Und schon danken wir Ihm. im Mittelpunkte der letzten drei Abschnitte. Denn Aufschrei ist Erhör u n g » und Crhöcung ist G e w ä h r u n g. Und was wir erwünscht und erträumt» wir haben es im Ulten 2lufschrei des Herzens auch. e riebt. „Ls 'ehen unsere Augen Deine Rückkehr nach Zion." irri»' Wir danken! Danken Dir» „der Du Dein Volk Israel segnest mit Frieden." wo solchermaßen ein lebendiges Gebet ertönt, passen sich nicht die Gebete dem Tage» sondern der Tag» jeder Tag» ordnet sich in das Gebet ein. von VVVND „Flehen" spricht der Mischnalehrer. Wann hatten die Tachnun-Gebete» jene Ausläufer unseres stillen Achtzehngebetes» die gleichsam erst das Fazit jener stillen Selbstabrechnung ziehen» einen solchen lebendigen Klang wie im Sorgengewirre unserer Tage! „Schau herab vom Himmel und -stehe» wie wir Hohn und Spott erleiden . . . Und bei all dem: Deinen Ramen haben wir nicht vergessen!" Vumr?' naiw Hüter Israels, Hüter des einzigen Volkes» Hüter der heiligen Ration» hüte Israels Rest» daß nicht zu Grunde gehe das Volk des Sch'ma, das Volk des Lchod» das Volk des dreimaligen Kodausch! Haben wir die Hohnlieder der Straße zu fürchten» so lange wir ein solch altes» ewig neues Rationallied im heiligen Schatze unserer täglichen Gebete besitzen?! na kV 11N2K1- Morgen für Morgen entringt sich dieses Gebet des „Richtwissens", der „Gteüerlostgkeit unseres Lebensschiffleins" unserem Herzen. Wie wir es auch machen» wie wir uns auch zur 2lußenwelt stellen» wir werden immer den Vorwurf der 2lbsonderung oder der anmaßenden Zudringlichkeit zu hören bekommen. „Und wir wissen nicht» wie wir es anstellen." Und wissen es dennoch! irry ■pVsr weil „wir zu Dir unsere Augen emporrichten»" daß Du uns den Weg zeigest. Hier in Deinem Raume, wo wir das Licht Domes Antlitzes schauen dürfen» in Lobgesängen» Bittgebeten und Danksagungen von ewiger Bündigkeit und Gültigkeit uns mit Dir vermählen, kennen wir Dich» kennen wir uns» kennen mir die Welt, haben wir die (Qrientierung wieder» haben wir die Heimat» die geistige Heimat „im Lichte Deines Angesichtes". D» wie danken wir Dir, G'tt für diese Heimat in einer Zeit» die uns auf allen