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Der Israelit · 1933-05-11 · Heft 19 (11.5.1933) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 19 (11.5.1933)
Date
1933-05-11
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 19 Der Israeli! 11. Mai 1633 ift das Ewig-Wahre? Bosenzweig sagt: die moderne Zeit habe zwar den Heiligenschein der Bibel zerstört, aber es wäre falsch, zu glauben, jetzt wäre die Bibel nicht mehr heilig. Ihm käme das vor, als wenn man den klassischen Malern Zutrauen wollte, sie hätten sich vorgestellt, die Heiligen wären wirklich mit einem Metallring nur den Hopf berumgelausen. Warum haben die Alten den Heiligen mit einem Strahlenkranz gemalt, warum tut es die Jetztzeit nicht? Der alte Heilige galt als überirdisch, der neue Heilige aber ist ganz m e n s ch! i ch , und der neue Heiligkeitsbegriff der Bibel bedeutet, das; sie überall rein menschlich sei. Jetzt ist die Bibel nicht etwa Eigentum einer Zeit wie der vergangenen, die mit uns nichts mehr gemein hat. Solange man so dachte, schien es der Moderne, als habe sie mit einer heiligen Schrift nichts mehr zu tun. So ist es aber nicht. Nein, wo ihr die Bibel öffnet, da ist sie rein menschlich, und sie spricht zu jeder Zeit dich an. Sie ist nicht einem Einstmal und eines Einstmals Offenbarung, sondern sie ist dir genau so eine Ouelle der Offenbarung, wie sie es für vergangene Zeiten war. So kamen Buber und Bosenzweig auf den Gedanken, eine Bibelübersetzung zu schassen, eine Ucbersctzung gemäß der neuen Glaubensüberzeugung, die den Menschen aus der Bibel wieder die Einrede G'ttcs vernehmen lässt. Wie sollte dieses Werk unternommen werden? Bosenzweig hat sein Unternehmen verglichen mit dem berühmtesten deutschen Bibelwerk, mit dem Luthers, und fragt nun nach seinem Verhältnis zu Luthers Bibel. Wir erfahren dies in seiner Schrift: „Luther und die Bibel". Sie zeigt, wie diese beiden Wärmer ttjtt die Bibel und ihr Geheimnis gerungen haben. Ls ist die Frage: wie soll eine Uebersetzung beschaffen sein? Soll sic uns in unsere moderne Sprache folgen? Darauf Bosenzweig: wenn einer in unserer Sprache spricht, dann hat er eben nichts mehr zu sagen, denn diese Sprache ist schon gesprochen. Wenn irgend jemand mir etwas zu sagen hat, must er es n e u sagen; wer nichts neu sagt, hat auch nichts Neues zu sagen, denn er sagt nur das, was wir längst gekannt haben. Wenn wir also irr der Bibel etwas Neues erfahren sollen — und das war der Sinn, einer Menschheit, die den: Glauben fern war, das Wort wieder vernehmbar zu machen, sie die Sprache G'ttes hören zu lasten — dann must die Bibel ihren eigenen Sprachausdruck besitzen, must das Neue ihres Gehalts in der Ligenständigkeit ihres Idioms widecklingen. Luther meinte noch einschränkend: das, was nicht wichtig ist, das kann ich in unser liebes Deutsch ohne Zwang übertragen. Wo die Bibel aber etwas für den Glauben Wichtiges zu sagen hat, da darf ich nicht deutsch reden, da must ich das Deutsche gleichsam hebraisieren, da must die Bibel ihren eigenen Ausdruck behalten; da must das Original seine Ligentümlichkeit bewahren und sich Es ist sehr bedauerlich, daß diese altehrwürdige Gemeinde sich in Auflösung befindet. Die schöne Synagoge, der eigenartige Friedhof erzählen uns beachtenswerte Daten. Neues jüdisches Leben trägt heran das Landheim der Esragruppe Nürnberg. In dieser köstlichen, friedsamen Landschaft läßt es sich fröhlich ausruhen vom Alltagsgehetze unserer technisch überspannten und dabei kulturell so armen Zeit. Unseren wackeren jüdischen Mitbürgern wäre zu gönnen, daß sie aus ihrem Sulzbürg wieder Zuwachs für ihre Gemeinde bekämen einerseits durch Familien, die eine geruhige Sommerfrische suchen, andererseits durch solche, welche dort ihren A l t e n s i tz nehmen. Landschaft und Klima geben dazu die besten Voraussetzungen; das nahe Neumarkt erleichtert, die wirtschaftlichen Ansprüche zu befriedigen. So könnte eine vielhundertjährige Gemeinde wieder aufblühen! Am guten Einvernehmen seitens der christlichen Mitbürger würde es nicht fehlen. Die Umsiedelung aufs Land ist auch für unsere jüdischen Jungleute beider Geschlechter eine wichtige Zeitaufgabe,- mancher kann sich da eine glückliche Existenz schaffen, Familie gründen und seiner Gemeinschaft ein nützliches Glied werden. Wir schließen mit dem Wunsche: „Haschern jazliach darkecho an den ersten Neusiedler, (Beuausgabe des Fürlher Atinhag-Buches.) Es besteht die Absicht, eine Ausgabe des Fürther Minhagbuches zu veranstalten, bas, durch Herrn Hugo Heinemann übersetzt, cherausgegeben werden soll. Das Buch wird etwa Mk. 2.—, für Kultusbeamte Mk. 1.— kosten. Es wird gebeten, der Redaktion dieses Blattes Mitteilung zu machen, wer ein Exemplar des Buches dieser neuen Ausgabe zu erwerben wünscht. Die Herausgabe des Buches kann nur erfolgen, wenn eine genügend große Anzahl von Zeichnungen erfolgt. die Sprache als Orga n ö e r € inmaligkeit, 6er Offenbarung bewähren. Wir Modernen aber wissen nicht mehr, wä's für uns in unserem Unglauben wichtig ist. Wir treten vor die Bibel und es ist möglich, daß aus dem Gleichgültigsten der Mensch angesprochen wird. Infolgedessen wird gerade, weil wir ungläubig sind, alles in der Bibel wichtig, und es ist nicht mehr mögllch, dast in der abgegriffenen Sprache des Alltags und der Polizeisekretäre ihre Gehalte sich manifestieren. Das war die neue Aufgabe, die sie sich stellten: eine Bibel für den Ungläubigen, dem jedes Wort in der Bibel wichtig werden kann, vielleicht wird eben dieses gleichgültige Wort ihm den Weg zu G'tt weisen. Bosenzweig schreibt: wer so lebt wie die Moderne, kann an die Bibel nur herantreten mit einer Bereitschaft zum Glauben u n d Unglauben, nicht mit einem fest umschreibbaren Glauben, den er in ihr bestätigt findet. Doch ist auch seine Bereitschaft unbegrenzt. Ihin kann alles glaubhaft werden, auch das Unglaubenswürdige. „Ihnt ist nicht das Slaubenswürdige eingefprmgt zwischen nicht Glaubens-, also doch Unglaubenswürdiges, wie Metalladem in Gestein, oder jenes mit diesem vetdunden wie das Korn der Aehre mit ihrem „strohernen" Anteil: sondern wie ein Scheinwerfer für eine Wolle ein Stück der Landschaft aus dem Dunkel heraushebt, daun wieder ein andres, dann abgeblendet wird, so erhellen diesem Menschen die Tage seines Lebens die Schrift und taffen ihn ln ihren Menschlichkeiten, hcnt hier und morgen da, das mehr als Menschliche erkennen." Durch irgendetwas merkt er, das rnenschliche Wort ist mehr als ein m e n f ch l i ch e s Wort. Bicht jedes Wort der Bibel, das der Moderne liest, ist ihm ohne weiteres eine Stimme G'ttcs, er liest es als ein menschliches Wort, plötzlich aber kommt ihm durch sein Erleben die Erkenntnis, dast dieses menschliche Wort e>in himmlisch Wort ist; es bleibt ihm ins Herz hineingeschrieben als ein Wort G'ttes. (Fortsetzung folgt.) Überlleferungstreue Einleitung«- Wissenschaft. Von B. (£. (Esra ha Safer, ein Lebensbild, nach der Uebertteferung dargestellt von Dr. Michael Munk, Frankfurt a. M., Hermon 1933, kl. 4°, 92, S.-A. aus den Jahrbüchern der Jüd.-lit. Gesellsch. XXI u. XXII.) Cs ist keine kleine Aufgabe, die sich Bl. gestellt und fein ausgetretenes Geleise, das er sich gebahnt hat. Bach einem Jahrhundert, dessen Bibelwissenschast keine Botiz von überlieferter jüdischer Tnachforschung genommen, — nach zwei Jahrzehnten, in denen talmudische Angaben über die spätprophetischen Bücher höchstens als Glossen oder Kuriosa Würdigung fan- Wochenkalender. vom 13. - 20. Mai 1933 / vom 17 - 24. Stör 5693 »öl» 7NÖ2» Samstag 13 17 Tö 'i pna ~iäK Sonnlag!l 4 18 nn Montag Mai 15 19 cn Dienstag * 16 20 3 Mittwoch 17 21 KJ Donnerstag 18 22 23 Freitag 19 23 23 'N pia »npm 1N2 Samstag 20 24 13 Mauled: Mittwoch nachm. 1 Ü. 38'llig Min. Ein Artikel, der viel von sich reden macht, ist das. feit 34 Jahren im In- und Auslande mit bestem Erfolg eingeführte Rasierpulver der Firma D e st e l i e r, Nürnberg-A., Jakob st raffe 26. Glatteste Enthaarung in kürzester Zeit ohne Messer — bei fast vollständiger Geruchlosigkeit — wird verbürgt. Wiederverkäuser erhalten Sonderrabatt. Interessenten erhalten auf Wunsch Probesendung gratis. (Bergt. Anzeige in vorliegenöer Nummer). fBetantmortltdt für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S> Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. SS.: S. Schach > nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. K a u f m a n n. in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag oes Israelit und Hermon G. m. b. Frankfurt a. M. — Druck Hermon Druckerei. Frankfurt a. M. deiff liegt uns endlich ein nur aus jüdischer Uebcrlieferuirg geformtes Lebensbild des Mannes vor, den der Talmud selbst einen zweiten Mose nennt. Die ä l l g e m e i n st e Wissenschaft selber müßte für dieses Werk dankbar sein, in welchem die talmudische oder wie es bei Austenstehenden heißt, spätjüdische Meinung über eben den Wann unverfälscht zu Worte kommt, den man in jenem kreise als den Gründer des Spätjudentums zu bezeichnen beliebt. Hier wird die seelische Wirkung und Bachwirkung dieser großen Persönlichkeit erst ganz lebenswahr, klar herausgearbcitet, klarer noch als bei den wohlwollendsten Schrlderem aus anderem Lager, B. T. Herford und H. H. Schaeder.- Um so inniger dankbar must für diese Arbeit die überlieferungstreue Leserschaft sein, die sich als Gemeinde Cs ras begreift. Und auch einen günstigeren psychologischen Woment als den gegenwärtigen konnte Wunks Schrift zu ihrem Erscheinen nicht wählen: In den Monaten so vielseitigen Abbaus und Auflösens ist die erhebendste Lektüre das biblische Buch, das den Wiederaufbau von Tempel und G'ttesstaat schildert; — das Buch dieses Wiederaufbaus jedoch ist uns eine so fremde Welt geworden, dast wir des Uebersctzens seiner Worte und des Uebertragens seiner Gedanken dringend bedürfen. Line solche Uebersetzung hatten wir an dieser Stelle vor kurzem zu würdigen; die Uebertragung ist beute unser Thema. Der H e r m o n - V e r l a g hat sich in allen genannten Beziehungen ein Verdienst um die Lcscrschaft Munks erworben, da ein solcher Sondecabdruck doch leichter angeschafft wird als zwei große Jahrbücher. Und diese Anschaffung ist geradezu eine Lebensnotwmöigkeit. Unwillkürlich müssen wir in der Beschäftigung mit dem Muuk'- schcn Buche au jene „Bollen der Erlösung" denken, mit denen sich unsere Väter in schwerster Goluszeit beschäftigten, um sich zu trösten. Die Darstellung ist bei aller Gründlichkeit gemeinverständlich und fließend, die Probleme der eigentlichen Lebens- und Wirkensgeschichte ein Jedes an seiner Stelle erörtert, alles darüber Hinausgehende im Anhang und Exkursionen, verwiesen. Wir haben uns mit zuvielcr Liebe und Bewunderung dem Studium dieser Arbeit gewidmet, als dast wir die für eine hoffentlich bald notwendige Beuausgabe gehegten Wünsche zu unterdrücken berechtigt wären. Eine Seitenzablkolumne würde das Inhaltsverzeichnis brauchbarer machen; sonst ist die Ausstattung schlicht und würdig. Die Zitate aus dem Ialkut könnten, wenn sie überall die primäre Ouelle angäben, auch über.das Alter der Lsra betreffenden Uebcrliefcrungen zahlreiche Aufschlüsse geben. Das große kollektivpsx'chologische Problem des Schwindens der Prophetie und des Uebergaugs zur tannaitischen Weisheit hätte außer den wenigen Bemerkungen zw den „Fünf Dingen" ganz wohl einen Exkurs für sich verdient; hierzu hätten sich Munk vielfache Ueberlieferungsquellen durch die Marcus'schcn Schriften erschlossen. Daselbst hätte ihm auch zum Problem der Ouadratschrift sich mancher Hinweis ergeben, sowie vor allem zur Chronologie. Der Durchschnittsleser - wird in dieser einen Erwartung durch Munks Schrift enttäuscht: Cs ist wohl ein achtenswertes Prinzip, nur talmudisch überlieferte Historie zu lieben; aber eine chronologische vergleichstabclle wäre, besonders bei der persischen königssolge, doch unerläßlich, selbst wenn man gar keine apologetischen Absichten ver- .folgen würde, — zum mindesten Hinweis auf den Oppert'schen Ausspruch, der die biblische Königsfolge so glänzend rechtfertigt: Im Munde des Darius bezeichnet das Wort König oft bloß einen solchen, der das Becht zum Regieren hat. Auch die Erklärung dafür, weshalb der Talmud von Kanbvses und Herodot von Belsazar nicht Botiz nimmt, ist nun einmal unerläßlich. Ls bedarf wohl keiner Versicherung, daß diese Wünsche an dem Gesamturteil nichts ändern. Hier liegt ein Werkchen vor, das beispielgebend für die jüdische Erforschung biblischer Bücher durch andere Gelehrte wirken kann und reiche Hoffnungen auf das weitere Wirken des jugendlichen Verfassers rechtfertigt, ein Werk, das in die Bibliothek jedes jüdischen Hauses gehört mnd auch im Unterrichte der Oberklaffen seine große Ausgabe zu erfüllen hat. Möge es allseitige Anerkennung und Verbreitung finden.

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