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Der Israelit · 1933-05-11 · Heft 19 (11.5.1933) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 19 (11.5.1933)
Date
1933-05-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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11. Mai-1933 Der Israelit Nr. 19 Seite 3 Kger Kost zu vegetarischer Ernährung darf unsere Küche weniger denn je ein Spiel des Zufalls werden. Erst recht nicht .darf sie von Unkenntnis geleitet. sein. Ist doch unser Ernährungsproblem heute fast so ernst wie im Kriege: Das Schächtverbot ist in Kraft getreten, die Einfuhr rituellen Fleisches ist durch zu hohen Preis praktisch bedeutungslos geworden oder durch Verbot unmöglich gemacht, aber der glaubensstolze deutsche Jude wird aus Treue zu seiner Religion und seiner Gemeinschaft dieselben Entbehrungen gern erleiden, die er in vier schweren Kriegsjahren aus Treue zu seinem Staate auf sich nahm. In solcher Zeit erwächst dem jüdischen Arzte die neue Pflicht, mit wachen Sinnen die Lebenskraft feiner Gemeinschaft vor Schwächung zu behüten und vor Vergeudung zu bewahren. So soll denn blutenden Herzens versucht werden, allgemeingültige Richtlinien für die fleischlose Küche herauszuarbeiten. Die eigentliche Fragestellung ist freilich nicht nur eine hygienische, sondern auch eine ökonomische. Sic lautete: wie kann i ch meine Familie billig fleischlos ernähren? Die Beantwortung dieser Frage hängt jeweils vom Marktangebot und der Preisgestaltung ab, aber auch von der Lebensform und der Zusammensetzung der Cinzelfamilie; sie überschreitet daher die ärztliche Kompetenz. Jedoch auch der Arzt, dem bewusst ist, daß die fleischlose Küche nicht nur mühevoller, sondern — hygienisch geführt — auch teurer ist, ist verpflichtet zu sagen, daßam Essen erst zu allerletzt gespart -werden soll; es ist f a l s ch, den Rückgang der Lebensverhältnisse an erster Stelle durch Einschränkung der Rahrungszufuhr zu dokumentieren. (Das verminderte Haushaltsgeld muß vielmehr s o eingeteilt werden, das; der Fortsall der kleinen Vergnügungen, die Ersparnis an Crholungs- und Verkehrsausgaben und die Verringerung der Kosten für Kleidung teilweise dem Ernährungskonto zugute geschrieben werde.) Bei der Bedeutung, die heute jeder Pfennig hat, wird aber auch die Grundfrage um so brennender: wie ist fleischlose Ernährung gesundheitlich einwandfrei möglich? * * * Das G e m e >i n s ch a f t s p r o b l e in. ' Letzten Endes stellt sich die ausreichende Versorgung mit eiweißhaltigen Nahrungsmitteln als eine Frage der Volksgesundheit des öeutscheu Judentums dar. Sie beschäftigt die Gegenwart, weil sie in die Zukunft weist. Nicht mit Aengstlichkeit, aber mit dem nötigen Ernst muß darum die jüdische Mutter an ihre Aufgabe Herangehen. Mit fleischlosen Kochrezepten ist es noch nicht getan das hygienische Problem muß bewußt gemacht werden! Rur diesem hohen Zweck will unser Büchlein dienen, nicht aber weiter östlich ist der Ludwig-Donau-Main-Kanal, ein in neuer Zeit wieder gesuchter Frachtverkehrsweg. Eine biedere Bevölkerung siedelt im Lande seit vierzehnhundert Jahren: Oberpfälzer. Ein guter, fleißiger Volksschlag, genügsam, gutmütig. Als um des 5. Jahrhunderts Wende die Bayern aus Böhmen her in breiten, tiefgestaffelten Wellen einmarschierten, zur Donau und im Westen zur Rednitz, nahmen sie das Gebiet fest in die Hand und besetzten alle Höhen mit Wachtürmen, so unser Hilpoltstein, den Wolfstein, Stauserberg, den Sulzbürg. Mit dem weiteren Vorürängen nach dem Süden und der Einteilung des bayerischen Gebietes erhielt unsere Gegend die Bezeichnung „ R o r d - g a u". DynastscheRücksichten gaben ihr anfangs des 16. Jahrhunderts den Namen „ Oberpfalz " im Gegenhalt zur „unteren Pfalz" oder „Rheinpfalz". Die volkliche Entwicklung brachte es mit sich, daß im 12. und 13. Jahrhundert aus dem Gefolge der Landesherren, sowie der Gaugrafen verdiente Mannen in die gehobene Stufe der Ministerialen aufrückten. Solche wurden dann vielfach die Ahnherren von „Edlen" und „Reichsfreien". Im Anfang des 13. Jahrhunderts erscheint urkundlich der „Edle Goüefried Herr von Sulzbürg. Das weitverzweigte Geschlecht der „Herren von Stein" ist sodann mit dem oberen und niederen Sulzbürg begabt. Die Hippolte von Stein starben 1385 aus. Des letzten dieses Hauses Schwager Swigger von Gundelfingen verkaufte 1403 Niedersulzbürg an die Herren von Wolfstein, die Obersulzbürg schon besahen. Diese Herren — später Grafen — hatten ausgedehnten Besitz. Sie starben 1740 aus. Ihr Gebiet kam zum Kurfürstentum Bayern, des Näheren zur Oberpfalz. Die Zuteilung blieb bis heute, geschichtlich und wirtschaftlich begründet. der Ueberbewertung des Magens und des körperlichen. Das Essen sei nicht „Nebensache", auch e s ist G ' t t es,d i e n st bis in alle Einzelbei -- i c n. Denn es hat seinen tiefen Sinn, daß schon unser großer Lehrer Maimonides mitten in den weltanschaulichen Anfang seines grundlegenden Werkes „Iad Hachafaka" die Diätlehrc und die Gefundheitsregeln seiner Zeit hineingestellt hat. Auch für unsere Zeit und für unser Problem gelten seine Worte: (Hilchot Deot, Hl, 5): „Wer sich nach den Regeln der Gesnndhcitslchrc führt, — der nehme sich zu Herzen: daß fein Körper vollkommen und stark fei, damit auch gerade werde die Seele, um vom Ewigen zu wissen. Denn es ist unmöglich, zu denken und in die Weisheit einzudringen, wenn man hungrig ist oder krank oder Schmerzen hat." Und so wollen auch rtIr um dieser gcistlg -eu Aufgabe w i l - l e ii die Worte des Gebetes recht erkennen: „Und auch in Zukunft möge cs uns nicht fehlen an Nahrung — um Seines großen Hamens willen!" Der neue Glaubensbegriff als Grundlage der Bibelübersetzung von Buber Rosenzweig. Von Oberrabbiner Dr. Jos. Earlebach in Altona. (Fortsetzung.) Ist aber die Sprache das große Organ der Einmaligkeit, der ganz exzeptionellen Besonderheit des Menschen, so ist sie auch der Ausdruck der Verbindung zwischen dem großen Ich G'ttes und dem Du des. Menschen, sie ermöglicht, daß der Mensch an - gesprochen werden kann. G'tt erweckt den Menschen in -der Offenbarung. Der Mensch kann das Wort G'ttes hören, und ec kann darauf eine Antwort geben; er kann das Wort der Offenbarung bejahen, wie er es auch verneinen kann. Das wort der Offenbarung ruft ihn zum Dienst an der Welt, zum Dienst an der Menschheit. Diese Aufgabe heißt Erlösung. G'tt macht den Menschen zum Erlöser oder Miterlöser der Welt. Die Antwort des Menschen ans den Anruf G'ttes, auf die Offenbarung, ist das Sich- Bereitstellen für die Erlösung, das Gebet um das Kommen des Reichs, und die Tat, die weltgestaltende zur Erlösung der Welt. Auf das Wort der Offenbarung kann der Mensch in Sprache und Handlung Antwort geben. Die Begriffe der Offenbarung und Erlösugn sind rein religiöser Natur. Buber und Rosenzweig, die beide in der Welt der Philosophie einen Platz ein-- nehmen, haben sich ein unendliches geistiges Verdienst dadurch erworben, daß sie zum Ausdruck gebracht haben: ohne diese Begriffe ist die Welt Die Ansiedelung jüdischer Familien .auf dem Sulzbürg geht zurück auf den Beginn des 14. Iahrhunüerts. Wir verdanken dem Herrn Vezirksrabbiner Dr. Weinberg eine sehr wertvolle Arbeit. Sie bildet in den Schriften der Historischen Kommission des Verbandes der bayerischen israelitischen Gemeinden, Band I, Geschichte der Juden in der Oberpfalz, das Bändchen: IV. Sulzbürg (Kommissionsverlag der Ewer-Buchhandlung München 1927). Blutige Judenverfolgungen im Nürnbergifchen, Erchstättischsn, Bayerischen ließen die gequälten und gehetzten Juden nach einem Asyl suchen. Sie fanden ein solches im W o l f st e i n i f ch e n Land. Die für das ganze damalige Deutsche Reich gültigen Aus- Mahmebestimmungen der Fernhaltung von Landwirtschaft und Gewerben waren auch da in Kraft: aber im Uebrigen erwiesen sich die Grafen von Wolfstein gerecht und wohlwollend. Die Juden belebten Verkehr und Handel: insbesondere Neumarkt hatte davon große Vorteile, und die Neumarkter Stadtverwaltung trat deshalb für sie ein, insbesondere wenn es galt. Sonderzölle und erhöhte Marktabgaben, welche die Juden leisten sollten, fernzuhalten. Urkundlich ist 1496 in einem Schuldbrief Moses von Sulzbürg, 1580 Rabbi Moses; 1650 lebten dort Meir Sulzberger, der Elieser Sohn, sowie David und Jakob. Meir ist Stammvater eines weitverbreiteten Geschlechtes; von ihm stammt die als Philanthropenfamilie bekannte Sulzberger in Nordamerika. Newyork und Philadelphia. 1705 zählte Sulzbürg 12, im Jahre 1740 19 Familien, 1755 durch Zuwanderung 30 Familien, darunter viele von gutem Ansehen durch ihre Verbindungen mit Juden anderwärts. Die Gebetsübungen der Gemeinde fanden lange Zeit im oberen Geschoß eines jüdischen Privathauses statt. Um 1705 wurde die erste Synagoge, 1799 die neue nicht verständlich un>d erklärbar, ohne sie bleibt uns -die Welt ein Rätsel. Die Philosophie kann zur Melterkläruna der religiösen Kategorien nicht euttaleu. Diese Begriffe erfahren aber unter ihrer Hand e i n e n w esentl i ch e n Bede nt u n g s w a n - d e I. Die Offenbarung bedeutet u n s in erster Linie und vor allem die Gesetzgebung am Sinai, die Offenbarung G'ttes an unsere Propheten, die in der Bibel ihren Niederschlag gefunden hat. Boi dem Wort „Erlösung" schwebt uns zunächst der Klefsias den David vor, der am Ende der Tage kommen wird, um die Welt ihrer endgültigen Bestimmung zuzuführen. Die moderne Auffassung aber, die, unter welcher man sie in die Philosophie der Gegenwart einführen will, denkt nicht an diese geschichtlich einmaligen, in der Vergangenheit oder der Zukunft liegenden Ereignisse; ihr ist die Offenbarung nicht ein Abgeschlossenes, sondern eine allgemeine Erscheinung, die heute so gut wie ehedem erlebt wird, die in jedes Menschen Leben eingreift und feine Seele erweckt. Cinzelne und Völker fühlen sich plötzlich angerührt und erfaßt von etwas Un'begreifiichem, fo wie es Buber und Rosenzweig ging, die in ihrem Leben in einer bestimmten Stunde ihres Seins fühlten, wie sie ergriffen wurden von dem höheren..Ich, daß ihre Seele ein: Ich rufe Dich vernahm, das sie zurückführte zu G'tt und Seinem Dienste. So ist es auch mit -dem neuen Begriffe der Erlösung. Sie meint nicht ein wunderbares Geschehen der Cndzeit; sie ist die dauernde Aufgabe jedes einzelnen Menschen, die Welt ans Rot und Tränen zu befreien. Alles Wirken und Leisten zur Beseelung. der gleichgültigen Natur, zur Vervollkommnung der Dinge, wodurch sie den höheren Zielen -dienstbar werden, soll als ein Stück Welterlösung betrachtet werden. Dieser Glaubensbegrifs führte nun die beiden, Rosenzweig und Buber, zusammen. Für beide mußte das Wort der Bibel ein Ausdruck -für die fortschreitende, i m m e r a u o> e n b l i cf v er 0 a ftete Offenbarung G'ttes an den Menschen fein. Diese Offenbarung ist zwar geschichtlich im bestimmten Augenblick an bestimmte Menschen erfolgt, aber als ein Gewesenes hat sie keine Bedeutung. Sie kann aber Anlaß werden, daß, indem wir sie lesen oder hören, auch in uns eine Crweckung erfolgt, auch wir UNS angcfprochen fühlen. Dann wird sie auch für uns zur Offenbarung. Das Wort muß auch nicht etwa für uns dasselbe bedeuten wie jenen geschichtlichen Personen, denen es zuerst zuteil wurde. Wesentlich ist nur, daß sie uns mit G'tt konfrontiert, gewissermaßen ein unsichtbares Fluidum bildet, wodurch der Funke bes G'ttlichen auf uns überspringt. Was wirb dann ans der Bibel, aus dem Wort, von dem wir oder die Menschheit geglaubt bat: es gebaut: letztere erhielt 1849 eine Erneuerung und andere Raumeinteilnng. Der Friedhof wird 1600 genannt, ist aber wohl älter: er hat schöne, ansprechende und sprechende Denkmäler. Wir lasen -darüber im „Israelit" und sahen die Abbildungen. Er liegt im unteren Sulzbürg. 1855 und 1905 wurde er vergrößert. Die Synagoge, zu deren Bau die christlichen Mitbürger freiwillig Arbeitsdienste leisteten, ist in das Gefels gebaut; als richtige Schul hat sie Wohnräume, Schulzimmer, Berwaltungszimmer unter dem gleichen Dach. Der Frauenraum besteht tu einer, drei Seiten beanspruchenden Galerie. Zierlich ist die Thoralade. Das rituelle Bad ist ein herrliches Quellbad. Das synagogale Ritus hat Eigenarten aus alter Zeit, herrliche Melodien und alte Bräuche. Die Gemeinde gehörte einst zum Rabbinat Schnaittach. Der erste Ortsrabbiner war Esra Jehuda Jakob, genannt Löb Sußmann, aus alter Sulzbürger Familie: seine Frau Sara war Tochter des Schuaittachsr Parnes Mordechai Katz, eines angesehenen Gelehrten. 1762 bis 1794 folgte Rabbiner Jakob Levi ben Ahron Lochi ben Salomon. Reben dem Rabbiner fungierte ein Religionslehrer, der zugleich Vorbeter und Schachet war. Der Gemeindevorsteher hatte von der staatlichen Behörde die Amtsbezechnung „ I u d e n r i ch t e r "; ihm oblagen alle Rechtsstreite zwischen den Juden in erster Instanz, sowie die Bestrafung von Vergehen der Juden, wie Schlägereien untereinander. Die Bayerische Landesregierung setzte die Zahl der Familien auf 30 fest; aber es blieb nicht dabei. Durch Aufnahme von „Schutzjuden" wurden deren mehr. 1925 zählte man jedoch nur noch 50 jüdische Personen, jetzt indes nur noch 15, Die Schule, 1835 eingerichtet, wurde 1923 aufgelassen wegen ungenügender Schulkinderzahl. Die Gemeinde gehört nunmehr zum Rabbinat Regensburg, das zur Zt. Dr. Weinberg betreut.

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