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Der Israelit · 1933-05-11 · Heft 19 (11.5.1933) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 19 (11.5.1933)
Date
1933-05-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 19 11. Mai 1933 Wochenrundschau. Eine Aktion der bayerischen Bischöfe. Zu den .bedeutsamsten Ereignissen der letzten Woche gehört die Veröffentlichung des Hirtenbriefes der Erzbischöfe in Bauern, in dein die Forderung nach Gleichheit -aller Staats an gehörige n vor de in Rechte erhoben und die Aufforderung zur einmütigen opferbereiten Mitarbeit an der Lösung der Aufgaben im Rahmen des nationalen Staates mit der Mahnung verbunden wird, R i e m a n -d e n a u s E,i n f e i t i gkeit und Engherzigkeit auszufchlief, e n. Wie sich andererseits niemand aus Entmutigung und Verbitterung selbst auf die Seite stellen dürfe. Weiter ist in dem Hirtenbriefe-zu lesen: „Wie wir für unsere deutschen Brüder in fremde,: Ländern Gleichberechtigung fordern und Ausnahmegesetze'ver.- urteilen» so müssen wir gegenüber Angehörigen der eigenen Staaten jede Rechtsverletzung und Rechtsungleichheit grundsätzlich ablehnen." Der Hirtenbrief schliefst mit den Worten: „Niemand soll sich der großen 'Aufbauarbeit entziehen; es darf aber auch niemand zurückgestoßen werden." Gegen den Gedanken einer, „nationalen Cinheiskicchc" wendet sich der Hirtenbrief mit der Bemer-- knng, die Schaffung dieser Nationalkirche würde für die Katholiken die Preisgabe des Glaubens bedeuten. Ein weiterer bedeutsamer und entscheidender Satz in diesem Hirtenbrief lautet': „Recht und Pflicht der Eltern auf die s e e l i s ch e u n d religiös-sittliche Erziehung ihrer Rinder darf n i ch t durch Schul- und staatliche Ri a ßnahmen erschwert oder beschnitten werde n." Wir wiesen jüngsthin an dieser Stelle, bei Besprechung des Berufsdeamtengesetzes, auf die weltgeschichtlich interessante Tatsache hin, das; zum ersten Male in der Gesetzgebung eines modernen Staates an die Stelle der Differenzierung der Staatsbürger nach Konfessionen, diejenige nach der R a s s e zum grundlegenden Prinzip erhoben wird. Wir sahen es als eine der Unverständlichkeiten dieser Tage an, daß die Vertreter der christlichen Konfession, sowohl der evangelischen wie der katholischen, es, mit wenigen Ausnahmen, noch nicht für nötig gefunden hätten, gegen Der Israelit diesen Rassenprinzip, das, anstelle von Religion und Konfession gesetzt, die Grundlagen ihrer religiösen Auffassung erschüttert, Stellung zu nehmen. Mas nun die katholische Religion betrifft, so hat sie jetzt in ihren bayrischen Erzbischöfen tatsächlich das Wort zu ihrer Stellungnahme ergriffen, und dies ganz in dem erwarteten Sinne. Möge die Wirkung nicht ausbleiben. «Gespräche in Deutschland". Unter diesem Titel veröffentlicht Professor Dr. Wolfgang Köhler, ein Mann, der seine Berühmtheit nicht allein aus seinem arischen Uamen und seiner strengen nationalen Gesinnung bezieht, in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" einen Bericht über Unterhaltungen in Deutschland über Deutschland, in dem es u. a. heißt: „Wenn ich aber weiter frage, so zeigt sich, daß noch eine andere Sorge vorliegt, die freilich ebenfalls aus dem Prinzip der Sachlichkeit um der Nation willen entspringt. Sie betrifft die R a f s e n p o l i t i k der Nationalsozialistischen Partei und. des neuen deutschen Staates. Keiner von den Deutschen, die ich meine, leugnet das Vorhandensein eines Judenproblems in Deutschland; die meisten von ihnen glauben, daß die Deutschen das Recht haben, die Zusammensetzung ihres Volkskörpers zu kontrollieren und den zu groß gewordenen Anteil von Juden an der Führung aller wesentlichen Angelegenheiten des Volkes durch weise Regelung zu beschränken. Nur solche Maßnahmen aber können sie innerlicy billigen, die nicht auf Umwegen Deutschland schädigen/'K_..Acht plötzlich die Existenz von ganz Unschuldigen zerstören und die nicht die bedeutenden, vornehmen Menschen unter den deutschen Juden schwer verletzen. Denn meine Freunde wollen der These nicht zustimmen, daß jeder Jude, als Jude, eine niedere, minderwertige Form von Menschentum darstellt. Als ich fragte, griff einer nach den Psalmen und las: „Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln . . ." Kaum .hat je ein Deutscher Menschenherzen tiefer erschüttert und getröstet, die in Rot sind. Und dies ist von den Juden zu uns gekommen. Ein anderer erinnerte an ben Juden Spinoza. Ueberdiss hätte L e s s i n g s saubere Feder gewiß den „Nathan" nicht geschrieben, wenn menschlicher Adel nicht unter Juden vorkäme. Von den Deutschen, die jetzt abseits stehen, sind viele Lehrer an deutschen Hochschulen, und manche sind Naturforscher. Einer hat mir unterwegs auf der Straße gesagt: „Der größte deutsche Experimentalphysiker der Gegenwart heißt F r a n <f; manche glauben, er sei der größte Experimentator dieser Wissenschaft, den eben die Welt besitzt. Bis vor wenigen Tagen war er Professor in Göttingen, ein Ruhm Deutschlands, um den uns draußen die wissenschaftliche Welt beneidete. Ein deutsches Gesetz hat, nicht dem Wortlaut nach, wohl aber durch seinen inneren Sinn diesen guten und großen Menschen so schwer getroffen, daß er aus unseren Reihen scheidet. Haben Sie gelesen, mit welchen Worten er seine Stellung aufgibt? Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß Juden vornehme Menschen sein können, dieser Mann hat ihn erbracht." Er nahm seinen Hut ab, und mir schien, ich sollte es auch tun. Von der Lehre des Lebens. Eine Betrachtung zu Den Kohanim wird in unsrem Wochenabschnitte jede Berührung mit einem Toten strengstens untersagt. Was für den einfachen jüdischen Menschen „höchsten Liebesdienst" Oi»x bv rrm) bedeutet, zieht für den Kohen schwere Sünde nach sich. Das zeigt uns wie kaum ein anderes Kapitel der Thora, daß die jüdische Religion in ihrer edelsten Blüte eine Religion des Lebens ist. Es muß nicht erst in breiter Ausführung erklärt werden, daß jüdischer G'ttesdienst vor allem Dienst „fürs Leben" und für die Lebenden ist, und daß in ihm die Erwähnung des Todes und der Toten nur selten bedeutsam sein kann. Hat doch vor kurzem selbst ein nichtjüdischer Religionsgeschichtssorscher es eingestanden: Die Juden haben ihre Toten allezeit wohl geehrt, aber nie verehrt. Um so selbstverständlicher sollte für einen Kenner der Hirschischen Lehre, daß der Tote wegen der willenlähmenden Wirkung seines Anblickes unrein ist, die Forderung nach Reinheit unseres g'ttesdienstlichen Lebens von allem fein, was nach Totenkult auch nur entfernt aussieht. In der rührseligen Biedermeierzeit haben unsere Gemeinden, — und. nicht nur die von der Reform beherrschten, — die gute, alte, schlichte rmm matn des ww auf verschiedenste Weise ausgedehnt und ausgeschmückt. Einige hatten es mehr auf die Breite abgesehen und führten eine laut im i"»rr zu verlesende Liste aller 'Toten der Gemeinde ein. Andere haben sich mehr aus „Feierlichkeit" verlegt: Vorgesang, Vorbetrachtung, Namensliste, Ehren-Namensliste, Nachbetrachtung, Predigt, Gesang. Das Geschilderte beruht nur auf Tatsachen, und dabei haben wir schon nur denjenigen Gemeindebetrieb im Äuge, bei dem es wenigstens ohne grobe Unwürdigkeiten zugeht. Bon solchen Gemeinden, in denen bei „Maskir" Ehason, Schammes und Now mit je einem S e f e r von Mann zu Mann laufen und gegen Schnodern sagen, — sei schon ganz geschwiegen. Mit anderem Biedermeierwust sollte auch die Maskerade in all jenen Formen von den Synagogen des sachlichen Jahrhunderts über Bord geworfen werden. Die marn des alten Minhag waren nichts als ein stilles Jiskor, — nur einige Minuten Stillschweigen, wie sie heute und seit Jahren zum Gedenken der Waffenruhe begangen werden, — die einzige würdige Ehrung für große Tote. Das Leben unserer Altvorderen war zu ernst, ihr Sterben zu selig durch ihr Leben, als daß man ihren Tod mit Betrachtungen und Gesängen ehren könnte. Man lese nur Barbusses „Tatsachen", Kapitel Ukraine. Dann vergehen einem die Maskir-Lieder und Betrachtungen. Auch das besondere Jiskor für Gefallene des letzten Krieges sollte man vereinfachen. Die durch Kürzung der „Seelenfeier" gewonnene Zeit mag den Piutim und Slichoth zugute kommen, deren elegischste Kapitel noch mehr Lebensgeist atmen, als alle die Maskir-Betrachtungen miteinander (und die im ostdeutschen Minhag sehr zu kurz kommen). Wir sind Diener des G'ttes des Lsbsns. Und wenn wir an bestimmten Tagen des Jahres Totengedenkstunüe halten, so geschieht auch das im Sinne des Lebens. Unsere Weisen berichten (Abs. V): Im Tempel zu Jerusalem stand man beengt und verneigte sich geräumig. Vielleicht ist hier der ernsteste Grund zu sehen, weshalb alle diese Leute beiseite stehen: sie fühlen den Grund und Boden ihrer moralischen Welt tangiert. Für sie gilt, daß nur die wirtliche Beschaffenheit eines Menschen überihn zu entscheiden erlaubt, und daß geistige Bedeutung, Vornehmheit der Gesinnung und evidentes Verdienst um. die deutsche Kultur bleiben,' was sie sonst sind, wenn sie an einem Juden gefunden werden. Alles, was sie seit ihrer Kindheit lernten, und sicher noch tiefer liegende Kräfte verpflichten sie aus diese Haltung, von der sie schlechterdings nicht abgehen können. Dazu aber kommt wederam die Sorge um ihre Nation. Die gegenwärtige geistige Kultur Deutschlands ist ein mächtiges Haus, gebaut aus Steinen von mancherlei Art. Manche Steine haben sich als minderwertig erwiesen. Kein Zweifel, daß man diese' entfernen muß. Indessen fürchten meine Freunde, daß die Steine nicht auf ihre wirkliche Sachbeschaffenheit geprüft, sondern alle Steine gerade nur einer Herkunft beanstandet, diese schnell herausgerissen und dabei unversehens Teile des. ganzen Baues gefährdet werden könnten. Denn nie erfaßt der vom Zorn umwölkte Sinn klar seinen Gegenstand. Meine Freunde denken, daß.es unentbehrliche Träger im Haus der deutschen Kultur gibt, welche von Juden stammen. Jeder Stoß, der eben durch dies Haus geht, macht sie für das Haus und sene Zukunft zittern."' Solche „Gespräche", von einem nationalen Blatte. woitergegeben, berechtigen zur Hoffnung, daß einmal auch noch das jüdische Recht im neuen Deutschlandseinen platz findet. Ärztlicher Ratgeber für fleischlose Ernährung. In einem Büchlein, betitelt „Aerztlicher Ratgeber für fleischlose Ernährung", das dieser Tage imH e rmon - verlag , Frankfurt a. TH., erscheint, nimmt der bekannte Arzt und medizinische Forscher, Dr. Arnold Merzbach, eingehende Stellung zu der jetzt in unseren Kreisen brennend aktuellen Frage der fleischlosen Nahrung. Das von wissenschaftlicher Tiefe und zugleich klarer Anschaulichkeit ausgezeichnete Büchlein sollte in der Hand keiner jüdischen Hausfrau fehlen, da es ihr nicht schematisch Kochrezepte liefert, sondern Anleitung gibt, nach eigener Initiative und nach Geschmack der Familie gute kräftige und abwechslungsreiche Rahrung, die vollen Ersatz für Fleischkost bietet, zu bereiten. Wir geben hier die Einleitung und das Schlußwort des auch äußerlich hübsch aufgemachten Werkchens wieder: Di e F r a g e st e l l u n g : Wir leben nicht um zu essen, sondern wir essen, um zu leben. Kochen als Kunst muß darum auf Kochen als Wissenschaft a u s g e b a u t sein. Boi der heutigen Umstellung von fleischhal- Wie kam das? Die marr beten an den ^an der Stätte des Mikdosch. Dann wird das irdische Heiligtum entrückt, und das himmlische Jerusalem tritt an seine Stelle. Darin aber hat ganz Israel Platz. Soweit unsere Weisen. Wer schon einmal eine gute, schlichte marn mitangehört hat, versteht das Gleichnis ohne Kommentar. Erweisen wir auch im G'tteshause den Verstorbenen die gebührende Ehre, aber lassen wir lebende Mizwafreunde das Grundmotiv unseres G'ttssdienstes bleiben. Um mit „Lebendem" abzuschließen, sei hier nur daran erinnert, wie nötig es für die würdige. Gestaltung des wwa nana in mancher Gemeinde wäre, daß Vorbeter und wwa sich im Voraus über die Vortragsweise verständigen. Mcm vergleiche hierzu Hoffmanns 5”snni> E. Kleines Feuilleton. Sulzbürg. Von Obermedizinalrat Dr. I. Weigl f. A. in Hilpollstein. Südwärts von Neumarkt, der freundlichen oberpfälzischen Stadt an der Bahnlinie Nürnberg—Regensburg, grüßt weit hinaus ins Land der S u l z b ü r g. Das ist ein Höhenzug des Jura, mannigfach gegliedert durch Erhebungen und Senken, gekrönt durch Kirchtürme, umgürtet von Waldungen. Um ihn breitet sich flaches Land, das zufolge geschichtlicher Vergangenheit heute noch im Volksmund „das Landl" heißt. Hier verläuft von Ost nach West eine Nebenbahn Neumarkt—Freystadt, von Nord nach Süd die Bahn Neumarkt—Beibugries; noch

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