Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 19 (11.5.1933)
- Date
- 1933-05-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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11. Mai 1933 Nr. 19 Frankfurt a. M., den ,s. m^sssz Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Abonnement ab Juli 1929: Deutschland 1.30 Mark monatlich; Ausland: Bterlelg reise (e« sprechend dem deutschen Inlandspreis zuzüglich Kosten des Stretfband-Ber- «) Deutsch-öflerretch: Schilling 8.—; Amerika 1 Dollar; England 6 sh.; ab 1 Iult kreich 5K Fr.»Belgien ab 1.7.37. Belgaö. Holland 3fl.; Italien ab 1.1.33.18 Lire; Jugostt 55 Din.; Litauen 7.50 Lit.; Rumänien ab 1. 7. 37. 150 Lei; Polen 4 deutsche Tolo» mark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 8 Fr.; Tschechv-Slowaket 38 Kronen; Ungarn Pengo 5 ab 1. Juli 1937; Dänemark 3.50 Krön.; Norwrgeil 3.50 Kran.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der J-raeltr erscheint jeden Donnerstag. Inserate 50 Doldpf. für die stebengesp altene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen 5ri Stellengesuchen und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile: Tertsette 3.— Mk., vorletzte Textsette 850 Mk.; Ehiffregebühr in Höhe eine- .^opp. Fernbriesportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit ®. «u. v. H.. Frankfurt a. M. Rechneiarabenftraße 7. Tel. Hansa 31084 sow. durch sämtl. Sln» uucen-Erved. d. In« und Auslands. Alleinige Jnferarenann. für Franks. Geschäfts«»' ' j«». Schmidt. Ostendäratze 83 Tel. 45888. Platzoorschr. ohne Verbinvlichk. Zahlungen direkt an den Verlag aus PoMchecktonro Frankfurt sMatn) Nr. 19812. — Augerdem an: Poitipartaise Wie« Nr.79605.— Poitsparkassenant Buvapel Nr. 18424. —Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII7251. — Postscheckamt Amsterdam Nr 31869 — Postscheckamt Prag Nr. 79.080 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filialen Der Eertchtsstanv für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. ss» B Nach dem Lage der Arbeit. Lin Tag der Arbeit ist verklungen, an dem auch wir Juden unsere helle Freude hätten haben können, wenn nicht dieser Tag des nationalen Zusammenschlusses zugleich Tag des Ausschlusses für die „Andersstämmigen", d. h. für Deutschlands Juden gewesen wäre. Ls gehört gewiß zu den Aktiven der neuen nationalen Regierung, —. und es ist nicht das einzige "Aktivum, das uns ehrliche Bewunderung abringt, — daß sie aus dem traditionellen „Tag der Arbeiter" einen „Tag der Arbeit" gemacht hat, anstelle des Klassenkampfes die Wertung der ehrlichen Arbeit am Tage des FrühUngserwachens proklamiert hat. Wir Juden brauchen nicht erst mit neuen Tönen hn -das Hohelied der Arbeit einzustimmen. Man müßte schon sehr weit zurückgreisen, um Wert und Bedeutung der ehrlichen Arbeit nach jüdischer Anschauung festzulegen. Bis zum ersten Ad-am, der selbst im Paradiese „den Boden zu bebauen und zu hüten" hatte und ans dem Paradiese hinausgestoßen wird, um „im Schweiße seines Angesichtes sein Brot zu erwerben." Bis zuvaterIakob, -der es „seiner Hände ehrlicher Arbeit" verdankt, daß er aller AnfeindungFund Tücke Widerstand leisten konnte. Bis zu den Psalmen und zu dem „Liede vom braven Manne" in den Stufengesängen, von dem gesagt wird: „Wenn Du Düiner Hände Mühe genießest, dann Heil Dir und Wohl Dir! ..." Ts soll -dies kein Cplllrdium fciin zu dem jüngsten Maifeste. Wenn uns jener Tag mit pauken und Trompeten an die Arbeit h inan s g e s ch i cf t hat, so sollte uns dankt auch unsere jüdische Pflicht eing-ehämmert werden, die j n d i s che Arbeit, die heute, wie nie zuvor in der Welt mißachtet, verkannt und systematisch ausgeschaltet wird, von unserer Seite wenigstens so hoch zu halten und zur Geltung zu bringen, daß zu dem großen Heere der -brotlos gewordenen jüdischen Intellektuellen, Beamten und Angestellten nicht -auch noch die Handwerker kommen. Roch niemals hatte die Mahnung -der laufenden Thoraabschnitte -\m *pnn ’m so sehr seine lebendige Bedeutung wie heute. Wo sollte dein Bruder seine Unterkunft, sein Brot finden, nachdem er überall geschlossene Türen findet, wenn nicht .-p» bei Dir?! wir dürfen den Begriff Arbeit nicht allein auf dm Mann, der mit Hammer und Hobel, oder mir Radel und pechzwirn in seiner Werkstätte arbeitet, beschränken. Auch der Kaufmann hinter seinem Ladentische, der mit Kops und Händen arbeitet, um in dieser schweren Zeit sein Dasein zu fristen, ist Arbeiter, der auf das *ps7 pnx ’nv Anspruch hat; auch der Grossist und Vertreter, die auf das Reisegeschäft angowicscn sind. Wo soll der jüdische Kaufmann seine Ware absctzen, in einer Zeit, da der Mitbürger ihn als Juden meidet und das Ausland ihn als Deutschen boykottiert, wenn nicht *]»y bei dem jüdischen Kunden! Dieser muß den Weg zu.ihm finden, nicht aus einer Protest- oder Boykottsirmmung, sondern in einem einfachen Gefühle der Menschlichkeit und dep Brüderlichkeit, das Ihn anwoist, denjenigen zu unterstützen, der, wie crf'der Käufer selbst, infolge der Lage in -schwächste Position geraten ist. Publikums fanden. Das muß und -wird hoffentlich jetzt anders werden! ' Freilich werden jüdische Arbeitgeber und Kausleute, die den berechtigten Anspruch aus erhöhte Berücksichtigung im jüdischen Kreise erheben, auch andererseits wissen, was sie heute, in einer Zell, da die neuen Gesetze eine große Reihe von tüchtigen verwaltungsbeamten und kaufmännischer Angesteltten auf die Straße setzen, der j ü d -i s ch o n A »tfg e st e l l l e n s ch a f t s ch uidig sind. Beileibe I feine „Säuberung", die wir zu sehr zu spüren bekamen, um sie als Abwehraktion anzuwenden. Ciu Gebot objektiver Gerechtigkeit ist es aber, bei Reu- Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat Juni Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M, Au dieser Stelle muß doch noch einmal auf den verhängnisvollen Widersinn vieler Kaufleutc im Auslände hingew'iesm werden, die glauben, jüdische Reisende aus Deutschland nicht mehr empfangen und ihre Ware nicht mehr kaufen zu können. Abgesehen davon, daß schon aus ethischen und rechtlichen Gründen jede Boykottbewegung, in welcher Form immer, auch in vermeintlicher 'Abwehrstellung, von uns strikte abgelehnt wird, so bedenken doch jene Herren, daß sie damit aus Protest gegen Zurücksetzung und Benachteiligung von Juden, Juden z u r ü ck s e tz e n u.n d b e n a ch t e i l i g e n , ihnen den letzten Bissen Brot entziehen. Zu den Arbeitern in diesem erweiterten Sinne gehören auch die jüdischen Hoteliers in der Stadt wie auf dem Kurplätze, die ihr Bestes dareinsetzen, ihre Betriebe in schwerer Zeit auf der Höhe zu erhalten und bisher leider nicht immer in genügendem Maße die Unterstützung des jüdischen Reiseanstellungen Bewerbern den Vorzug zu geben, denen draußen alle Türen geschlossen sind, und die durch ihren Austritt aus dein bisherigen Betätigungsfeld Platz für viele gemacht haben, die nicht mehr gerade auf jüdische Geschäfte und Unternehmen angewiesen sind. Daß wir bei dieser erhöhten Bewertung der jüdischen 'Arbeit, .im gesetzestreuen Lager wenigstens, an diejenigen zuerst werden denken müssen, d i c t r e u z u in S a b b a t halt e n und dadurch das Feld ihrer Betätigung noch mehr beschnitten sehen, ist so selbstverständlich, daß kaum ein Wort darüber zu verlieren ist. Die O r t - O r g a n i s a t i o n , die lange Jahre eine Bcrufsumschichtnng der Juden im Osten mit bestem Erfolge betrieben hat, und die Erziehung der dortigen Jugend zum Handwerk erstrebt, dehnt, wie sic vor kurzem berichtete, nunmehr ihre Arbeit auch auf Deutschland aus. In einem günstigeren 'Augenblick hätte der „Ort" nicht kommen können, denn bei allen Hilfsaktionen in 'Amerika, Palästina und den Ländern Europas, bei allen Emigrattonsplänen, kann doch die Lösung des deutschen Iudenproblems, wie auch in Amerika anerkannt wird, n n r in D c u t sch l a n d sei b st erfolgen. Der Orr wird in einem Deutschland, in dem man unsere Kinder aus Universität und höherer Schule heimschickt, ein weites und gutse Feld finden. Ritt der Erziehung eines Tolles der Jugend zum Handwerk ist es aber noch lange nicht getan. Dem Handwerk muß der B od e n , — wenn auch leider längst kein goldener mehr, — geschaffen werden. Und der Boden muß dem jüdischen Handwerk, wie die Dinge einmal heute liegen, vornehmlich unter d e c I u d e n h c -i t selbst geschaffen werden. Die Ehrung, die Wertung und die Inanspruchnahme der jüdischen Arbeit aus allen Gebieten menschlicher Betätigüng ist mit ein Postulat der Tschuwo, zu der heute die Zeit mit tausend Stimmen die deutsche Iudenheit aufruft.