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Der Israelit · 1933-05-04 · Heft 18 (4.5.1933) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 18 (4.5.1933)
Date
1933-05-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 18 Der Israelit 4. Mai 1933 neu Geschäftsleute gegen die Konkurrenz der Warenhäu fer und Einheitspreisgeschäfte im Gange. In einzelnen Kundgebungen wurde versucht, die Bewegung zur Er Haltung des Mittelstandes mit antisemitischer Propaganda zu verbinden. Diesen Bestrebungen trat der Führer des schweizerischen Mittelstandes, Nationalrat F. I o o s in einer in Basel gehaltenen großen Rede energisch ent gegen. Nationalrat Ioos verurteilte aufs entschiedenste jegliche antijüdische Hetze, sowie klassenkämpserischö Vs strebungen. Die schweizerische Mittelstandsbewegung, er klärte er, müsse sich auf den Boden der Demokratie fiel len. Eine Bekämpfung der jüdischen Bevölkerung emp finde er als absolut unschweizerisch. Er versicherte, daß er eine gegen die Juden gerichtete Bewegung aus keinen Fall mitmachen werde. England. Neue Unterbausdebatte über die Lage der Juden irr Deutschland. London, 30. April In der am 26. April abgehaltenen Sitzung des Un terhauses wurden an Außenminister Sir John Simon mehrere Anfragen betreffend die Lage der Juden in Deutschland gerichtet. Der englische Außenminister er klärte, er erhalte häufig Berichte der diplomatischen Ver tretungen Großbritanniens im Ausland über die inne ren Vrehältnisse der einzelnen Länder, doch sei es im allgemeinen weder wünschenswert noch üblich, den In halt der von englischen Gesandten erstatteten Berichte bekanntzugeben. Auf weitere Anfragen erwiderte Außenminister Simon, es handle sich hier um äußerst heikle Fragen Er wiederhole seine Stellungnahme in der letzten über diesen Gegenstand stattgefundenen Debatte. Er sei überzeugt, daß in dieser Debatte die Gefühle des Landes deutlich zum Ausdruck gekommen seien. Frankreich. Jüdische Auswanderer aus Deutschland. Paris, 1. Mai In Paris fand eine durch die Leitung des Verbandes jüdischer Organisationen für Auswanderungshelfe Hias- I c a - E m i g d i r e c t (Hicem) einberufene Konferenz statt, an der Delegierte der durch Hicem in verschiedenen Ländern eingesetzten Hilfskomitees für jüdische Auswanderer aus Deutschland teilnahmen. Es waren Vertreter der Hilfskomitees folgender Länder erschienen: Großbritannien, Belgien, Spanien, Holland, das Saar gebiet, Luxemburg, Schweiz, Polen, Oesterreich und Frankreich. Die Delegierten der Tschechoslowakei wurden im letzten Augenblick durch unvorhergesehene Umstände verhindert, zur Tagung zu erscheinen. Aus den von den Delegierten der einzelnen Länder erstatteten Berichten ging hervor, daß derzeit etwa 30 000 Juden, die in den letzten Wochen aus Deutschland ausgewandert sind, in den betreffenden europäischen Ländern sich aushatten. Alle Delegierten berichteren mit tiefster Anerkennung und Dankbarkeit von der wohlwollenden Haltung und der freundschaftlichen Hilfsbereitschaft, die von den Regierungen ihrer Länder den jüdischen Auswanderern gegenüber an den Tag gelegt wurden. Die Hicem-Leitung informierte die Teilnehmer der Konferenz über die von ihr unternommenen Schritte, eine Weiterleitung der Auswanderer in solche Länder, die für neue Einwanderer noch Platz haben, durchzuführen, und erwähnte in diesem Zusammenhang insbesondere die mit Kanada und verschiedenen südamerika- Nischen Staaten geführten Verhandlungen. Die Regierung von Chile hat bereits 50 Familien die Einwanderungserlaubnis erteilt. Die Frage der Erleichterung der Einwanderung beschäftigt gegenwärtig die Jmmigrationskommission des amerikanischen Kongresses. In Spanien wurde im Hinblick auf die Erfordernisse der neuen jüdischen Wanderung das Hicem-Büro in Barcelona reorganisiert und ein erweitertes Aufnahmekomitee ins Leben gerufen. Besondere Aufmerksamkeit wendet Hicem neben der Auswanderung in überseeische Länder der Ausfindigmachung von Erwerbsmöglichkeiten für jüdische Auswanderer in europäischen Ländern zu. Es bestehen gute Aussichten in einer Reihe Kolonien europäischer Staaten, jüdische Arbeitskräfte, auch Intellektuelle, unterzubringen. Nach lebhafter Aussprache über die aus der Auswanderung aus Deutschland sich ergebenden Probleme wurden einheitliche Richtlinien für die technische Leitung der Aufnahme und provisorischen Unterbrini dingungen und Vorbehalte, daß daraus das Recht zum gung jüdischer Auswanderer aus Deutschland festgelegt. peßach in Jerusalem. Jerusalem, 30. April, Das Peßachfest wurde dieses Jahr in Jerusalem unter Teilnahme zahlreicher Gäste so feierlich begangen wie kaum in einem anderen Jahre. Schon in den Nüststagen zu Peßach entwickelte sich ein Leben in den Straßen der heiligen Stadt, wie man es hier auch in der Touristensaison nicht immer zu sehen bekommt. In verschiedenen Sälen fanden Empfänge und Begrüßungen von einzelnen Touristengruppen statt. Im sephardischen Waisenhause sprachen zur Begrüßung der „Wallfahrer,, Oberrabbiner Kuk, Herr Eli sch er und Herr M. Libanon. Am Festabend wie in der Vormittagsstunde des ersten Festtages zur Muffafzeit war der Platz vor der Westmauer so überfüllt, daß Polzei die Ordnung aufrechterhalten und dafür sorgen muhte, daß die Bewersammlungen in Ruhe einander ablösten. Es klappte alles wie am Schnürchen. Die Polizei, englische und jüdische Beamte, gingen mit großem Takte und unter voller Respektierung der religiösen Gefühle der Betenden vor. In der Sedernacht widerhallten die jüdischen Viertel von den Gesängen der Hagada. In den großen modernen jüdischen Hotels fanden sich die europäischen Touristen am ersten wie am zweiten Abend zur Sedergemeinschaft zusammen. In den Räumen der „Menorah" wurde auch ein offizieller zweiter Seder für die Gäste veranstaltet, mit Reden und Ansprachen von David I e l l i n, U s s i s ch k i n u. v. a. Die großen Synagogen wie die „Churba des Rabbi Jehuda Achasiid", die „Schul des Rabbi Jochanan Len Sakkai" waren an den Festtagen so überfüllt, daß viele draußen stehen mußten. Dazu trug auch die Anwesenheit der zwei weltberühmten Kantoren Jossele Rosenblatt und Q u a r t i n, die in den großen Synagogen vorbeteten, bei. Die Feststimmung erlangte einen Höhepunkt, der kaum noch zu übertrefsen ist. - Auch in Tel-Awiw verliefen die Festtage in einer Hochstimmung und unter einer Beteiligung, wie man sie kaum je erlebt hat. Am.letzten Feiertag betete Jossele Rosenblatt in der großen Schul vor und riß die Beteiligten, insbesondere mit den Gebeten, die von Zion und Jerusalem handeln, hin. An einem gemeinsamen Sederabend in den Ausstellungshallen beteiligten sich über tausend Menschen, zum Teile junge Leute, die eben erst ins Land kamen und hier einen gedeckten Festtisch 'anden. Auch in H a i f a machten sich die Tage vor dem Feste im Geschäftsleben sehr bemerkbar und das Fest selbst wurde in den Familien und durch gemeinsame Seder- Streik nicht so ohne wetteres abgeleitet werden kann. Herr Oberrabbiner Kuk soll gesagt haben, die Arbeiter müßten bei Streitigkeiten die Arbeitgeber zu Dinthora laden und seien berechtigt, die Arbeitgeber -auch mit gewissen P r e s s i o n s m i tt e ln zu zwinge n, s i ch -e i n e.r rabbinischen Entscheidung zu fügen. Von Streik sprach er nicht. Auch erlaubte der Oberrabbiner nicht ohne weiteres, einzelne Arbeiter zwangsweise in die Organisation zu pressen, wie es jetzt die Misrachiarbeiter unter Berufung auf das Oberrabbinat möchten. Aber es kommt, wie es scheint, weniger auf die Entscheidung des Oberrabbiner an als vielmehr auf das, was die Herren daraus machen. Eine eindeutige Aufklärung von Seiten des Rabbinates nmß in Bälde erwartet werden, wenn nicht die Aufregung in den Bürgerkreisen, die sonst zum offiziellen Oberrabbinat-e halten und sich durch solche mißverständliche Entscheidungen stark beunruhigt fühlen, sich noch steigern sollte. Der Berichterstatter der Niandatskommrssion in Palästina. Jerusalem, 26. April. Der von der Mandatskommission des Völkerbundes als Berichterstatter über die Frage der jüdischen Gemeinschaft in Palästina eingesetzte Dr. Nuppel studiert gegenwärtig in Palästina das Problem der offiziellen Vertretung der palästinensischen Judenheit. Dr. Ruppel empfing Delegationen des Waad Leumi, andere anerkannte Vertretungen der ' jüdischen Gemeinschaft Palästinas, und der orthodoxen Agudath Israel-Gemeinde. Die Delegaton des Waad Leumi legte Dr. Ruppel die- Notwendigkeit einer -einheitlich geschloffenen von der Palästinaregierung anerkannten jüdischen Gemeinschaft im Interesse der Errichtung des Jüdischen Nationalheims dar. Die Delegation der Agudah erläuterte -ihre Ansprüche, -als Sonderorganisation zur Regelung ihrer religiösen Angelegenheiten in strenger Uebereinstimmung mit der -jüdischen Ueberlieserung anerkannt zu werden. Arise im palästinensischen Oberrabbinat. Jerusalem, 21. April. Bekanntlich gehören die beiden aschkenasischen Mitglieder des Kuk'schen Besdin, Rabbi Pefach Zwi Frank' und Rabbi Fischel Bernstein, der Kneses ■ Israel nicht an, weil sie die Zugehörigkeit zu dieser Gemeinde entsprechend der Entscheidung fast der gesamten rabbinischen Welt Erez Jisroels als religiös unzulässig betrachten. Man hat sich mit dieser für die Kneses Israel allerdings überaus beschämenden Tatsache jahrelang abgesunden, bis vor -etwa Jahresfrist die Jerusalemer Kneses' Israel- Gemeinde, der „Waad hair lejehude Jerufcholajim", an die genannten Rabbinen die Aufforderung richtete, der Kneses Israel beizutreten. Es fanden daraufhin langwierige Verhandlungen statt, die jedoch damit endeten, Veranstaltungen gefeiert. Ein Schatten auf die Feststm-^aß die Rabbinen unter Berufung auf ihr religiöses mung fiel durch das drakonische Vorgehen der Einwan- Gewissen festblieben und den Beitritt zu der die Komderungsbehörden, die der rumänischen und bulgarischen petenz des jüdischen Religionsgesetzes nicht anerkennen- Gruppe die Erlaubnis zur Landung auch für die Festtageitzen Gemeinde ablehnten. Nunmehr hat die Gemeinde verweigerten und eine polnische Gruppe über das Fest den sefardischen Mitgliedern des Oberrabbinates, die -der irm Gefängnis zu Akka festhielten. Die Gemeinde von ^Kneses Israel an gehören, eigene Dienstwohnungen Haifa schickte Mazzoth, Wein und alles Nötige in die zugewiesen und an die obengenannten a s ch k e n a s i - Quarantäne, wo die Festgehaltenen einen wehmutsvollen Seder abhielten. Von den Führern gingen einige zu ihnen, um den zurückgewiesenen Brüdern Trost zuzuprechen. Die -erregte Stimmung gegen das Einwanderungsamt, dessen oberster Leiter aus den guten Namen Chajimo n hört, macht sich in der Presse in schärfster Kritik Lust. „Die Touristen dürfen nicht allein zurück nach Europa, Chajimson muß mit ihnen gehen!" so lautet die Forderung der Zeitungen, in die alle Vevölkerungs- 'chichten einstmmen. Streiks mit rabbinischem hechscher? Jerusalem, 30. April. Der „Poel Hamisrachi" gibt bekannt, daß Oberrabbiner Kuk einer Delegation der Misrachiarbeiter gegenüber Streiks als Druckmittel gegen Arbeitgeber unter gewissen Umständen und Voraussetzungen als „religiös erlaubt" erklärte und billigte. Daß die Arbeiterorganiätion diese halachische Entscheidung noch weiter interpretiert, in ihrem Snne ausdeutet und verbreitet, ist verständlich. Wie nun bekanntgegeben wird, ist in Wahrheit die Entscheidung des Herrn Oberrabbiner Kuk so voller Bes ch e n Mitglieder die Aufforderung gerichtet, entweder ebenfalls in diese Dienstwohnungen einzuziehen und gleichzeitig der Kneses Israel bei zutreten, oder aber ihr Amt niederzulegen. Der unerhörte Gewissenszwang, der hier ausgeführt wird, würde, wenn die Welt nicht durch andere Dinge in Anspruch genommen wäre, einen Sturm der Entrüstung in allen gerecht denkenden jüdischen Kreisen, ja in der ganzen Kulturwelt auslösen. So aber kann man nur mit Besorgnis an die weitere Entwicklung denken, denn es bedeutet natürlich für Männer in höherem Lebensalter, denen andere Einnahmequellen nicht zu Gebote stehen, eine übermenschliche Aufopferung, wenn sie Amt und Erwerb hinwerfen sollen, um der Forderung ihres Gewissens treu zu bleiben. Leider ist die unabhängige Orthodoxie Erez Jisroels materiell nicht -in der Lage, den Opfern des zionistischen Gewissenszwanges Ersatz und gesicherte Lebensstellung zu bieten. Die Aehillowahlen in Tel-Awiw. Tel - Awiw, 20. April. Die an dieser Stelle erschienene Mitteilung über das Ergebnis der Kehillawahlen in Tel-Awiw -ist sachlich nicht ganz zutreffend. Zu den Wahlen zum Waad-Hake---

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