Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1933)
- Date
- 1933-05-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450773--79567-2537344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ä. Mai 1933 Der Israelit Nr. 18 Seite 5 wo sie am dringendsten gebraucht wird. Der Appell schließt mit den Worten: „Keiner entziehe sich seiner Pflicht in der Stunde der Prüfung! Jeder trage an seinem Orte und nach seinem Können zu dem Werke der Hilfe bei! Die Stunde des deutschen Judentums ist gekommen, die Stunde der Verantwortung und die Stunde der Bewährung. Das deutsche Judentum möge sich ihr gewachsen zeigen!" Agitation zur Herbeiführung eines Fleifcheinfuhrverbotes. Berlin, 3. Mai. Wir entnehmen der „Allgemeinen Fleifcherzeitung", daß der Rat der Stadt Braunschweig dem braunschweigischen Minister des Innern die Anregung unterbreitet hat, ein ähnliches Verbot wie in Baden auch für Braunschweig zu erlassen, oder ein solches Verbot für das gange Deutsche Reich an zuständiger Stelle anzuregen. Die „Deutsche Tageszeitung" von Sonntag meldet, Staatssekretär von Rohr habe bei dem zuständigen Reichsministerium des Innern angeregt, das Schächtverbot auch auf eingeführte Tiere auszudehnen, so daß in Zukunft die Einfuhr geschächteter Tiere nicht mehr stattsinden könne. Cs bestehe sonst die Gefahr, daß die Ciufuhrsteigerung sich nachteilig für den deutschen Rindermarkt auswirke. Zur Durchführungsverordnung über die Schlachtung des Geflügels. B e r l i n, 3. Mai. - Wir haben bereits in der vorigen Nummer darauf hingewiesen, daß von der durch das Gesetz gegebenen Möglichkeit, Geflügel durch „vollständiges Abtrennen des Kopfes vom Rumpfe" zu schlachten, nach den Bestimmungen des jüdischen Religionsgesetzes kein Gebrauch gemacht werden kann, bevor eine Entscheidung der gesetzestreuen Rabbnierverbände ergangen ist. Wie wir von autoritativer rabbinischer Seite hören, dürste kaum eine Möglichkeit bestehen, die technischen Vorbedingungen derart zu gestalten, daß von einer religionsgesetzlichen Zulassung dieser bisher unbekannten Schlachtmöthods dis Rede fein kann. Die Angelegenheit wird aber sorgfältig weiter geprüft. „Helfen, helfen, helfen". Berlin, 30. April. Ein in der letzten Nummer der „C. V.-Zeitung" unter der Ueberschrift „Helfen, helfen, helfen" erschienener Ar-" tikel schildert die intensive Tätigkeit des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zur Abhilfe jüdischer Not in dieser Zeit. In dem mit A. H. gezeichneten Artikel wird ausgeführt: „Ohne neues Denken, ohne Neubeginn des praktischen Tuns, ohne die Entschlossenheit jedes Einzelnen, auch sich selbst einzubeziehen in die Umstellung des Denkens und Tuns, wird es keinen aussichtsvollen jüdischen Neubeginn in Deutschland geben. Die vielen Hunderte von Menschen, die die Beratung des C. V. in den letzten Wochen in Anspruch nahmen, nehmen mit Genugtuung und Dank wahr, wie unsere Organisation sich mit der ganzen Kraft ihrer Menschen zum Helfer und Diener jedes einzelnen deutschen Juden und damit des deutschen Judentums überhaupt gemacht hat. Die Skala der Nöte und Wünsche ist unübersehbar. Der Sturmwind der nationalen Revolution hat das Judentum in allen Tiefen aufgewühlt und durcheinandergewirbelt. In unseren Warte- und Beratungszimmern sitzt der hohe Beamte neben dem besorgten Lehrling, der Personalchef großer Unternehmungen neben der fristlos entlassenen Stenotypstin. Während der Sprechzeit und der anderen Tagesstunden — der Dienst bricht eigentlich nie mehr ab — wird das Material gesichtet und eingestellt. Hervorragende Sachverständige werden zugezogen, Fachausschüsse nehmen den Verufsgenossen viele Sorgen, viel Dank und Laufarbeit ab, mit maßgebenden Stellen wird verhandelt, neue Beziehungen werden angeknüpft . . . Helsen, Helsen, Helsen! steht über jedem Arbeitsplatz in unsichtbarer Flammenschrift." Gründung eines „Noex Agudosi" in Deutschland. Berlin, 28. April. Am 23. April fand eine Zusammenkunft des Vorsitzenden der Paläflna-Wettzentrale der Agudas Jisroel, Dr. S. Ehrmann - Frankfurt a. M., mit dem Vorstand der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel und dem Palästinaamt der Jugendorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland statt, die der Besprechung aktueller Palästinafragen, insbesondere derjenigen der Emigration deutscher Agudisten nach Erez Jisroel gewidmet war. Es wurden Beschlüsse gefaßt betreffend die landwirtschaftliche Ausbildung junger Agudisten, die nach Erez Jisroel übersiedeln wollen, in Polen, Litauen und Holland. Das neueingerichtete Palästina-Informationsbüro der Agudas Jisroel wird regelmäßig wirtschaftliche Informationen über die Lage in Palästina verbreiten. Die Woche. Berlin. In F l a t o w wurden von einer erregten Menge sämtliche jüdischen Geschäfte gezwungen, zu schließen. Die Erregung wurde, nach einer Meldung des „Ostland", vom jüdischen Kaufmann E i ck heraufbeschworen, der Gerüchte über Mißhandlung von Juden verbreitet haben soll. — Der weltberühmte Philosoph und Pädagoge Professor S pran ger hat sein Lehramt an der Berliner Universität niedergelegt, weil er, wie er in seinem Abschiedsgesuch sagt, nach Veröffentlichung der „zwölf Thesen der Studentenschaft" glaube, nicht mehr den Weg zum Herzen dieser Generation zu finden. Auch der berühmte Krebsforscher Ferdinand Blumenthal hat freiwillig die Leitung des Universitätsinstitutes für Krebsforschung niedergelegt. — Der Deutsche Bankbeamtenverein hat nun auf Beschluß des Vorstandes den Arierparagraphen eingeführt. Bereits eingeschriebene Mitglieder dürfen bleiben, aber keine Ehrenämter bekleiden. — Wie die „Nachtausgabe" mitteilt, dürfen auf Grund einer Verfügung des Oberbürgermeisters in Zukunft städtiche Gebäude, Einzelräume und Grundstücke an mosaische Organisationen nicht vermietet oder verpachtet werden. Die bestehenden Miet- und Pachtverträge werden sogleich einer Nachprüfung unterzogen und, soweit erforderlich, zum nächstmögilchen Termin gekündigt. — In der Stadtbibliothek des größten Berliner Bezirks. Kreuzberg, sind von dem kommissarischen neuen Leiter 2500 Bücher ausgemerzt worden. Diese Bücher sollen in der nächsten Zeit aus dem Belle-Alliance-Platz verbrannt werden. Es fallen darunter entsprechend den Richtlinien des Zentralausschusses auch Werke von Emil Ludwig, Alfred Kerr u. a.!Nünchen. Die von Lüdendorff geleitete „Volkswarte" begrüßt zwar den von der Regierung durchgeführten Ausschluß der Juden, verlangt aber, daß auch „der Schlüssel zur Verjudung und Entwurzelung des deutschen Volkes", nämlich das Alte Testament, aus Schule und Volksleben ausscheide. An dieser Tatsache, schreibt das Blatt, werde die Reichsregierung nicht vorbei können, wenn sie die nationale Revolution vollenden wolle. Darmstadt. Von dem Sondergericht in Darmstadt wurde ein jüdischer Kaufmann aus Alzey wegen Verbreitung falscher Nachrichten zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. In Berlin wurden in ähnlichen Fällen Gefängnisstrafen bis zu eineinhalb Jahren ausgesprochen. Dem Atzeyer Kaufmann wurde zugute gehalten, daß er die Aeußerung in angeheitertem Zustande getan hatte. Amsterdam. Der berühmte Pharmakologe der Universität Leyden, Prof. Dr. L. van Jtalie, hat die Ehrenmitgliedschaft des deutschen Apothekervereins und der deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft niedergelegt. Budapest. Der Vudapester Stadtrat hat der jüdischen Gemeinde in Budapest einen jährlichen Vertrag von 177.000 Pengö für den Religionsunterricht bewilligt. Bukarest. Mit einem Befehl der Regierung wurden alle Sturmabteilungen, die sich bisher zumeist als Exekutiven des cüzistischen Antisemitismus gefühlt haben, a u fgelöst. konstanlinopel. Wie die ITA. berichtet, beabsichtigt die türkische Regierung eine Anzahl jüdischer Gelehrter aus Deutschland, insbesondere Mediziner, in die Türkei zu berufen. Jerusalem. Die Weltzentrale des Misrachi hat in einer Resolution den Austritt Dr. A r l o s o r o f f s aus der Exekutive verlangt und zwar wogen seiner Svnderunternehmungen in Sachen von Transjordankn. — Von arabischer Seite, ist die Gründung einer m o s l e m i t i s ch e n Universität in Jerusalem geplant. Demnächst wird sich der Großmufti nach Indien begeben, um Gelder für diesen Zweck zu sammeln.,— Im Monat März wurden in Palästina 2482 jüdische Neueinwanderer registriert. 269 davon sind Touristen, die nachträglich die Erlaubnis zur Niederlassung erhalten haben. Ferner wurde ein großzügiges Siedlungsprojekt für Mittelständler mit größerem Cigenkapital besprochen. Eine! Aussprache mit dem Palästina-Amt über die Verwendung der für Juden in Deutschland jüngst bewilligten Palästina-Zertifikate führte zu einem befriedigenden Resultat. Es wurde die Gründung eines „Roer agudosi" als Zusammenfassung allen aus dem Boden der Aguda stehenden Jugendlichen, die sich für landwirtschaftliche oder handwerkliche Betätigung in Erez Jisroel ausbilden, beschlossen. Zahlreiche Rücktritte zum Judentum in Berlin. Berlin, 30. April. Die Jüdische Gemeinde Berlin verlautbart: Im Gemeindebüro gehen täglich Briefe von Personen ein, die in früheren Jahren aus der Gemeinde oder aus dem Judentum ausgeschieden sind, und die jetzt ihren Wiedereintritt in die Gemeinde erklären. Unter diesen Briefen befinden sich auch solche sehr bekannter Persönlichkeiten, die sich für ehrenamtliche Mitarbeit zur Verfügung stellen. Wir geben von. dieser erfreulichen Stärkung der Gemeinde mit besonderer Genugtuung Kenntnis. Juden werden als medizinische Gutachter nicht zugclastcn. Karlsruhe, 30. April. Die Pressestelle des badischen Staatsministeriums teilt mit: Bei der Landesversicherungsanstalt Baden und den Badischen Oberversicherungs- und Versicherungsämtern sind künftig nach einer Verordnung des Sonderkommissars für das Gesundheitswesen in Baden nichtarische Medizinalpersonen im Sinne des Abs. ll der Ersten Verordnung zur Durchführung des Gesetzes „die Wiederherstellung des Berufsbeamtentums betr." zur Gntachtertätigkeit nicht mehr zugelassen. Diese Verordnung kann sinngemäß im Erstverfahren unberücksichtigt bleiben, wenn es sich um die Begutachtung ebenfalls nichtarischer Personen handelt. Holland. protestantische Rirchcn Hollands gegen Antisemitismus und Rassenhaß. A m st e r d a m , 28. April. Die Exekutive der holländischen Zweigorganisaiion des Weltverbandes der protestantischen Kirchen hat an den Permanenzausschuß der jüdischen Gemeinden Hollands ein Schreiben gerichtet, in dem sie sich gegen die Zurücksetzung der Juden in Deutschland wendet und Rassenhaß und Antisemitismus als unvereinbar mit dem christlichen Gewissen erklärt. Der Exekutive des Weltverbandes hat sie eine Petition überreicht, in der der Weltverband ersucht wird, in dieser Frage einzugreifen. Die Permanenzkommission der jüdischen Gemeinden weist in ihrem Antwortschreiben daraus hin, daß nach den Lehren der christlichen und der jüdischen Religion gegenseitiges Einvernehmen und Wohlwollen zwischen allen Bekenntnissen, Rassen und Rationen herrschen müsse. (I. T. A.). Belgien. Allgemeine Gemeindeabgabe zur Stütznug der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Brüssel, 30. April. In Brüssel fand eine Konferenz der Weltorganisation Agudarh Israel unter Teilnahme von Delegierten aus Frankreich, Italien, England, Belgien und Holland statt. Es wurde eine Resolution gefaßt, in der die jüdischen Gemeinden der ganzen Welt aufgesordert werden, eine prozentuelle Abgabe von allen Einkünften der Gemeinden einzuführen, deren Ertrag zur Stützung der jüdischen Gemeinden in Deutschland dienen soll. Die Rabbiner sollen in den Synagogen zur Unterstützung der Lehranstalten und sonstigen Institutionen des thoratreuen Judentums in Deutschland auffordern. Das westeuropäische Büro der Agudath Israel wird nach Zürich verlegt. Bei der Aguda-Zentrale wird ein Nechtsschutz- und Wirtschaftshjlsskomitee für jüdische Flüchtlinge aus Deutschland eingesetzt. Schweiz. Mittelstandsbewegung in der Schweiz und Antisemitismus. Basel, 28. April. In der Schweiz ist gegenwärtig eine starke Bewegung zugunsten des Schutzes des Mittelstandes und der klei-