Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 18 (4.5.1933)
- Date
- 1933-05-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.4. Mai 1933 Der Israelit Nr. 18 Seite 3 er sich bemüht, bei den Behörden -ducchzusetzen, daß in der Re chtsanw altsfrage, eine allgemeine Regelung getroffen.wer.de, die Milderungen „für ganze Kategorien von Persönlichkeiten" gewährt. Ls würde dann nur des Rachweises bedürfen, zu den „bewährten Mitgliedern des Verbandes nationaldeutscher Juden" zu gehören. Dr. Raumann fordert auf, ihm Aufzeichnungen zukommen zu lassen, worin die besondere Qualifikation des Petenten n. 'd. durch folgende Gesichtspunkte erhärtet wird: langjährige Mitgliedschaft im Verband nationaldentscher Juden, Auftreten gegen marxistisch-internationalistische und jüdisch-nationale Bestrebungen, wirtschaftliche und gesellschaftliche Schädigung durch gegensätzliche Einstellung der anderen jüdischen Gruppen (Jüdisch-nationale, L.--V.) und dergl. Ls handelt sich zunächst nur um fromme Wünsche, und Herr Raumann teilt nicht mit, wie weit seine Bemühungen, auf Kosten der deutschen Iudenheit insgesamt sich 'und seinen Getreuen materielle vorteile zw verschaffen, gediehen sind. Der neue Glaubensbegriff als Grundlage der Bibelübersetzung von Buber Rosenzweig. Von Oberrabbiner Dr. Jos. Larlebach in Altona. Ls wäre falsch, anzunehmen, Luder und Rosenzweig hätten eine Bibelübersetzung schaffen wollen, die durch den ästhetischen Reiz einer formvollendeten künstlerischen Stileigenart Kennern eine literarische Delikatesse bietet oder durch edle Sprachtechnik und besonders feine Meißelung der Sätze sich ins Herz ernschmeickelt. Lin ungeheurer Ernst sicht hinter diesem Werk, ein Ernst, der gar nicht anders bezeichnet werden kann als die Leidenschaft von Menschen, die einer großen Idee mit allem, was sie sind, dienen. .Ich möchte daher nicht an Einzelheiten Wert und Schönheit ihrer Uebertragung auseinandersetzen, sondern aus dem Leben und Denken Beider zu dem Sinn und Ziel, das sie sich gesetzt haben, hinführen. Hinter dieser Verdeutschung fleht Moder ein tiefer Glaube an die Bedeutung des w o r t e s. An jedem Wort hängt der Atem der Welt, mit jedem Wort kann man Welten bauen und stürzen. Es ist ein Glauben ähnlich jenem, aus dem heraus die alten Weisen sagen: die ganze Welt'wiegt nicht auf ein einzig Wort der Thora. Ich erinnere an die wunderbare Rode des chafstdifchen Rabbi im „Dybbuk", die in dem Gedanken gipfelt: jeder Mensch ist ein Hoherpriester, jeder Drt ein Allerheiligstes, jeder Tag ein Jom Kippur, jedes Wort ein G'ttesname. Wird bas Wort in religiöser Gesinnung und echter Andacht gesprochen, so kann es die Welt retten und beglücken. Wird es aber nicht in Reinheit und Andacht ge- -pK 711 ay mm na’ Schön ist die Thora in Verbindung mit weltlicher Bildung. An dieser gemessen wächst ja alles Thorawissen. Die Sonne der Religion braucht das Mondlicht der Wissenschaft nicht zu scheuen. Wenn bisweilen Kenner der heiligen Lehre durch die Irrlehren mancher Wissenschaft vom Wege der G'ttesfurcht abgebogen, so spricht das nicht gegen das Ideal all' der Großen und Größten in Israel, die der Lehre Erhabenheit und Reinheit im Gewände moderner Bildung klar und deutlich veranschaulichten. Hüten wir uns ja, das zu verwerfen, was jene als Inhalt ihres Lebens und Wirkens betrachteten, wandeln wir vielmehr in ihren Spuren, dann werden wir festhalten an der Mahnung: pma ’Kim ivrr, Niemals darfst du aus dem Gehege der mm dich begeben, auch dann nicht, wenn du dich mit anderen Wissensgebieten befaßt. Diese sollen immer nur uns als das Mittel dienen zum Ziele der Thorakenntnis. Lernen und immer wieder lernen — das ist unsere ewige Pflicht, damit wir G'ttes Volk bleiben und allenthalben und zu jeder Zeit das Sinaibanner hoch und in Ehren halten. Bemerkungen zu ll'Vip-'inx- Von Rabbiner Dr. Ansbacher in Wiesbaden. Eine mm» lautet: bnpti b\/t tet i>33 83' >81 - ny toa npis nw Aron komme nicht zu jeder Zeit in das Heiligtum — er übt Gerechtigkeit zu jeder Zeit (Tehilim 106, 3). Eine Erklärung zu letzterem Satze lautet: ■Mai 1ND8 onsan nt» das ist derjenige, welcher feine Frau und feine Kinder versorgt, was zu jeder Zeit geschehen kann. Dieser Satz kann allerdings mißbraucht werden, und wurde oft mißbraucht; wie sollen die Angelegenheiten des fprochen, weh, so kann es Welten vernichten und zerstören! — Ein Wort ist eben nicht eine bloße Luftcrfchüttcrung. Wie durch das Wort G'ttes die Him-- mei wurden, so ist das Wort überhaupt von unendlicher welterlösender oder weltvernichtender Kraft. VERLAG DES ISRAELIT UND HERMON G.M.D.H. FRANKFURT fl. M., HECHHEIGRABEHSTRASSE 7. vor kurzem erschien in unserem Verlage: Die Welt der Gebete rvfrsnn nbty Kommentar zu den Werktags- und Sabbatgebeten, nebst Uebersetzung von ' Rabbiner Dr. Lire Munk in Ansbach. 324 Seiten Groß-DkMv. Preis in gediegenem Leinwandband Mk. 6.5O Geschenkausgabe in schwarzem Kaliko mit Goldaufdruck, Schulausgabe in braunem Kaliko mit Farbenaufdruck. Mit dieser bedeutsamen Neuerscheinung findet ein langjähriger Wunsch der jüdischen Oesfentlichkeit nach einer deutsch geschriebenen, leichtfaßlichen und doch gründlich wissenschaftlichen Erläuterung unseres Gebetbuches endlich seine glückliche Lösung. Das Buch gewährt ein erhabenes Bild von dem unerschöpflichen Ideenreichtum unseres Gebetbuches, aber auch von der Tiefe und der Innigkeit der in ihm verborgenen Gemütswerte. Zwei einführende Betrachtungen über: „Die Bedeutung der Gebetzeiten" und den „Aufbau der Gebete" tragen noch besonders zur Bervollständigung dieses Gesamtbildes bei. Das Werk sollte m keinem jüdischen Hause fehlen: es wird ganz besonders von allen Erziehern und Lehrern der Jugend begrüßt werden. In den Vereinsbibliotheken wie in den Arbeitsgemeinschaften und Jugendvereinen wird es bald als unentbehrlich betrachtet werden. Das Buch ist durch alle besseren Buchhandlungen zu beziehen. Der Berlag liefert direkt gegen Nachnahme oder Voretnzahlung des Betrages (zuzügl. 40 Pfg. Porto innerhalb Deutschlands) auf Postscheckkonto Frankfurt-M. 18802. Auf Wunsch wird Abonnenten des „Israelit" im Einzelfall Zahlung in zwei Raten eingeräumt, wovon die erste mit Mk. 3 - zuzügl. Porto vurs Nachnahme bei Lieferung eingezogen wird, die zweite nach 4 Wochen. Wie kommen Buber und Rosenzweig zu diesem Glauben an das Wort? „Ich kann das wort so hoch nicht schätzen", sagt Faust. Wenn man verstehen will, was die Beiden zu dieser Auffassung geführt und ,was ihnen deshalb als Ziel bei ihrer Uebersetzung vorgeschwebt hat, dann müßte man eigentlich den ganzen Lebensgang dieser Männer und ihre gesamte geistige Arbeit der Betrachtung voranschicken. Sie sind beide zwei große Phänomene im jüdischen Geistesleben, zwei Heimkehrer, aber auf ganz verschiedenen Wc- Zibbur, des Kelall erledigt werden, wie soll Gemilus Chesed in all seinen Zweigen geschehen, wenn jeder sich mit der Zedoko absurden würde, für die Seinen allein zu sorgen? snpn im riV $>aa rra» VKi,mit dieser Auslegung des ns? i-aa kommt man nicht ans eine Stufe der nviip- Anekdotisch erklärt man eine andere Bemerkung zu diesem Satz. •annsV ^'rrvai amso naipn nt — ns? 5aa npax nr?s? Zu jeder Zeit übt Zedokoh derjenige, der heilige Bücher kaust und sie anderen leiht. Warum für alle Zeiten? Sehr oft werden entliehene Bücher nicht zurückgegeben, die „Wohltat", die der Verleiher damit tut, ist also bleibend. ,'iii nnavirnnvn nanan pa anVmm „Ihr sollt unterscheiden zwischen dem reinen Vieh und dem unreinen, 'zwischen dem unreinen Vogel und dem reinen". Warum nennt die Tauroh beim Vieh zuerst das reine, beim Geflügel zuerst das unreine? Auf naheliegende Weife kann man die Frage beantworten: Der Satz will mit rein beginnen, und auch mit rein schließen. Oder bezugnehmend auf die Gemoro: Bei den Säugetieren gibt es mehr unreine Arien, deshalb sind in »amv und nm die reinen — der Kürze wegen — aufgezählt, bei dem Geflügel gibt es mehr reine, deshalb nennt die Tauroh uns die unreinen, also ar&aam, ihr braucht beim Vieh nur die reinen ZU kennen, die anderen sind unrein, beim dagegen müßt ihr die unreinen kennen, dann erst sind die anderen für euch rein. Berantwortltch für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: S. S ch ach - nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufntann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Berlag oes Israelit und Hermon CB. nt. b. H., Frankfurt a. M. — Druck Hermon Druckerei, Frankfurt a. M. gen und mit verschiedenem Erfolg. Buber ging vom Iudentunl aus -und verlor sich an die Welt. Zeitweilig fehlte jede Brücke zwischen ihm und seiner Vergangenheit. Dennoch fand ec zurück. Sein Weg führte ihn merkwürdigerweise über die jüdischste aller jüdischen Eigenarten, über die sonderbarste Verkrustung und Gestaltung des jüdischen Lebens, über den E h a ss i d i s m u s. Er entdeckte die chafsidifche Welt vielleicht als ein literarisches Kuriosum, aber er nahm in ihr etwas wahr, was rr sonst noch nicht gefunden hatte, eine Atmosphäre, die anders war als die Luft der Welt, die religiöse und ethische Absolutheit g'ttverbun denen Lebens. Run ging fein Weg weiter, um immer tiefer in den ewigen philosophischen Gebalt des Judentums einzudringcn. Rosenzweig kommt nicht vom Judentum her. Durch Generationen ist seine Familie dem Judentum entfremdet gewesen. Eine Erscheinung wie die Rosenzweigs hat etwas Erhabenes und Einzigartiges. Er hat in seiner Kindheit nie den unendlichen Zauber jüdischen Lebens gespürt, nie von der Lehre Israels gehört. Er kam durch einen „Zufall" mit seinem Enkel zu Retläh in die Synagoge, und da sah er Menschen, deren Tun er nicht verstand, und hörte Laute, deren Sinn er sich nicht deuten konnte. Dieses Ereignis wurde für sein Leben entscheidend. Da, so sagte er, ist mir zuerst „ G ' t t b e g e g n e t ". Cs war ihm ein Klingen und Singen im (Ohe, das ihm wie von einer andern Welt war. Run geht er seine Bahn in graber Linie, immer diesem Klange nach. Beide, sind zwei neue Gläubige, oder richtiger keine Gläubige, sondern nach Glauben Strebige, denen ein innerer Kompaß den weg zur Seinserneuerung weist. Diese Menschen haben G'tt gefunden, wenn man will: entdeckt. Aber wie haben sie ihn entdeckt? Der Weg zu G'tt führte über die Entdeckung vom Wesen und Sein des — M e n f ch c n. Roch nicht weit hinter uns liegt die Zeit, wo das Denken beherrscht war von den Siegen der Raturwissenschaft, wo man glaubte, cs vollziehe sich alles in der Welt logisch-kausal, in einer durch Zahl und Maß ausdrückbaren Gesetzlichkeit. Man wollte sogar den Menschen und sein geistig-seelisches Leben in dieses Schema hineinzwingen, den Menschen in ein Stück Ratur auflöscn. Aber diese Seelenphpsik und die auf sie gebaute psychotechnik ließen sich nicht durchführen. Richt einmal in der Ethik sollte derselbe kategorische Imperativ für alle Geltung haben. Für den höheren T^pus des Menschen, für den Uebermenschen erweist er sich als Herden- und Sklavenmoval, die ihn in der Entfaltung feines Ich zum Besten der Welt nur hindert. Aufgerüttelt und erschüttert hat die geistige Well ein Revolutionär des Denkens, Rietzfche, der den großen Protest eingelegt gegen alle das Individuum in seinem Wollen und Denken logisch und ethisch binden- Wochenkalender. vom 6. - 13. Mai 1933 I vom 10. — 17. Jjar 5693 mv *p riiva' Samsmg 6 10 a 'i pis c’E’ip> mrnt Sonnrag 7 11 80 Montag Dienstag Mai 8 9 12 13 an aa ’SC* 1MV71 Mittwoch 10 14 ia Donnerstag 11 15 na Freitag 12 16 ia Samstag 13 17 ti- '1 pnn nbR Das Anschaffen von Herrengarderobe ist wegen des zu beachtenden Kafchrusgefetzes in den letzten Jahren für den Mittelstand zu einer schweren Sorge geworden. Daher ist es sehr anzuerkennen, daß (siehe Inserat) Herr Diplom-Schneidermeister A. I. N e u g e b a u e r. Ostendstraße 14, das Seine dazu beiträgt, diese Schwierigkeit zu beheben. Herr Neugebauer betreibt seine Schneiderei bereits seit dem Jahre 1920. Es hat sich -durch seine große Gewissenhaftigkeit in der iva-Berarbeitung schon häufig ergeben, daß man ihn in Zweifelsfällen zu Rate zog. Angesertigt werden genau so preiswert als Mäntel und Anzüge aller Art, auch Barmizwoh-Anzüge. Ueüer die Qualität der Arbeit sind erstklassige Referenzen vorhanden. Wer jetzt schon seine Garderobenaufträge für 7ii?at7 erteilt, kann billiger bedient werden. Für eilige Fälle ist Fertigstellung nach drei Tagen möglich.