Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1933-05-04 · Heft 18 (4.5.1933) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 18 (4.5.1933)
Date
1933-05-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2450756-2450773--79564-2537341
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i •- L i; I V $ Seite 2 Nr. 18 Der Israelit 4. Mai 1933 S. R. Hirsch's Schriften kennt, weiß, daß bäe Erklärung feiner Weltanschauung als einer zeitbedingten Entscheidung, wenigstens soweit e c gehört wird, nicht zutrisst. Wir müssen so ehrlich sein, zu gestehen, das; s ü r i h n Weltkultur prinzipiell zu der durch das Judentum gebotenen Wegweisung gehörte. Die Ehrfurcht vor Hirsch darf uns nicht verleiten, in ihn chinoinzulesen, was er selbst nicht wahr haben wollte. Freilich war damals das geistige Weltbild Deutschlands vom allumfassenden idealistischen Menschheitsgedanken, heute ist es vom trennenden Rassegedanken bestimmt. Und in der Tat dürfte es schwer sein, -in der heutigen konkreten Zielsetzung: „rassisch-christlich zu erziehen" ein jüdisches Ideal zu sehen. Aber das berührt nur die zur Zeit in Deutschland gültige Kulturanschauung. Die grundsätzliche Bereitschaft und Erziehung zur Verbindung des beherrschenden jüdisch-religiösen Gedankengutes mit den Elementen der Weltkultur, wie sie Hirsch gesehen hat, ist nicht abhängig von der Stellung, die irgend eine Staatsform oder irgend eine Kulturpolitik zum Judentum oder jüdischen Grundideen einnimmt. Reichweite und Anwendung des Prinzips können sich ändern. Die einen werden es aus praktischen, die andern aus ideellen Gesichtspunkten fordern, je nach der Weite und Tiefe der Auffassung vom Judentum. 'Aber die Geltung des Prinzips an sich erscheint mir vom Judentum untrennbar, soviele Enttäuschungen, die Völker uns bereiten mögen. Denn die geistigen Brücken zur Welt dürfen nicht abgebrochen werden, wenn unsere Kinder eine Zukunft haben sollen. * * * Wir haben diesen bedeutsamen Ausführungen ein kurzes, aber höchst aktuelles Rachwort hinzuzufügen. Welche sofortigen Wirkungen das in der vorigen Rümmer bereits kurz gewürdigte neue deutsche „Ueberfremdungs"-Gesetz auf die jüdische Schülerschaft der höheren Schulen ausüben wird, läßt sich solange nicht mit Bestimmtheit sagen, wie nicht seststcht, ob und wo man die Gesamtfrcqucnz dieser Schulen generell oder lokal Herabdrücken und damit die Fünfprozent-Rorm für die jüdischen Kinder in Kraft setzen wird. Aber unbeschadet der Lösung dieser Spezialfrage wird sich nicht nur das Ehrgefühl, sondern auch bas erzieherische Vcrantwortungsbewußtsein vieler jüdischer Eltern dagegen sträuben, ihre Kinder in Volksschulen oder höheren Schulen einem Milieu zu überantworten, in dem sie. besten Falles als unerwünschte und lediglich geduldete Fremdlinge aus Asien angesehen werden. Es gilt daher, das Letzte einzusetzen, für die E r h-a l t u n g der b c ft c h c n d c n jüdischen Schulen jeder Art und für die schleunige G r ü nd u n g neuer Schulen. Lernen. Von Rabbiner Dr. 2N> Lewin in Hamburg. Selbstbesinnung ist gewiß eine willkommene verheißungsreiche Gabe dieser von Sorgen und Kümmernissen arg erfüllten Zeit. Wer nicht gedankenlos in den Tag hineinlebt, der kann die ernste und eindringliche Sprache der Geschehnisse unserer Tage nicht überhören. Und es verspricht einen segensvollen auf lange nachwirkenden Ertrag, wenn sich alle in Israel auf das Midraschwort besinnen: v5>y «an bs b? pannV dir ins 13’sV ~t aiv 'v um inyo -m in« .'“i *7» naipai mpnn iran ntrsna ivrruy pava „König David singt: Versuchts und erkennt, baß gütig ist G'tt. Darum ist es eines jeden Pflicht, bei allem, was über ihn kommt, sich zu besinnen, wie es denn auch heißt: Laßt uns prüfen unsere Wege und erforschen und zurückkehren bis zu G'tt." Vielleicht gilt mehr denn je jetzt uns allen der Zuruf aus dem Hohelied, diesem wundersamen, von Liebe und Zuneigung getragenen Zwiegespräch zwischen G'tt und Israel: •73 nrnai rnr? ’aw /i’nVu?n 'aiv 'aiv „Kehre um, kehre um, Sulamith, kehre heim, kehre heim, daß wir dich schauen," dich sehen, wie du sein sollst durch die Reinheit deiner heiligen Lehre, dich sehen im hohen Flug deiner Ideen und Glaubenswahrheiten, unverfälscht und ungetrübt in deiner Pflichterfüllung. — mvi-iva unn n», Hier vor allem sollten unsre Brüder in aller Well der deutschen Iudenhelt kräftig zu Hilfe kommen. Der Mensch lobt nicht von Brot allein, und für das jüdische Volk.im Golus gilt mehr als irgend sonst der Satz, daß der Gei stöenkörperträ g t. Die Leistungsfähigkeit der jüdischen Gemeinden und sonstigen Unterhaltungsträger der. Schulen ist aufs äußerste geschwächt — wer weiß» was die nächsten Monate ihnen an wirtschaftlichen Belastungsproben bringen werden, sobald bk aus ihrer wirtschaftlichen Bahn Geworfenen ihre Reserven aufgezehrt haben und die Revolution sich in den Steuererklärungen auswirken wird. Ohne umfassende Hälse von außen ist für die Institutionen des jüdischen Geistes das Schlimmste zu befürchten. Caveant consules! Wochenrunds chau. I 4» Frontkämpfer. Der Auszug der jüdischen Juristen aus der Justiz geht nicht ohne die nötige Begleitmusik vor stch. Der Vorsitzende der vom Staatskommissar für die Berliner Anwalts^ammer eingesetzten Kommission zur A u's l e s e d e r j ü -- d i s ch e n A n w ä l t e, Rechtsanwalt Dr. Deutschmann, veröffentlicht im Berliner „Reichswart" unter dein Titel „Jüdische Frontsoldaten??" einen Artikel, in dem er davor warnt, das „Schlagwort des T. v. von den jüdischen Frontkämpfern" zu beachten. Er behauptet, wirkliche Frontkämpfer seien nur jene wenigen Juden gewesen, die arische B l u t b c i m i s ch u n g hatten. Rach der einstimmigen 'Ansicht der Kommission habe deren Arbeit den Beweis erbracht, daß eine generelle Bevorzugung jüdischer Frontkämpfer völlig unberechtigt wäre. Wie Tatsache, daß auch Juden gefallen sind, und an der Front standen, sei kein besonderes Verdienst der jüdischen Rasse. Im übrigen sei die Kommission der Ansicht, daß auch eine prozentuale Beteiligung der Juden an öffentlichen 21 e nt t e r n und öffentlichen Berufen, 5 u b e it c n auch die pflege d e r v o l k s - gesundheit und des Rechtes im Volke durch Acrztc und Rechtsanwälte zu gehören habe, nicht tragbar sei. „Denken wir, schreibt der Vorsitzende der Kommission zur Aus- „Was wollt ihr sehen an Sulamith?" vvnvn nVnva „Gleich dem Reigen van Machanajim." Sulamith wird in ihrer ganzen Natürlichkeit sichtbar und bewundert, wenn sie um tninn um die Lager, des G'ttlichen und Heiligen kreist, wenn sie vom Glanze der nvav der G'ttlichkeitsstrahlen erleuchtet wird . . . Solche Ein- und Umkehr wird glücklicherweise vielfach in Israels Reihen als Gebot der Stunde erkannt und gefordert. Dies ist zweifellos würdiger als tatenloses Klagen oder dumpfe Verzweiflung. Wir beweisen damit auch, daß in uns noch lebt und webt etwas von dem Duldertum unserer Väter, die aller Wechsel und Wandel ihrer äußeren Schicksale niemals in ihrer Ueberzeugung und Opferwilligkeit für die Erfüllung der heiligen Gebote wankend machen konnte, die unentwegt festhielten an dem heiligen Schriftworte: ---'pVrr 'arr dm oaW iivvn mpn nxi •mvr 'vvv» ns „Meine Rechtsordnungen vollbringt und meine Satzungen hütet, um in ihnen zu wandeln. Ich, G'tt, bin euer G'tt." >'i vrr nna mi msn vnrr nvy ivrr 'vvvv mi mpn m nmnsn „Hütet meine Satzungen und Rechtsordnungen, als welche der Mensch tut und lebt durch sie: Ich, G'tt." Das ganze ungeteilte Thorawort mit all seinen Vorschriften, ob diese unserem menschlichen Vorstande faßbar sind oder in. ihrem eigentlichen Sinn uns ewig ein Rätsel bleiben, wird uns hier als Kraftqusll unseres Lebens für alle Zeiten und alle Verhältnisse zur sorgfältigen Beobachtung als unsere jüdische Aufgabe gezeichnet. Darin liegt das tief verankert, was unsere Weisen bedeutungsvoll uns lehren. ,Taa nvrwn rVr “paa mvvn kV dm rdbb i-wvn Ziel ist die leben- und kraftspendende Tat, aber diese Tat, die Uebung setzt immer wieder voraus ein liebevolles sich Versenken in G'ttes Wort, ein zielbewutztes, nie sich genug habendes Lernen und Forschen in G'ttes wähl jüdischer Rechtsanwälte am Schluß seines Artikels, lieber an die Willivnen arbeitsloser deutscher Frontkämpfer, an die Zehntausende deutscher Assessoren und Referendare, die nicht heiraten, keine Kinder in die Welt setzen können, sondern warten sollen, bis alle die „alten jüdischen Frontkämpfer" ihr Wohlleben zu Ende geführt und zu den dem deutschen Volke entzogenen R eicht ümern nochweitere gehäuft und ins Ausland gebracht haben." Aus dieser Begründung müßte logischerweise dem ReichsbundejüdischerFrontsol'daten der Anspruch erwachsen, daß seine RMglieder infolge ihres „arischen Bluteinschlages" vom Arierparagraphen verschont bleiben („wirkliche Frontkämpfer haben arische Blutmischung!"). Damit er sich aber in dieser Beziehung keine Illusionen mache, wird im gleichen Atem mitgeteilt, daß nach einstimmiger Ansicht der Kommission eine generelle Bevorzugung jüdischer Frontkämpfer völlig ausgeschlossen sei. Die Zeitschrift des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, „Der Schild", weist gegenüber den Ausführungen Dr. Deutschmanns auf die zahlreichen Zeugnisse einwandfreier nichtjüdischer Kameraden hin, die bekunden, daß die jüdischen Frontkämpfer Schulter an Schulter mit ihren uichtjüdischen Kameraden gefochten haben und von echtem Frontgeist beseelt waren. Auch das Fliegerbuch und das Gebe n k b u ch des R. j. F. seien unwiderlegbare Dokumente jüdischer soldatischer Pflichterfüllung und Treue gegenüber dem Vaterland. Opferbereitschaft fürs Vaterland sei abhängig vom Erlebnis des Vaterlandes und nicht von der Blutzusammensetzung. Dafür seien die 11 000 jüdischen Kriegsfreiwilligen im Weltkrieg ein lebendiger Beweis. Max Naumanns „Bemühungen". Die jüdische Geschichte weiß von großen, stolzen Juden zu erzählen, die in Zeiten großör Iudenentrechtung es ablehnten, von den ihnen angebotenen Privilegien Gebrauch zu machen und es vorzogen, an der Rotgemeinschaft ihrer Brüder teilzuhaben. Don Izchak 21 barb a n e l ist nicht der erste leuchtende Rame, der von dieser jüdischen Solidarität und frcigewählten Schicksalsgemeinschaft zeugt, und Professor Frank in Göttingen, der sich vom Judentum wenigstens den jüdischen Stolz erhalten hat, wird vermutlich nicht der letzte sein. Riax R au - mann ist nicht von diesem Stamme. Denn er sinnt zur.Zeit ausschließlich aus die letzten Vorteile, die ihm und den Seinen aus ihrem bisherigen Verhalten erwachsen könnten. Dr. Aiax R a u m a u n versendet an die Mitglieder seines Verbandes n a t i o n a l d e u t - scher Jude n ein Zirkular, worin er mitteilt, daß heiliger Lehre. Das soll allenthalben in Israel wieder Norm und Regel fein.'nVyv'n'V rr'av nivVnVnwVnVina- Groß in seinen Folgen und Wirkungen ist das Studium dev Lehre, nur so kommt man zur Uebung üer heiligen Gebote, zur g'ttgewollten Tat. Hier kann für manche- Entbehrung und manchen Verzicht, die die Zeit bedingen, reicher Ersatz gefunden werden. Möchten wir alle da den Hebel ansetzen, daß die vermehrte Kenntnis unseres Judentums auch den Opferwillen in allen Kreisen steigere und wir uns innerlich gehoben und gefestigt fühlen und der Fesseln spotten, die. die Ungunst der Stunde unserm Geiste anzulegen droht. Rein und lauter sprudelt die ' alte Sinaiquelle, läuternd und oersittigend jedem, der mit Wonne und Gier aus ihr schöpft. Das ist ein Labetrank für die Sseie und ein Läuterungsquell für Herz und Gemüt, cm »m daß das Leben an Wert und Inhalt gewinnt. In diesem Zusammenhang sei aber auch auf ein anderes Wort unserer Lehrer hingewiesen. Sie mahnen -nVsv uiyyn Vri np'y uwy ana mbb In den Satzungen G'ttes zu wandeln — das bedingt, daß du ihre Erforschung zur Hauptsache machst und niemals als ein Nebensächliches betrachtest — kVp .nVivn nnan mVx Vr*i©' nnan „Sage ja nicht: ich habe genug von der Weisheit Israels mir angeeignet, nun will ich die Wissenschaft anderer Völker lernen, darum heißt es: 'pma iDQ’V ’xtpa -p’K — DM robb niemals darfst du aus ihrem Bereiche scheiden. Dieses Wort fordert, daß Wurzel und Blüte all' unseres Wissens das Thorawort fein soll. Dieses Studium soll all' unser Sehnen und Sinnen erfüllen. Aber gleichwohl ist in ihm nicht gesagt, daß wir Kenntnisse und Wissenschaften, die aus anderem Gebiete liegen, unter allen Umständen ablehnen müssen. Mahnen doch auch sonst unsere Alten: n

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.