Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1933)
- Date
- 1933-04-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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- Odesa 2× ep/1000834
- Minsk 1× ep/1000754
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Seite 8 Nr. 16 Der Israelit 21. April 1933 die zugunsten der Einwariderung deutscher Juden in Palästina getroffen wurden. Danach wurden dem britischen Generalkonsulat in Berlin 200 Einwanderungszertifikate für Juden mit eigenem Kapital von mindestens 1000 Pfund zur Verfügung gestellt. Diese können sofort ohne weitere Formalitäten in Palästina einreisen. Mittel st andsan gehörige mit eigenem Kapital von mindestens 500 und Handwerker mit 250 Pfund Eigenkapital finden bei der Erledigung ihrer Gesuche weitgehendstes Entgegenkommen. Alle Gesuche von in Palästina ansässigen deutschen Juden um Zulassung ihrer Eltern und Verwandten aus Deutschland werden wohlwollend behandelt. Für jüdische Arbeite r in Deutschland wurden 1000 Zertifikate zur Verfügung gestellt. Der Außenminister nimmt noch Stellung zu der Aussprache im Unterhaus und weift auf die Schwierigkeiten einer britischen Intervention zugunsten nichtbritischer Bürger hin. Er persönlich habe gegen eine Einwanderung von deutschen Juden in England nichts einzuwenden, denn trotz der Arbeitslosigkeit in England sei zu bedenken, daß Menschen mit so wertvollen Eigenschaften, wie sie die deutschen Juden zum großen Teile aufweisen, einen Gewinn für England bedeuten. Vielleicht würde der von einer Intervention erwartete Effekt schon durch diese Aussprache erreicht. * * * Der deutsche Botschafter in London hat von der Reichsregierung den Auftrag erhalten, der englischen Regierung gegenüber unverzüglich und nachdrücklich Verwahrung gegen Ton und Inhalt der Reden in der Donnerstag-Sitzung des englischen Unterhauses einzulegen. Frankreich. Aus europäischen Parlamenten. Paris, 6. April. In der am 6. April abgehaltenen Sitzung der französischen Kammer fragte der sozialistische Abgeordnete M o ch den Innenminister, welche Maßnahmen zugunsten der unbeschreiblich leidenden jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland geplan seien. Innenminister C haute m p s erwiderte unter brausendem Beifall des ganzen Hauses, die Tore Frankreichs stünden, wie dies der französischen Tradition entspreche, Leidenden und Verfolgten weit offen. Großzügiges Hilfswerk von Hicem für die aus Deutschland ausgewanderten Juden. Paris, 12. April. Die Leitung des jüdischen Verbandes für Auswanderuttgshilfe Hicem, in dem 'die Organisationen Jca (Jewesh Colonisation Association), Hias (Hebrew Immigrant Shelter and Aid Society) und Emigdirect zufammengeschlossen sind, hat sich, wie die ITA. erfährt, mit allen Ländern, in die Juden aus Deutschland sich in letzter Zeit begeben haben, in Verbindung gesetzt. Es wurden Besprechungen mit Delegierten aus der Schweiz, Holland, Belgien, Polen und der Tschechoslowakei abgehalten. Die Hicem-Leitung hat die ihr angeschlossenen Organisationen in diesen Ländern aufgefordert, regelmäßig genaue Berichte über Zahl, Beruf und Zukunftsabstchten der dort eintreffenden Juden aus Deutschland einzusenden. Die gegenwärtigen Unterhandlungen mit den zentralen Organisationen in diesen Ländern zielen vor allem darauf ab, die Hilfsaktionen zu koordinieren und zu vermeiden, daß die Auswanderer zwecklose und kostspielige Reisen von einem Land in das andere unternehmen. Gleichzeitig steht Hicem in dauernder telegraphischer Verbindung mit allen Ländern, die für die Einwanderung von Juden aus Deutschland rechtlich und wirtschaftlich in Betracht kommen. Zu diesen Ländern gehören Chile, Brasilien, Uruguay, Spanien (hier hat Hicem zwei Aufnahmekomitees organisiert, das eine in Madrid, das andere in Barcelona), Südafrika, Australien und Palästina. Aus einigen dieser Länder sind bereits ermutigende Mitteilungen eingetroffen in denen bekanntgegeben wird, daß die offiziellen Kreise der eventuellen Aufnahme von Einwanderern aus Deutschland sympathisch gegenüberstehen. Chile hat telegraphisch vollste Unterstützung der auf Unterbringung deutscher Juden in diesem Lande gerichteten Bemühungen zugesagt. Wie die Hicem-Leitung mitteilt, sind zahlreiche Juden aus Deutschland in Frankreich eingetrosfen, Hunderte haben in den letzten Tagen das Pariser Hicem-Büro in Anspruch genommen. Es wurde veranlaßt, daß auf allen Bahnhöfen ein ständiger Dienst durch Abteilungen freiwilliger Hilfskräfte, hauptsächlich Jugendlicher, versehen werde. Diese Hilfskräfte haben die Aufgabe, aus Deutschland eintrefsende Juden zu empfangen und ihnen zweckdienliche Auskünfte betreffend ihren Aufenthalt in Frankreich zu geben, bezw. sie zu jenen Stellen zu bringen, die zur Erteilung von Rat und Hilfe berufen sind. Dieser Bahnhofsdienst wurde sowohl in Paris als auch auf den verschiedenen Grenzstationen, wie Straßbourg, Metz, Mülhausen usw. organisiert. Die aus Deutschland eingetroffenen Juden sind durchwegs Menschen von hoher Bildung und Kultur. Es gibt unter ihnen zahlreiche Aerzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Architekten usw. Unter den Frauen und Mädchen gibt es viele Lehrerinnen, Laboratoriumsassistentinnen und andere Angehörige intellektueller Berufe. Auch Kaufleute sind unter den Auswanderern stark vertreten. Ferner gibt es unter ihnen höchstqualifizierte Arbeiter, z. B. Elektriker und Angehörige anderer in vielen Ländern gesuchter Berufe. Hicem ist daher der Ueberzeugung, daß diese jüdischen Elemente unter Berücksichtigung der Absorptionskraft der einzelnen Einwanderungsländer für jedes Land, das zu ihrer Aufnahme bereit fein wird, eine Bereicherung bilden werden. Viele Auswanderer haben den Wunsch, in Frankreich zu bleiben, doch hat dieses Land, ebenso wie die Schweiz, Juden aus Deutschland zwar freie Einwanderung, jedoch nur ein zeitlich beschränktes Aufenthaltsrecht ohne Zulassung zu erwerbsmähiger Betätigung gegeben. Es besteht daher die Notwendigkeit, die Mehrheit der Eingewanderten in andere Länder weiterzuleiten, wo ungeachtet etwa vorhandener Arbeitslosigkeit doch größere Absorptionsmöglichkeiten bestehen. So hat Hicem bereits damit begonnen, Immigranten nach Spanien weiterzuleiten, wo es noch Aussichten für Personen mit etwas Kapital oder bestimmter beruflicher Qualifikation gibt. Die lokalen' Hicem-Komitees werden den Einwanderern bei der Suche nach Erwerbsmöglichkeiten behilflich fein. Ein Mitglied der Hicem-Exekutive hat sich nach Genf begeben, um die Frage der aus Deutschland auswandernden Nansenpaß-Jnhaber und sonstigen Staatenlosen mit den zuständigen Behörden zu erörtern. Dänemark. Ern Jude gewinnt Ostgrönland für Dänemark. Kopenhagen, 12. April. Die Entscheidung des Haager Gerichtshofes, derzufolge Dänemark ein bisher unter norwegischer Herrschaft gestandenes Gebiet an der ostgrönländischen Küste zugesprochen wurde, ist, wie die gesamte dänische Presse hervorhebt, auf die Bemühungen des Chefs der Völkerrechtsabteilung im dänischen Ministerium des Aeußern, Dr. Georg Cohn, zurückzuführen. Der Internationale Gerichtshof im Haag ist in den Prämissen seines Urteils genau der von Dr. Cohn ausgearbeiteten völkerrechtlichen Begründung-des dänischen Anspruchs gefolgt. Im Zusammenhang mit dem Erfolg des jüdischen Rechtsgelehrten weisen die Kopenhagener Zeitungen darauf hin, daß die Juden eine besondere Begabung für die Rechtswissenschaft haben. Diese Begabung sei Im vorliegenden Falle dem Staate zugute gekommen. Wie der dänische Ministerpräsident Stauning mitteilt, hat König Christian X. der Umbenennung des neugewonnenen Gebietes in „Christian X. Land" zugestimmt. Rußland. Antipeßach-Aampagne in Sowjetrußland auf den? Höhepunkt. Kinder werden angehalken, im Elternhause antireligiöse Sropaganda zu treiben. — Beobachtung der jüdischen Feiertage wird als Sabotage und konterrevolutionäre Klasfenfeindfchaft gebrandmarkt. Moskau, 10. April. Die Antipeßach-Kampagne hatte in der Woche vor Peßach ihren Höhepunkt erreicht. In Leningrad wurde die Kampagne in diesem Jahre auch in den Betrieben der Schuh- und Kleiderindustrie durchgeführt. In allen Fabriken wurde antireligiöse Abende und antireligiöse Mittagsstunden veranstaltet. Die Schüler der Leningrader Schule wurden als Agitatoren in der antireligiösen Kampagne mobilisiert. Man verlangt von ihnen insbesondere, daß sie ihre Eltern von der Beobachtung der Peßach-Feiertage abhalten. Zwei Arbeitsbrigaden wurden aus Leningrad in die jüdischen Kollektiosarmen dirigiert, um dort die Antipehach-Kampagne durchzuführen und sich an den während der Peßach-Feiertage durchzuführenden Säearbeiten zu beteiligen. In Odessa wurde die Führung der anläßlich des bevorstehenden Peßach-Festes angeordneten antireligiösen Kampagne vom Stadtkomitee der Kommunistischen Partei übernommen. Es wurde ein besonderer Stab eingesetzt, der Pläne für die Durchführung der Kampagne in den einzelnen jüdischen Wohnbezirken ausgearbeitet hat. 30 Studentenbrigaden wurden zur Unterstützung der atheistischen Klubs bei der Durchführung der Kampagne in Werkstätten, Fabriken, Schulen, Wohngemeinschaften, Regierungsinstitutiünen, Organisationen usw. organisiert. Drei Brigaden wurden zur Durchführung der Antipeßach-Kampagne in die Umgebung von Odessa entsandt. Es wurden besondere antireligiöse Ausstellungen veranstaltet, in denen „die Sabotage und der konterrevolutionäre Charakter der unter dem Deckmantel der Religion auftretenden Klassenfeindschaft" gezeigt werden soll. In allen Klubs und Institutionen mußten antireligiöse Versammlungen abgehalten werden. Der Rundfunk hatte antireligiöse Ansprachen verbreitet, in den Kinos wurden antireligiöse Filme gezeigt. Der Odessaer antireligiöse Stab hat die religionsfeindlichen Organisationen in Kiew und Charkow zu einem Wettbewerb in der Durchführung der antireligiösen Kampagne herausgefordert. Auch in Moskau, Minsk und anderen großen Städten trafen die antireligiösen Organisationen große Vorbereitungen für die Peßach-Feiertage. Palästina. Don den Wahlen. Tel-Awiw, 15. April. Für die Wahlen zur Gemeinde (Kehillah) hatte zum ersten Male die Arbeiterorganisation Wahlenthaltung proklamert, da sie an einer religiösen Organisation nicht interessiert sei. Dadurch fielen zwei Drittel der Stimmen aus Orthodoxe gegen ein Drittel in der vorigen Periode. Hoffen wir, daß die Gemeinde nunmehr mehr Initiative und Kraft zum Vesten des religiösen Lebens in der Stadt zeigt. Am Ausgang der Nacht vom ersten zum zweiten April entlud sich mit einem Gewitter ein wölkenbruch artiger Regen, wie er sonst nur zu Beginn des Winters üblich ist. Es ist großer Schaden ungerichtet worden ist, so bei zahlreicher noch nicht fertiger Neubauten. Errichtung einer Emek-Stadt. — Großzügiger Ausbau von Nahalal beschlossen, Jerusalem, 17. April. Nach einem von Dr. Maurice B. Hexter, dem Leiter der Kolonisationsabteilung der Exekutive der Jervish Agency, ausgearbeiteten Plan soll die jüdische Siedlung Nahalal im Emek noch im Laufe dieses Sommers zu einer modernen Stadt ausgebaut werden. Zunächst sollen 40 Familien, die seit der Gründung der Kolonie in Holzbaracken wohnten sin neu zu errichtenden dreizimmerigen Einfamilienhäusern untergebracht werden. Die Häuser werden aus Beton in durchaus neuzeitlicher Architektur hergeftellt. Die Kosten der Errichtung eines Hauses betragen 200 Pfund. Die Siedler haben bloß eine Anzahlung von 25 Pfund zu leisten, der Rest soll in Jahresraten abgezahlt werden. Jüdische und arabische Forderungen an Aolonienm'knister Curiliffe-Lister. Jerusalem, 17. April. Der Bürgermeister von Tel-Awiw, Meir D i z e n - goss überreichte dem Kolonienminister Sir Philip Eunliffe-Lister anläßlch seines Besuches in Tel-Awiw ein Memorandum, in dem verschiedene Forderungen der Stadt, u. a. die nach dem Vau eines Hafens für Tel- Awiw, niedergelegt waren. Sir Philip erklärte, er glaube, es müsse zunächst der Hafen von Jaffa ausgebaut werden. Die Oberrabbiner von Tel-Awiw forderten in einem Memorandum die baldige Einführung eines Sabbatruhe-Gesetzes für Tel-Awiw. In Jaffa verlangte der Bürgermeister im Namen der palästinensischen Araber die Einsetzung eines Legislative Council.