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Der Israelit · 1933-04-21 · Heft 16 (21.4.1933) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 16 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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•Ser Israelit Nr. 16 Seite 9 21. April 1933_ Die Ergebnisse der palästinensischen Volkszählung. I e r u f a I e m, 9. April. Die Ergebnisse der im Jahre 1931 öurchgeführten Volkszählung in Palästina liegen in einem soeben veröffentlichten, annähernd 950 Seiten in zwei Bänden umfassenden statistischen Werk vor. Das Werk gibt vielseitigen Aufschluß über Entwicklung und gegenwärtige Zusammensetzung der palästinensischen Bevölkerung. Die Gesamtbevölkerung Palästinas im Jahre 1931 wird mit 1.035.821 Seelen gegenüber 757.182, die bei der vorangegangenen Volkszählung des Jahres 1922 gezählt wurden, angegeben. Die Zahl der Mohammedaner beträgt 759.712, die der Juden 174.610, die der Christen 91.389, ferner gab es 182 Samaritanerder Rest verteilt sich auf Drusen und verschiedene Sekten. Von der Gesamtbevölkerung waren 526.680 Männer und 509.141 Frauen. Die jüdische Bevölkerung ist von 83.794 Seelen im Jahre 1922 aus 174.610 Seelen im Jahre 1931 gestiegen, was einer Zunahme von über 108 Proz. entfpriäft In Tel- Awiw betrug die Zunahme 203 Proz., in Haifa 104 Proz., in Jerusalem 45 Proz. Die prozentuelle Zunahme der arabischen Bevölkerung beträgt 28 Proz. Der auf je 10.000 Personen entfallende Bevölkerungszuwachs wird bei den Christen mit 261 pro Jahr angegeben. In Tel- Awiw entfallen auf je 1000 Einwohner 709 Personen, die im Ausland geboren sind. De überwiegende Zahl der Juden hat Hebräisch als Muttersprache angegeben. Außerdem bekannten sich 2216 Juden zur arabischen, 4694 zur jiddischen Muttersprache. 3305 Personen haben englisch, 2492 deutsch als Muttersprache angegeben. Interessant ist, daß auch 21 Araber Hebräisch als Muttersprache angegeben haben. Arbeitskonflikte in petach Tikwah und Rischon le Zion. Jerusalem, 7. April. In den jüdischen Kolonien P e t a ch Tikwah und Rischon le Zion sind Arbeitskonflikte politischer und wirtschaftlicher Art ausgebrochen. Im Petach Tikwah wurden nach einem Zusammenstoß zwischen Mitgliedern der allgemeinen jüdischen Arbeiterpartei und revisionistischen Arbeitern 9 Arbeiter verhaftet. Der Kampf brach vor einem Betrieb aus, in dem nach Proklamierung eines Streiks seitens der Histadruth revisionistische Arbeiter Streikbrecherdienste leisteten. In Rischon le Zion bestehen ernste Mißhelligkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, weil die Histadruth Haowdim die Erhöhung des Tagelohns für ungelernte Arbeiter von 60 auf 70 Cent fordert, während die jüdischen Pflanzer jede Lohnerhöhung ablehnen. 1O0O Palästina-Einwanderungszertifikate für Juden aus Deutschland. Jerusalem, 12. April. Die Palästina-Negierung hat der Exekutive der Iewish Agency 1000 Einwand er ungszertifikate zur Verfügung gestellt, die an Juden aus Deutschland zwecks Ermöglichung ihrer Niederlassung in Palästina ausgegeben werden sollen. Die jetzt ausgegebenen Zertifikate sollen in die nächste Einwanderungsschedule mit eingerechnet werden. Rolonicnminister Eunliffe-Lister in Palästina. — Regelung der Einwanderung aus Deutschland? Jerusalem, 12. April. Der englische Minister für die Kolonien, Sir Philip C u n l i f f e - L i st e r ist mit Flugzeug aus London in Jerusalem eingetrofsen. Cs verlautet, daß Sir. Philip anläßlich seines Aufenthalts in Palästina insbesondere auch die Frage der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes im Hinblick auf den starken Zustrom von Juden aus Deutschland prüfen wird. Die Landsmannschaft der deutschen Juden hat eine außerordentliche Versammlung abgehalten, um Maßnahmen zur Versorgung der neuen Einwanderer aus Deutschland zu treffen. Es wurde beschlossen, daß jeder aus Deutschland stammende jüdische Einwohner Palästinas zumindest einem Neueinwanderer Unterkunft und Verpflegung gewähren solle, bis der Betreffende eine Erwerbsmöglichkeit gefunden habe. An die palästinensische Iuöenhelt wurde der Appell gerichtet, sofort 20.000 Pfund zur ersten Hilfeleistung an die neu Eintreffenden aufzubringen. Mit jedem Schiff kommen Juden aus Deutschland in stetig wachsender Zahl an. Viele von ihnen sind mittellos. Das palästinensische Hotelwesen kann den gesteigerten Touristenverkehr nicht mehr bewältigen. Jerusalem, 12. April. Infolge des außerordentlich gesteigerten Touristenverkehrs und der großen Anzahl in Palästina eintreffender Jmmgranten hat sich ein empfindlicher Mangel an Unterkunftsmöglichkeiten fühlbar gemacht. Die jüdischen Hotels in Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa sind bei weitem nicht in der Lage, den erhöhten Verkehr zu bewältigen. Die Zimmerpreise sind auf mehr als das Doppelte gestiegen. Wie die ITA. erfährt, werden gegenwärtig vom Stadtrat von Tel-Awiw Verhandlungen mit einem amerikanisch-jüdischen Finanzier zwecks Errichtung eines großen Hotels am Strande von Tel- Awiw, wo die Stadtgemeinde ausgezeichnete Grundstücke besitzt, geführt. Die Stadtgemeinde ist bereit, jeder- *== - » ■ "•="■= " "== Verlag des Israelit und Hermon G.m.b.H. In unserem Verlag erschien: ESRA HflSOFER EIN LEBENSBILD Nach der Überlieferung dargestellt von Dr. Michael Munk PREIS RM. 2 — Die vorliegende Schrift versucht eine Darstellung von Esra Hasofer auf Grund der alten Quellen. An Hand des gesamten überlieferten Schrifttums, insbesondere aus Talmud und Midrasch, wird ein Lebensbild von Esra, seiner politischen und religiösen Wirksamkeit entworfen. Die Darstellung selbst ist in fortlaufender Erzählung übersichtlich angeordnet, während die wissenschaftlichen Unterlagen in besonderen Fußnoten enthalten sind. Hier wird zum erstenmal, unbekümmert um alle textkritischen und historischen Entstellungen, die von der Bibelkritik besonders behandelte Epoche um Esra ausschließlich aus dem jüdischen Schrifttum heraus gezeichnet und gewertet. Das Werk hat deshalb nicht nur wissenschaftliches Interesse, sondern bietet jedem, der sich mit dieser Zeit befassen will, vor allem aber für den Religionsunterricht wertvolles Material. Religionslehrer, die ihren Unterricht lebensvoll gestalten wollen, sollten nicht verfehlen, sich das Büchlein anzuschaffen. Zu beziehen durch jede bessere Buchhandlung sowie direkt vom Verlag gegen Voreinsendung des Betrages zuzüglich 15 Pfg. Porto, oder gegen Nachnahme. Verlag des Israelit und Hermon G.m.b.H. Frankfurt am Main Rechneigrabenslrasse 7 mann Grundstücke zu besonders günstigen Bedingungen zwecks Errichtung eines Hotels zur Verfügung zu stellen unter der Bedingung, daß die Zimmerpreise der städtischen Kontrolle unterliegen. Durch diese Bestimmung sollen angemessene Unterkunftsmöglichkeiten für Mittelstandseinwanderer geschaffen werden. Transjordanien. Politik der offenen Tür in Transjordanien. Amman, 15. April. Das transjordanische Parlament hat in seiner am 31. März abgehaltenen Sitzung, der letzten in der laufenden Session, mit 13 gegen 3 Stimmen ein von der Opposition eingebrachtes Gesetz, durch das der Verkauf oder die sonstige Ueberlassung von Grund und Boden an Ausländer verboten werden sollte, abgelehnt. Der Vertreter der Regierung hatte beantragt, die Beratung des Gesetzentwurfs auf die nächste Session zu vertagen und so das Problem offen zu lassen. Dei Mehrheit bestand jedoch auf sofortiger Abstimmung und gab damit zu erkennen, daß sie eine Politik der offenen Tür gegenüber den Juden wünschte. In jüdischen Kreisen beurteilt man /die Ablehnung des Gesetzentwurfs als eine endgültige Niederlage der Opposition und als Vereitelung des letzten Versuches, die Politik Emir Abdullahs, die durch diese Abstimmung einen entscheidenden Sieg errungen hat, zu durchkreuzen. (ITA.). Marokko. Straßenkämpfe in Tanger. Tanger, 17. April. Während der Peßach-Feiertags kam es in Tanger zu ernsten Unruhen und Straßenkämpfen zwischen Arabern und Juden, in deren Verlauf mehrere Personen schwere Verletzungen erlitten. Mehrere Araber und Juden wurden verhaftet. Nach Verstärkung der Polizei durch Militär wurde die Ordnung wiederhergestellt. In einzelnen Stadtteilen kommt es noch immer zu kleineren Zusammenstößen. Die Ursache des Konfliktes konnte bisher nicht festgestellt werden. Infolge der Feiertage konnte die heutige Nummer erst Freitag Nachmittag zur Ausgabe gelangen. Unsre Leser wollen das verspätete Erscheinen entschuldigen. Wochevkalender. vom 22. - 29. April 1933 ' vom 26. Nissan bis I. Jjar 8693 > •>nv rp 'K pns ij'iast VINN p*i3» Mauled: Samstag ,22 26 •o Nackt auf Dienstag 12 Sonntag 23 27 T3 Uhr 64B/.i Min. Montag i 24 ID’3 28 m Dienstag öS 25 29 V3 Mittwoch 26 30 b enn i?xn 'R Donnerstag 27 1 sb Wifi BRYi '3 Freitag 28 2 3b Samstag 29 3 3b Visa »in 1-.n1 «Hin l,n pna 3*713 p*nn Personalien. Königsberg j. pr., 16. April. Am 8. Nissan verstarb kurz vor Vollendung seines 80. Lebensjahres Rabbiner Nischk 0 wsky. 'Geboren in Suwalki, hat er w2'i!7' in Litauen besucht und sich ein großes talmudisches Wissen angeeignet. Im jugendlichen Alter kam er nach Ostpreußen, wo es ihm durch rastlosen Fleiß in kurzer Zeit gelang, die deutsche Sprache zu erlernen, die er in Wort und Schrift meisterhaft üeherrsck)te. Dabei pflegte er die Musik, besonders das alte und moderne mjm, so daß er ein allseits beliebter m’s tv>bv war. Er wirkte in den Gemeinden Mehlsack, Nastenburg, Wongrowitz (23 Jahre), Argenau und Schubin. Im Jahre 1920 verließ er infolge der politischen Umwälzungen die Provinz Posen und war seit dieser Zeit bis zu seinem Tode als Rabbiner und Leister der mm-nn^n in der polnischen Synagoge hiesiger Gemeinde tätig. Am Grabe entwarf j Rabbiner Dr. Ochs, ein getreues Lebensbild des j Verstoroer.en und hob besonders seine Eigenschaft als cmn hervor. Im Namen der Familie widmete Prediger H 0 f m a n n -Zoppot als Schwiegersohn dem Verstorbenen herzliche Worte des Abschieds. •m-n*» jmx “rat Hachenburg, 10. April. Am 1. Mai feiert Lehrer Gerfon F r 0 h m a n n in Geilenkirchen sein 40jähriges Ortsjubiläum. Zwei Generationen saßen während dieser Zeit ihm zu Füßen, und beide werden an diesem Tage gleich dankbar zu ihm emporschauen, für das jüdische Gut, das er ihnen mit auf den Lebensweg gegeben hat. Wenn Geilenkirchen gleichsam in jüdischer Beziehung noch eine „Oase in der Wüste" darstellt, so ist dies seiner Begeisterung für alles Jüdische — die vom Hirsch'schen Geiste gespeist ist — zu verdaukeu. und wer feine Nachmittag-Sidrovorträge kennt, wird in ihm den jüdischen Lehrer, wie er sein soll, erkennen. Möge rrspn ihm die Kraft geben, noch lange in diesem Sinne weiterwirken zu können. Amsterdam, 17. April. Im Alter von 61 Jahren verstarb in Amsterdam Nabbi S. Dasberg, einer der beliebtesten Rabbiner und Prediger der holländischen Judenheit. Er war der Vater des Oberrabbiners von Groningen, S. Dasberg jun. und Mitglied der Exekutive des Verbandes jüdischer Religionslehrer „Achawah". Er wurde in Doordreä)t, wo er früher gewirkt hatte, beerdigt. -rr-asm

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