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Der Israelit · 1933-04-21 · Heft 16 (21.4.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 16 (21.4.1933)
Date
1933-04-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Der Israelit Nr. 16 Seite 3 21. April 1933 , , 'RaLbönim zu entscheiden. Hierzulande ist jedenfalls :x>*t dem juristischen Studium zu warnen. Die gewerblichen Berufe können uneingeschränkt beibehaiten werden, obwohl die Metzgereien z/ Ztt -außer Betrieb, gesetzt sind/ Von den handwerklichen Berufen, von denen nuk die Schneiderei erwähnenswert ist) kann gesagt werden, daß es nicht schädlich wäre, wenn einige Schneider weniger da wären und diese wenigen zu erschwinglichen und sehr mäßigen Preisen arbeiten würden. Die übrigen Handwerker .sind bei uns sowohl zahlenmäßig als auch qualitätsmäßig so schlecht Vertreten, daß sie als nicht existierend angesehen werden können. Damit hätten wir den Ueberblick über die Berufe gewonnen, welche auch in Zukunft für uns möglich 'fein werden und. die auch bisher von uns eingenommen wurden. Ls ist auffallend, daß hier bewußt der üaufmanNsstand unerwähnt blieb. Cr kann auch in .'Zukunft nür mehr eine untergeordnete Rolle spielen. Die Lebensansprüche werden von selbst geringer werden'. Die neue Mode wird uns sehr kühl lassen. Das 'Wenige, wgs man kaufen muß, wird man sich -beschaffen müssen, indem einzelne Personen neben ihrem Beruf einen Handel in kleinem Umfang in den lebensnotwendigen Artikeln betreiben. Rach Möglichkeit aber schaltet man den Handel aus und geht an die Duelle -zurück, an den Erzeuger. II. Mir wenden uns nun der zweiten /frage zu: Welches sind -die neuen Möglichkeiten?- Kurz gesagt, könnte man darauf antworten: Alle Berufe, die wir kennen und in denen Juden bisher nicht tätig waren. Man faßt sie am besten unter den beiden großen Ab- Mlungen zusammen: Handwerk und Landwirtschaft. Der Vorteil des Handwerks, der uns sofort ausfällt, ist, daß es mehr als andere Berufe vom Ort der Wirksamkeit unabhängig ist. Der Handwerker hat die Möglichkeit, sich jederzeit etwas zu verdienen, sofern sein Handwerk nicht zu stark, d. h. über den Bedarf vorhanden ist. Jeder Haushalt benötigt einen -häfner, einen Spengler, einen Schuster, einen Tüncher, einen Schreiner, einen Glaser, einen Tapezierer, einen Schlosser, einen Friseur, aber auch Friseusen für den Scheitel der Frauen, Räherinnen, Schneiderinnen, Stickerinnen, Waschfrauen, Putzfrauen, und was haben wir von all diesen ausznweisen? Warum soll der Jude nicht das Gleiche leisten können, warum kain es ihm. «immer nur so sehr darauf an, Stellen im Staatsdienst bekleiden zu dürfen, nur löte vornehmen Posten im Büro oder akademische Berufe, aus denen er nun, ganz gleich, was von ihnen es immer auch fei, mit Glanz herausfliegt? Ja, das Blatt hat sich gewendet, die genannten Berufe gehören der Vergangenheit an, sie stehen heute an unterster Stelle, wir streben heute, beseelt von dem Wunsch, vorwärts zu kommen, aufzusteigen nach handwerklichen und landwirtschaftlichen Berufen. Dicht umsonst zählt die Mischna. zu den. Pflichten des Vaters auch die Pflicht, lelamdau umonus, daß der Vater verpflichtet ist, dafür zu sorgen, daß der Sohn ein Handwerk lerne, nicht umsonst berichtet uns der Talmud von den großen Lehrern in Iisroel, daß sic Handwerker waren und nicht umsonst unterscheidet er sie von Rabbi Iauchoi und seinen Schülern, schetaurosom umonusom. Cr sagt uns damit seine Forderung, zeigt uns das gute Beispiel auf und benrerkt, daß es daneben nur noch Menschen gibt, die ganz dem Thorastudimn obliegen. Die Aussichten, das Handwerk zu erlernen, und ausüben zu können, sind durchaus vorhanden. Wohl gibt es eine große Zahl gesetzlicher Bestimmungen, die die Einstellung von Handwerkern erschweren — solche Gesetze gibt es in allen Ländern — der selbständige Handwerker kann aber, sofern er sich eine AufenthältSbeMlligung in irgend einem Lande der Welt verschafft, jederzeit -ungehindert sein Handwerk ausüben. Die zweite, sich bietende Möglichkeit ist die Be- ' tätigung in der Landwirtschaft. Zu den landwirtschaftlichen Berufen gehört: Landarbeiter, Gärtner, Blumenbinder, Winzer, Schäfer, Melker, Geflügelzüchter, Verwalter, akademisch gebildeter Landwirt, Bienenzüchter, Binnenfischer, Förster usw. Auf all diesen Gebieten sind Juden so viel wie gar nicht tätig. Es gibt zwar Friedhofsgärtner, welche Juden sind, aber der Ausdruck jüdischer Friedhofsgärtner allein ist. schon so paradox, -daß es sich erübrigt, darüber noch ein Wort zu verlieren.. Cs gibt auch noch jüdische Gutsbesitzer, welche über schöne Ländereien verfügen, aber nur die wenigsten von ihnen bearbeiten ihren Boden selbst. So gründlich hat sich der Jude der Tätigkeit entfrenldet, auf die ihn die Geschichte der Väter unablässig himveist, daß er heute sogar -da, wo er einen landwirtschaftlichen Betrieb sein eigen nennt, ihn von fremder Hand bewirtschaften läßt. Dabei' stellt er sich besser und billiger, wenn er selbst Hand anlegt und gemäß der Bestimmung des Menschen den Erdboden bearbeitet, -und sich im Schweiße seines Angesichtes des. Lrotgenusses erfreut. Diesem Ziel müssen wir zusteuern. Der Ertrag des landwirtschaftlichen Betriebes kann -als Tauschgut zum Erwerben anderer Güter verwendet werden. Es ist wohl nicht zu bestreiten, daß ein gut aufgezogener landwirtschaftlicher Betrieb dem Menschen eine Gewähr für seine Existenz bietet. Während es Grund und Boden überall gibt, fehlen uns aber kundige Landarbeiter. Ebenso wie wir von dem Reisenden und von dem Handwerker eine Eignung für seinen Beruf fordern müssen, da er sonst nicht konkurrenzfähig ist, und nach kürzerer oder längerer Zeit seinem fähigeren Berufsgenossen den Platz räumen muß, so müssen wir auch von dem Landwirt in spe gewisse Voraussetzungen verlangen, die ihn für diesen Beruf prädestinieren. In diesem Zusammenhang muß aus eine Tatsache hingewiesen werben, die mit dem Problem der Umstellung aus Landwirtschaft eng verknüpft ist. Ich denke an die Bevölkerungsstatistik. Ueberlegen wir uns nur einmal, wieviele Personen werden nach menschlicher Voraussicht in 60 Jahren die Reihen -unserer Synagogen ausfüllen? Man braucht durchaus nicht evtl. Abwanderung oder außergewöhnlichc Verhältnisse, welche aus der Statistik deutlich hervortreten würden, in Rechnung zu stellen und wird dennoch zu dem für uns gar nicht ehrenhaften, dafür aber uns um so mehr betrübenden Ergebnis kommen, daß es kaum 60 proz. der Heute lebenden Generation sein werden, würden wir einen ähnlichen vergleich bei Landgemeinden anstelle», so zeigt uns im -allgemeinen ein Blick auf die Geineindemitglieder schon, daß man dort kaum 20 oder 50 Jahre zu warten brauchte und aus einem mehrfachen Minjan sind noch einige wenige Leute geworden. Ihr Grund und Boden ist in nichtjüdische Hand übergcgangen, und wir fragen uns. wo soll sich der neue jüdische Landwirt nieder-lassen? Die Antwort, die gewöhnlich darauf gegeben wird, heißt, er sott siedeln! Aber wo soll er siedeln? An der Peripherie der Städte, in Gegenden, wo noch keine Juden wohnen oder in Landgemeinden? Wir sehen, hier treffen sich zwei Interessensphären. Einmal das Interesse, die jüdischen Landgemeinden zu erhalten und jüdischen Grund und Boden in jüdischen Händen zu lassen, und auf der anderen Seite das Interesse des aus dem Produktionsprozeß ausgeschiedenen und sich der Landwirischaft widmenden Großstädters. Dieses Zusammentreffen und die Möglichkeit des Befrieöigens zweier Wünsche weist darauf hin, daß hier ein Weg vorliegt, um die graue Theorie in die Praxis umzusetzen. III. Wir sind damit von selbst zu dem dritten und wichtigsten Teil unserer Besprechung gekommen, zu der Frage: Welche Maßnahmen sind zur Durchführung der Berufsumschichtnng nötig? Die Maßnahmen müssen naturgemäß dem Kreis der zu erfassenden Personen angepaßt sein, wir müssen unterscheiden zwischen den Maßnahmen für die bisher noch nicht Berufstätigen und den Maßnahmen für die schon berufstätig Gewesenen. Im elfteren Falle kann es sich nur darum handeln, von vornherein bei der Berufswahl darauf hinzuwirken, daß Berufe, welche wir als aussichtslos erkannt haben, gemieden, andere Berufe, die erfolgversprechend sind, gewählt werden, praktisch wirkt sich das so aus, daß die Schulabgänger fast ausschließlich dem Handwerk oder der Landwirtschaft zuzuführen sind. Durch Verzicht auf Lehrgeld und das Anerbieten, evtl, die Soziallasten selbst zu tragen, kann man das Manko des Richtarbeitenwollens am Schabbos ausgleickien. Cs führt hier zu weit, wollten wir uns zu sehr spezialisiere». Wir merken: a l l e L e h r l i n g c sind i m Handwerk oder in der L a n b m i r t * schaft u n t e r z u b ri n g e n. | Die Unterbringung in der Landwirtschaft begegnet -dadurch Schwierigkeiten, daß man einen einzelnen und dazu noch Nicht reifen Jungen oder ebensolche Mädchen nicht ohne Weiteres zu Richyuöen in einen landwirtschaftlichen Betrieb schicken kann; eben so wenig zu jüdischen Landwirten: Wir müssen also ein Milieu schaffen, ein Milieu, das nicht nur für das Kaschrus des Essens Gewähr leistet, sondern das gleichzeitig erziehlich und geistig bildend seinen wohltuenden Einfluß ausübt. Das Milieu wird hergestellt, indem gleichzeitig mehrere junge Leute in einem Ort oder in sehr-benachbarten Orten bei Bauern oder auf Lehrgütern. untergebracht werden, die sich in -einem Zentrum. täglich 1—2 Mal vor -allem -auch zum Schlafen treffen und dort gemeinsam essen und gemeinsam das Thorastudium und Aussprache über aktuelle jüdische Fragen betreiben. Cs darf also kein Zentrum geben, in dem nicht -ein größerer Teil der Insassen lernen kann und jüdisch gefestigt ist. Die Präparierung für das Zentrum -ist Aufgabe der Iugenövereine und der Kehillaus. Schwieriger gestaltet sich die Berufsumschichtung für -diejenigen, die schon beruflich tätig waren. Wir wollen dabei von vornherein Personen über 40 Jahre als nicht umsteliungsfähig ausschalten und für sie als Rotbehelf das Hänölectum betrachten. Für die übrigen Personen von 16—40 Jahren scheint es nicht ausgeschlossen, sie noch den sogenannten aussichtsreichen Berufen zuzuführen. In ähnlicher Weife wie bei den ins Berufsleben Eintrctcnöcn wäre allmählich — hier wird cs natürlich viel schwerer geben — eine Fertigkeit in den neuen Berufen anzuerziehen. Soweit es sich um Umstellung auf landwirtschaftliche Betätigung handelt, müßte ein Zentrum in der beschriebenen 2ht auf ältere Personen ausgedehnt werden. Das Zenirunt erhält seine' Lebensmittel aus den bäuerlichen Betrieben, in denen die Einzelnen arbeiten. Je mehr Zentren gegründet werden können, um so günstiger ist cs für uns. hat mail ausreichende Zeit, in einein Zentrum Ausbildung zu erhalten, dann ist der nächste Schritt: Die Siedlung. Man spricht in dein Zusammenhang damit sehr viel von Sicdlungsgenossenschasten, welche durch Produktivgenofsenschaftcn ergänzt werden sollten. Man glaubt, daß aus genossenschaftlicher Basis die Errichtung von Siedlungen leichter möglich ist. Selbstverständlich! Aber dazu ist auch eine größere Zahl von Genossen nötig, die wir hierzulande nicht haben. Wir wollten aber zunächst an uns denken. Der Ausweg bietet sich uns nun in Fonn.der Reubelebuug gewisser zukunftsversprechendec Landgemeinden, die noch ausfindig zu machen sind. Die Parole heißt: Jüdisches Land soll in jüdischen Händen bleiben. Man wird also zunächst mit dem pachten von Gütern beginnen und den Wohnsitz auf das Land verlegen. Man wird, wenn sich die Möglichkeit der Erlangung günstiger Darlehen bietet, davon Gebrauch machen und auch Land kaufen, sonst aber damit warten, bis man sich das Geld dazu verdient hat. Zur Erhöhung der Einnahmen wird man ein Handwerk oder Gewerbe daneben betreiben. Bedingung für das Gelingen des großen Werkes ist aber, daß nicht Einzelaktionen unternommen werden, sondern alles zentral geregelt wird. Cs können nicht alle Juden sich nun an die Handwerker und an die Bauern wenden und mit ihnen verhandeln, denn man kommt sich dadurch in die Quere und schadet mehr, als man nützt. Die A g u d a s Iisroel- L a n d e s o r g a n 1 s a t i o n in Deutschland h a t d a b c r c i n e K o m m t f f i $ n für Berufs u m schichtn u g und Siedl u n g g e - s ch a f f e n , d i e a l s u n s c r e Z e n t r a l e g i l t. Ihr obliegt die Fülle von Aufgaben und wir haben sic in ihrer Arbeit zu unterstützen. Etwas aber können wir alle jetzt schon im Hinblick auf das, was bevorsteht, leisten, das ist einmal: möglichst viele Sprachen lernet-, damit wir uns überall, wohin das Schicksal uns auch treibt, verständigen können, und zweitens, acharaun acharaun chowiw, uns intensiv dem Eaurohstndium widmen, auf daß unsere Iüdischkeit sich auch - im veränderten Milieu bewähre. Dann können wir sprechen: Q'vVn ]a *j«np ps/aa nspwn irV» mn®' na um* omm qsn p-inv aw -brr->v" na *jav na *pa*i :-av*i> rnnn

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