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Der Israelit · 1933-04-07 · Heft 14-15 (7.4.1933) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 14-15 (7.4.1933)
Date
1933-04-07
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 2 Nr. 14/15 Der Israelit 7. April 1933 Das ist das wertvolle an Ziel und Anlage dieses Luches: es wird damit Ernst gemacht, das theologisch-philosophische Synthesis-Problem auf eiinen konkreten Loden» den des Kirchenbegriffs, zu übertragen. Es wird in Auseinandersetzung vor allem mit der modernen Religionssoziologie (Troeltsch, Weber) versucht» das Wesensproblem der Kirche systematisch zu klären, und zwar nicht spekulativ, sondern vom Boden des Glaubens her und unter Zugrundelegung der vollen Glaubenswirklichkeit. Als Ausgangspunkt dient die Kontroverse Sohm-Troeltsch, als inneres Gerüst das Gegcnsatzpaar der ecclesia vistbilisinvisibilis. Die Problematik selbst wird nur zu einer schärferen Formulierung der Frage geführt, soll aber positiv in einem zu erwartenden 2. Lande durchgearbeitct werden. Diesem zweiten Lande darf man mit Spannung entgegensehen. Gerade auch für die Klärung des jüdischen Glaubens- und Theologiebegriffs, um den heute gerungen wird, dürfte die Kontrastierungsmöglichkeit am christlichen Kirchenbegviff wertvolle Einsichten bringen. F.'ö Schrift ist, wie schon im Titel vermerkt, ein pcolegomenon. Als solches versucht es, die beiden Tragflächen einer „Philosophie der Kirche": die dialektische Theologie und die kritische Philosophie, in ihren Grenzen abzustecken. Diesem Vorhaben ist fast das ganze Buch gewidmet. Es bleibt abzuwarten, wie der zweite Teil das Material des ersten verwerten wird. Die Zielrichtung ist in dem synthetischen Riomcnt beschlossen, das im Schlußkapitel zutage tritt: in der Idee einer philosophischen Anthropologie, womit F. den Anschluß an die bedeutsamste Tendenz der gegenwärtigen Metaphysik gewinnt. Allerdings werden tcagfähige philosophische oder theologische Gedanken, die über formale Setzungen hinauswiesen, nicht geboten. Der wert des Luches liegt überhaupt weniger in eigener originaler problcmbearb'eitung als vor allem in seiner Tendenz sowie in der guten Brauchbarkeit, über -den Stand des heutigen Theologie- und Kirchenproblems zu orientieren. Ein abschließendes Rrtcil wird erst der zweite Land gestatten. III. Cs ist schwierig, diesem sonderbaren Buche gerecht zu werden. Eigenartig ist in ihm ernstes wissenschaftliches Bemühen mit dem Stimmungszauber einer mystisch durchtränkten Seele verschmolzen. Cs scheint uns nicht am Platze, hier eine wissenschaftliche Kritik liefern zu wollen. Das Luch ist durch und durch Erlebnis und Bekenntnis. Das Erlebnis selbst ist beherrscht von übernormaler Raturverbundenheit und mythisch-natursichtiger Kontemplationsbegabung. Alles Geschehen steht in Blühen und Dust. Die dichterische Sprache beschwört Hingabe und Erschütterung. Aber es ist kein frischer Lebenshauch — trotz des betonten weltlieblichen und Seligen —, sondern ein fahler Ienseitigkeitstaumel, der wohl die meisten Leser allzu fremd anmuten dürfte. Die theoretischen Teile der mystischen Lehre, die selbst eingebettet ist in den rahmenden Bericht über das Leben eines eigenartigen Suchers und Weltenwanderers, gestatten aber wenigstens eine gsistesgefchichtliche Orientierung. Bergmann will die deutsche Mystik aus dem Geist des modernen naturwissenschaftlichen Denkens heraus erneuern und damit eine neue religiös-ethische Haltung heraufführen helfen. Dabei entdeckt er: „Fast alles von der deutschen Mystik des 14. Jahrhunderts, von Cckhact Tauler, Seufc, kann man hecübernehmen in die Gegenwart." (S. 59). Diese Crneuerungstendenz ist eine durchaus panthelstifch-biologistlsche. B. sucht mit Cckhart nicht einen persönlichen G'tt, auch nicht das hypostasterie „Ideal", sondern die „stille Stillheit". Alles Christliche, Theologische (Erbsünde usw.) alles Rationale wird ausgeschaltet. G'tt ist die „Formkraft der Ratur", das „Weiselose" (Cckhart), in das es zu entsinken gilt. Der Akt der Cntsinkung, der die höchste Stufe des Lebens bedeutet, besteht in dem geistentkleideten, entrationalisterten Aufgehen im weiselosen All. Das geistige Sein mit seiner logischen Reflektiertheit und blassen wirklichkeitsferne muß abgestreift werden, um die unio mystica mit der Welt G'tt zu realisieren. Einziges metaphysisches Sein ist das Lebendige. Auch der Geist entstammt dem Bios (gegen Schelers Seele — Geist — Dualismus.) Trotz des Minus-Vorzeichens, das der Geist erhält, wird er daher im Gegensatz zu Klages als wesenhaft nicht lebensfeindlich bezeichnet. In schärfster Opposition aber steht Bergmann, wenn wir hier konfrontieren wollen, zu der anderen antirationalistischen religiösen Bewegung der Zeit, zur dialektischen Theologie. Während die dialektische Theologie den Idealismus verwirft, um zum Paradoxismus, zur postulierung des „qualitativen Unterschieds" zu gelangen, schlägt Bergmann (mit dem alten Fichte und Schelling) die entgegengesetzte, mystische Richtung der Identifizierung von Mensch und G'tt ein. Die Aktualisierung dieser Identität soll eben im Vorgang der Cntsinkung gelegen sein. Hierbei wird dieser Akt biologistert auch im Sinne einer wesensidentifikation mit dem geschlechtlichen Paarungsakt. Der Triumph des Biologischen über das Logische erfährt so seine letzte CxempUfizierung. — wir lehnen das Luch sowohl seiner Metaphysik -wie seiner Ethik nach ab. Seine Lehre ist als Produkt einer alle scharfen begrifflichen Konturen auslöschenden „cognitio vespertina" (Abendeckenntms, S. 44 ff.) nicht geeignet, den geistigen Durcharbeitungen, die die Probleme um G'tt und Mensch bereits erfahren haben, gerecht zu werden. Trotzdem besitzt es als eonfessto magna eine über den Tag hinausreichende Stärke und verdient, als Dokument einer geistesgeschichtlich typischen Reaktion beachtet zu werden. Bücherbesprechmigen. axa -mx sh* bv fvnyn -’as f]or» f *n a t n s a d-'XT ‘pnpn an -npi^n nip'^x -n-naiSDXi? vma Vw oiam -5693 Das vorliegende Heft ist dem Andenken des Oheims des Verfassers, des Oberrabbiners Dr. I. H. D ü n - ners V'xi geweiht, dessen hundertster Geburtstag vor kurzem in Holland begangen wurde. In einer längeren Einleitung, die kulturgeschichtlich recht interessant ist, schildert der Verfasser den Lebensgang Oberrabbiner Dünners und entwirft ein anschauliches Bild seines Wesens und Wirkens. Dann folgen eine größere Anzahl Bemerkungen und Exkurse zum ersten Teile des Schulchan Oruch, die von der Belesenheit, dem geraden Denken und kritischen Sinne des Verfassers Zeugnis oblegen. Manchmal scheint es allerdings, daß die Dinge unter der Betrachtungsweise des Verfassers einen allzu einfachen Charakter annehmen. So ist es gewiß nicht angängig, die ganze halachische Problematik der Austrittsfrage, an die Männer wie Hirsch und Bamberger sine solche Fülle von Ernst und Scharfsinn gewandt haben, mit der kurzen Bemerkung zu 'x ttto des mx y-v abzutun, die zwischen v'v »1» 'puna hv nox vvn und ->xin v'v ’T’ ’p’tna?v nox unterscheidet. *]Vxn 3XT nxa »pmn pVrt •km fi’a & tso •rrnotrs j?"nnx nsrai annaipaxii D^s^a nva"!? Ch. Barsch, Wien ll, Kneipgasse 10. .Ztz9Z pn Das in vorzüglicher Ausstattung, klarem Druck und auf erstklassigem Papier vorliegenden Responsenwerk erscheint schon in zweiter Auflage; die erste stammt aus dem Jahre 5680. Die Tschuwos umfassen einen Zeitraum von etwa 20 Jahren, obgleich der Verfasser noch heute ein verhältnismäßig junger Mann ist. Sie erstrecken sich auf alle Gebiete des jüdischen Lebens und auf alle Teile des Schulchan Aruch. Die Eigenart dieser Tschuwos läßt sich dahin kennzeichnen, daß sie, ähnlich wie es die Art und Weise David Hoffmanns in Melamed lehoil ist. sich meist nicht auf langwierige Entwicklungen der Entscheidungsmaßstäbe aus den Quellen einlasfen, sondern auf Grund einer außerordentlich großen Belesenheit in der Tschuwos-Literatur sich meist auf diese stützen. Dabei stehen jedoch natürlich die Rischaunim im Vordergrund. Don interessanten Themen, die in dem Buche behandelt werden, seien folgende erwähnt: Profane Benutzung von den Bolschewisten geraubter enj? '>2, Zitierung von Gesetzesübertretern in religiösen Angelegenheiten. Frauenstimme im Radio und Phonograph, Konflikte zwischen Lebensrettung und Respektierung fremden Eigentums, Pflege ansteckender Kranker, zollamtlicher Verschluß von Fässern mit Koscherwein. Konflikt zwischen der Erhaltung eines Minjan und dem Besuch des Rebbe, religiöser Charakter der am Sabbat schreibenden Gymnasiasten. Exkurse auf dem Gebiete von strittigen Lesarten in den Werken unserer Klassiker zeigen den wissenschaftlichen Geist des Verfassers. ama i)nb ‘jvnai noia naam *pn ‘3"2nn 212^ 'XixmV ->i Verlag David Frankel, Wien II. Taborstr. 24a. Man muß dem Verlag zu lebhaftem Dank verpflichtet ein, daß er dieses längst vergriffene Werk des bedeutenden Denkers und Gelehrten M n a ch e m d i L u n s a r o neu herausgegeben hat. Eine ausführliche höchst interessante Biographie des Verfassers von i'xv ivnxii nebst detaillierter Bibliographie seiner Werke gibt wichtige und wertvolle Ausschlüsse über seine Persönlichkeit und sein Wirken. Er lebte um die Mitte des > 16. Jahrhunderts in Italien, veröffentlichte ene größere j Reihe von selbständigen Werken und erstreckte seine Täj tigkeit ganz besonders auch auf die Herausgabe von Midrofchfammlungen und sonstigen älteren Schriften bedeutenden Ranges. Er beherrschte auch die arabische und griechische Sprache, was ihm ermöglichte, dunkle Ableitungen und Zusammenhänge vieler Ausdrucke der Gmoroh und des Midrasch gegenüber -der Auffassung des Tny festzustellen. Seine abweichenden Ansichten sind dem liiv unter dem Namen i'iv» beigedruckt. Dem tiefen und umfassenden Geiste gesellte sich bei Lunsaro ein weiches poetisches Gmeüt. Das vorliegende Werk hat eine originelle Einkleidung. Es ist ein auf hoher Stufe stehendes Musfarbuch. Jede Betrachtung wird mit einigen Versen eröffnet, die einen Ueberblick des Inhalts geben. Im Anhang erörtert D. Zuckermann in fcharfgründlgem Pilpul die Auffassung Lunsaros über die miavntp» nxa •■»»bttnnv ‘naVn by na •2"xnn '’nira v'Xi^ viv f tnw Der Verfasser hat bereits ein Werk veröffentlicht,, in dem er Erläuterungen zum Talmud Jerufchalmi gibt. Der vorliegende Nachtrag bildet eine Ergänzung dazu und sucht eine weitere Reihe von Stellen des'v^vii'iiv^n zu klären. o ■» a i x a n nnsoa 'X -a'aiLkxni v'Zirn bv jmm -•ans “pna nDV.nn naoa annan a’jmn mairrm 'jmxiaa ay bnv annx nmpa-i "m’av'n bw t» t&wvr -rjvx nnatp nxa -aiaipa-'xnai mnyn -y'xnn Rabbinic texts and documents. I Gaonica: Gaonie responsa and fragments of halachic literature from the Geniza and other sources, edited kor the first time with introductions and notes by Simcha Assaf. Jerusalem. 1933. VIII + 238 + II Seiien. Der unermüdliche Jerusalemer Gelehrte Rabb. S. Assaf hat durch dieses Werk die Veröffentlichungen über die gaonäische Periode von neuem gefördert. Das der Fundgrube der „Genisa" in Kairo entstammende Material, aus 31 Handschriften bestehend, ist durchgängig halachischer Natur: großenteils Erklärungen zum Talmud sowie Responsen über verschiedenste Gebiete, aber auch Urkunden, halachische Werke — eines unter ihnen in die Form eines Gedichtes umgeprägt — und schließlich.eine Gebetsordnung. Mit bewährter Sorgfalt hat A. den Text ediert und mit eingehenden Anmerkungen versehen, durch die erst das Verständnis ermöglicht wird, jedem Abschnitte gehen Angaben über Beschaffenheit der Handschriften. Aufzählung der Schwierigkeiten und Hinweise auf wichtigere Entscheidungen voran. Obgleich es nur Bruchstücke von ursprünglich oft sehr umfangreichen Handschriften find, kommt ihnen dennoch ein besonderer Wert zu. weil der bei weitem größte Teil des veröffentlichten Materials unbekannt war. Als besonders -wichtig sollen Fragmente genannt werden, die höchstwahrscheinlich aus dem Sefer ha Matana des R. Samuel b. Chofni stammen, sowie Fragmente aus dem Sefer ha Pikadon des R. Saadja, Werke, von denen, wie von den anderen durch diese Gaonen verfaßten Abhandlungen, so gut wie gar keine Reste auf uns gekommen sind; die vorliegenden Fragmente aber gestatten einen Einblick in die Anlage und die Methode der Werke. Wenn auch die Gebetsordnung eine starke Anlehnung an Sefer R. Amram zeigt, so ist ihre Mitteilung doch von Wert. Hervorzuheben sind einige aus Palästina herrührende, zwar verstümmelte und verhältnismäßig spät abgefaßte Responsen, die aber trotzdem eine Bereicherung sind, weil wir von ihnen nur äußerst wenige besitzen. — Die Veröffentlichung beruht auf dem umfangreichen, von* der Universitätsbibliothek in Jerusalem gesammelten Material an Photographien der zahllosen Genisafragmente der Bibliotheken in Cambridge, Oxford, Leningrad, Kairo u. a. Mit Hilfe dieses ausgedehnten Materials konnte Assaf wiederholt Teile als zusammengehörig feststellen, die in verschiedenen Bibliotheken unter verschiedenen Nummern geführt werden, ja sogar in einem Falle lag der obere Teil der Handschrift in der Bibliothek von Cambridge, der untere in der von Kairo. — Diese kurze Ueberficht kann jedoch weder von der Bedeutung des Materials, noch von seiner .Bearbeitung durch den gelehrten Herausgeber auch nur annähernd einen Begriff geben. Von neuem erweist auchdiese Publikation die gleichen Vorzüge, wie die beiden letzten, vom Rezensenten in „Jeschurun" 1930 angezeigten, größeren Werke Assafs. C. Hildesheimer.. Zur Mythologie der Gegenwart. Von Gerhardt m M u t i u s. München. Verlag von Ernst R e i n-^ Hardt. 128 Seiten, Preis Mk. 2.50. Wenn man von irgend einem Menschen sagen kann, daß aus ihn das Wort inler ar— a laceni musae nicht zutrifft, so gilt dies von dem .Verfasser dieses Buches, der, ein unermüdlicher Apostel des Wertes und der Bedeutung der Einzelpersönlichkeit, im Krieg und in rastloser -diplomatischer Tätigkeit nie des Denkens und seines schriftlichen Niederschlages vergaß. Gedanken über WeMr und Zusammenhang der Kulturbestrebungen nennt er das neueste Werk seiner Feder. Es ist wahr; es ist eine Kennzeichnung des Weges aus der Ewigkeit zum zeitlich Bedingten und aus diesem zur Ewigkeit, ein Weg,

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