Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 14-15 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Nr. 14/15 Der Israelit 7. April 1933 Fälle Maßnahmen getroffen, um die Aufnahme von Juden, die aus Deutschland auswandern, in allen Ländern zu sichern. Italien. Italienische Stimmen zum nationalsozialistischen Boykottplan. Rom, 30. März. Die Zeitungen heben hervor, daß der Faschismus im Laufe seines Aufstiegs niemals den Antisemitismus gekannt hatte. Daher nehmen auch heute Juden sowohl in der faschistischen Partei als auch in der Staatsverwaltung höchste Stellungen ein. „Popolo d'Jtalia" und „Messagero" unterstreichen die Sätze des „Völkischen Beobachters", in denen von den katastrophalen Folgen des öurchgeführten Boykotts für Hunderte Familien deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens die Rede ist. Ebenso wird der Appell der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" an die deutsche Negierung, die Frage des Boykotts vor seiner Durchführung nochmals zu überprüfen, von den großen faschistischen Blättern mit starker Betonung wiedergegeben. Engrand. Aussprache im englischen Oberhaus über die Lage der Juden in Deutschland. London, 31. März. Im Oberhaus richtete Viscount C e c i t o f Chelwood an die Regierung die Anfrage ob sie eine Erklärung betreffend judenfeindliche Vorfälle in Deutschland abzugeben in der Lage sei. Er wolle erfahren, ob die Regierung im Besitze von Informationen über diesen Gegenstand sei. Viscount Cecil führte weiter aus, es sei zugegeben worden, daß in Deutschland allgemeine Entlassungen jüdischer Richter, Aerzte und anderer jüdischer Berufsangehöriger erfolgt find. Es handle sich um eine Angelegenheit von internationalem Belange. Auch in England, wo viele Hunderttausende von Juden leben, die mit zu den rechtschaffensten und friedlichsten Bürgern des Landes gehören, hätten diese Vorfälle tiefe Besorgnis erregt. Der ehemalige Außenminister und Vizekönig von Indien, Lord Reäding, sprach in ähnlichem Sinne und erklärte, er ergreife das Wort, well es ihm als Mitglied der jüdischen Gemeinschaft und des Oberhauses unmöglich fei, darauf zu verzichten, auch seinerseits an die Regierung den Appell zu richten, alles Menschenmögliche zu tun, um die von der Mehrheit des englischen Volkes gehegten Ansichten darzulegen. Der Erzbischof von Canterbury, das geistliche Oberhaupt der englischen Hochkirche, erklärte, er schließe sich den Ausführungen Lord Readings an. Er vertraue darauf, daß die Regierung erklären werde, daß sie alles Mögliche tun werde, um die Sorge der Bevölkerung dieses Landes und insbesondere derjenigen, die aufrichtige Freundschaft für Deutschland hegen, um die deutsche Judenheit zum Abdruck zu bringend ' Als Angehöriger der römisch-katholischen Kirche schließt sich. Earl of I d d e 2 l e i g h, sich den Anfragen an. De Katholiken aller Länder empfänden tiefe Sympathie für die Opfer der Bewegung in Deutschland, die allgemein verurteilt würde. - : ' Die Anfrage Lord Cecils wurde von Kriegsminister Lord Hailsham beantwortet. Er erklärte, es fei kein Fall bekannt geworden, in dem englische Bürger jüdischer Abstammung Veranlassung . zu einer Beschwerde über schlechte Behandlung irgendwelcher Art in Deutschland gehabt hätten. Die Regierung halte Vorstellungen bei der deutschen. Regierung betreffend die Behandlung deutscher Staatsbürger welcher Abstammung immer für unangebracht. Auch die Regierung der Vereinigten Staaten habe solche Vorstellungen nicht erhoben. Wohl aber feien der englische und der amerikanische Botschafter in Berlin von ihren Regierungen aufgefordert worden, Untersuchungen ' anzustellen und über die Lage zu berichten. Cs wären Unterredungen mit den Botschaftern in London und Berlin gepflogen worden, deren Ergebnisse beruhigend sind. Man hätte micht zweckmäßiger und, zurückhaltender sprechen können, als wie es Lord Readingbei der Besprechung der Lage seiner jüdischen Brüder in Deutschland getan habe; die von ihm als einem Manne, der mit Autorität sprechen könne, ausgedrückte Besorgnis müsse eine tiefe Wirkung auf die öffentliche Meinung üben. Aus den Erklärungen des Erzbischofs von Canterbury und Lord Jddesleighs gehe hervor, wie weit verbreitet diese Besorgnis sei. Nunmehr erklärte Lord Reading, er habe nicht beabsichtigt, die Regierung vorzuschlagen, bei der deutschen Regierung zu intervenieren, sondern nur der Meinung Ausdruck gegeben, die Uebermittlung der von der Mehrheit des englischen Volkes in dieser Frage vertretenen Auffassung in einer die Imprimatur der englischen Regierung tragenden Form werde von guter Wirkung sein. Lord H a i l s h a m stimmte dieser Ansicht zu und erklärte, die erst vor kurzem unter höchst bemerkenswerten Umständen zur Macht gekommene Regierung werde, so hoffe und vertraue er, nicht zulassen, daß in Deutschland etwas geschehe, was in der Linie der im Hause zum Ausdruck gebrachten Besorgnisse läge. VERLAG DES ISRAELIT UND HERMOI G.M.U.H. Soeben wurde ausgegeben: Die Welt der Gebete mVsnn aViy Kommentar zu öcn Werktags- und Sabbatgcbeten, nebst Aebecfetzung von Rabbiner Dr. Clre A7unk in Ansbach. 374 Seiten Groß-Oktav. Preis in gediegenem Leinwandbanö Uik. 6.5O Geschenkausgabe in schwarzem Kaliko mit Goldaufdruck, Schulausgabe in braunem Kaliko mit Farbenaufdruck. Mit dieser bedeutsamen Neuerscheinung findet ein langjähriger Wunsch der jüdischen Oesfentlichkeit nach einer deutsch geschriebenen, leichtfaßlichen und doch gründlich wissenschaftlichen Erläuterung unseres Gebetbuches endlich seine glückliche Lösung. Das Buch gewährt ein erhabenes Bild von dem unerschöpflichen Ideenreichtum unseres Gebetbuches, aber auch von der Tiefe und der Innigkeit der in ihm verborgenen Gemütswerte. Zwei einführende Betrachtungen über: „Die Bedeutung der Gebetzeiten" und den „Ausbau der Gebete" tragen noch besonders zur Vervollständigung dieses Gesamtbildes bei. Das Werk sollte in keinem jüdischen Hause fehlen; es wird ganz besonders von allen Erziehern und Lehrern der Iugend begrüßt werden. In den Vereinsbibliotheken wie in den Arbeitsgemeinschaften und Iugendvereinen wird es bald als unentbehrlich betrachtet werden. Das Buch ist durch alle besieren Buchhandlungen zu beziehen. Der Verlag liefert vireN gegen NaÄnahrne oder Voreinzahkung des Betrages (zuzügl. 40 Pfg. Porto innerhalb Deutschlands) auf Postscheckkonto Frankfurt-M. 19802. Auf Wunsch wird Abonnenten des „Israelit" im Einzelkall Zahlung in zwei Raten eingeräumt, wovon die erste mit Mk. 3.- zuzügl. Porto durck Nachnahme bet Lieferung eingezogen wird, die zweite nach 4 Wochen. VERLAG DES ISRAELIT UND HERMON G.M.B.H. FRANKFURT A. M„ RECHNEIGRABENSTRASSE 7. Ein Erfolg der jüdischen Abwehraktion. ' London, 29. März. Auf der am 28. März in London abgehaltenen Jahrestagung des Verbandes der jüdischen Fürsorgestellen (Jewish Board of Guardians) erklärte die Präsidentin, Miß Hannah Cohen, sie bedauere den von manchen Stellen gemachten Vorschlag eines Boykotts deutscher Waren durch jüdische Kaufteute. Es sei nicht ihre Aufgabe, sich mit den Vorurteilen zu befassen, denen ihre Glaubensgenossen im Ausland begegnen. Man habe geglaubt, daß olche Dinge ein für allemal in den Gräbern der auf allen Fronten des Weltkrieges gefallenen tapferen Soldaten begraben worden seien. Im Namen einer der ältesten und größten jüdischen Organisationen Englands malle sie betonen, wie sehr die Juden jede Boykott- oder sonstige Repressiv.Maßnahme bedauern. Diese Erklärung werde nicht bloß aus Zweckmäßigkeitsgründen, sondern aus höheren Motiven abgegeben; Wer für Gerechtigkeit undEsir p 1 a y im Ausland eintrete, müsse auch selbst ausschließlich ehrenhafte Waffen benutzen. Jeder Einzelne müsse dafür Sorge tragen, daß der jüdische Name.,nur mt dem, was gut und fair ist, verknüpft werde; selbst der Geringste könne so dem Gemeinwohl größte Dienste erweisen. Line Sympathiekundgebung. London, 3. April. In einer in London abgehaltenen Versammlung erklärte das Unterhausmitglied Dr. O'Donovan, englische Abgeordnete seien bereit, ihr Heim Juden aus Deutschland zu öffnen und dem Parlament einen Antrag aus Milderung der Einwanderungsgesetze vorzulegen. In derselben Versammlung erklärte Lord Mount T.emple, die deutschen Juden, 630.000 an Zahl unter einer Gesamtbevölkerung von 64 Millionen, hätten einen großen Beitrag zum kulturellen Fortschritt ihres Vaterlandes geliefert. Sie seien seit vielen Jahrhunderten im Lande ansässig und hätten wiederholt ihre Vaterlandsliebe mit ihrem Blute besiegelt. Wenn auch nicht beabsichtigt sei, sich in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten einzumengen, denen die Engländer aufrichtige Sympathie, menschliches Verstehen und christliche Nächstenliebe, die die Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft ist, entgegenbringen, so könne man sich doch nicht der Tatsache verschließen, daß die Juden Deutschlands in ihrer Generationen lang behaupteten bürgerlichen Rechtsstellung bedroht sind. Aus Friedensliebe und dem Gefühl der Achtung vor der großen deutschen Nation müsse man sich gegen die Zurücksetzung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland und eine gegen diese gerichtete Gesetzgebung, die mit dem Grundsatz der Gleichberechtigung nicht harmoniert, wenden. Es sei zu hoffen, daß die ernstlich erschütterte Lage der jüdischen Bevölkerung in Deutschland bald wieder gesichert erscheint. Was jene deutschen Juden anlangt, die infolge der herrschenden kritischen Lage eine Niederlassung im Ausland anstreben, so sei es eine heilige Pflicht der Menschlichkeit, ihnen eine Zufluchtsstätte zu gewähren, wo sie in Ruhe und Sicherheit leben und arbeiten können. Es entspreche dem Sinn der Balfour-Deklaration, die Tore Palästinas so weit als möglich zu öffnen um einem Teil der Juden aus Deutschland eine Niederlassungsmöglichkeit zu bieten. Doch müsse nachdrücklichft betont werden, daß das Problem der Juden in Deutschland durch die Errichtung des Jüdischen Nationalheims nicht berührt werden könne. Die Aufrechterhaltung der Rechte der Juden in Deutschland und in anderen Ländern sei ein Grundprinzip, das auch in der Valfour-Deklaration selbst zum Ausdruck komme. In ähnlichem Sinne äußerten sich noch einige andere englische Parlamentarier. Der Abgeordnete Barnetk Jänner erklärte u. a., das deutsche Volk müsse einsehen, daß es unmöglich sei, eine halbe Million Menschen einerseits nicht als gleichberechtigte Bürger zu behandeln, ihnen aber andererseits das Recht zur Auswanderung zu nehmen. Im englischen Innenministerium wird erklärt, daß die Zulassung deutscher Juden nach England denselben Bedingungen unterliegt, denen alle um Einwanderung ansuchenden Ausländer unterworfen sind. Bisher sei die Frage einer Milderung des Einwanderungsgesetzes noch nicht, berührt worden. Alle Ausländer werden in gleicher Weife behandelt, jeder einzelne Fall s wird/auf Grün!> der besonderen ^Umstände geprüft. Auf eine Anfrage, ob eine Milderung der Einwanderungsbestimmungen mt Hinblick auf die Lage in Deutschland zu erwarten sei, wurde geantwortet, der Innenminister habe seinen Standpunkt in dieser Sache vor einigen Tagen im Parlament dargelegt. In London wurde ein Hilfskomitee für i> t fr deutschen Inden gebldet. Das Komitee hat bereits Geldbeträge zur Linderung der Not in den schwersten Fällen gesandt. Das Hilfskomitee gibt bekannt, daß die Möglichkeit besteht, Kinder nach England zu bringen, wenn nachgewiesen werden kann, daß sie in seinem Haus? Ausnahme finden. Zahlreiche Familien haben sich zur Aufnahme von Kindern aus Deutschland bereit erklärte VatSstirm. kleine Nachrichten aus Crez Jisroel. Jerusalem, 23. März. Bekanntlich haben vor Roschhaschono zahlreiche" Rab- ' binen des heiligen Landes, ast ihrer Spitze auch das Oberrabbinat, ein Ultimatum an die Verwaltung der zionistischen Fonds gerichtet/worin diesen eine Frist von 6 Monaten gestellt wurde, um der Sabbatentweihung auf den Besitzungen des Nationalfonds und in den vom Nationalfond unterstützten Siedlungen und Anstalten ein Ende zu machen. Nach fruchtlosem Ablauf dieser Frist woll-