Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 14-15 (7.4.1933)
- Date
- 1933-04-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Nr. 14/15 DerJsraelit 7. April 1933 d-as Bitierkraut an die Bitternisse des Lebens erinnern muß, wie könnten wir da sonst Clijahu erleben, wie er am Kelche der Erlösung nippt! Clijahu, der nicht auferstanden ist, sondern als Sinnbild des H i ch t st c r b c n k ö n n e n s des jüdisches Volkes immer und immer wieder kommt! . . .; na inöV 82 "’Vk Wie nahe und rasch getan war doch damals der Schritt von den nrrviv zu dem izmp *mj Wie leicht und rasch könnten sich alle Kräfte, die heute, gleich wilden Wasserstürzen, über uns hindrauscn, in eine wahre G'tteskraft, eine reinigende und erlösende Kraft wandeln, die das Gute will und das Gute schafft! Wir haben in 'unserer heiligen Lehre ein Kapitel der Para 2lduma, das bei aller mysteriösen Unbegreiflichkeit, das eine klar und deutlich zeigt: den kurzen Schritt von Unten nach Oben, die Herauskrystallisterung des Erhabenen aus der harten Schale, das Aufstrahlen des lichten Tages aus Rächt und Chaos. „Unsere Seele schwang sich wie ein Vogel hoch und ward gerettet!" Darum können wir hoffen. Wochenrundschau. Ein kluges Work aus Palästina. In Crez Iisroel wurde mit Hinsicht auf das große jüdische Leid in der Welt von den Rabbinern ein öffentlicher Fa sttag unter großer Aufmachung angesetzt. Wan hatte es nicht für nötig gesunden, die Agudas Iisroel und die Führer der Orthodoxen A s ch k e n a s i m g e m e i n d e dabei mit zu Rate zu ziehen, oder sie an der Kundgebung der Trauer und der Solidarität zu beteiligen. Darüber könnten sich die Gesetzestreuen in Crez Iisroel schon hinwegtrösten, denn sie fanden und finden mit ihren iBebetcn unb Tränen für die Rot der Golah auch ohne Anstoß, Anregung und Einladung von außen den weg zur G'ttesmauer. Aber etwas anderes sei hier dem Organe der Agudas Iisroel in Jerusalem, „Kol Israel", nachgesagt: „Cs ist bedenklich, in Crez Israel einen Taanis anzusetzen, ohne vorhergegangene Fühlungnahme mit den rabbinischen Führern der Weltjudenheit, die in allem, was von Crez Israel ausgeht, doch mit Recht eine Aeußerung der jüdischen Seele erblicken dürfen. Bedenklich erscheint es, die Institution des jüdischen Caanls mit einer politischen Kundgebung zu verbinden, den Gebeten, dein Weckruf zu Tschuwah, dpr Hingabe an G'tt,, den. Charakter einer prptestdemoipstration nach.auschn zu geben.'• .Am meisten bedurfte und bedarf es aber der Ueberleguug, ob uüt solchen öffentlichen Kundgebun-' gen den Brüdern, zu deren' Gunsten sie gedacht sind, gedient ist, wenn sic über die üblichen stillen Gebete,' die uns keiner nehmen kann, hinausgchen. Wan hätte überlegen sollen, ob nicht gerade darin der Grund für die Ablehnung einer Taanis-Demonstration auf seiten' der Führer in der Gola zu suchen war. Wir bitten jeden unserer Leser jede unserer Leserinnen uns, im Interesse der Ausbreitung unserer Ideen im Kreise der jüdischen Gesamtheit, während der nächsten Wochen je einen neuen Abonnenten zuzuführen und sich dazu des der heutigen Nummer beiliegenden Flugblatts zu bedienen. Das Flugblatt steht in jeder gewünschten Zahl zur Verfügung. Es bedarf keines Hinweises, von welcher segensreichen Bedeutung eine grössere Verbreitung des Israelit gerade unter den heutigen Zeitumständen sein kann. Verlag des Israelit und Hernien C.m.b.H. Frankfurt am Main, Nissan 5693. Im Einvernehmen mit der auf diesem Gebiete wohlgeschulten und schreierischen Demonstrationen abholden Orthodoxie, ließe sich gewiß der richtige Weg finden, der die Kundgebung der Trauer und Solidarität zur vollen Geltung gebracht hätte, ohne von jenen Bedenken und Befürchtungen belaste^ und beeinträchtigt zu werden." . So weit die Demonstration gegen die Religionsverfolgungen in Rußland gerichtet war, erinnert das Blatt die Cinberufer daran, daß gerade die Agudas Iisroel vor etwa zehn Jahren durch ihre Agitation über tausend Pfund für die russischen Juden aufgebracht hat, zu einer Zeit, da die anderen Orgawsationen an Rußland überhaupt noch nicht dachten. — -- Cs ist schade, daß nicht ähnliche jüdische Stimmen sich in Amerika und Cngland erhoben, zur Warnung der amerikanischen und englischen Juden vor Aktionen für ihre deutschen Glaubensbrüder, die ihnen rn zun: Unheile gereichen könnten. Etwas anderes hätten die maßgebenden Instanzen im neuen Palästina mit Hinsicht auf die Lage tun können, was den Beifall aller Rechtdcnkcndcn gefunden hätte, und das haben sie versäumt: nämlich mit einer Kundgebung, einer Wahnung oder gesetzlichen! Waßnahme die unbändigen Karnevalsfreuöen des Tel-Awiwer „Addelojada", dieses 221 Tw auf hdöik, ein wenig einzudämmen. Dieses Verlangen und dieses Opfer wären nicht zu groß gewesen, und hätten überall, in Crez Israel wie in der Golah, volles Verständnis gefunden. . Wohlgemerkt: wir mißgönnen Tel-Awiw seinen Purim nicht, und können begreifen, daß Jugend, gerade darum, weil sie vielleicht in den Ländern des Golus um ihre Jugend betrogen wurde, sich hier, im „Laude ohne Krise" und in der jüdischen 'Stadt ein bißchen austoben will. Cin bißchen Geschäft, Fremdenindustrie spielen ebenfalls dabei mit sine Rolle, nicht zuletzt, auch die Weltpropaganda für das neue Crez Israel. „Seht, fast überall lassen sie die Köpfe hängen, und wir, ein neues Geschlecht, können jubeln und frohlocken! So ist. das Land, so der neue jüdische Wensch in diesem Lande und in dieser Stadt!" wir können das alles verstehen und wollen ehrlicherweise zugeben, daß sich dieser jüdische Karneval von Cxzessen, wie man sie bei gleicher Gelegenheit in europäischen Städten kennt, vollkommen fern hält. Daß öle Idee dieser Umzüge, Maskenbälle und öffentlichen Tänze originell'jüdisch sei, wollen auch die Veranstalter gar nicht behaupten. Aber irgend eine Rote hätten doch dieses Jahr die Tel-Awiwer Festtage haben müssen, die von der Solidarität mit der unsäglichen leidenden Golah zeugt. Wie jeder Palast der Wohlhabenheit nach altem jüdischem Brauch doch eine kleine, schwarz gestrichene Ecke zum Zeichen der Trauer um Jerusalem aufweisen mußte! Wuß nicht Jerusalem auch ein klein wenig um die Golah, um NV18N pin trauern?! Das Fasten C st h e r s war zur Trauerdemonstration geworden, und wir wissen nicht, wieviele der Weisung folgten. Cs bricht aber einem das Herz, in einem nattonalen Blatte wie „Doar Hajom" zu lesen, daß sich am Sabbaü nachmittag in Jerusalem, auch aus alten Vierteln, die Wenschen geradezu an die Autobusse drängten, um noch rechtzeitig bei Nachtanbruch zur Festeröffnung nach Tel- Arvirv Hu gelangen. Hier tat sich eine Aufgabe für das offizielle Rabbinat und die anderen Instanzen bas uns durch die türmenden. Wogen des Meeres sicher trägt, das den furchtbarsten Stürmen widerstand leistet. Ohne dieses Schiff wären wir längst im Meere versunken. Wir müssen ruhig abwarten. bis G'tt selbst es in den Hafen des Friedens lenken wird. Dann werden wir ans Land steigen dürfen, an das. wirklich feste Land, wenn G'tt unsre Zerstreuten sammelt von allen Enden der Erde und die heißersehnte Erlösung herbeisührt! Nicht jedem aber ist es heute vergönnt, sich auf das heilbringende Schiff der Religion zu retten. Glücklich der, der es noch kann. Viele Schiffbrüchige können nicht mehr den Weg zur Religion, zur Thora zurückfinden. Denn eine falsch aufgefaßte Emanzipation raubte uns die besten Werte, die der Thora, und zur Vergrößerung der Tragik brachte sie uns in eine Umwelt, die von Kapitalismus und den zersetzenden Bazillen des europäischen Genußlebens infiziert war. Heutzutage ist uns von dieser „Emanzipation" weder der Idealismus, noch der Materialismus übrig geblieben, und viele, denen Besitz und Lebensgenüsse die höchsten Güter des Lebens waren, liegen heute nicht nur materiell, sondern auch ideell zusammengebrochen darnieder. Gar manche von diesen haben den Boden unter sich verloren und können durch die langjährige Entfremdung nicht einmal den Weg zur eigenen Mutter Thora, die allein ihnen Trost, Kraft und Hilfe bieten könnte, wieder zurückfinden. Diese sind heute die Bedauernswertesten. Unsere Sorge gilt daher heute auch ihnen. Fort daher mit allen bisherigen Meinungsverschiedenheiten, mit allen Vorurteilen und mit allen religiösen Streitigkeiten! Wir müssen in dieser schweren Not unsere Bruderhand diesen doppelt Verzweifelten reichen, und diesen Schiffbrüchigen, denen das Versinken in der Brandung droht. Helsen, das rettende Schiff der Religion zu erreichen! Um aber dieses zu erreichen, bitten und beschwören wir auch die Brüder auf der linken Seite, angesichts der gemeinsamen Not und der.. 'drohendem - Gefahren, ihre bisherigen Doktrinen, die sich jetzt so trügerisch zeigen, endlich abzülegen. Denn die' bisherigen Methoden— Einrichtungen oder Bräuche, die n u r'' eine rationalistische Lebensauffassung, einführen bezw. . abschassen konnte, nachträglich ■ durch philosophische Theo-, rien zu sanktionieren — führen nicht zur. sondern ab von der Wahrheit! Aus diese Weife kommen wir nie zu einer Verständigung und eine tiefe weltanschauliche Kluft wird uns weiter voneinander trennen. Um dieser Wahrheit willen daher, und genau wie wir es bei uns tun, mögen auch die bisherigen religiösen Gegner bei sich aufrichtig eine solche Revision vornehmen und mithelfen, die Irrenden und Sinkenden dem rettenden Schiffe, der wahren Religion, der alten Thora zurückzuführen! ... mnv' ni-i pv nbrn mm Rim (Line große Versteigerung in Hebraicis und Judaicis) kündigt die Firma I. Kauffmann.; Frankfurt a. M.. Schillerstrahe, für den 24.—27. April an. Die Aktion erstreckt sich aus Handschriften/ Inkunabeln und Bücher des 16.—20. Jahrhunderts. Der uns vorliegende Katalog weist ea. I<o0 Nummern aus, über dis sin Sach- und Schlagwortregister, ein besonderes Verzeichnis der Druckorte sowohl für die deutunen, als für die hebräischen Werke zusammenfassend Auskunft gibt. Interventen wollen den Katalog anfordern. Die beigelegte Liste der Schätzungspreise zeigt, daß man Bäcker schon von Mk. 1.— auswärts ersteigern kann. Manuskripte von Mk. 100— bis Mk. 6000.—. (Eine Synagoge aus dem 6. Jahrhundert auf dem Karmel ausgegraben.) Wie offiziell mitgeteilt wird, wurde soeben unter der Aufsicht des Altertums-Departements der Poläftinaregierung auf dem Berge Karmel in Haifa eine Synagoge aus dem sechsten Jahrhundert ausgegraben." Zwei'Drittel der Grundmauern, konnten bereits freigetegt werden,-der Rest liegt unter neuer bauten Hausern. Es wurde ein Stück des Mofaikbodsns freigelegt, auf.dtzm Darstellungen eines Tierkreises, zweier fieben-' armiger Leuchter, umgebenvon anderen Gegenständen des Rituals, und zwei Inschriften in hebräischer. Sprache zu sehen sind. Die Hebräische Universität leistete der Negierung bei? ihrer Akbeit Unterstützung. *•' (Die Zahl der Juden in der Türkei.) Laut der neuesten Mitteilung des staatlichen statistischen Amtes der Türkei wohnen in der heutigen Türkei 81872 Juden. Die größte jüdische Gemeinde in der Türkei, die.in Konst a n t i n 0 p e l, zählt 46 698 Seelen, die zweitgrößte, die in Smyrna. 16 301, die drittgrößte, die in Adrianopel, 6098 Seelen. In Konstantinopel machen die Juden 6,76 Proz., in Smyrna 10,5 Proz. der Gesamteinwohnerschaft aus. In der Türkei gibt es heute 22 jüdische Schulen mit insgesamt 5746 Schülern. «a Wüchevkalevder vom 8 - 15. Avril 1933 vom 12. - 19. Nissan 5R93 Samstag 8 12 msm 3’ 5mn naE? ix Sonnlag 9 13 3' ■f»n i'pnia Montag 10 14 1' nos) am? Dienstag 11 15 113 '8,0V noo Mittwoch 12 16 rtj '3 av nvv Donnerstag 13 17 r Freitag 14 18 m \'i unnn l-in nac? Samstag 15 19 v' D’TE?n TB?