Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1933)
- Date
- 1933-03-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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30. März 1933. Der Israelit Nr. 13 Seite 5 heiten bleiben zu können, wir wissen wenigstens, .warum wir leiöenrn'M''im'?vnvsniV's''itprr-vielleicht öffnet der Haß der Umwelt auch unseren Brüdern die Augen und lehrt sie sehen, daß es doch etwas Großes und Gewaltiges sein muß, was wir vor den anderen voraushaben, denn sonst ist ja der Haß kaum begreiflich. Leviten wir, auf daß wir lehren können, begreifen wir, damit wir es anderen begreiflich machen können, daß -den Ideen der min die Zukunft gehört, die am Ende der Zeiten eine einige, um G'tt gescharte Menschheit verbürgen. Diese Zeit mitvorzubereiten, gehört zu den ideellen Aufgaben der deutschen Orthodoxie. bekannt, das sofort in Kraft trat. Alle Schächtger'äte wurden beschlagnahmt. Die Durchführung des Verbotes spielte sich in aller' Ruhe ab. Im Hanauer Stadtbezirk trat das Schächtverbot am Montag in Kraft. Korrespondegizeit « Naebricdtei. Deutsches Reich. Die Gegenmaßnahmen der NSDAP. Berlin, 29. März. Die Reichsleitung der NSDAP, veröffentlicht heute früh einen Ausruf an alle Parteiorganisationen, mit dem der Kamps gegen die antideutsche Propaganda im Ausland angesagt wird. Zur Abwehr der Greuel- und Boykottpropaganda sind 11 Punkte aufgestellt, die sich auf Boykott jüdischer Geschäfte, jüdischer Waren, jüdischer Aerzte und jüdischer Rechtsanwälte beziehen. Boykottiert werden auch Zeitungen, die sich nicht, oder nicht genügend am Aufklärungsfeldzuge des deutschen Volkes gegen die Greuelhetze im Auslande beteiligen. Die Aktion fei auch in die B e - triebe hineinzutragen und müsse auch auf dem flachen Lande die jüdischen Händler treffen, wobei grundsätzlich immer zu betonen sei, daß es sich um eine dem deutschen Volke aufgezwungene Abwehrmaßnahme handelt. Der Boykott setzt schlagartig am Samstag, 1, April, punkt 10 Uhr vormittag, ein und wird so lange fortgesührt, bis eine Anordnung der Parteileitung die Aushebung befiehlt. In großen Massenversammlungen soll die Forderung aus Einführung einer relativen Zahl für die Beschäftigung der Juden in allen Berufen aufgestellt werden, zunächst für den Besuch von deutschen Mittel- und Hochschulen, für Aerzte und Rechtsanwälte. Der Aufruf fordert alle Deutschen auf, zur Aufklärung des Auslandes beizutragen und mahnt die Anhänger zur vollsten Ruhe und Disziplin. Jeder, der Beziehungen zum Auslande hat, versäume keine Gelegenheit, dorthin aufklärend die Wahrheit zu verbreiten, daß in Deutschland Ruhe und Ordnung herrschen, daß das deutsche Volk keinen sehnlicheren Wunsch besitzt, als in Frieden seiner Arbeit n a ch z u g e h e n und in Frieden mit der anderenWelt zu leben, und daß es den Kampf gegen die Greuelhetze führt als reinen Abwehrkampf. Jüdische Erklärungen gegen die Greuelhetze. F r a n k f u r t a. M., 26. März. Die deutsche Abteilung des Geschäftsau sf ch u f f e s der „ A g u d a s I i s r o e l" hat an die Landesorganisationen ein eindringliches Schreiben gerichtet, worin die im Auslande verbreiteten Schauernachrichten über die angeblichen Angriffe auf Leben und Sicherheitüer deutschen Juden aufs entschieden st e dementiert und die ungerechtfertigten Angriffe und Boyrottdrohungen gegen Deutschland zurückge w iesen werden. Erklärungen in ähnlichem Sinne wurden abgegeben vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, dem Reichsbunde jüdischer Frontsoldaten, der Reichsvert r e t u n g der deutschen Juden, dem Vorstande der Berliner Jüdischen Gemeinde und einer Anzahl deutsch e r R a b b i n e r. Neue Schächtverbote. Reichsgesehliche Regelung angekündigl. F r a n k f u r t a. M., 27. März. Am Donnerstag abend beschloß das Polizeipräsidium, das Schächten im Frankfurter Stadtgebiet zu verbieten. Am Freitag morgen erschienen Polizeibeamte im Schlachthose und gaben das Verbot Die Woche. Berlin. Als in Wesel die S. A.-Posten die jüdischen Geschäftshäuser belagert hielten und der Betrieb auch in der Firma L e y e n s u. Levenbach behindert wurde, stellte sich einer der Inhaber, Erich Leyens, in seinem Waffenrocke mit dem C. K. I. auf die Straße neben die S. A.-Leute und verteilte folgendes Flugblatt: „Unser Herr Reichskanzler und die Mitglieder der Negierung haben mehrfach eine Erklärung abgegeben, daß wer im Dritten Reich einen Frontsoldaten beleidigt, mit Zuchthaus bestraft wird." Das wirkte Wunder und machte in Bürgerkreisen den besten Eindruck. Das 'Geschäft ist seitdem von der Boykottbewegung vollkommen verschont geblieben. — „Berliner Börsen-Kurier" meldet: Die jüdisch geleiteten Kinderhorte und Heime sind vorläufig geschlossen, bis ein anderer Geist eingezogen ist. Auch die jüdisch geleitete Musikschule ist vorläufig geschlossen. — In Bad Dürkheim fand zu Ehren der im Weltkriege gefallenen Absolventen des Progymnasiums und der Realschule eine Trauerfeier mit Namensverkündung der gefallenen Lehrer und Schüler statt.Von den 98 Gefallenen der Schule gehörten nicht weniger als 3 7 dem jüdischen Glauben an. In seiner Ansprache erwähnte der Bürgermeister die beispiellose Aufopferung von Angehörigen aller Konfessionen zum Wähle des deutschen Vaterlandes. — Im Neuköllner Krankenhaus wurde 14 jüdischen Aerzten gekündigt. — Auf Veranlassung der Potsdamer Politischen Polizei wurde am Montag vormittag das zur Zeit unbewohnte Landhaus des Professors Einstein in Caputh durchsucht, weil das Gerücht aufgetaucht war, daß in diesem Hause ein Waffenlager untergebracht fd.. Waffen wurden nicht gesunden. Blainz. Das Mainzer B e f r e i u n g s d e n k m a l. das vom bekannten Frankfurter jüdischen Künstler Benno E l k a n geschaffen wurde und das in letzterer Zeit wiederholt Angriffen von rechtsstehender Seite ausgesetzt war, wurde am 23. März auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung abgetragen. Wuppertal- Elberfeld. Der 26jährige Oswald Läufer war gerade aus der Schutzhaft entlassen worden, als ihn vor der Eingangstür seines Elternhauses drei Schüsse niederstreckten. Der Täter ist entkommen. Zur Bestattung hatte sich ein großes Trauergefolge, namentlich aus christlichen Kreisen, auf dem Friedhof eingesunden. Gleiwitz. Die „Bossische Zeitung" meldet: „Im Gleiwitzer Amts- und Landgericht gab es am Freitag erhebliche Tumulte. Eine größere Zahl junger Burschen drang in das Gerichtsgebäude ein und mißhandelte mehrere jüdische Rechtsanwälte. Der 70jährige Iustizrat Kochmann wurde ins Gesicht geschlagen, andere Anwälte mit Faustschlägen traktiert. Eine jüdische Assessorin wurde von Justizbeamten in Schutzhaft genommen. Die Gerichtsverhandlungen mußten unterbrochen werden. Polizei besetzte schließlich das Gebäude, um weitere Störungen zu verhindern." Haag. Königin Wilhelmine von Holland ernannte das Mitglied des Obersten Gerichtes, Dr. L. E. V i s s e r , zum Vizepräsidenten des Obersten Gerichts. Er ist der erste Jude, der dieses Amt bekleidet. Ierufaiem. Die Palestine Official Gazette .teilt mit, daß im Februar d. I. 1581 Juden nach Palästina kamen, um hier ihren ständigen Wohnsitz zu nehmen. Die Gesamteinwandererzah! während des Monats Februar war 1713. Iaffa. Vor dem Jaffaer Gericht wurde gegen 25 jüdische Bauarbeiter verhandelt, die beschuldigt waren, während eines Streiks im Bauwesen von P e t a ch T i k w a h eine illegale Versammlung abgehalten -zu haben. Sämtliche Angeklagten wurden zu je zwei Monaten Gefängnis und zu je zehn Pfund Geldbuße verurteilt. Der Prozeß war ein Nachhall der charsen Konflikte, die seinerzeit in Petach Tikwah zwischen streikenden Arbeitern und Streikbrechernstattgefunden haben. Der C..-V. veröffentlicht zu den Schächtverboten folgende Erklärung: „Fast im gesamten Reichsgebiet besteht zurzeit keine Möglichkeit mehr, frisches Koscherfleisch zu beziehen. Eine allgemeine Rechtsgrundlage für regionale Schächtverbote und -behinderungen ist nicht vorhanden. Es darf die Hoffnung ausgesprochen werden, daß die Negierung sich vor der Entscheidung hierüber wissenschaftliche Gutachten vorlegen lassen wird, da es sich hier um ein religiöses Gebot handelt. Wir hoffen, daß bei der Abwägung des vermeintlichen Tierschutzes und des sicheren Gewissenszwanges eine Lösung gefunden wird, die auf beides gleichmäßig Rücksicht nimmt." .Ausschluß von Juden aus der Justiz. Berlin, 23. März. Auf einer Kundgebung nationalsozialistischer Juristen im Anwaltszimmor des Landgerichts Berlin I sprach gestern Rechtsanwalt Zarnack. Er teilte mit, daß der „Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen" an den Kammergerichtspräsidenten sowie an die drei Landgerichtspräsidenten folgende Forderungen gerichtet hat: - „1. Als Armenanwälte, Plfeger, Vormünder, Testamentsvollstrecker, Zwangsverwalter und Konkursvsrrvaltsr sind ab sofort nur noch deutschstämmige Anwälte zu ernennen. 2. Angehörige fremder Nassen sind nicht mehr als Anwälte zuzulassen. 3. Angehörige fremder Rassen dürfen nicht mehr Notare werden. Das Notariat ist sofort von unlauteren Elementen zu säubern. 4. Angehörige fremder Rassen dürfen nicht mehr Richter werden. Fremdrassig gerichtete Assessoren sind sofort aus dem Justizdienst zu entfernen und durch deutschstämmige Assessoren zu ersetzen." In dem Schreiben wird weiterhin zum Ausdruck gebracht, daß diese vier Forderungen die Grundlage für eine restlose Säuberung der Justiz seien, um diese von fremdrassigen und undeutschen Elementen zu befreien. Der Breslauer Oberlandesgerichts- Präsident hat verfügt, daß bei sämtlichen Gerichten seines Bezirkes keine jüdischen Richter mehr in der Strafrechtspflege tätig sein sollen. Da infolge der Zurückziehung der jüdischen Richter aus den Breslauer Gerichten Mangel an Beamten entstanden ist, die für das Richteramt befähigt sind, sind am Mittwoch 17 Referendare vorzeitig als Richter vereidigt worden und sollen vor allein die fehlenden Beisitzer in den Strafkammern usw. ergänzen. Zur Ueberführung der jüdischen Richter aus der Strafrechtspflege in die Zivilrechtspflege sind auch bei den Frankfurter Ju st izbe Hörden die erforderlichen Maßnahmen eingeleitet worden. Amerika und die deutsche Iudenfrage. Berlin, 23. März. Unter der Ueberschrift „Unglaubliche Einmischung in innerdeutsche Angelegenheiten" meldet der „Völkische Beobachter" aus Washington, 22. März: „Der amerikanische Judenführer Rabbi Stepheu Wise beantragte beim Einwanderungsausschuß dos Repräsentantenhauses ein Einschreiten des amerikanischen Staatsdepartements gegen die „Unterdrückung der Juden" in Deutschland. Wise, der von Roosevelt wenig geschätzt wird, ist in Amerika als Linksradikaler bekannt. Wie nunmehr bekannt wird, hat das Staatsdepartement bekannt gegeben, daß die amerikanische Regierung keineswegs gewillt sei, amtliche Schritte in Sachen der internen deutschen Judenfrage zu unternehmen. Amerika werde nur einschreiten, falls amerikanische Bürger irgendwie betroffen werden. Im übrigen stellt das Staatsdepartement fest, daß laut Bericht des amerikanischen Botschafters in Berlin Angriffe auf amerikanische Bürger in Deutschland nicht stattgesunden hätten." Gründung einer Zentralstelle für jüdische Wie das Nachrichtenbüro des Bdz. erfährt, wird die U)irtfchaftshilfe. R e i ch s r e g i e r u n g die Methoden des Schlachtens | Berlin, 27. März, und die Betäubung der Schlachttiere durch Reichs-! Der Wirtschaftsausschuß des Preußischen Landesverg e f e tz bestimmen. Die Neuregelung wird wahrscheinlich , bandes jüdischer Gemeinden veranstaltete am Sonntag, schon in den nächsten Tagen erfolgen. Danach wird dann , den 26. März, unter Hinzuziehung der in Betracht komdas betäubungslose Schlachten und das Schächten im ' wenden jüdischen Organisationen eine eingehende Beganzen Reichsgebiet verboten sein. ratung über die gegenwärtig die deutsche Judenheit be-