Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 12 (23.3.1933)
- Date
- 1933-03-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450768--79480-2537234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Eschwege 1× ep/1047896
- Haifa 1× ep/1047930
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
23. März 1933 Der Israelit Nr. 12 Seite 7 Griechenland. Das Ergebnis der Wahlen im indischen Kataster von Saloniki. Saloniki, 14. März. Bei den in diesen Tagen in Griechenland durchgeführten Parlamentswahlen wählten die Juden Salonikis wie gewöhnlich in einem besonderen Kataster zwei Abgeordnete. Von etwa 11 000 Wahlberechtigten des jüdischen Katasters beteiligten sich rund 8000 Wähler an der Wahl, von denen jeder für zwei Kandidaten stimmen durste. Der Kandidat. der Tsaldaristen Allalous erhielt 5500, auf den Venizelisten und früheren Senator Ascher Malllh entfielen etwa 5000 Stimmen. Beide sind gewählt. Der Venizelist Aron Shaky und der Tsalüarist Dr. David Alhaniti blieben in der Minderheit. Ascher Malah wurde gegen seinen Willen' aus Befehl Venizelos' als Kandidat aufgestellt. England Sir Oswald Mosley verbietet in seiner Organisation antijüdische Propaganda. London, 16. März. Sir Oswald Mosley, der Führer der englischen faschistischen Partei, erklärte gegenüber dem Londoner Korrespondenten des „Daily Dispatch" in Manchester, antijüdische Propaganda sei absolut nicht Sache einer faschistischen Organisaton. Eine oder zwei unbedeutende Vereinigungen Englands hätten antijüdische Propaganda betrieben, aber was eine, Mosleys, Organisation betrifft, so sei in ihren Reihen jede antijüdische Propaganda strengstens verboten. „Daily Dispatch" ist von den Erklärungen Mosleys nicht ganz befriedigt und. schreibt, gewisse Schwarzhemden treiben immer noch eine Judenhetze, die jedem Engländer verächtlich erscheinen müsse. Wenn es Sir Oswald Mosley wirklich um die besten Interessen Englands geht, so müßte er einen öfsentlichen Befehl an seine Anhänger ergehen lassen, sich dem Antisemitismus, dieser „feigen und durchaus unenglischen Form eines nicht ausgeglichenen Nationalismus", fsrnzuhalten. Der britische Aolonicnminister über die Prosperität Palästinas. London, 16. März. Auf einer Kundgebung des Anglü-Palestine Clubs am 8. März führte der englische Kolonienminister, Sir Philip Cunliffo-L i ft e r , als Hauptredner ungefähr ans: Palästina prosperiert; es prosperiert nicht nur relativ, d. h. im Verhältnis zu der Lage in anderen Ländern, die unter der Weliwirtschaftskrisis leiden, sondern es entwickelt sich auch im absoluten Sinne fort. Hätte jedes andere Land eine gleich gut gesicherte Zukufnt wie Palästina, die Welt würde heute ein anderes Aussehen haben. Im weiteren Verlauf seiner Rede erklärte Sir Philip Cunlisfe-Lisier seine Entschlossenheit, die Politik des Jüdischen Nationalhcims voll, gerecht, akkurat und mit aller Entschiedenheit zu verwirklichen; dies nicht allein durch Worte, sondern auch durch Taten. Zum Schluß mies er auf die Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern hin und sagte, eine solche Zusammenarbeit werde schließlich zu einem Ausgleich der Gegensätze führen und das auf beiden Seiten bestehende politische Mißtrauen zerstreuen. Das englische Parlament zur Frage der jüdischen Flüchtttttge ans Deutschland. London, 14. März. E. Daran, konservativer Abgeordneter für den Bezirk Tottenham, richtete im Unterhaus an den Minister des Innern, Sir John Gilmour, die Frage, ob er im Hinblick auf die gegenwärtige Lage in Deutschland Maßnahmen ergreifen wolle, um die Einwanderung ausländischer Juden aus Deutschland nach England zu verhindern. Innenminister Sir John Gilmour erwiderte: „Es ist in den englischen Gesetzen nicht vorgesehen, daß in der Behandlung von Ausländern Unterscheidungen nach Religion und RassezugeHörigkeit gemacht werden. Das Fremdengesetz gibt uns die Befugnis, unser Land vor unerwünschtem Zufluß von Fremden zu schützen. In der Anwendung dieses Gesetzes lassen wir uns einzig und' allein von der Rücksicht auf die Landesinteressen leiten." Daran fragte weiter: „Weiß der Innenminister, daß Hunderttausende Juden jetzt Deutschland verlassen (? Red.) und, da andere Länder ihnen verschlossen sind, sich England zuwenden? B u ch a n a n (Arbeiterparteiler) ersuchte den Minster, definitiv zu erklären, daß bei Einwanderungsbewilligungen keine Sonderbeschränkungen für Juden gemacht werden würden. Während der Innenminister die zweite Frage Dorans unbeantwortet ließ, gab er auf Buchanans Frage die Erklärung ab, es sei in k e i n e r W e i s e beabsichtigt, eine Sonderbeschränkung gegen einwanderungswillige Juden platzgreif e n zu lassen. Die Sorge Dorans ist zwar unberechtigt, aber seine Frage ist so bezeichnend für die Lieblosigkeit gewisser englischer Kreise, wie die Antwort des Ministers für den wahren Geist der englischen Politik zeugt. Empfang in Safed. Safed, 12. März. Am 7. Adar wurde in der „Jeschiwa Bar Jochai" und dem dazu gehörenden Altersheim in M i r o n das große jährliche Sijum auf Schaß gefeiert. Die Feier verlies in äußerst gehobener Stimmung und ging dann in ergreifende Gebete am Grabe des Tanna für unsere unter der politischen wirtschaftlichen Not schwer leidenden Brüder in den Ländern Europas über. Die Reisegesellschaft der Jsgudas Jisroel in Deutschland besuchte auch die Gräber vorn M i r o n und wurde von Rabbi Mosche Pvdhorzer, dem Leiter der Jfechiwa und des Altersheims irr Miron, feierlich empfangen und begrüßt. Deutsche Agudagäste irr Erez Jisroel. I e r u s a l c in , 15. März. Am Donnerstag, den 4. Adar, traf die deutsche Touriftengruppe der Palästina Centrale der Agudes Jisroel über Haifa in Jerusalem ein. Im Lokale der Agudas Jisroel fand am Sonntag ein Empfang statt, an dem alle orthodoxen und Aguda-Jilstüttzen vertreten waren. Rabbiner Mosche Blau hob in einer wirkungsvollen Begrüßungsrede die Bedeutung dieses Besuches für Erez Jisroel hervor. Es sprachen noch Rabbi I u n g r e i s für die Orthodoxe Gemeinde, Rabbi Elisa S! o t n i k für die Jerusalemer Agudas Jisroel-Jugend. Die Herren Rechtsanwalt Dr. B u .r b a u in imo Direktor Barnch Rabinoroi iz hielten Referate über aktuell ,Erez Jisroek-Probleme und Rabbi Lieder sprach im Einzelnen über den Sabbat in Erez Jisroel. Bon den Gästen dankten in Reden, die alle de» starken Eindruck der Reise miedergaben, die Herren Julius L ö w e n t h a I, Eschwege, Simon M n g d n n Frankfurt a. M. und Herr Brunner -Gr ü n b e rg letzterer im Namen der Aguda-Jngend in Deutschland. Es sprach noch zuletzt Herr Dr. Snlzbcr g e r, Berlin, der Schwiegersohn des bekannten Palästinafreundes Bankier Jsak N u s; b a n m , über die Mittel und Wege, alle orthodoxen Kräfte iin Lande uin den Sabbath zu sammeln. Am Montag und Dienstag besuchte die Gesellschaft unter Führung der Jerusalemer Gesinnungsfreunde viele Schulen und die hauptsächlichsten Thora- und Wohlfahrtsinstitute des alten Jischuw in Jerusalem. Arbeitermangel in Petach Tikwah. T e l - A w i w , 15. März. In der Kolonie Petach Tikwah gibt es zur Zeit so viel Arbeit, daß alle Hände nicht ausreichen, was vielen gesetzestreuen jungen Menschen aus der neuesten Alija zugute kommt. Der Waad leumi versuchte zuerst, die Arbeitsvermittlung in die Hand zu nehmen, was nmnche junge Leute zurück hielt, davon Gebrauch zu macheu. Zur Zeit aber ist in der Kolonie so viel Arbeit zu vergeben, daß die jungen Menschen ohne jede Vermitt-, lung Anstellung und Verdienstmöglichkeit finden. ' Hilfe für die Golah. Jerusalem, 12. März. Eine große Hilfsaktion für die seelisch und materiell schwer leidenden Brüder in Rußland hat in ganz Erez Jisroel und besonders in dsn orthodoxen Kreisen eingesetzt. In allen Gemeinden wurden Versammlungen und Vorträge in den G'tteshäusern abgehalten und Geldsammlungen für Mazzoh- und Lebensmittelpakete vorgenommen. I Am Taanith Esther wurde an den Heiligenstätten Gebete für die Brüder in der Golah, im Osten wie im Westen, in erschütternder und zugleich erhebender Weise verrichtet. Line Stimme aus Lrez Jisroel. Jerusalem, 13. März. Zu der politschen Entwicklung in Europa unb der Verschärfung der jüdischen Lage schreibt der „Kol Israel" in seiner Nummer vom 4. 'Adar u. a.: „Von vielen Seiten werden unsere Brüder in Deutschland ermahnt, ihren Weg nach Erez Jisroel zu nehmen. Alle Welt weiß aber, daß Erez Israel keine Lösung für die Not von einer halben Million Juden bringen kann. Hunderte, vielleicht auch Tausende können eimvandern, an der Gesamtlage würde das wenig ändern. Abgesehen von dne Schwierigkeiten der Aus- und Einreise und den Gefahren, die ans einer solchen Massenflucht für den Rest erwachsen müßte, den man nun erst recht als fremdes Element ansehen würde. Erez Jisroel fühlt aufs innigste mit allen Brüdern, die in der Welt Not leiden, aber man würde eine schwere Verantwortung auf sich nehmen, wollte man von der Ferne Ratschläge geben, die v'n neue Katastrophen herbeiführen könnte. Was uns zu tun übrig bleibt, das ist der Weg des Gebetes." Dis Rabbinen Erez Jisroel werden ausgerufen, angesichts der Lage die Massen zur Einkehr und Umkehr, zur nrsm anzuregen. Lin Oberrabbincr für Japan. Jerusalem, 14. März. Der Jerusalemer „Doar Hajom" berichtet von einem jüdischen Sendboten aus Japan, der sich mit der Mission nach Europa begeben hätte, einen Oberrabbiner für die japanische I u d e n h e i t zu suchen. Er behauptet, daß die Juden auf keinem Punkte der Erde so viel Freiheit genießen und solche Ehrenstellung einnehmen wie in Japan. Im Ganzen zählt die japanische. Judenheit etwas über 20.000 Seelen, die verstreut im Lande leben. Die japanische Negierung würde dem Rabbiner ein Staatsgrhalt in gleichem Maße wie den Priestern der anderen Religionen aussetzen. Er wird aber die Aufgabe haben, die ganze Judenheit Japans um die Quellen zu sammeln, sie zusamntenzuhalten und nach außen zu vertreten. Für eine große jüdische Einwanderung eigne sich Japan zur Zeit nicht, wegen der wirtschaftlichen Krise. Die seit dem Kriege dort ansässigen Juden, Spaniolen und Aschkenasim, letztere zumeist frühere Kriegsgefangene ans Rußland, befinden sich aber fast alle in leidlich guten Verhältnissen. Der Sendbote aus Japan heißt Jizchnki I ch u d i st Etwas verdächtig Ringt feine Angabe von der Errichtung eines in i e r n at \ o n a l e n unb i n t e r f o n - fe > s - onellcn T e m p eis für a ch t R e l i g i o o e n in Hongkong, in dein auch der Rabbiner in feiner Abteilung zu wirken hätte. Rapides An'vachsen der Bevölkerung von Lei-Arvim. T e l - A w i u>; 12. März. Die Zahl der jüdischen Bevölkerung von Tel-Awiw ist allein in den letzten sechs Monaten von 46 000 Seelen auf rund 56 000 Seelen gestiegen; sie hat also in einein halben Jahre um 10 000 Seelen (über 20 Proz.) zugenonnnen. Die Hauptmasse der neuen Einwohner Tel- Awiwis rekrutiert sich aus Angehörigen des beinittelten jüdischen Mittelstandes, die aus Amerika, Polen und anderen Ländern einwanderten und sich an verschiedenen- Unternehmungen beteiligen. Mehr als 100 000 Menschen aus ganz Palästina, unter ihnen Hunderte amerikanischer Touristen, nahmen an dem am 13. März in Tel-Awiw stattgesiindenen großen P u r i m - F e st z u g teil. Ungeachtet der Aufforderung der arabischen Presse an ihre Leser, der jüdischen Festlichkeit fernzubleiüen, haben schätzungsweise nicht weniger als 10 000 Araber dom Feste beigowohnt. Um dem Mangel an Arbeitern in den jüdischen Kolonien abzuhelfen, hat der Waad Leumi die Rektoren aller hebräischen Schulen in Palästina ersucht, bis nach den Pessachtagen sämtliche Schüler von 16 Jahren aufwärts vom Schulbesuch zu beurlauben, damit sie sich den jüdischen Kolonisten als Arbeiter zur Verfügung stellen können. Auch die Lehrerseminare wurden geschlossen, die Studierenden begaben sich als Arbeiter in die Kolonie. Ebenso haben viele Jeschiwoth Hunderte ihrer Zöglinge beurlaubt, damit sie sich in den Kolonien betätigen können.