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Der Israelit · 1933-03-23 · Heft 12 (23.3.1933) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 12 (23.3.1933)
Date
1933-03-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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23. März 1933 Der Israelit Nr. 12 Seite 3 gefunden. Man müßte cs diesen Menschen nur recht plausibel machen können. Mit den allerbescheidenstcn Mitteln, sich selbst zu verköstigen — mit Hilfe der „Tage" — ist es selbst heute für die allermeisten doch möglich, vor allem auf dem Lande. Cm solcher .lanrrn- Knrs würde eine Gemeinde kaum ein paar Mark im Jahre kosten, viele Hunderte von min »aa könnten in ein paar Jahren heranwachsen. Oder, — liegt es etwa nicht im Bereich der Möglichkeiten, den staatlich vorgeschriebenp Ruhetag auszugestalten als einen Tag des Lernens für die ganze Gemeinde? Die Ausflüge uftv. könnten auf ihr notwendigstes Mindestinaß beschränkt werden. So — daß Jung und Alt, Wissende und Unwissende stundenlang, zumindestens den ganzen Rachmittag, im n»a noian lernen könnten, einzeln und in Gruppen y'in -niwv und *]nsr jnbitP' ima und nvia- .Oder — könnte man nicht in den Großstädten an jedem Rachmittag 2—5 Stunden Schiurim für Erwerbslose abhalten? Man könnte ja soviel, wenn man nur ehrlick wollte. Cs ist bereits an der Zeit, einzufehen, daß es ein Fehler gewesen ist, zu glauben, dem Gedanken der Selbständigkeit der Orthodoxie Popularität zu verschaffen in Gemeinschaften thoraunkundiger Juden, in der selbstzufriedenen Gesellschaft Unwissender, die über stümperhaftes Rachblätternkönnen nicht herausgekommen sind- (Cinzelne Ausnahmen haben uns immer wieder die Grundregel vergessen lassen.) So wahr wie es ist, daß das sogen. Austrittspr.inzip nicht in erster Linie eine geschichtsphilosophisch-juridische Doktorfrage ist, sondern eine von jüdischer Begeisterung gezeugte Demonstration der Echtheit der persönlichen mrr und darstellt, so wahr ist es auch, daß in einer jüdischen Bevölkerung, die der intensiven Vertiefung in die weiten Gebiete der talmudischen Wissenschaft zum größten Teil fremd geblieben ist, niemals der Austrittsgedanke einen starken Widerhall wird finden können. (Ganz im Gegensatz zu Ungarn, wo die große Masse der nmn fast alle einige Jahre Hörer einer Icschiwa waren.) Ebenso werden, letzten Endes, alle Vorschläge Uathan Birnbaums an der Thorafremdheit der großen jüdischen Kreise scheitern müssen. Denn niemals wird ein 22N ab üs; Verjüngung oder Aufschwung anstrebcn. Die Voraussetzung fehlt an allen Ecken und Enden. Die Voraussetzung: Umkehr und Lernen. Und dann: Man muß Rabbiner Hirsch richtig verstehen. Stünde Rabbiner Hirsch heute auf, so würde er zu den Söhnen unsrer Zeit anders sprechen, wie vor hundert Jahren. Wenn er damals die Väter um sich scharen konnte, die dem Licht der Emanzipation entgegenstrebten, so wüßte er heute die Enkel zu gewinnen, die langsam auf die Cmanzipaion verzichten lernen müssen ... „Soll ich sie ihrer Mitte, in jedem Haus, in allen Zelten, die sich rings um die Stiftshütte gruppieren. Dann erst hat das kunstvolle Sinn und Zweck, erst so sein Ziel vollkommen erreicht. Das Judentum schließt seinen G'tt nicht in prunkvolle Synagogen ein. Bei uns steht höher das Lehrhaus, das direkt fürs Leben und aufs Leben einzuwirken sucht. Keine Kunst, und sei sie noch so hoch entwickelt, kein Kunstbau, und sei er noch so glanzvoll ausgestattet, kann das Lehrhaus ersetzen oder verdrängen. Eben weil es direkt auf Lebensheiligkeit und Lebensheiligtum eingestellt ist. Noch heute nennt der Jude sein G'tteshaus „Schul" im Bewußtsein, daß das Lehrhaus den starken Unterbau bildet, wie denn auch unsere Gesamtliturgie sich mindestens aus ebenso viel „Lehrhaftem" als „Erbaulichem" zusammensetzt. Den prunkvollen Tempel Salomos konnte Jochanan den Sakkai eher sich hinwegdenken als das Lehrhaus in Jawne, um dessen Fortbestand er den stolzen und mächtigen Römer bat. Ginge es nach prunkvollen und imposanten Andachtsstätten, nach ungezählten Tempeln der schönen Künste und Wissenschaften, nie hätte ein Weltkrieg die Kulturvölker entzweien und ihre Länder in Trümmerfelder verwandeln dürfen. Das Dichterwort: „Nur durch das Morgentor des Schönen ziehst du in der Freiheit Land" ist eben nicht wahr: wir können es nicht unterschreiben, schon im Hinblick auf die lebendige Gegenwart mit ihrer unglaublichen Verrohung besonders der Jugend. Man möchte Rousseau rechtgeben, der 1750 auf die Preisfrage der Akademie zu Dijon „Haben die Fortschritte der Wissenschaften und Künste. zur Reinigung oder Verschlechterung -der Sitten beigetragen" sich für die Verschlechterung entschied und den Preis erhielt. Das Judentum hat sich nie durch hohlen Schein blenden lassen. 'Dfnrw D’jir ons ivrr c>2'v§ umri 0222b 'ins ninn xbi „Schweifet nicht umher nach Herz und Auge^ denen ihr segnen, die Emanzipation? . . (19 Briefe.) Stünde er, der Große, der Weitausschauende, heute auf aus seinem Schlummer, er würde zu uns reden, in unsrer Sprache. Zu uns, die wir zu zweifeln beginnen, zu verzweifeln an der Kultur, die j e n e ersehnt, an der Zivilisation, die unsre Ahnen beglückt hatte. An einer Kultur, geboren aus dem autochth'onen Diesseitsdünkcl der Menschheit, einer Kultur, die den Weltkrieg entzündet und niemals gelöscht hat, einer Kultur, die uns in unsre brüchige Gegenwart zu führen vermochte. Große Teile des zeitgenössischen orthodoxen Judentums stehen der europäischen Kultur und ihren Heilslehren kühl bis ans Herz hinan gegenüber. Rabbiner Hirsch würde, lebte er heute, —• jener nmindie den Wahlspruch des perek: px *]yt oy min nnbn ns' zur Erziehungsmaxime des Judentums erhob, heute Vielleicht entgcgenhalten ein anderes Weisheitswort desselben perek, das Rechunia, Hakoncs Sohn, gesprochen: ima^a ‘piy praya 'min biy vby ‘npan ta jpx -pi hlvl minn bw — das Schlüsselwort zu den jüdischen Rätseln unserer Zeit, mm i?isr — die Mission des deutschen Judentums, wenn cs je eine besondere für uns gegeben hat. Zurückzufinden zur Thorakultur der Teschuwamen scheu, die Revision einer Synthese, die die trostlose geschichtliche Entwicklung Lügen strafen mußte. Sollen wir sie segnen die Richt- Emanzipation . . .? Und die Konsequenzen: Beseitigung der letzten schäbigen Reste der Reform, die „gelben Flecke" des Liberalismus; wir ersparen uns die Aufzählung. Auch die jüdische Volksschule müßte wieder in ihre alten Ehren eingesetzt werden. Sich wehren gegen das Leid ist sinnlos, aus ihm zu lernen — heißt die Losung. Laßt uns das nV?a tragen, als stolze Juden! Wird das Obige verstanden werden? Bei den allermeisten wird es wohl Lächeln, Skepsis, Harthörigkeit, Kopfschütteln und Pessimismus Hervorrufen. Wird die Losung weitergegeben werden? Ein Anonymer, Unkundiger, Unerfahrener hat sie ausgesprochen, werden die Kundigen, die Erfahrenen des deutschen Judentums sie aufnehmen wollen? wird sich diese Losung fortpflanzen, von Mund zu Mund, von Ohr zu Ohr, von Herz zu Herz? G'tt möge das Golus fortnehmen aus wehen Herzen, und aus schlaffen Händen; Er möge unsre verschütteten Reschomaus erlösen. Rm den Körper ist es uns dann nicht bang. — Man wird den „Fanatismus" belächeln, der die vorgebrachten vorsckläge veranlaßte. Sie sind zu früh gekommen. Einigen werden sie aus der Seele gesprochen haben. Und an diese Wenigen klammert sich unsre Hoffnung. so gerne nachbuhlet." (4. B. M. 15, 39). Eine Dissonanz zwischen Heiligkeitsstreben und dem an die Natur gebundenen Schönheitssinn ließ auch das '2vv nicht aufkommen. Ein wundervoller Midrasch erzählt, daß nach Vollendung des ganzen Stiftshüttenbaues das Volk durch Moses und Ahron gesegnet wurde mit den Worten: ,1,21212 irr» n»y»i i2'i>v na 112 tri’ ns?s»i ivi>v n'p!>s 'n an ii'i „Es komme das Beglückende des Ewigen, unseres G'ttes. über uns und das Werk unserer Hände — festige es für uns, und das Werk unserer Hände — festige es!" Dazu Hirsch V'xt. in seinem Psalmenkommentar: -.052 ist das Ansprechende, Zusagende, Anziehende. Und wie am die sinnliche Anmut und Schöne aus der Einheit in der Mannigfaltigkeit sich erzeugt, so gestaltet sich die sittliche Anmut und Schöne aus der Vermählung der Gesetzeseinheit m i t der Mannigfaltigkeit der Freiheit, so ruht das sinnlich Schöne und das sittlich Schöne auf dem Grunde der Harmonie."-Treffender könnte das Midraschwort für die Stiftshüttenweihe kaum gedeutet werden. Es ist die abschließende Zusammenfassung der heiligen Aufforderung: ,021712 '7U2V1 Vnp!3 1VV1 Sie sollen mir ein Heiligtum bereiten, damit ich l n Kleines Feuilleton. Ein wahres Gesckichkchen. In einer Stadt Oberschlesiens kam jüngst ein jüdischer Herr, der mehrfach anonym Drohbriefe erhalten hatte, Abends spät nach Hause. Im Begriff, die Haustür aufzuschliehen. hört er hinter sich ein lautes „Halt!" wendet sich um und sieht beim schwachen Laternenlicht Wochenrundschau. Am die Schechita. Als vor drei Jahrzehnten in der freien demokratischen Schweiz auf dem Wege der Volksabstimmung ein Schächtverbot eingeführt wurde, wies man in orthodox-jüdischen Kreisen mit Reckt darauf hin, wie wenig eine konfessionelle Minderheit sich auf die Weisheit und religiöse Duldsamkeit der modernen Demokratien verlassen könne, sobald cs gilt, uralte, den Rationalismus fremdartig anmutende religiöse Institutionen zu schützen- Dem demokratischen Rauionallsmus ist und bleibt es eben unverständlich, daß Speise und Trank, daß die Körperlichkeit des Menschen überhaupt/ die Beziehungen zwischen dem in den Körper eingehenden tierischen Organismus und der menschlichen Seele, in das Gebiet der Religion fallen und daß somit Cingrffe in dieses mehr oder minder mystische Lebensgcbiet die Gewissensfreiheit auch nur berühren können. Auch der russische Bolschewismus ist aus seiner eigenen Ideologie heraus zu verstehen, wenn er, zwar nicht direkt, aber indirekt einen rücksichtslosen Kamps wie gegen alles Religiöse auch gegen die Schcchito und ihre Träger führen möchte, der glücklicherweise durch die politische Rücksicht auf die Mohammedaner eingedäinmt wird. Rm so tragischer wirkt es nun, daß eine Bewegung, die ja im schärfsten Gegensatz zu allem modernistischen Rationalismus und ethischen Radikalismus steht, eine Bewegung, die Deutschland den tiefen Respekt vor der nationalen und religiösen Tradition wieder schenken will, und die, wie kaum eine andere je zuvor, an die aus Urtiefcn sprudelnden irrationalen Kräfte des Menschen appelliert — daß eine solche Bewegung den fest in ihrer religiösen Tradition wurzelnden deutschen Juden die Ausübung der Schechita praktisch unmöglich zu machen im Begriffe ist. Rackdcm diese praktische Verhinderung der Schechita an zahlreichen Orten — entgegen dem ausgesprochenen Willen des Reichskanzlers — durch terroristische „Privataktionen", Beschlagnahme der Schächtmesser usw. erfolgt ist, sind bereits mehrere Landesregierungen auf Grund des Rotverordnungsreckles Mit gesetzlichen Bestimmungen vorgcgangen, die das „betänbungslose" Schlachten von Großvieh verbieten, wobei nach der geltenden Ausdrucksweise einen uniformierten Nationalsozialisten mit erhobener Faust schnellen Schrittes auf sich zukommen. Ehe der Erschrockene die Haustür zuschlagen und sich in Sicherheit bringen kann, ist der Nationalsozialist bei ihm und sagt: „Sie haben einen Handschuh verloren, hier ist er," überreicht den Handschuh, schlägt die Hacken zusammen. grüßt und macht Kehrt. Tableau! (Ein Kochbuch für israelitische Frauen.) Von dem.altbekannten „Kochbuch für israelitische Frauen" von Rebecka Wolfs liegt eine 14. vermehrte und verbesserte Auslage im Verlage von I. Kauffmann. Frankfurt a. M. vor. Das' 240 Seiten umfassende Buch kostet nur Mk. 4.50. Schon die unmittelbar vorangehende 13. Auflage wies bedeutende Verbesserungen auf. die beibehalten worden sind. Dem Buch ist eine Maß- und Gewichtstabelle beigegeben und, um das Auffinden der Rezepte ZN erleichtern, ist am Schlüsse ein alphabetisches Register an gefügt worden._ Wochenkalender 00m 25. März b. 1. April 1233 vom 27. Adar b 6. Nissan 8683! ’»r> *p | Nina 's ’Yipa ‘»np’i ni’in v >77771 P222» Samstag 25 ms 27 22 Mauled: Sonntap Sonnrag 26 28 N2. nachm. 12 Uhr 10*,'« M. Montag -« 27 |29 12 1122 DV Dienstag U 28 1 72 BH71 VS1 Mittwoch 29 2 nov 2 — Donnerstag 3C 3 2 Freitag 31 4 “7 Samstag 1 5 n K2j?’l

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