Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1933)
- Date
- 1933-03-16
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 1 Der Israelit 16., März 1933 konnten und doch muß ich heute den dringenden Appell an Sie richten, uns Ihre pilfe, die wir jetzt dringender als je bedürfen, nicht zu entziehen. Beginnen Sie Ihre persönlichen Einschränkungen nicht damit,, das; Sie Ihre Beiträge kürzen und uns Ihre Spenden entziehen. Im Gegenteil, geben Sie unserem Verein mehr, als Sie glauben geben zu dürfen. Wohltun trägt Zinsen! Aach verdienst Ihrer Wohltaten wird auch Ihnen der AUgütige seine Fürsorge angedeihen lassen. »iar>s öt> *m wpbi osrn xm Geben Sie uns die Wittel, um in der Provinz Tauroh verbreiten zu können, damit das Volk täglich die Schätze unserer heiligen Lehre, die allein uns heute palt gibt, einsammeln kann, dann werden Sie alle, mit der gleichen Leichtigkeit, wie unsere Väter in der wüste das Wanna sammelten, mit G'ttes Pilse Ihre parnosso finden. perr Aathan Kahn übernimmt sodann den Vorsitz mit folgender Begrüßungsrede: Sehr geehrte Damen und perren! Cin Jahr heftigster wirtschaftlicher und politischer Erschütterung liegt hinter uns — in schicksals-schwerste Zeit fällt unsere heutige Tagung. Umrauscht von der Sturmflut des Judenhasses, der drohender als je fein Paupt erhebt, --1l;abeit Sie es fid? bennödj nicht nehmen lassen, unserem Ruf zu folgen und zu uns zu kommen. Indem ich Sie alle, die Sie von fern und nah in so statt--1 licher Anzahl erschienen sind, auf das perzlichste begrüße, danke ich Ihnen zugleich für die Treue, die Sie auch jetzt wiederum aufs Reue unserem Verein bekunden. Wir erblicken darin den Beweis Ihrer engen Verbundenheit mit den hohen Aufgaben, denen der Verein für die jüdischen Interessen nunmehr seit über 50 Jahren dient. Aber mehr noch als eine 2lnerkennung und Förderung unserer Ziele bedeutet Ihre Teilnahme an der heutigen Tagung. In dieser so unendlich schweren und gefahrvollen Zeit ist es ein erhöhtes Bedürfnis für die Gefamtjudenheit und insbesondere für die gleichgesinnten religiösen Kreise, sich fester und fester zu einer Agudoh Achas, zu einem engen Bund zufammenzuschließcn, um mit vereinten Kräften eine Abwehr-Phalanx gegen die Angriffe und Gefahren zu bilden, die uns nicht nur in wirtschaftlicher, sondern auch in religiöser pinsicht bedrohen. Aus diesem Zusammenschluß, aus unserer heutigen Tagung, wollen wir neuen Wut, neue Kraft schöpfen und uns mit neuer poffnung auf bessere und schönere Zeiten beseelen lassen. Und so gebe ich namens des Vorstandes unseres Vereins und als Dolmetsch der Empfindungen unserer Witglieder unserer großen.Freude darüber Ausdruck, daß Sie, hochverehrter perr Dberraübiner Dr. C a c l e b a ch, unserem Rufe gefolgt sind, um diese Gefühle der poffnung in uns zu erneuern und zu stärken, das Bewußtsein in uns lebendig zu. gestalten, daß lau Almsn Iisroel, daß die jüdische Sache doch nicht verwaist ist, daß das Bitochaun, das G'ttvertrauen uns auch lveiterhin schützend zur Seite stehen wird. Ich heiße Sie auf das perzlichste willkommen. Ihre Anwesenheit unter uns vor vier Jahren .fleht bei uns in allerbester Erinnerung. Das Feuer der Begeisterung für Tanrosseinu pakedauscho, das Sie auf unserer damaligen Versammlung in unseren Perzen entzündeten, leuchtet in uns fort und fort. Das Thema, das Sie für heute gewählt haben, „Religion und Wirtschaft" ist in der gegenwärtigen Lage des Judentums besonders aktuell und wie wir überzeugt sind, daß Sie, verehrter perr Dberrabbiner, uns ein guter Ratgeber in den Wirrnissen der Zeit sein werden, so wünschen wir, daß auch Sie sich in unserer Witte wohlsühlen und mit den Erfolgen der heutigen Zusammenkunft zufrieden sein..werden. Ich begrüße weiterhin Perm Rabbiner Dr. W e y l aus Düsseldorf, die Vertreter der beiden Kölner Qy* nagogengemeinden und der verschiedenen Ehewraus. Ihr Erscheinen nehme ich als einen,Beweis für Ihre Uebereinstimmung mit unseren Zielen an und bitte 'ich Sie, dieselben auch weiterhin fördern zu wollen. Zu meinem Bedauern vermissen wir heute unseren allverehrten Seniorfreund und Witbegründer des Vereins, perrn Woses Schweizer, Euskirchen, der durch eine kleine Unpäßlichkeit verhindert ist, an der Tagung teilzunehmen. Es ist mir ein Bedürfnis, ihm nicht nur unsere herzlichsten Grüße mit dem Wunsche recht baldiger Wiedergesundung, .sondern ihm auch' von dieser Stelle aus die aufrichtigsten Wafeltow- Wünsche zu dem vor einigen Wochen gefeierten 78jährigen Geburtstagsfest, an dem eine Deputation des Vorstandes teilnahm, auszusprechen. Wir hoffen, ihn noch weitere 28 Jahre in der . gleichen körperlichen und geistigen Frische, wie wir sie von ihm gewohnt sind, auf unseren Tagungen begrüßen zu können. Bevor ich Ihnep den kurzen Berichts über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufcncn Jahre erstatte, ist es mir eine schmerzliche Pflicht, der Männer zu gedenken, die uns während dieser Zeit für immer verlassen und ihre Augen zuui ewigen Schlummer geschlossen haben. perr Rabbiner Dr. Isaak Auerbach ^"2!» Palberstadt, der Vorsitzende des Landesverbandes gesctzcstreuer preußischer Gemeinden, der treue Zionswächtcr, der Freund und Förderer unseres Vereins, dem wir so unendlich viel verdanken, ist nicht mehr. Wann auch immer wir seiner Pilse und seines Rates bedurften, stand er uns zur Seite. Ein edles Reis aus adligem Geschlecht war er Zierde und Stolz des Judentums. Seine geistige Souveränität und Beredsamkeit, gepaart mit höchster Bescheidenheit und hervorragendsten menschlichen.Tugenden machten ihn dazu berufen, Führer seinem Volke zu sein, der auch bei den Behörden größtes Ansehen und höchste Wertschätzung und Anerkennung seines Wirkens fand. Für das Judentum und insbesondere für das gesetzestreue und nicht zuletzt für unseren Verein bedeutet sein peimgang einen schmerzlichen Verlust, der nicht ersetzt werden kann. Tiefbewegt.rufen wir dein Verklärten von dieser Stelle aus unseren aufrichtigen Dank für all seine Liebe, die er uns erwiesen hat, in die Ewigkeit nach. Wir beklagen ferner den peimgang unseres Ehrenvorsitzenden, perrn Stadtrat Jonas, W.- Gladbach, der uns fett Gründung unseres Vereins ein treuer Weggenosse und Förderer unserer Bestrebungen war. Bannerträger des altüberlieferten Judentums, stand -er unermüdlich auf der Wacht, wo und wann es galt, für das thoratreue Judentum einzutreten und zu kämpfen. In innigstem Dank bleiben wir auch ihm über das Grab hinaus für immer verbunden. Wir betrauern weiterhin den Tod zweier anderer Großen in Israel und Freunde unseres Vereins. Die perren Dberrabbiner Weber in pistx'an und pirschler in preßburg. Allezeit nahmen sie lebhaftes Interesse an der Entwicklung unseres Vereins, dem sie Forderung nach ihren besten Kräften angedeihen ließen. Wöge das Verdienst der pcimgegangcncn cin guter Fürsprecher beim Thron des Allmächtigen fein, und zur schnelleren Beendigung des Dolus beitragen. Ueber die Tätigkeit des Vereins im vergangenen Berichtsjahre kann ich mich .sehr kurz fassen. Sie werden nicht erwarten, daß-ich Ihnen Wunderdinge erzähle. Denn es würde doch wunder bedeuten, wertst bei der Rotlage, in der sich, die deutschem Lande befinden, der Verein Reues geschaffen hätte. Ich glaube Ihre Zustimmung zu finden,i'wenn ich Jage: es ist schon fast ein Wunder, daß der Verein'überhaupt Noch ' , existiert, wo überall, wohin mair sieht und hört, auch ' fester fundierte Einrichtungen dem Sturmwind der Zeit, der Rot des Tages, zum Dpfer gefallen sind. j Die Tatsache, daß die Vereinsbeiträge nur schlecht eingingen und zum Teil ausblieben, ermöglichte es uns, nur in begrenzterem Umfange die Aufgaben des Vereins durchzufühcen. Die Aufsicht über die verschiedenen Lebensmittelbetriebe, potels und Speiseeinrichtungen wurden nach wie vor ausgeübt, die Wenfa Iudaica in Bonn besteht noch. :Sie wirkt sich segensreich für die vielen Studenten aus, die wert auf rituelles Essen legen. Die materielle Seite aber stellt ein weiterbestehen der Wenfa in Frage, und wir wären Ihnen dankbar, wenn Wittel für diesen Zweck zur Verfügung gestellt würden. Unser vereinsrabbinec, perr Dr. Wölf, hat ferne Tournee durch die rheinischen Gaue in unverminderte^ Weise durchgeführt, annähernd 130 Reisen führten, ihn.in die angeschlossenen Gemeinden, in denen er Vorträge hielt und die religiösen Einrichtungen der Gemeinden betreute. Ich spreche sicherlich in Ihrer aller Namen, wenn ich perrn Dr. Wolf . für sein nimmermüdes, opferfreudiges Wirken auch im Berichtsjahre den herzlichsten Dank ausspreche. Die Anerkennung, die durch sein wirken unser Verein und Rabbinat bei den zuständigen Behörden gefunden hat, darf ihm und uns. zur besonderen Befriedigung gereichen. Ich schließe in diesen Dank auch unseren Rendanten, perrn G r ü n s f e l d , ein, dessen finanztechnischem Geschick und rastloser Wilarbeit wir unendlich viel zu verdanken haben. Den besten Dank aber würden Sie ihm dadurch abstatten, daß Sie 'nicht nur Ihr perz, sondern auch Ihre pand weit, weit öffnen würden, denn zum Krtegsühren gehört Geld. ■ perr Rabbiner Dr. W e l übte seine Tätigkeit in Düsseldorf nach wie vor in umfangreicher Weise aus und sprechen wir ihm ebenfallslunseren herzlichsten Dank aus. 1 Besondere Aufmerksamkeit wandten wir der Jugend zu. An den verschiedenen Veranstaltungen nahmen wir teil und unsere heutige Tagung trägt dadurch eine besondere Rote, daß wir zum ersten Wale mit ihr eine Iugendtagung verbinden, in der Iugenöfragen und organisatorischer Zusammenschluß der rheinischen Jugend int Sinne religiöser Überlieferung besprochen werden. So haben wir ' im Sinne unserer dieswöchentlichen Gidro und in der Erkenntnis der Wichtigkeit das Wort wahrgemacht: „Binoreinu Uwiskemeinu Rerlerch",' „Wtt unseren Jungen und unseren Alten wollen wir gehen." Wenn man sich heute in jüdischen Kreisen mit der ernsten und dringlichen Frage beschäftigt: „wie können wir eine Abwanderung und eine Flucht der Jugend ins Lager der extremen Parteien verhindern", so gibts nur die eine Antwort und den einen Weg: „Ans G'tteswort, ans teure, schließ' dich an, das halte fest mit deinem ganzen peczen: hier liegt die Duelle deiner Kraft." „Laßt Cure Kinder in der früh'sten Jugend an den Duellen der Thora trinken, gebt Ihnen das gütliche Wanna zu essen, erfüllet sie mit Wissen und Stolz um die herrliche Vergangenheit des Judentums, sorget für gute jüdische Erzieher, die in Leben und Lehre auf dem Boden des G'ttesgesetzes stehen!" Ihr, die Ihr an kleinen Plätzen und verstreut wohnt, suchet einen Zusammenschluß der Jugend herbeizuführen. Unser Verein wird es zu ermöglichen versuchen, einen Lehrer zu finden, der zu bestimmten Zeiten und an einem bestimmten Zentralort Unterricht erteilt. In diesem Zusammenhang darf ich auf die schönen Erfolge Hinweisen, die wir mit dem Zusammenschluß verschiedener Gemeinden erzielten, die ihre Kinder nach Düren schicken, um dort regelmäßig Unterricht zu erhalten. Perm Lehrer Selig wolf, Stegburg, der sich zuerst um die jüdische Jugend äm Kreise Düren erfolgreich bemühte, spreche ich meinen herzlichsten Dank aus. Ebenso perrn ID ex res, der in Düren das von Perm Wolf angefangene Werk mit gutem Erfolg fortsetzt, und" auch; in.anderen Gemeinden unseres Vereins ein seegnsreiches Wirken entfaltet. Zur Linderung der materiellen Uot wurde die Errichtung von Darlehenskassen angeregt. Cs soll die Wöglichkeit gegeben..werden, Antragstellern für pro- .duktive Zwecke Beträge bis zu bestimmten pöhen zu .leihen, um auf. diese Weise gefährdete Existenzen zu erhalten. Die Idee ist so wertvoll, daß ihre Verwirklichung eines der schönsten Erfolge des Vereins sein würde. Doch dürfte die Schwierigkeit, aus den Kreisen unserer Witglieder den notwendigen Fond zu schaffen, zu groß sein. Ich stelle aber diese. Frage zur Diskussion und sollte es mich freuen, wenn ich zu schwarz gesehen haben sollte. Ich mache in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, daß der provinzialverband für jüdische Wohlfahrtspflege in der Rheinprovinz, mit Sitz in Köln, dem unser Verein angeschlossen ist, voraussichtlich in aller Kürze eine Darlehenskasse begründen wird. Wir werden nicht ermangeln, Ihnen eingehenden Bericht hierüber zu: erstatten. Weine Damen und perren! Ein Blick iw die jüdische Geschichte zeigt uns, wie gar häufig große Gefahren uns' umlauerten; aber immer noch, wenn die Uot am höchsten, ward uns.Befreiung und Erlösung beschieden. „Bechol daur wodaur aumdim oleinu lechalaussenu, wehakoöaufch-borochhu mazileinu mijoöom". In allen Zeitaltern standen Feinde gegen uns auf, um uns zu vernichten,