Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1933)
- Date
- 1933-03-16
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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"2 fl ^11 o-o || 0—0 |[-^ e) Deutschs , TächenkZi^F Cd o o—o o- HDSEi 1) o f fe s f t* c u ti d $nm Isr?nettt Organ desDereiiU; fftr d{e iftdifchcn 3nferejjen Stheinlands e.D. issn D<-. wsLf in «LsLn a. ritz. f==7 o I o o o! o — o;fö—==— -O | O- -o |o- Ol o- OH« -o 27. Jahrgang Frankfurt a. M., 16. März 1933 / 18. Adar 5693 Nr. 1 Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands e.V. ßöln, Hohenstaufenring 14. / Postscheckkonto: Köln 50 648 Köln, März 1953. verehrte Glaubensgenossen! werdet Mitglieder unseres Vereins, denn in keiner Zeit war der Zusammenschluß unserer Brüder und Schwestern so dringend nötig, wie in der heutigen. Die schwere Bedrängnis, unter der wir leiden, erheischt Selbstbesinnung! Denkt an die große Vergangenheit der rheinischen Judenheit und helft uns, das vergangene wieder aufrichten. Unser Verein.verfolgt keinerlei politischen Ziele, sondern wir wollen Aufrichtung, Erhaltung und Stärkung des Judentums! Wir wollen, daß die Jugend Hem Judentum erhalten bleibe! Wir wollen, daß die Gemeindeeinrichtungen, die uns Jahrtausende hindurch geistig wach und sittlich -rein erhalten haben, fortbestehen und neu geschaffen werden. Wir wollen Aufklärung verbreiten über das wesen des Judentums und die Bedeutung seines Lebensgesetzes. Wir wollen das Wissen vom Judentum mehren, um starken Halt für das Leben zu gewähren. Darum haben wir Rabbiner angestellt, die unausgesetzt in Wort und Schrift über jüdische Pflichten und jüdisches Wesen Belehrung verbreiten und die Gemeindeeinrichtungen schassen und leiten, die in lebendiger Fühlung mit den Lehrern und den Gemeinden stehen, Anregungen geben und die . Ausführung überwachen und auch den Einzelnen mit Bat und Tat zur Seite stehen. Darum gewähren wir Gemeinden Beihilfe, wo solche erforderlich ist. Darum-haben wir ein eigenes Organ „Jüdischer Volksfreund" geschaffen, das in den zwanzig Jahren seines regelmäßigen Erscheinens die jüdischen Schriften erklärte, das jüdische Schrifttum und jüdische Geschichte beleuchtete, jüdische Welt-- und LebensMschau-- ung beschrieb. Darum haben wir den Verlag der Bibliothek des Jüdischen volkssreundes ins Leben gerufen, in dem eine Reihe erklärender und belehrender Schriften zu geringem Preise erschienen ist und neue weiter erscheinen sollen; so besonders der Pentateuchkommentar: Dijukim al Hatauroh. Darum wollen wir allenthalben rituelle Speisehäuser einrichten. Darum haben wir eine Sterbekasse gegründet, um Armen, die in den Provinzialheilstätten sterben, ein jüdisches Begräbnis zu gewähren. Darum haben wir eine Mikwoauskasse errichtet, um die Reinheit der jüdischen Familie wachzuhalten. L Darum haben wir Lehrkurse zur Weiterbildung der Lehrer in jüdischer Wissenschaft unterhalten. i Darum vertreten wir die Gemeinden und ihre Interessen vor den Behörden. Jeder muß erkennen, daß die alte Zeit vorbei ist und eine neue auf den Ruinen erblühen muß. Der Materialismus einer hochgespannten Außcnkultur ist an sich selbst zu Grunde gegangen und hat Trauer und Elend, Entbehrung und Hunger über die Welt gebracht. Die Welt sehnt sich aus der Versumpfung zurück, die sie ins verderben gebracht hat und ihr Hab und Gut ins Grab versenkte. Da müssen wir Juden vorausschreiten den Weg des Idealismus. „Zurück zur Thora" kann nur und muß dev Ruf sein, den wir erschallen lassen. Zurück zur Thora im Leben! Zurück zum Sabbat, dem Wahrer und Mehrer alles Hohen und Heiligen, alles Edlen und Wahren. Zurück zum jüdischen Haushalt, der Heiligung des menschlichen Körpers, als Träger jüdischer Sitte. Zurück zur Einfachheit und Ehrlichkeit im Leben. Zurück zu Berufen, die den Geist bilden und den Menschen heben. Zurück die Jugend zur Thora geführt. Sie soll lernen, was Jude sein heißt, soll Thora kennen lernen in der Schule. :; Soll sich ivenigstens -ein volles Jahr nach Entlassung'' ans der Schule dem Thoralernen widmen. ■ . Diese Zeit ist gewönnen, nicht verloren. .Dazu gilt es, Lehrhäuser zu schaffen, Lehrhäuser im alten Sinn und moderner Form. Der Jugend beiderlei Geschlechts soll Thoraweishoit gereicht werden. Die Jugend will Ideale. Ertötet sie nicht in ihrer Brust. Lasset sie sich entfalten und „das Herz der Väter wird für die Kinder schlagen und das Herz der Kinder den Vätern entgegen." Helft mw unsre Ziele verwirklichen. , j, Helft uns in unserer Arbeit, unterstützt unser Streben ideell und materiell. Jeder, der den Glauben an die Menschheit und das Judentum sich noch bewahrt hat, schare sich um unsere Fahne. ‘ Für das Judentum mit dem Judentum! Werdet und werbet Mitglieder für den Verein für die jüdischen Interessen Rheinlands. Mitglieder und Freunde unsres Vereins, lasset uns bei jeder Gelegenheit freiwillige Spenden zukommen! Der Vorstand des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands E. V. Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands. Am 5. Februar fand die diesjährige Mitgliederversainmlung in dem Festsaale der Rheinlandloge in Köln statt. fi Während der geschäftliche Teil ^ch noch vor einer kleinen Zahl von Teilnehmern abspieite, wuchs der Besuch von Minute zu Minute, so daß die allgemeine Begrüßung und der Bericht des Vorsitzenden schon einem gut besuchten Hause galt, das sich immer dichter füllte, bis auch auf den Galerien viele Gäste keinen Sitzplatz mehr finden konnten und in den Gängen sich alles drängte. Rach der Eröffnung durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Salo M e e r, Düsseldorf, erstattete zunächst der bewährte Rendant des Vereins, Herr G r ü n s f e l d , den Kassenbericht. Derselbe schließt mit einem Defizit von Mk. 100.— ab. Herr Grünsfeld leitete seinen Bericht mit folgenden Worten ein: Meine Damen und Herren! Ich muß meinen heutigen Kassenbericht mit Dankeswortcn beginnen, die wir dem leider allzufrüh verewigten Halberstädter Raw schulden. Richt nur ideell, sondern auch in finanzieller Beziehung hat sich Rabbiner Dr. Jsak Auerbach ^*X7 für die Belange unseres Vereins eingesetzt. Immer wieder sorgte er dafür, daß wir nicht im Stich gelassen wurden. Unsere Subventionskasse ist seinem verdienst zuzuschreiben. Hätten wir diese nicht errichten können, so wäre es in den letzten Jahren mit unseren Finanzen schlimmer bestellt gewesen. Meine Damen und Herren! Das abgelaufcne Jahr war eines der -schwersten in der Geschichte unseres Vereins. Wir mußten sparen, sparen und nochmals sparen; mußten Salaire abbauen und durften nur das Allerdringendste ausgebon, um durchzukommen. Allein die Jahresbeiträge haben sich um rund Mk. 900.— gegen das Jahr 1951 und um weitere Mk. 400.— gegen 1950 verringert. Auch das Spendcnkonto weist ein Minus von Mk. 600.— gegen 1930 auf und aus Aufsichtsgebühren gingen Mk. 200.— weniger ein. Bedenken Sie, was eine Wenigereinnahmc von Mk. 2500.— für unseren verein bedeutet! In unserer Rot wandten wir uns an die Gemeinden des Auslandes, doch standen die Eingänge aus dieser Auslandsaktion bei weitem nicht in dem Verhältnis zur gemachten Propaganda und zu dem erhofften Erfolg. Im Rainen der Revisionskommission beantragt Herr Earl Bier, Köln, dem Rendanten Entlastung zu erteilen. Das geschieht. Rach kurzer Debatte, an der sich die Herren L. Marcus Rees und Juhl, Zülpich, beteiligten, legt Herr Grünsfeld den Haushaltungsplan für 1955 vor. Derselbe wird ohne Debatte genehmigt. Herr Grünsfeld beschloß sodann die Vorlegung des Haushaltsplanes mit einer kurzen Ansprache: Meine Damen und Herren! Wir alle haben unter der Schwere der Zeit mebr zu leiden, als wir es in früheren Jahren denken