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Der Israelit · 1933-03-16 · Heft 11 (16.3.1933) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 11 (16.3.1933)
Date
1933-03-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite Z Nr. 11 16. März 1933 ü daß ab Montag das Schächten der Tiere nicht mehr stattfinden dürfe. Die Schächter wurden aus dem Schlachthof geführt und ihre Schächtmeffer wurden beschlagnahmt. Wie uns von privater Seite mitgeteilt wird, ereigneten sich ähnliche Vorgänge auch in einigen Gemeinden Hessens. Der Breslauer Polizeipräsident an die Jüdische Gemeinde. Breslau, 14. März. Die „Breslauer Zeitungen", teilen mit: In einer Unterredung, die Vertreter der Breslauer Synagogengemeinde mit dem Breslauer Polizeipräsidenten von Alt- Stutterheim in Anwesenheit der maßgeblichsten Beamten des Präsidiums hatten, wurde von seiten der Polizei betont, daß die Polizei alle Breslauer Einwohner schützen werde. Der Polizeipräsident-bat/aber die Vertreter der Synagogengemeinde, daß sie auch auf ihre Mitglieder dahinwirken möge. Laß sie sich die größte Zurückhaltung auserlegen möchten. Borallem sollten sie vermeiden, in der Oeffenlchkeit aufdringlich hervorzutreten bezw. sich aufdringlich zu benehmen. Die Synagogengemeinde wird diesem dringenden Wunsche entsprechen und ihre Mitglieder durch entsprechende Rundschreiben in dieser?: Sinne unterrichten. Palästina. Line Jeschiwah auf den Namen von Gberrabbiner I. CH. Sonnenfeld Jerusalem, 10. März. Am 19. Ädar, dem ersten Jahrzeitstag des Herrn Oberrabbiners Sonnenfeld wird durch die Initiative einiger Verehrer in seinem v-nvv ene Jeschiwah auf dessen Namen gegründet werden, die dazu bestimmt ist, junge Leute, die nx-nm rm"i theoretisch und praktisch lernen wollen, auszubilden. In Anwesenheit von allgemein geschätzten Thoragelehrten wird diese Jeschiwah in der ehemaligen Mahnung von Oberrabbiner Sonnenfeld eröffnet werden, wo auch die Erinnerungsgebete zum Andenken an diesen großen Lehrer und Führer, sowie gleichzeitig auch der v"D'nw'vder Zeire Agudath Jisroel -abgehalten werden sollen. Angesehene Rabbiner werden über den hohen Zweck der Jeschiwah vortragen. Das Gründer-Komitee setzt sich aus den Herren Rabbiner S. Spitzer, Rechtsanwalt Dr. M. Buxb aum und Rabbiner B. Sonnenfeld zusammen. Amerika. Beth Jakob-Aktion in USA. Newyork, 3. März. Trotz der außerordentlichen organisatorischen und pädagogischen Erfolge befinden sich die Beth Jakob-Schulen und die beiden Zentralinstitute^ der Organisation — die Lehrerinnenbildungsanstalten in Wien und Krakau — in derart schweren finanziellen Nöten^ daß der Fortbestand des großen Werkes, das heute insgesamt 30 000 Kinder befürsorgt, auf das Schwerste gefährdet' ist.' Die Wiener Beth Jakob-Zentrale hat. nun vor wenigen Wochen eine Delegierte,. Frl. Tony Schreiber, nach Amerika entsandt, um dort das Interesse der alten Freunde von Beth Jakob zu beleben und'neue Gönner zu gewinnen. Es ist ihr gelungen, das dortige Komitee zu reaktivieren und maßgebende Persönlichkeiten, u. a. Mrs. Felix M. Marburg und Mrs. Israel Zangwill, die Witwe des Dichters und Präsidentin der internatiosiälen I Frauenliga für Friede und Freiheit für'die aktive Ätitarbeit zu gewinnen. Am 21. Februar d. I. gab Mrs. Felix M. Marburg gemeinam mit Mrs. Rebekäh K o h u t, der Führerin der amerikanischen Frauenbünde, unter den Auspizien von Beth Jakob einen 5 Uhr-Tee und Empfang zu Ehren von Mrs. Israel Zangwill. Es waren ca. 300 Damen der allerersten Newyorker Gesellschaft anwesend. Die Newyorker Frauenorganisationen tvaren vollzählig durch Delegierte vertreten. Der Präsident des American-Beth Jacob Eommittees, Rabbiner Dr. Leo Jung, hielt unter atemloser Spannung der Zuhörerschaft einen Vortrag über die Vorgeschichte, Bestrebungen und Erfolge von Beth Jakob. Seinen Ausführungen schlossen sich Mrs. Marburg, Mrs. K o h u t, Mrs. Zangwill und Frl. S ch r e i b e r mit einem warmen Appell an die Anwesenden an. Es erfolgten namhafte Zeichnungen/ Der Israelit Ueber Aufforderung von Mrs. Marburg haben sich aud der Mitte , der Anwesenden einige prominente Damen bereit erklärt, ähnliche Veranstaltungen zugunsten von Beth Jakob zu arrangieren, so daß dieser von Mrs. Marburg gegebene Empfang als Auftakt zu einer erfolgreichen Beth Jakob-Aktion angesehen werden darf. Rabbiner Dr Leo Jung und Frl. Tony Schreiber werden von dem deutschen Botschafter, dem österreichischen und polnischen Gesandten in Washington in besonderer Audienz empfangen werden, um ihnen über die Arbeit von Beth Jakob Bericht-zu erstatten und ihre Förderung der Aktion zu erbitten. Briefkasten. /Mi.I. l) Der Knabe wird am 20. Januar Kn,,'3 mxa n> 2) Putzmittel „Imi" ist rituell zulässig, außer am Pesach. Th. Zirbvbv — Kette, mtno — Vermittler, in Mehrzahl s'lIVNV. . ZS. S. Fs. 100— für zwei Halbjahrsabonnements eingegangen. Ar. in A. Mk. 28.— für,angegebenen Zweck eingegangen. S ZZ. Mk. 10.— eingegangen. Familiennachrichten. Varmizwoh: Willi, Sohn des Herrn Jul. Michels, Frankfurt a. M. Synagoge Börneplatz, '2 's nnip. — Heini, Sohn des Herrn Leser Horowitz, Heilbronn a. N. '2 wu am 25. März 1933. — Fritz, Sohn des Kfm. S, Oppenheimer, Mannheim-Seckenheim, 25. 3. 33. — Richard, Sohn des Herrn Jakob Simon, Schubertstr. 26, Synagoge Unterlindau, 18. 3. 33. Vermählte: Jutta Sieradzki, Leipzig mit Beruh. Glück, Berlin, 17. 3. 33. 7 0. Geburtstag: Frau Johanna Mainzer, Lorsch am 26. März. Personalien. Die Bestattung von Rabbi Iossef Baumgarken V"XT* Wien. 9. März. Ueber die"ii>von Rabbi Josses B a u m g a r t e n>w (stehe „Israelit" Nr. 10 und auch zweite Romanseite dieser Nummer) geht uns noch aus Wien folgender Bericht zu: Die ''ilfand Sonntag, 7. Adar, statt. Mit Rücksicht auf den Sabbat war eine entsprechende Verlautbarung nicht möglich. Nichtsdestoweniger war eine nach Taufenden zählende Menschenmenge erschienen. Sie sammelte sich vor dem Trauerhause, bildete in den Straßen zur Schiffschul ein dichtes Spalier, die Synagoge war überfüllt. Man sah alle in Wien weilenden Ehassidim-Großrabbis und unzählige Rabbiner, auch von auswärts. Fast alle Wiener Bethäuser und jüdischen Vereine hatten Vertretungen -entsandt. Im Trauerhause hielt der älteste Sohn dem Heimgegangenen einen Nachruf. Die Bahre wurde von den Vorstehern der Schiffschul (Adaß Jisroel) in das Beth Hamidrasch und dann durch das dichte Spalier der Trauergäste in die Schiffschul gebracht und vor den Stufen der Bundeslade niedergestellt. Herr Oberrabbiner Fürst hielt, tiefergriffen, die Gedenkrede, in der er das ideale Lebensbild seines Amtsgenossen schilderte. Nach ihm sprach der Sohn des Verblichenen, der zu dessen Nachfolger erwählt wurde. Sodann würdigte Oberrabbiner Akiba Schreiber aus Preßburg die Bedeutung des'Heimganges um'die Gesamtheit des Judentums. Zum Schluffe sagte der Obmann der Schiffschul, Kvmmerzialrat Pondi. tiefempfundene Worte des Dankes." Nach Vortrag des v»k durch Oberkantor Braun würde die Bahre durch die Schiffgasse, Ob. Donaustraße 'bis zur Ferdinandsbrücke von Schülern des Verewigten getragen/ gefolgt von einer unabsehbaren Menge von Leidtragenden. Von dort aus wurde der Heimgegangene nach Mattersburg überführt, aus dessen Friedhof die vor 28 Jahren verstorbene Gattin und die großen Lehrer des Verblichenen, Rabbi Samuel und Rabbi Benjamin Ehrenfeld. .ruhen. Ein Sonderzug führte viele Hunderte hinaus.! . Um 2.30 Uhr fand die. Beerdigung, ip/Mattersüurg statt. Auch dort hatten sich zahlreiche Traüergäste, viele Rabbiner und Vertretungen sämtlicher purgeuländischer Gemeinden, eingesüüden. Auch die Landeskanzlei der Orthodoxie hatte Vertreter entsandt. In dem Beshamidrasch. in dem der Talmudjünger Joses Baumtzätten den Grund seiner. Gelehrsamkeit gelegt hatte, feierte Oberrabbiner Ehrenfeld den großen Schüler seines Großvaters. ..Vor dem Friedhofe widmete Oberrabbiner K r o u s. aus Lackenbach tiefe/npfundene Worte der Erinnerung/Am/offenen Grao^. fprach.-jnoch der Vertreter der:.Psidapeste,r-^ütbrsiierten -orthodoxen Kulturgemeinde, Mejer 'KlisstN^-itndnamens' der Verwandten und Sdjii* ler' j)err SiötzMund'.^t e r'n ä'tzs Wien./! ,, sw Vermischtes Berlin, 5. Febr. Von zuverlässiger.Seite wird uns folgendes berichtet: Aus tiefster Erbitterung über die gegen die Juden Deutschlands von antisemitischer Seite ausgestoßenen Schmähruse und Beleidigungen, schrieb kürzlich eine indische Witwe in Berlin einen Brief an den Herrn Reichspräsidenten-von Hindenburg./Jn dem:.Schreiben heißt es,. daß sie im Weltkriege drei Söhne verloren haß und daß. auch ihr Mann kurz darauf aus 'Gram übel den Verlust seiner .Kinder gestorben ist! So-ist es natürlich nicht nur ihr-ergangen, sondern so ist es-vielen jüdischen Fa-« milien ergangen, die ihre Söhne aUf dem Schlachtfelde des großen Krieges haben - znrücklassett müssen. Sie fragt nun den Herrn Reichspräsidenten'an,! ob sie,/und mit ihr die ganze Judenheit Deutschlands sich heute Beleidigungen wie „Juda verrecke" und ähnliche Ausdrücke auhören müssen. Ob das der Dank dafür ist, datz lausende im Kampf für Deutschland gefallen sind? Der Reichspräsident -hat darauf den Empfang des Schreibens, bestätigt, .indem er ' mitteilte, daß /-er dafür Sorge tragen wird, daß -- keine Ungerechtigkeiten gegen deutsche-- Staatsbürger, welcher Konfession sie auch angehören, ausgesührt werden.. Weiter teilte der. Herr Reichspräsident noch mit; daß er den Brief (der jüdischen -Witwe) weilergeben wird. Berlin, 10. März. Das Patenschaftskomitee sieht sich, genötigt, sein Wohltätigkeitssest vöm 19. d. M. zu verlegen. Es wird -wahrscheinlich am Sonntag, den 23. April, stattfinden. Würzburg. 8.'März. Ueber „Die Kultur-Aufgabe der jüdischen Schule" referiert/ in einem öffentlichen Vortrage. den die Esrath-Noschim in Nürnberg veranstaltete, Frau Dr. Judith Grünf'eld-Nosenbaum. WürZbürg, die' seiner Zeit im Osten die Beth Jakob-Schulen und ihr Lehrerinnen-Seminar mitbegründet hat. Ausgehend von den jüdischen Schulen in West-Europa, zeichnete die Rednerin ein Bild der seelischen Einstellung dieser , jüdischen Jugend während und nach der Schule. Im Mittelpunkt dieses Unterrichtes und dieser Erziehung standen die europäischen und deutschen Kultur- Güter und -Werte und sie erfüllten die Seele so stark, daß die jüdischen Werte immer daneben standen, ohne innere Verbindung; es fehlte die harmonische Abrundung und Verbindung. Kein Wunder, daß dann auch der Schule die Bildungsbestrebungen hauptsächlich in jener Richtung weiterwirkten: Humanismus, Renaissance, Gotik, Schiller und Goethe, Kant, Schopenhauer und Nietzsche, Beethoven, Richard Wagner usw. bildeten ihren Inhalt. Und diesem verkümmerten Dasein des jüdischen Bildungs¬ und Erziehungsgedankens in der Seele des jüdischen jungen Menschen entsprach auch das jüdische praktische Leben, das zerrissen und unharmonisch in die Erscheinung, trat. Es war die Zeit, da man mit jüdisch-gesetzestreuem Leben glaubte alles Außenstehende verbinden zu können. Der innere Riß in der jüdischen Seele wurde da nicht erkannt. Es fehlte die Fragestellung: Ist das noch Jüdifchkeit? An drastischen Beispielen erläuterte die Rednerin diese Feststellungen. Evident ergab sich, daß das Prinzip: Thora im derech erez, wie es einst S. R. Hirsch formuliert hatte und wie es für seine Zeit eine neue jüdische Welt schuf, nicht mehr ausreichte. Das Nebeneinander drängte die Thora immer mehr beiseite, das innerliche Europäertum ließ dafür keinen Raum. Anders der Osten.' Dort herrschte innerlich und äußerlich die Jüdischkeit. das Jüdischfein und der Assimilativnsprozeß erfaßte nur eine dünne Oberschicht. Die Masse blieb unberührt und stark blieb ihre jüdische Seele, ihr Denken und- Fühlen und das Erfassen der Welt geschah von. ihrem Judesein aus. Freilich brachten es die eigenartigen Verhältnisse des Ostens mit, daß man die jüdische Geistesbildung der Tochter vernachlässigte und daraus entstanden: oft furchtbare Tragödien und jene schrecklichen Erscheinungen des .Bruches zwischen den Generationen. Wie selten kam es vor, daß die „gebldete" Tochter ihre Eltern würdigte und schätzte und Verständnis für die Art empfand. Da trat die Beth Jakob-Schulbewegung auf den Plan — die Rednerin.- hatte, stärksten Anteil daran, .verschwieg diese Tatsache in - ihrer Bescheidenheit — und schuf zunächst Mädchenschulen mit-.einem Unterrichts- und E.rziehungsgedanken modernstes: Art. aber! mit dem Fundamente der jüdischen Welt in'Schrift und Leben. T'nach, Mischnah,. Raschi,. Midrasch -/-/oas sind ,dre ''Elemente und sie-Erfüllen dfe.HaüMeit 'des Unterrichts. Aus. ihnen werden! alle Ideen' pön Melt und Menschheit, von G'tt und Israel/ alle. iKulturpröbleme, wie sie Politik und Geschichte und soziales Leben erfüllen, entwickelt und die gewaltigen Schätze und der ungeheure Reichtum der jüdischen Geisteswelt aufgezeigt. Und in ergreifender Weise zeigte die Rednerin an praktischen Erziehungsersolgen, wie solches Ausschöpfen der jüdischen Gedankenwelt auf Schülerinnen wirkte, die -ursprünglich nur dem Zwange der Eltern folgend in die Schule eingetreten waren urtbdie mit innerem Trotze sich ablehnend verhielten und dann unter tiefster seelischer Erschütterung den Weg zunr Jüdischen fanden und zu besten Lehrerinnen heranwuchsen. Pertieft und ausgeweitet wird dieser Unterricht: durch das^Perbinden mit weltlicher Kultur/die dann nicht über der jüdischen Welt steht, sondern der jüdische Mensch entdeckt dort, jüdische Ideen, die schon vorher im jüdischen: Schrifttum entwickelt worden waren. Frau Dr. I. Grünfeld-RosenbauMj,führte"Unterrlchtsbeispiele dafür an: die Gedankenwelt des „Eleusischen Festes" und die Gedankenwelt bei Jefaia und Micha. Hier liegen die primären" Gedanken des Friedens und der Völkerversöhnung. Mit diesen Mädchenschulen sind Internate verbunden, die ganz in diesem Sinne geführt werden. Hier erleben die Mädchen harmonisch das jüdische Leben des Alltags und die Heiligkeit des Sabbats, der wirklich der Sabbat der „Neschomoh jetheroh" wird, der nicht getrübt ist von den Gedanken des Alltags und der der Seele neue Kraft gibt für das Leben und den Kampf des Alltags. Hier wird auch das Sehnen der jüdischen Seele nach der Heimat, nach ihrem Ursprung befriedigt, sie finden heim. — In der ergriffensten. Haltung und tief innerlich gepackt-

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