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Der Israelit · 1933-03-16 · Heft 11 (16.3.1933) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 11 (16.3.1933)
Date
1933-03-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 11 Seite 5 16. März 1933 HorrespMevre« « nachrichten. Deutsches Reich. Zur Lage. - ' Berlin, 15. März. Vorgänge rn der abgelaufenen und den ersten'Tagen dieser Woche waren dazu angetan, starke Beunruhigung hervorzurufen. Diesen Vorgängen steht aber der am Samstag morgen veröffentlichte und am Sonntag im 'Rundfunk wiederholt durchgegebene Runderlaß d 4 s Reichskanzlers gegenüber, worin zur strengsten und blinde st enDlsziplin gemahnt wird. „Alle Einzelaktionen, heißt es in der Bekanntgabe, haben unter a l l e n U m st ä n d e n z u u n t e rb l e i b e n. Es ist unsere Aufgabe,' dem ganzen deutschen Volke und vor allem auch unserer Wirtschaft dys Gefühl der unbedingten Sicherheit zu geben. Wer es von jetzt ab versucht, durch Ein z e laktionen Störungen h e r b ei z u f ü h r e n , handelt bewußt gegen die nationale Regierung." Die Partei wird im weiteren vor Provokateuren und Spitzeln gewarnt. Während in Berlin der Erlaß gleich seine Wirkung getan hat und auch im I n d u st r i e g e b i e t nach den schlimmen Unruhen vor den jüdischen Kaufhäusern in der letzten Woche verhältnismäßig Ruhe eingetreten war, war in vielen anderen Großstädten von der Wirkung der von höchster Stelle ausgehenden Weisung zunächst wenig zu merken. In Frankfurt a. M. und in den meisten Großstädten waren an einigen Tagen alle Warenhäuser und manche jüdische Geschäfte geschlossen. Hinter S.-A.Posten sammelte sich eine große erregte Menge an. Am Montag waren die uniformierten Posten zurückgezogen, an ihrer Stelle warnten aber Männer in Zivil vor dem Kauf bei Juden, was wiederum große Menschenansammlungen anzog. Die Geschäfte blieben aber auf und der Geschäftsgang konnte sich ohne nennenswerte Störung abwickeln. Am Dienstag trat wohl infolge der Bekanntmachung einer Sonder st euer für die Warenhäuser eine sichtliche Beruhigung ein. Solche „Privataktionen", von denen die N. S.-Leitung fast in allen Fällen abrückt, denen sie sogar zuweilen energisch entgegentrith führten in vielen Städten auch zur Schließung der Theater, da die jüdischen .Künstler mit Gewaltheimgejagt wurden. In Breslau mußten einzelne G e r i ch t e s ch l i e ß e n, da infolge der gewaltsamen Entfernung der jüdischen Rechtsanwälte die Termine nicht stattfinden konnten. Zu den bedauerlichsten Vorfällen der letzten Tage gehört die Ermordung deis bekannten ^Kieler Rechtsanwaltes Dr. Spiegel. Wer diesen politischen Meuchelmord begangen hat,' steht noch nicht fest. Daß eine zentrale Stelle,: mit dieser verruchten Tgt nichts zu tun hat, dürfte feststehen. Führende' Männer der D e u t s ch n a t i o - na len Partei und des Kieler, St ah l Helms haben der Familie und den politischen. Freunden: des Ermordeten ihr Beileid ausgedrückt. Bezeichnend für das Bestreben der Führung, dem Erlaß des Reichskanzlers strikte nachzukommen, ist folgender Fall, der aus Köln berichtet wird. Dort drangen Montag vormittag einige Uniformierte in die Wohnung eines jüdischen Kaufmannes am Weidmarkt ein und entwendeten unter Bedrohung mit dem Revolver Mk. 800. Von den Tätern wurden drei festgenommen, die von der N. S.-Leitung sofort aus der Partei ausgeschlossen wurden. Es wurden ihnen an Ort und Stelle die Braunhemden aus gezogen und es wird, wie die N. S.-Leitung bekannt gibt, das Strafverfahren wegen räuberischer Erpressung gegen sie mit aller Strenge durchgeführt werden. Am Samstag morgen konnten die Zeitungen auch die, /allerdings schon vom 3. März 'datierende, Erklärung des Herrn Ministers Goering an die Vorstandsmitglieder des Central-Dereins, Dr. B r o d - nitz und Dr. Wiener, wiedergeben, wonach die ’S i ch e r h eit des Lebens und des Eigentums des jüdischen Staatsbürger, die sich der Regierung gegenüber loyal verhalten, ^gesetzmäßig gewährleistet sei. Der Herr Mi- Die Woche. Berlin. Am Samstag und Sonntag fanden anläßlich des Volkstrauertages ir. allen Synagogen entsprechende G'ttesdienste statt. Ueber Trauerfeiern an den Ehrengräbern der 8 jüdischen Gefallenen wird aus allen Groß- I städten des Reiches berichtet. — In seiner Berliner Wohnung' verstarb der bekannte Philosoph, Professor Dr. David K o i g e n, im 54. Lebensjahre. Professor Koigen stand unmittelbar vor einer Palästina-Reise; er hatte bereits die Reise-Billete und Schiffskarten für sich und seine Frau besorgt, als ihn der Tod ereilte. Prof. Dr. David Koigen wurde 1913 als Professor an die Universität und die Handelshochschule in Kiew berufen und lebte seit 1921 wieder in Berlin. Hamburg. An der Gemeindesynägoge Bornplatz wurden dieser Tage die , Fensterscheiben der Vorderfront eingeschlagen und der Kasten, der BekanMmachungen enthält, zerstört. In der gleichen Nacht 8 wurden an mehreren jüdischen Geschäften die Auslagen zerschlagen und die Waren vernichtet. Auch Haussuchungen fanden bei Juden statt, für die. wie sich später herausstellte, kein höherer Auftrag vorlag. Köln. Am letzten Mittwoch wurden in der Synagoge Noon- - st ratze zehn kunstvolle Fensterscheiben eingegeschlagen. Aehnliche Verwüstungen wurden am Hause der Rheinlandloge in der Cäcilienstraße durch Steinbombarüement angerichtet. Die Täter konnten nicht erfaßt werden. Königsberg i. Pr. Durch ein Fenster der Alten Synagoge warf, wie schon berichtet, ein Attentäter eine Brandbombe. Sie explodierte mit lautem Knall vor der Lade und setzte den Vorhang in Brand. Mehreren Personen, die sich in der Nebenhalle befanden, gelang es, den Brand zu löschen. Der Täter konnte im Schutze der Dunkelheit entfliehen. Wien. Auf dem Delegiertentag der österreichischen Zionisten wurde Dr. Oskar G r ü n - bäum zum Präsidenten des Landeskomitees wiedergewählt. Amsterdam. Die Kronprinzessin von Holland, Juliana. hat an die Haager jüdische philanthropische Gesellschaft „Hilfe in der Not" ein Schreiben gerichtet,,-in dem sie dieser Gesellschaft für ihr Wirken, das sie persönlich beobachten konnte, hohe Anerkennung ausspricht und bekanntgibt. daß sie aus ihrer Privatschatulle der Gesellschaft eine Geldsumme zugehen läßt. Bukarest. König Carol hat dem Bukarester jüdischen Bürger Isaak Silbermann den Orden für sanitäre Verdienste 1. Klasse verliehen. Der Ausgezeichnete hat in den letzten Jahren 115 Mal unentgeltlich Blut zu Transfusionszwecken abgegeben. Die Auszeichnung Silbermanns wurde vom Gesundheitsminister Joanitzescu vor einiger Zeit in der Kammer anläßlich der Abwehr eines antisemitischen An- 8 griffs gegen die jüdischen Aerzte angekünüigt. Warschau. Die amerikanische Regierung beabsichtigt, den Vorsitzenden der außenpolitischen Kommission im amerikanischen Senat, Sol Bloom. zum amerikanischen Gesandten in Warschau zu ernennen. Bloom ist Jude und stammt aus Polen. Seine ' Gebstrtsftadt ist G r o d n o, das er vor etwa zehn Jahren besuchte. — Der gegenwärtig in Warschau stgttfindenüen Beratung der G e - feilschaft für Gesundheitsschutz der Juden. TOA wohnen 263 jüdische Aerzte aus Kongreßpolen, Galizien und den Ostprovinzen bei. Auch Vertreter der Regierung und der Stadt Warschau sind 'anwesend. Moskau. Unter der Beschuldigung gegenrevolutionärer .Bestrebungen wurden drei Juden hingerich.t.et und sechs Juden zu langjährigen' Gefängnisstrafen verurteilt. Einer der Hingerichteten. :Moses Wolf, war Schöpfer des Kollektivierungsplanes. Jerusalem. Nach offiziellen Angaben, wurden im Januar 1933 2249 Juden in Palästina ansässig. Unter ihnen 747 Touristen, die nachträglich die Erlaubnis zum dauernden Aufenthalte erhielten. — Laut amtlicher Statistik wurden i. I. 1932 in Palästina 5281 Juden und 34 505 Moslems geboren; in dem gleichen Jahre starben 1746 Juden und 18 542 Moslems. — Ins Innere des Machpelahgrabes vor Hebron drangen nächtlicherweise Diebe ein und entwendeten kostbare Teppiche und auch Silberleuchter. Dieser „Einbruch bef Bister Abraham" ist um so erstaunlicher, als die moslemitifche Wache tagsüber die Heiligenstätte vor dem Betreten eines jüdischen Fußes mit peinlichem Eifer zu bewachen versteht.' Die elektr. Arbeiten für Ihren Umzug lassen Sie nur ausführen bei Ingenieur A. J. HEINRICH, Elektrotechnik Hanauerlandstrasse 38 Telefon 26382 niMREH RM.13.- nister bestätigte auch dem C.-V., daß keine Beweise dafür vorliegen, daß der C.-V. mit kommunistischen und staatsfeindlichen Bestrebungen etwas zu tun habe. Freilich konnten die vom Rundfunk verbreiteten Reden in der Freitag- und Samstagnacht von der Maste der Hörer auch anders verstanden werden. Der Gebildete wird zu unterscheiden wissen zwischen der Ideologie eines nationalen Programmes und der praktischen Politik des Tages, und demgemäß manche Kraftausdrücke nur symbolisch auffassen. Daß aber 'der großen, unkontrollierbaren, politisch erhitzten und von tausend Listen gerüttelten Masse dieses Unterscheidungsvermögcn nicht ohne weiteres zuzumuten ist, haben die einzelnen Ereignisse der letzten Tage gezeigt. Dieser Sorge gibt auch die deutschnationale „Deutsche Allgemeine Zeitu n g" in ihrer Nummer vom Samstag in einem Kommentar zum Aufrufs des Reichskanzlers deutlichen Ausdruck. Das Blatt meint, es wäre ein Leichtes, die gestrige Essener Rede des R e i ch s k o m m i f f a r s Goering in einen- Gegensatz zu dem Aufruf des Reichskanzlers zu bringen, weil in der Hitze des Gefechts gewisse Teile von Goerings Ausführungen dialektisch überspitzt gefaßt gewesen seien. Das Blatt wolle sich an die Worte Hitlers halten, der als die h ö ch st e Autorität der nationalsozialistischen Bewegung gesprochen habe. Dann fährt die „Deutsche Allgemeine Zeitung" fort: „Die Presse berichtet über den Anlaß zu dem scharfen Aufruf des Reichskanzlers recht wenig. Oft scheuen sich die Betroffenen aus Angst vor Weiterungen, ihre Erlebnisse weiterzugeben, und nur tolle Gerüchte gehen von Mund zu Mund, die man nur mit größter Vorsicht ausnehmen soll. In der Tat haben sich aber feit Montag in Berlin und im Reich Dinge ereignet, die von der Staatsgewalt unter keinen Umständen weiter geduldet werden können. Der Reichskanzler und auch verschiedene Mitteilungen der nationalsozialistischen Parteileitung sprechen von kommunistischen Spitzeln, die sich die braune Uniform anzögen und die Partei durch einzelne Terrorakte zu kompromittieren versuchten. Die Absichten und Hintergründe derjenigen, die solche, leider in großer Zahl vorgekommenen Terrorakte verüben, werden sich meist schwer seststellen lassen. .Aber es ist die Aufgabe des Staates, ohne jede Rücksicht, Men diesen Ungesetzmäßigkeiten ein schleuniges Ende zu bereiten, soll nicht ein Schaden ent-; stehen, der lange Zeit nicht wieder gutgemacht werden! kann und die nationale Erhebung, wie der Reichskanzler andeutet, auf das schwerste kompromittiert. Das Unerträglichste an den individuellen Terrorakten ist die 'Tatsache, daß sie häufig von Trupps achtzehn- bis zweiundzwanzigjähriger Burschen verübt werden, von denen manche sogar heute noch die Schulbank drücken. Schluß mit diesen Uebergriffen, strengste Bestrafung und unnachstchtliches Vorgehen gegen Waffengebrauch, Amtsanmaßung und Methoden, von denen der Kanzler abrückte! Es ist genug." Man darf hoffen, daß mit der letzten energischen Bekanntmachung des Reichskanzlers und mit dem Wahlausgang am Sonntag, der die Macht der Regierungspartei auch in den Kommunen sichert, nunmehr d i e Ruhe und Beruhigung eintreten, die wir heute alle brauchen. Schächtverbote und Schächtverhindermrgen. Köln, 15. März. Der S t a a t s k o m m i s s a r für die Stadt Bonn hat heute ein S ch 6 ch t v e r b o t erlassen, das mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt. Der Schlachthofdirektor hat eine entsprechende Anweisung erhalten. Unter der Ueüerschrift „S.-A. verhindert Schlichtung" berichtet der „Völkische Beobachter", daß auf dem Kölner Schlachthof eine S.-A.-Abordnung bekannt gab,

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