Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1933)
- Date
- 1933-03-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 11 Seite 3 16. März 1933 _ echte Kultur. Es wird daher von allen Polizeibehörden erwartet, daß sie in Unterstützung der durch die nationale Bewegung entwickelten geistigen Kräfte alle polizeilichen Maßnahmen ergreifen, um die sogenannte Nacktkulturbewegung zu vernichten." Ls folgen die einzelnen Bestimmungen. wir haben bereits seinerzeit bei den Bracht - Verordnungen zum Ausdruck gebracht, wie sehr der Kampf gegen die sittlichen Verirrungen und die Auswüchse .einer übersteigerten Körper-- und Schönbeitskultur dem Lmpfinden aller positiven Elemente, die sich auch in dieser Zeit der Verworrenheit ein Gefühl für Sitte, Anstand und wahre Schönheit bewahrt haben, und denen an der Lrziehüng der Jugend zur Kraft und Gesundheit etwas gelegen ist, entgegenkommt. So wenig man erwarten darf, allein auf dem Wege der polizeimaßregeln einer Geistesrichtung Herr werden zu können, die aus den tiefsten Gründen des Kulturbslfchewismus geboren und nur im Zusammenhang mit dem Gesamtkomplex einer amoralischen Weltbetrachtung zu verstehen und zu bekämpfen ist, so nützlich sind derartige polizeiliche Fingerzeige doch für die Volksmasse, die der schlechten wie der guten Mode nachläuft. Ls könnte grade auf diesem Gebiete noch mancherlei auch vom Standpunkte der jüdischreligiösen Ethik Heilsames von oben herab geschehen. Oer arme Max Naumann. Spricht man heute mit tiefem Mitleid von denen im jüdischen Kreise, die längst alle Brücken hinter sich abgebrochen haben und vorne den Empfang erleben und erleiden, wie er zur Stunde allen Juden, ohne Rücksicht auf ihre religiöse Einstellung, dort sicher ist, so denkt man unwillkürlich an Max Rau mann, wie reagiert dieser Apostel einer deutschvölkischen Gesinnung nnd Politik unter den Juden auf die Vorgänge der letzten Tage? Kurz gesagt: Er stimmt, so laut -er kann, in den Chorus gegen die „Rovemberverbrechcr" ein und fordert „seine" Juden ' kategorisch auf, mit dem Stimmzettel und auch nach den Wahlen sich den Anschluß an diejenigen zu sichern (oder zu erzwingen), die Mit der „Mißwirtschaft der letzten vierzehn Jahre" aufräurnen wollen... Daß die Herren, wie mit der Mißwirtschaft der letzten vierzehn Jahre, auch m i t ihm, war Raumann, anfräumen wollen, stört ihn im Momente nicht im geringsten. Aus seinen Ausführungen, die am Vorabend der Wahlen an leitender Stelle der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" erschienen sind, ist zu ersehen,, daß Raumann all die Angaben und Anklagen der nationalen Presse bezüglich des „jüdischen Einflusses" in Deuschland bestätigt und quittiert. Cs sei schon für ihn vollkommen in Ordnung» daß auch dieser mit uns der dritte der „vier Sabbate" als Vorbereitung für die Feier des Festes, an dem wir aus dem Pharaonenlande zogen in die Freiheit zur Volkswerdung und Uebernahme der heiligen Ewigkeitssendung inmitten der Menschheit . . . Bemerkungen zu rwr> “O NVIS- Von Rabbiner Dr. Ansbacher in Wiesbaden. Im Kap. 32, 7 heißt es: *n iV ... „Geh' hinab, denn entartet ist dein Volk, das du aus Mizrajim geführt Haft," im Vers 11 dagegen spricht Mauscheh zu Haschem: mrr 'n mV „Warum soll dein Zorn entbrennen gegen dein Volk, das du herausgeführt?" — Wieso wird einmal die Erlösung G'tt. einmal Mauscheh zugeschrieben? Das ward bekanntlich vom. an an? angeregt, das Mauscheh auf eigene F a u st mitgenommen, deshalb ^rr-zvx nnv, darauf antwortet der Führer: Zugegeben, ich gebe schon dieses preis, warum aber willst du selbst 7v*>yn iVX auch treffen? 2. ...rwn t]K imi„Und der Zorn Mauscheh's entbrannte und er warf aus seinen Händen die Tafeln und zerbrach sie." Die Gemoro sagt: Wer in seinem Zorn einen Gegenstand zerbricht, gleicht dem Götzendiener. Um Israel zu verteidigen, beging Mauscheh dieses Vergehen, stellte sich quasi aus eine Stufe mit seinem geliebten Volke. Willst du. ',t das Volk bestrafen, so sagt er. verdiene ich ja das Gleicheiisv» verzeihst du m i r, so mußt Lu auch i h m verzeihen. Zu NIL nna. 3. Bekannt ist die Erzählung n-2 mr nmasvon dem Dama b. Nethina, der seinen Vater vorbildlich ehrte, und ihn nicht weckte, um Edelsteine zum Ephod zu verkaufen: als Lohn erhielt er in seiner Herde eine nmin nio, an der er soviel verdiente, wie er an den Steinen verloren hatte. allem Schutt der letztelt vierzehn Jahre abgetragen werde. Die Iudenemanzipation ist ihm seit 1918 in zu stürmischem Tempo verlaufen. Man müsse wieder von vorne Anfängen. Cr für seine Person und seinen kreis würde nicht aufhören, das Deutschtum über alle wahren oder vermeintlichen jüdischen Sonderintcressen zu stellen. Cr geht in seiner devoten Ergebenheit so weit, daß er die kamen der einzelnen um Staat und Kultur verdienten jüdischen Persönlichkeiten verblassen und zurücktreten läßt hinter dem „Gesamtergebnis", dem „Gesamteindruck", den der schädliche jüdische Cinsluß mit und nach dem Umstürze von 1918 hinterlassen hätte. (Und die 12 000 jüdischen Ge- \allcncnf). Die derzeitige Rückwirkung aus die Behandlung der Juden findet er verständlich und nicht unberechtigt, bedauert nur, daß auch manche Juden von ihr betroffen werden, die es persönlich nicht verdient hätten. Aber auch das nimmt er als guter Patriot gern mit in den Kauf, wenn es nur vorwärts gehe ... Rlan sieht, Max Raumann weiß sich umzustcllcn, anzupassen, sich nach dem Winde zu drehen und nach den allerneuesteu Pfeifen zu tanzen. Rur in c i n c m bleibt er stabil: In der würdelosen Selbstentehrung bei seinen beharrlichen Anbiederungsversuchen uni jeden Preis, was er mit der Cmanzipatio n se t a p p e u m 19 18 will, ist nicht ersichtlich. Unter der Sonne der Iudenemanzipation, die seit hundert Fahren mit gelegentlichen Unterbrechungen in Deutschland leuchtet, konnten vortreffliche jüdische Staatsbürger gedeihen, die vor keinem Opfer an Geld, Kraft und auch Blut zurückschcuten, um das Deutsche Reich in der Aufbauperiode in die Höbe zu bringen. Die Freiheitssonne war der Staatstrcue der jüdischen Bürger weit zuträglicher als ihrer j ü d i s ch e n Treue, obwohl diese in gar keinem Gegensatz zur Staatstreue hätte stehen müssen. Der Rovember 191S hat uns grundsätzlich keine neue Emanzipation gebracht, sondern die Bestätigung unserer Gleichberechtigung nur, die für jede Staatsform, so sie auf Recht und Kultur aufgebaut ist, gilt. Das war alles so selbstverständlich, daß inan in die Weimarer Verfassung die alte Forinulierung bezüglich der Gleichberechtigung aller Staatsbürger vor d e m G e s e tz e unverändert mit übernehmen konnte. Cs ist eine glatte Verdrehung der geschichtlichen Tatsachen, vom Rovember 1918 eine neue jüdische Cmanzipation zu datieren. Aber, so meint cs doch wohl Raumauu, am Umstürze und in den Jahren nach dem Umstürze hätten sich auch einige Juden air leitender Stelle betätigt. Da wäre es aber sehr leicht nachzuweisen, daß die paar exponierten Juden, um deretwegen Raumann das ganze Judentum verdächtigt und verleumdet, zum Teile für den Staat und die Weltkultur (wie Rathenau) hervorragende Arbeit leisteten, fast alle aber mit Warum gerade dieser iav? Vielleicht uns folgenden Gedanken zu lehren: Jener Heide hätte sich etwa rühmen können: Ihr wollt doch das ni>uo Dr sein. Von uns könnt Ihr aber lernen am a« naa* Sehet doch, welches Opfer ich brachte! Haschem will aber doch die Ehre Israels verteidigen, so gab er ihm eine Poroh adumoh als Lohn, um zu sagen: Wofür gab der Nochri den Verdienst weg? Für das natürlichste, selbstverständlichste Gesetz, das selbst die auf tiefster Kulturstufe stehenden Völker Verständnis haben. I ch habe eine MizwohVtnw gegeben, das geheimnisvollste pw* das es gibt, vor dem selbst Schlaumauh's Weisheit ein Ende hätte, den e x - tremsten G egensatz zu rr^irr 1122, mein Volk läßt sich diese ms» ebensoviel kosten, wie d i ch deine kostete. Wer ist größer? So war die bv )*raa wieder hergestellt. 4. Sierra rra 'mfagt: n©na nvnV nVnp vpa- Koheleth wollte Mauscheh gleich sein, da sagte ihm eine g'ttliche Stimme: v»rr '"na •wv aw2 schreibe gerade die Worte der Wahrheit, und in der Thauras Emes heißt es: „kein Prophet stand mehr auf gleich Mauscheh". Was bedeutet die „gerade Schrift", die das sagen soll. Eine geistreiche Erklärung ist folgende: Schelomoh wollte bekanntlich das Geheimnis der nnns ms ergründen, es wurde ihm aber versagt. -vts» 'pm x\n nvrnx '712»N Eine Andeutung, daß nur nva dies verstehen solle, ist im Vers 17: ,nnvnh rsiv is§v rwvb inpVi die man >s>x-> der vier letzten Worte sind Nun sagt Schelomoh: Man kann doch auch aus diesen Buchstaben durch Umstellung machen? Da sagt das Bas Kaul: hpv 21712, es gilt nur in der richtigen Reihenfolge. Juden und Judentum so wenig zu tun batten, wie wir etwa Max Raumann und seinen kleinen Anhang auf der radikal rechten Seite — er nennt sich „Deutscher Vortrupp" und versendet von Kassel aus Aufrufe au jüdische Bürger — als jüdischen Typ in Anspruch nehmen möchten! . . . Ein Manneswort. Den a r a b i f ch e u F ü h r cm, die, wie gemeldet, neulich beim High To m m i s s i 0 n e r vorstellig waren, um Verbot von Einwanderung und Bodenankaus für Juden in Palästina zu bewirken, diente, wie man erst jetzt erfährt, Sir A r t h u r w a u ch 0 p e mit folgender Auskunft: „Ich hoffe, die letzten zwölf Monate haben gezeigt, daß ich zu jenen gehöre, die eine freie und offene Sprache lieben. Klan kann über die Methoden in der Behandlung dieser oder jener Frage verschiedener Meinung sein, Sie werden aber, denke ich, anerkennen, daß das Ziel, auf das ich hinarbeite, das Wohl des gesamten Palästina ist. Indem ich aber für dieses allgemeine Wohl arbeiten will, ist es meine Pflicht, die Bestimmungen des Mandates durchzuführen. Diesen Grundsätzen gemäß fühle ich mich nicht berechtigt, den Verkauf von Boden allgemein zu verbieten. Jeder Lodeubesitzer würde es als nicht fair empfinden, wenn die Regierung sich cinmischeu und ihm sagen würde, er begehe eine Ungesetzlichkeit, wenn er sein eigenes Besitztum veräußert. Andererseits hege ich — wie Sie wohl wissen werden — große Sympathie für die Fellachenpächter', die ihre Besitzer nicht daran hindern können, die Pachtböden zu verkaufen. Ich bin mir klar darüber, daß manchmal durch solche Verkäufe die Pächter die Mittel zu ihrem Lebensunterhalt verlieren. Die Lage dieser Pächter und die Auswirkung der gellenden protection of Cultivators Grdiuauce verdienen ernste Erwägung seitens der Regierung. Run zur Frage der Einwanderung: Für die Regierung gilt nach dieser Richtung als leitendes Prinzip die Aufnahmefähigkeit des Landes. Ich halte dies für ein faires Prinzip. In Zeiten, in denen eine starke Rachfrage nach Arbeiterbänden besteht, können mehr Einwanderer in das Land gelassen werden, wird die Rachfrage geringer, so müßten weniger Arbeiter ciuwanderu. Ich bedauere es, daß viele Einwanderer ohne Erlaubnis der Regierung nach Palästina gekommen sind. Ich kann Sic versichern, daß ich in der Zukunft bestrebt sein werde, diese illegale Einwanderung hintanzuhalten, wozu mir die von der Regierung bereits erfolgreich ergriffenen Maßnahmen eine Handhabe bieten." Es ist ein ehrliches Manneswort, an dem alle arabischen Machenschaften scheitern müssen, wir wollen auch die letzten Sätze nicht so verstehen, als sollte unter dem Drucke der arabischen Interventionen der Begriff „Illegalität" bezüglich der jüdischen Einwanderung noch weiter ausgebaut werden. Wohl aber ist zu hoffen, daß Sir 'Arthur Wanchope mit der gleichen Ehrlichkeit auch dem Monopol der Iewish Agency auf Cinwanderungszertifikate ein Ende machen und auch der orthodox, c n Jugend die Tore des heiligen Landes öffnen wird. Die jüdische Leistung im Freiwilligen Arbeitsdienst. Von 3. Raphael in Beckum. Ungefähr fünfzehn Seiten des letzten, äußerst instruktiven Heftes der Monatsschrift „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik" beschäftigen sich mit einer Anzahl von Berichten über den speziell jüdischen Beitrag zur Leistung im Freiwilligen Arbeitsdienst (FAD.) vorgeicgt werden mehr oder weniger eingehende Mitteilungen, insbesondere'aus dem jüdischen Arbeitslager in Reueudorf, vom jüdischen FÄD. Hamburg — im Laudjugeudheim wilhelminenhöhe —, Angaben über das Arbeitsdienstlager für jüdische Mädchen in Fangschlcusc (bei Erkner, in der Rähe von Berlin, — eingerichtet und getragen vom verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes), eine Uebersicht „Ein Jahr FAD. der Jüdischen Gemeinde Berlin", zudem mehrere Ergebnisse der Hllfsaktion für jü-