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Der Israelit · 1933-03-09 · Heft 10 (9.3.1933) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 10 (9.3.1933)
Date
1933-03-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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9. März 1933 Der Israelit Nr. 10 Seite 3 Der Central- Verein selbst gibt mittels sei- ,mer Pressestelle folgende Erklärung zu den Vorgängen ab: „Zu den polizeilichen Durchsuchungen in den Räumen des Tentraloereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erklärt der Centralverein: Der Lentral-Verein ist die Vereinigung der deutschen Juden, deren Aufgabe die Bekämpfung des Antisemitismus ist. Diesen Kamps führt der Central-Verein im dollen Dichte der Oeffentlichkeit und ausschließlich auf legalem Wege. Die Druckschriften des Lentral-Vereins sind in vielen Tausend Exemplaren der deutschen Oeffentlichkeit immer zugänglich gewesen. Aus der grundsätzlichen Einstellung des Central-Vereins, die ihm die unbejrrte Pflege der vaterländischen Gesinnung und die kraftvolle Verteidigung der jüdischen Religion gegen jegliche Angriffe zur Pflicht macht, ergibt sich die Unmöglichkeit jeder Verbindung mit kommunistischen Zielen. Wir weisen jede Behauptung eines wie. immer gearteten Zusammenhanges mit jeder staats- und religionsfeindlichen Bewegung voll Entrüstung zurück." Wer den Lentral-verein nach Entstehung, Entwicklung und seinem derzeitigen Charakter kennt, wäre Versucht, an eine sträfliche Irreführung der Polizei durch Leute, denen der Fastnachtsschalk noch im Nacken sitzt, zu denken. Der „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" ist vor cincln halben .Jahrhundert mit der Bestimmung ins Leben getreten, Ausdruck u n d S a ni in e l b e ck e n für die unentwegte Staatstreue der jüdischen B ü r g e r zu sein. So sehr wurde in all seinen Entwicklungsjahren „der deutsche Staatsbürger " in den Vordergrund gestellt, daß der „jüdische Glaube" im Nachsatze von diesem so gut wie zugedeckt blieb. Crst als nach der Reaktion und vollends mit der pochflut des Antisemitismus nach dem Kriege sich der C.-V. mehr und mehr zu einem bloßen A b - w e h r v e r e i n entwickelte und sich als solcher, unter taktvoller Vermeidung jeder Stellungnahme zur innerjüdischen Auseinandersetzung in Sachen des Glaubens und Denkens, nach und nach die Anerkennung und Unterstützung aller jüdischen Kreise sicherte, wandte er sich auch den: „ jüdisch e.n Glauben" zu, um, — immer noch vom Standpunkte des auf seine in der Verfassung verbürgten Rechte pochenden Staatsbürgers — auch für alle Belange der Religion, wo sie bedroht sind, mit gleicher Cnergie und Gpferfreudigkeit einzutreten. politisch bewegte und bewegt sich der C.-V., so weit er über seine Abwehrzwecke hinaus überhaupt nach außen hecvortritt, auf der Basis der b ü r - I i cf) liberalen Parteien, die vom Kommunismus aufs grimmigste bekämpft werden. Roch in den Aufrufen zu den letzten Reichstagswahlen vermied es der C.-V., sich auf eine bestimmte Partei innerhalb der bürgerlichen Witte festzulegen. Alle Parteien, die -auf dem Boden von Recht und Verfassung stehen, und damit die Unantastbarkeit der bürgerlichen und religiösen Rechte auch der jüdischen Staatsbürger garan-. Keren, sind ihm gleich recht. Kleines Feuilleton. Dank! Von Hermann Seckbach. Um uns herum schweres/ düsteres Gewölk. Vergeblich suchen wir im grauen Alltag nach der Sonne. Wohl geht G'ttes Natur unverändert ihren Gang. Die Sonne, die leuchtende Sonne, sie scheint uns, aber ihre herrlichen Strahlen werden verdunkelt durch die Schatten der Zeit. Hab' Sonne im Herzen — Ach, diese Sonne ist beinahe verschwunden Die Menschen finden den Weg nicht mehr zueinander. Zwietracht, Mißtrauen, Haß errichten eine Barrikade. Derweilen dürstet unsere Seele nach Liebe — nach der großen, alles umfassenden Menschenliebe. Und wenn wir uns in diesen sturmbewegten Zeiten arm und leer Vorkommen, so brauchen wir Persönlichkeiten, die uns einen Halt 'geben, unserer verkümmerten Seele Wege zeigen, über Schweres, Allzuschweres hinwegzukommen. JSdiq Schachnowitz, , der jetzt zu seinem 25jährigen Schriftsteller-Jubiläum Gefeierte, gehört zu den seltenen Persönlichkeiten, die es verstehen, uns in ihren Werken und in ihrem Wirken belebende und stärkende Kräfte und unerschütterliches G'ttvertrauen einzuflößen. Ein jüdischer .Helfer, bescheiden und menschlich nahe den Aermsten Der Armen! So gesellt sich zu den vielen Gratulanten eine kleine Gemeinde von Kranken und Siechen, denen er fünfundzwanzig Jahre lang in treuer Freundschaft unendlich viel Erhabenes und Edles gegeben hat, und bringt ihm in «einfachen Worten zwar, aber herzlich und innig — Dank. AU dieses wird sich bald aus den beschlagnahmten Dokumenten, an deren objektiver und gerechter Prüfung durch die Regierungsbehörden wir nicht zweifeln, ergeben. Inzwischen haben . aber die Haussuchung selbst wie.ihre grelle Begleitmusik.in einer bestimmten Presse ihre Dienste zur Steigerung der erregten. Stimmung getan. Orrs Echo im Auslande. Auf einem Diner, das die Iewish Agency zu Chren der Freunde Palästinas im englischen Parlamente veranstaltet hat und an dem unter 500 Gästen über 100 Parlamentsmitglieder teilnahmeu, gab Dr. Weizma n n eine Sympathiekundgebung für ö a ö d e U t s ch e Judentum ab. weizmann sagte in der Hauptsache: Riemand wolle Deutschland das Recht absprechen, sein politisches und soziales Leben nach eigenem Gutdünken zu regeln, dennoch könnten die Juden der Welt nicht schweigen zu dem primitiven mittelalterlichen Antisemitismus, der heute das Leben des Juden in Deutschland so erschwert und gefährdet. Cr rät den jüdischen Brüdern in Deutschland, Wut und Ausdauer zu zeigen. Sie mögen in dieser Stunde der Prüfung wissen, daß die aufgeklärte D e f f e n t l i ch k e i t .in der Welt mit ihren Sympathien unentwegt hinter ihnen in ihrem Kampfe um Recht und Existenz stehe. — Wir sind keine Freunde von Aufbauschungen und haben an dieser Stelle oft genug unsere Brüder int Ausland gebeten, sich der übertriebenen Schwarzseherei fernzuhalten und vor jedem versuch einer Intervention Abstand zu nehmen, solange wir die Hoffnung und die Wöglichkeit haben, im Lande selbst auf dem Boden der Gesetze unser Recht zu wahren. Aber was Weizmann auf diesem Bankett gesagt hat, ist nicht viel und nicht übertrieben. Cin Solidaritätsgefühl mit Brüdern läßt sich nicht diktieren noch auf Kommando ausschalten. Und wenn er von der „aufgeklärten Öffentlichkeit" spricht, die mit ihren Sympathien auf unserer Seite ist, so denken w i r in allererster Reihe dabei an die aufgeklärte Welt i n D e u t s chl a n d selbst, die zwar zur Stunde keine große Akustik im Lande hat, aber bei Rückgang.des Wahlfiebers doch noch vielleicht imstande sein wird, sich einiges Gehör zu verschaffen. Was macht aber der „völkische Beobachter" aus dieser Aeußerung Weizmanns? Cr stellt jenes Diner, das zu Chren der freunde Palästinas im englischen Parlamente veranstaltet war und auf dem, abgesehen von den wenigen Worten Weizmanns über die Lage in Deutschland, Sir Herbert Samuel, Lord W e l ch e t t, Landwirtschaftsminister C l l i o t, L r o ö e t s k v und andere führende Parlamentarier ausschließlich über das jüdische Uationalheim in Palästina sprachen und mH keinem Sterbenswörtchen Deutschland erwähnten, in den Rahmen der „jüdi- Ttafan Semirower, ein LhassidiM'Rebbe. Ein Jub'iläumsärtikel von S. Ernst. Autorisierte Uebersetzung von Saly Geis. (Schluß). Rabbi Rachman starb bereits 1811. Zu seinen Lebzeiten hatte sein Freund das eigene Ich unterdrückt. Jetzt aber trat er selbständig ans und sprach auch gegen die anderen Rebbes jener Zeit, deren Führung er verwarf. Er predigte vor allein das Lob der Freude. „Zu viel Traurigkeit bewirkt die Entfernung von G'tt, denn der pessimistische Mensch verliert die Energie, und diese ist im Leben nötig," so lautete einer seiner Aussprüche. Nach seiner Anschauung bringt ein frohes Gemüt über die Störungen hinüber, während der Unmut keinen Nutzen, vielmehr Verzweiflung und Sünde nach sich zieht. „Die Freude," sagte Rabbi Natan, „ist ein Zeichen moralischer Vollkommenheit, ihr Gegenteil läßt aber aus einen geistigen Krüppel, aus einen Menschen schließen, der nicht glaubt, daß ein G'tt aus der Welt vorhanden ist. Die Freude bedeutet Auflebung, da sie vom Menschen seine Nöte wegnimmt. Die Traurigkeit frißt jedoch an der Seele." Ein Mann, der angefahren kam, um den Sabbat bei Rabbi Natan zu verbringen, wurde kurz vor dem Ziel seiner Reise aufgehalten und konnte so erst am Sabbat- Abend .bei Rabbi Natan eintreffen. Der Allmn äußerte seinen Schmerz, den Tag nicht beim Rabbi verbracht zu haben; doch dieser erwiderte, nachdem er ihm in sein umwölktes Gesicht geblickt hatte, es freue ihn, einen falschen Propaganda gegen die neue Reichsregierung". Im Zusammenhang mit einer scharfen Polemik gegen „Daily Herald", der über pogcomstimmung tu Deutschland berichtet, ergeht sich das Blatt auch ln Beschimpfungen gegen Weizmann, der Deutschlaud in der Welt als pogromland verleumde. Der „völkische Beobachter" stellt fest, daß für solche Behaupt ung e n a u ch n i ch t d e r S ch a t t e n eines Beweisesvorhanden sei. Cs handele sich nur eine unverantwortliche H e tz e, die nicht niedrig genug gehängt werden könne, und es sei höchste Zeit, daß die Politiker des Auslandes sich o f f i z i e l l von liefen A u s st r e u u n g c n d i st a n z i e - r e-n. Uns genügt es fürs erste, daß sich der „völkische Beobachter" von solchen wirklich unsinnigen pogromgerüchtcn distanziert, und es wäre gewiß gut, wenn es auch die deutschen Auslandspolitiker, zur Beruhigung der Weltöffentlichkeit, täten. Zwar fordern die harmlosen Worte Weizmanns kein Dementi heraus, um so mehr aber eiue sensationelle Presse im Auslande, die weder von Juden geleitet noch beeinflußt wird, noch sonst irgendwie mit Juden und Judentum zu tun hat. Je mehr und entschiedener die deutschen Instanzen und ihre Presse solche Wöglichkeiten von sich weisen, um so zuversichtlicher werden Deutschlands Juden selbst jenen wilden und sinnlosen Gerüchten im .Auslande entgegentreten können. I In der Wahlnacht von Sonntag zu Wontag wurde ^.im Rundfunk zwischen den einzelnen Wahlrcsullaten eine amtliche Weldung aus Weimar durchgegeben, die ganz in dieser Richtung liegt. Der Thüringische Innenminister verwahrt sich gegen eine Auslandsmeldung, wonach „in Thüringen Pogrome ausgebrochen wären," als gegen eine unerhörte Verleumdung Thüringens und Deutschlands. Alle Bewohner Thüringens, auch die Rassenfremden und die 'Ausländer, stehen unter seinem persönlichen Schutze. Freilich sei 'der Central-Verein in Thüringen aus bestimmten Gründen verboten worden. Wir wollen die Weldung so verstehen, daß in Thüringen nicht allein alle Staatsbürger, selbstverständlich auch die jüdischen Glaubens, sondern sogar alle fremdrassigen Bewohner ausländischer Rationalität unter dem Schutze des Gesetzes stehen. Das Verbot des Lentral-Vereins dürfte, wie wir an anderer Stelle ausführen, auf einem Irrtum beruhen, der sich schon inzwischen ansgeklärt hat oder bald ausklärcn wird. All dieses ist nicht so wichtig. Wichtig und dick zu unterstreichen ist die Feststellung, daß die Regierungsstellen, alle verantwortlichen Instanzen und die f ü h r e n d e n a t i o n also z i a l i st i s ch e Presse sich gegen den Gedanken an g e w a l t t ä t i g e A u s s ch r eitu n g e n g e g c n I u d c n , — und gewiß m i t vollem Rechte, — verwahren u n d all chen trübseligen Gast am Sabbat nicht bei sich gehabt zu haben. Rabbi Natan hat das System Rabbi Nachmans treu fortgesetzt. Der Wille zum Leben ln Verbindung mit der Annäherung zu G'tt war das Leitmotiv dieses Systems. Darum bedeutete ihm die Thora keinen Zweck an sich, sondern das Mittel für die rechte Lebensführung. (Ein jüdisch-archäologischer Fund von hohem Settenheikswerk.) Bei einem Erdrutsch an der Grenze der Gemeinden E a n d e st i und G e m e n e a (Departement Dambovitza — mittlere Walachei) wurde in einer Tiefe von 20 Metern eine Bronzemünze freigelegt, die aus der Vorderseite einen Moseskopf mit der hebräischen Inschrift „Mosche", auf der Rückseite den hebräischen Wortlaut des Gebotes „Du sollst keine fremden Götter haben neben mir" trägt. Die Münze mißt 35 mm im Durchmesser und erreicht an den höchsten Stellen des Reliefs eine Stärke von 8 mm. Wie der durch seine Forschungen auf dem Gebiete der rumänisch-jüdischen Geschichte bekannte Vukarefter Gelehrte. Dr. M. A. H a l e v tj, sestgestellt hat, handelt es sich um einen Fund von.,hohem Seltenheitswert. Es ist außer der eben gefundenen Münze nur noch ein zweites völlig gleiches Exemplar bekannt, das vom verstorbenen Gründer der Jerusalemer Kunstgewerbeschule „Dezalel", Prof. Boris Schatz, seinerzeit in Bulgarine entdeckt und dem Vezalel-Museum einverleibt wurde. Die Münze gehört zu jener Kategorie von Bildmünzen, die im Mittelalter und in der Zeit des Humanismus als Amulette hergestellt wurden.

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