Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1933)
- Date
- 1933-03-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 2 Nr. 10 Der Israelit Wirtsvolk hatte in Deutschland, dem Lande der Denker und Dichter, zur Folge, das; auch die Juden nach einer geistigen Assimilation strebten, das heißt, daß sic sich nicht begnügten, die min und ihre mxa einfach über Bord zu werfen, das wäre ihnen in einem solch gründlichen Volke, das zu jener Zeit Alles und Ied.es gedanklich und philosophisch zu fundieren bestrebt war, sehr übel vermerkt worden. Sie mußten schon ihren Geist ein wenig anstrengen, um ihren Abfall auch wissenschaftlich zu begründen, und so entstand in Deutschland eine Wissenschaft des Abfalls, eine Theorie dermit der der praktische Abfall Hand in Hand ging. In den anderen Landern, selbst in Ungarn, gab es praktische cryons' es gab aber kein System des Abfalls und was in Ungarn danach aussah, war kein Ligengewächs, sondern Import, kaum verdauter Import aus Deutschland. Und darum gab es in Ungarn kerne geistige Auseinandersetzung; mit dem Abfall als solchem gibt es keine Auseinandersetzung, da ja kein Prinzip vorhanden ist. Die ungarische Assimilation war keine solche, wie sie gemeinhin aufgefaßt wird, ein Bestreben, dem Wirtsvolke gleich zu werden. Dieses Bestreben konnte schon deshalb nicht aufkommen, weil ja das ungarische Volk doch zum größten Teile ein Bauernvolk ist und der Jude wollte ja gar kein magyarischer Bauer werden; die ungarischen Juden liberaler, — oder wie sie dort genannt werden — neologer Observanz wollten den d e u t s ch e n I u d e n gleichen, die mit G'ttes Thora gebrochen hatten. Und da das Ganze nur Imitation war, gar nicht originell, war der praktische Abfall roher und brutaler und die Sucht, die G'ttreuen zu vergewaltigen, noch stärker. Ls gab für die Orthodoxen in Urrgarn gar keine andere Möglichkeit, als sich von jenen zu trennen, die mit dem alten Indem tum gebrochen hatten. Ls war einfach ein Akt der Uotwehr. Ls ist aber Tatsache, daß eine geistige Auseinandersetzung, wenn wir von einigen Kongreßreden absehen, in der Tat nicht stattgefunden hat, weil sie vollständig überflüssig war. Ls gab eben zu diesen üwis keine geistige Brücke. Ls erübrigte sich auck eine eingehende halachische Begründung, wie wir sie gerade von den großen Geistern der Halacha des damaligen Ungarn erwartet, hätten, denn es war doch ganz klar, daß man das G'ttesgesetz, das gefährdet war, schützen müsse, und daß man mit a'2L? 12 in keiner religiösen Gemeinschaft leben könne, denn dem lebendigen jüdischen Bewußtsein waren die Gemeinden, die nih.ij?' religiöse Gemeinschaften und das religiöse Gemeinschaftsband hatten ja die Ueologen gelöst, da sie als Grundlage der mVnp nicht das im Schulchan 'Aruch kodifizierte G'ttesgesetz anerkennen wollten. Welches Band hätte sie nun Zusammenhalten sollen? Der große Lehrer der ungacischen Orthodoxie, der Isis v"7in, hatte längst erklärt, nnrnm* daß wir für diejenigen, die sich von dem alten Judentum loslösten, keinerlei rrvnnx haben, wie dies schon W. jj,*- Bemerkungen zur “inox Von Rabbiner Dr. Ansbacher in Wiesbaden. 1. ms xVx u’x ’»’a '.in nasotp »"a, „Wo es heißt, es war in den Tagen des und des Mannes, bedeutet es eine üble Zeit."'Sicher mehr als ein Worftpiel, das sich nur auf verschiedene Stellen beruft. Was liegt in dem '»'2 'i'i so erschreckendes? Vielleicht ist der L>inn folgender: Es ist stets eine Gefahr für unser Volk, es hat es oft am eigenen Leibe am rauhesten empfunden, wenn es die Hoffnung auf Menschen, und gar auf einzelne Namen, setzt. '»'2 \ti ’jp di?» ^>2, überall wo Israel meinte, in den Tagen des einen oder anderen hohen Protektors müßte ihm das Heil erblühen, ms x!>x irx entstand daraus das große Leid. 2. obub nViXJ x’a» i-i»ix opa iai ->»ixn. „Wer ein Wort im Namen seines Autors wiedergibt, bringt die Erlösung der Welt, sowie es heißt: Und Esther sagte es dem König im Namen Mordechais." Kann man wirklich jedem Worte solche Erlösungskraft zuschreiben, wie diesem zwischen König und Königin gewechselten? Eine zeitgemäße Deutung mag etwa folgende sein: Unserer Tauroh werden oft Behauptungen entgegengehalten, angeblich im Namen der Wissenschaft, und Kleinmütige lassen sich einschüchtern. Nehmen wir aber diese „Resultate" nicht blindlings hin, sondern fragen wir, Hange vor ihm die Gaonim gegenüber den karäern nicht nur erklärt, sondern auch praktisch durchgeführt haben. Im Osten, wohin auch etwas von der deutschen Aufklärung drang, verlief die Entwicklung ganz anders. Auch dort war an eine Afstmilation der Juden an ihre Wirtsvölker polen, Russen, Rumänen ufw. gar nicht zu denken und nur einige wenige versuchten, auch den „Deutschen" gleich zu werden, aber das ganze blieb an der Oberfläche. Cs wagte keiner derll^'2waan eine Reform des religiösen Lebens zu denken. Die große Waffe nahm gar keine Rotiz von diesen Bestrebungen und daher brauchte weder an eine geistige Auseinandersetzung noch an eine Trennung gedacht zu werden. Selbstverständlich gab es überall, D’bp und D”wi3' aber nur für ihre Privatperson; der Abfall war ihre Privatsache, während sie für die Öffentlichkeit, für alle Institutionen und für alle Gemeinden die alte Religion als Grundlage forderten. (Schluß folgt.) Wochenrundschau. Der Ausgang -er Rerchkagsrvahlen. Die Regierung hat das erreicht, was ste mit einem' unerhörten Aufgebot von Kraft und Arbeit erstrebt hat: Die Majorität der Stimmen im Volke und die absolute Mehrheit im Reichstag, und mau kann sich, nach all dem, was man in jüngster Zeit erlebt und erfahren bat, mit diesem Resultate zufrieden geben. Seien wir uns darüber klar, daß am 3.' März nicht, wie sonst bei Wahlen, das Volk über die Vertrauensfrage für das Kabinett zu entscheiden hatte, bei deren Verneinung „andere Zeiten, andere Vögel und andere Lieder" kommen müßten. Sondern es ging um die Frage: Soll die Regierung ihr Programm mit oöer^ o h n e Parlament durchführen? Das Volk hat sich für das Parlament entschieden, hat der Regierung das kostbarste Instrument der Konstitution zur Durchführung ihres Programmes zur Verfügung gestellt. Und die Regierung wird wissen, welche Verantwortung ihr mit diesem vertrauen und diesen Vollmachten übertragen wurde. Die Verantwortung wird ihr bleiben, auch wenn der Reichstag, wie man allgemein anntmmt, nach feinem ersten Zusammentreten für längere Zeit heimgeschickt und ausgeschaltet werden sollte. wer hinter dieser Wissenschaft steht, so sind es oft nur einzelne Namen, mag es Darwin-Höckel, mag es Delitzsch- Wellenhausen, oder aus dem eigenen Lager Dubnow- Auerbach oder andere sein, wir haben mit anderen, ebenso klingenden Namen aufzuwarten, die mit ebenbürtiger Wissenschaftlichkeit für die Wahrheit der Tauroh eintreten Deshalb saget jedes Wort im Namen des Urhebers, und Ihr werdet die geistige Erlösung der Welt bringen und vor Verblendung schützen. 3. Und das Trinken war ohne Zwang PS12 nivvl' erxi v'x zu tun nach dem Willen jedes Mannes. Dazu der Midrasch 'am» ni wx wie es heißt bvui -pin •»arm v'xn 'a, und der zweite pn nr v'x so heißt es - - - pn anxi ix L"x Daß Mordechai gegen den Trinkzwang war, verstehen wir, um Iisroel vor dem oa« ->idx zu schützen, aber warum Homon? — Er wußte wohl, daß viele doch der Versuchung verfallen, hätte'er sie gezwungen, so hätten sie doch die Entschuldigang des n'iv2 xa»m onx für sich gehabt, daß sie im Zwange gehandelt und frei von Strafe seien, deshalb lieh er auch ihnen freie Hand, um ihnen eine Falle zu stellen. 4. ni>ax - - - pyn pn 'm p» nnnn p pn. Wo liegt der innere, kausale Zusammenhang zwischen der Purimgeschichte und dem fisnn py? Die Gemoro fragt bekanntlich: Weshalb wurde Iisroel mit der Vernichtung b"-> bevroht? Und eine Antwort lautet, weil sie bei der Tafel Achaschwerosch's mitgegessen. Dagegen ist mit Recht einzuwenden: Kommt denn auf den Genuß verbotener Speisen wie »12101 '?aa die Todesstrafe? Antwort: Ein einziges Mal, bei jiennn rnx, wo es hieß -w»n - - - *pax na „An dem Tage, an dem Du davon essen wirst, wirst Du sterben." Das ist der Sinn obigen Satzes, pa »".in pn. Wo finden wir in der Tauroh einen Anhaltspunkt, daß Homon wegen Teilnahme an der Tafel den Tod androhen durste? p?n pn 'vo. 9. März 1933 Ganz gewiß hat sich feit dem 31. Januar am Crnfb der Lage für die deutschen Juden nichts geändert. Iw erhöhtem Maße bleibt die Gefahr ihres kulturellen und' wirtschaftlichen Ausschlusses bestehen. Aber der Panik der letzten Tage ist doch eine gewisse Entspannung gefolgt.- Die Regierung hat ihre Majorität und kann füglich auf Gewaltmittel verzichten, sie hat das Instrument zu einer legalen Durchführung ihres nationalen Programmes. Legalität — dafür bürgt der Ramc Hindenburgs und bürgen noch andere Ramen in der Koalitionsregierung — ist aber gleichbedeutend mit Verfassung, und in der Verfassung ist das- Recht aller deutschen Staatsbürger, auch der Juden, auf die Unantastbarkeit von Leib, Leben, Ehre und Eigentum verankert. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß der Sieg der Rationalen Konzentration zunächst für die Schaffung von Ruhe und Ordnung ausgewertet wird. Das Gebot der Stunde lautet für uns: Ruhe und vertrauen! Richt zuletzt auch Beruhigung des Auslandes, das sich, ohne unser Zutun, in stark übertriebener Weise um das Schicksal der deutschen Juden beunruhigt und, indem es dieser Beunruhigung allzu lauten Ausdruck gibt, unsere Lage nicht verbessert. Eine Haussuchung. Zu den unverständlichsten Maßnahmen der letzten politisch überhitzten Tage gehört die Haussuchung in den B ü r o r ä u m e n des Zentral-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Man wird schwerlich etwas Belastendes gesunden haben. Allein noch in der gleichen Rächt, bevor noch das beschlagnahmte Material richtig ins Polizeipräsidium geschafft werden konnte, wußte schon der „Völkische Beobachter" unter dem Titel „Jüdische Organisation der KPD. ausgeräumt" über „eine Unmenge von Heizmaterial gegen die nationale Freiheitsbewegung" und von „ungemein gehässigen und aufreizenden Dokumenten in den Räumen des C.-V." zu berichten, auch über Verhaftung von sechs Mitgliedern des Büros und feine Schließung. Worauf sich die Angaben des v. B. stützen, das ist ein Bild auf einem vier Jahre alten Flugblatte des T.-v., mit dein etwas drastisch gezeigt wird, was noch alles kommen könne, wenn weiter in diesem Tempo einzelne volksteile gegeneinander gehetzt werden. Die Mitteilung des Blattes über die Verhaftungen und die Schließung des Büros ist -dahin zu berichtigen, daß nicht sechs, sondern nur zwei Herren mit aufs Polizeipräsidium gingen, um weitere Auskunft zu geben. Die beiden Herren wurden noch am gleichen Abend wieder entlassen, die Büros des T.-V. arbeiten nach wie vor ungestört weiter. Sonst stimmt alles ... 5. Eine Massorah lautet: pan/‘mn i-x nvy naa rnx rra n»' «V ns-x sr>nb Ii?'a. Ein Ausdruck, der nur an diesen zwei Stellen vorkommt Homon als Nachkomme Amoleks und Efows war doch ein Bruderstamm von Iisroel D'jaV D'NX nxnw ->">121 sagen wir in X'M 1VX '271 „Er erweckte wieder den Haß der Brüder an den Kindern." Hätte von anderer Seite Iisroel ^"i der Untergang gedroht, so hätte e r eigentlich die Pflicht des Dia' gehabt i>xiv'a dp vnxV D’pnV. Im extremsten Gegensatz hierzu wollte er sogar den Bruderstomm vernichten. Wenn schon dem Jowem, der das Haus des Bruders nicht aufbauen will, v'xi» n»y «DD im Ehalizah-Akt eine Beschämung angetan werden soll, wie erst dem, der noch den Bruder mit eigener Hand vernichten will, v'xi> nvy'' naa. Dies geschah ihm hier als er dem zu Tode gehaßten Mordechai die königliche Auszeichnung erweisen mußte. 6. D'n "xi pixn by o» * * *]V»n oe?'i, Kap. 10, 2. Und der König legte Steuern auf, dem Lande und den Inseln des Meeres. Er hatte 127 Provinzen, davon sollen 100 auf dem Festlande gewesen sein, pnxn bv '»'3, und 27 aus den Inseln, am '"'xi 'ca, Wochenkalender. ^vom^^—^M^März^M3^om^3^-^20^Adar569^ , # 'öl' rp . nran Samstag 11 13 ' -,127 '2 msil Sonntag 12 14 X' D’ns Montag :S 13 ns 15 3’ D’-na piv Dienstag S 14 16 2' . Mittwoch 15 17 T Donnerstag 16 18 iv Freitag 17 19 TD »"x »"222 n'jyn Samstag 18 20 r »"122 0'*112 N12 '2 Xmi’3