Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1933)
- Date
- 1933-03-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450756-2450765--79429-2537180- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2. März 1933 Der Israelit Ar. 9 Seite 7 Rußland. Oie ICA-Arbeit in Rußland auf wein-- und Obstanbau konzentriert. Moskau. 10. Febr. . Seitdem Ende 1929 die jüdischen Kreditgenossenschaften liquidiert worden sind, hat Die Jewish Colonisation Association (JCA.) ihre Arbeit in der Sowjet-Union aus ,Lie Entwicklung intensiver Kulturen, hauptsächlich Wein- und Obstanbau, in den jüdischen Rayonen der Ukraine konzentriert. Die ILA. arbeitet vor allem m den Rayonen Reu-Zlatopol, Stalindorf. Kalinindorf und in den jüdischen Kolonien des Rayons Rikopolje, insgesamt in 42 jüdischen Kollektiv-Kolonien. JCA.^gibt Kredite für Wohnungsbau, gewährt den.Kolonien technischen und agronomischen Rat zur Entwicklung intensiver Kulturen, sowie Kredite zur Ermöglichung der Anlage von Wein- und Obstgärten. Im Jahre 1932 hat die JCA. für diese Zwecke 200.000 Dollar ausgegeben. - Oie (Quote der jüdischen Neusiedler in Biro-Bidschan herabgesetzt. Moskau, 14. Febr. Wie der Vorsitzende des Stadtsowjets von Viro-Vidschan, Michael Raschkes dem JTÄ-Lertreter mitteilte, ist die Quote der im Verlauf des Jahres 1933 in Biro- Didschan seßhaft zu machenden Juden von 25 000 auf 17 000. Seelen herabgesetzt worden. Es besteht die Absicht, eine stärkere Siebung der Einwanderer nach Qualität und eine bessere Unterbringung derselben zu bewerkstelligen, damit die starke Rückwanderung, die sich im vergangenen Jahre bemerkbar machte, nicht weiter in Erscheinung treten soll. Die Devise lautet jetzt: Weniger siedeln, aber besser. Rumänien. Die spanische Regierung an die Sephardim Südosteuropas. B u k a r e st, 24. Febr. Der vor einigen Tagen in Bukarest eingetroffene neue Gesandte der spanischen Republik, Marquis de Prat, hat den Führern des sephardischen Gemeindebundes Rumäniens Besuche abgestattet und hierbei folgende Erklärung abgegeben: 1 „Ich komme zu Ihnen nicht nur als persönlicher Freund der sephardischen Juden, in deren Interesse ich viel gearbeitet habe, sondern ich bringe auch ein weitgehendes Programm zur kulturellen Förderung der sephardischen Juden mit, das ich vor meiner Abreise dem Außenminister vorgelegt habe und das von diesem genehmigt wurde. Neben verschiedenen Maßnahmen zur Förderung des sephardischen Schulwesens sieht dieses ^Programm noch für dieses Jahr die Ausschreibung eines Stipendiums für einen sephardischen Studenten aus Rumänien vor, das ihm das Studium an einer spanischen Universität ermöglichen soll. Im folgenden Jahre sollen drei derartige Stipendien ausgeschrieben werden: eines zum Studium der schönen Künste in.Spanien, ein zweites zum Studium der spanischen Literatur und Geschichte und ein drittes zum Studium der politischen Wissenschaften an einer spanischen Universität." Ist Sabbatheiligung Spekulation? Bukarest, 19. Febr. In B e r e s ch t (Kreis Covorlui) erschien an einem Sabbattage ein Hilssrichter des Landgerichts beim jüdischen Schuhhändler Lupu Fain und nahm mit diesem ein Protokoll wegen Verkaufsverweigerung auf, obwohl es der Bevölkerung des Städtchens allgemein bekannt ist, daß Fain seit Bestehen seiner vor mehreren Jahren gegründeten. Firma als streng religiöser Jude niemals an Sabbat- oder jüdischen Feiertagen etwas verkauft hat. Gegen den Kaufmann wurde die Anklage auf Grund eines Gesetzes gegen Waren- -und Preisspekulation erhoben, Das Gefängnis von^ bis 9 Monaten söwie'Gelh- ,büßen von 5000 bis 30.000 Lei für diejenigen vorsieh!, die durch Vernichtung von Waren oder durch Verweigerung ihres Verkaufs sine spekulative Preissteigerung ehreichen wollen. Man sieht dem Ausgang des gegen Fain eingeleiteten Prozeßverfahrens mit Spannung entgegen. Bukarest, 18. Febr. In der Prozeßsache Fain stellte sich das Gericht auf den Standpunkt der Verteidigung und sprach den Angeklagtenfrei. England. Die Transjordanien-Frage vor dem Englischen Unterhaus. L v nd o n , 10. Febr. Colonel Wedgwood fragte im Unterhaus den Kolonienminister, ob er Informationen über Verkauf von Boden in Transjordanien an Juden durch Emir Abdullah habe und insbesondere, ob die Palästina-Regierung in Transjordanien oder in Palästina dieser Transaktion entgegengearbeitet habe. Der Kolonienminister Sir Philip C u n l i f f e-L i ft e r erteilte Wedgwood auf diese Frage die folgende schriftliche Antwort: Es scheint, daß Verhandlungen zwischen dem Emir Abdullah und einer, jüdischen Gruppe betreffend Pacht eines gewissen Bodengebietes in Transjordanien stattgefunden haben. Ich bin gerade dabei, diese Angelegenheit zu prüfen, bin aber noch nicht in der Lage, eine weitere Erklärung abzugeben. Aus der Sitzung des Jewish Board of Deputies. London, 21. Febr. In der Sitzung des Jewish Board of Deputies (Deputiertenrat der englischen Juden) erstattete Leonard G. Montefiore den Bericht des Joint Foreign Committee (Komitee für auswärtige jüdische Angelegenheiten) und schilderte zunächst die Lage in Deutschland. Die jetzige deutsche Regierung steht zwar unter nationalsozialistischer Führung, aber sie ist eine Koalitionsregierung, die auch nicht-antisemitische Gruppen einschließt, und sie hat die Verfassung beschworen. Der Reichskanzler Hitler hat in seinen beiden Rundfunkansprachen das Wort „Jude" nicht erwähnt, auch hat eine öffentliche Aktion der Regierung gegen die Juden nicht stattgefunden. Freilich ist die Presse der N. S. voll von Beschimpfungen und Drohungen gegen die Juden. Auch sind Anstrengungen zu beobachten, die Position der tätigen Juden überall unhaltbar zu machen. Den Bericht über die Lage der Juden in Polen erstattete Nathan L a s k i. Er appellierte an die Mitglieder des Board of Deputies, für die jüdischen Brüder in Polen und in allen anderen Ländern in denen sie Verfolgungen ausgesetzt sind, Opfer zu bringen, um möglichst viele dieser Berfolgten in die Lage zu versetzen, sich in Palästina ansiedeln zu können. Es fei die Zeit gekommen, daß der Board of Deputies sich dafür einsetzt, daß beim Völkerbund eine Permanente Minderheitenkommission gebildet werde, die aus Vertretern aller jener Mächte zusammengesetzt fein soll, die in ihren Ländern keine Minderheitenfragen zu bereinigen haben. Major $). L. Nathan, Mitglied des Unterhauses, regte an, daß das Joint Foreign Committee einen erfahrenen Beobachter nach Polen entsendet, der die britische und die amerikanische Judenheit über die wirkliche Lage informiert. Ein solcher Bericht, der auch den Auswärtigen Aemtern Englands, der Vereinigten Staaten und Frankreichs vorliegen würde, könnte von der polnischen Regierung nicht übersehen werden. A. H. Goodma n (Generalsekretär der Agudas Jisroel), erklärte, die polnische Regierung sei darauf bedacht, die Lage der Juden zu mildern. Man müsse aber bedenken, daß Polen — zwischen Sowjetrußland und Hitlerdeutfchland, die beide nicht polenfreundlich find, eingeklemmt — sich in einer schwierigen Lage befindet. Leonard Stein betonte die Notwendigkeit, mit der polnischen Regierung in der Verbesserung der Lage der Juden zusammenzuarbeiten. Demgegenüber ergeht sich Israel Cohen in Anklagen gegen die polnische Regierung. Es wurde schließlich beschlossen, das Joint Foreign Committee zu beauftragen, die Frage der Bildung einer kleinen V e o b a ch t e r k o m m i f f i o it gemeinsam mit anderen repräsentativen jüdischen Organisationen zu prüfen; diese Kommission soll sich nach Polen begeben, um die Posttion der Juden in diesem Lande an Ort und Stelle zu untersuchen und hierüber Bericht zu erstatten. Palästina. Scharfe Maßnahmen gegen illegale' Palästina-Einwanderung durch Syrien. I e r u s a l e m, 21. Febr. Auf Ersuchen der Palästina-Regierung haben die französischen Behörden in Syrien scharfe Maßnahmen zur Verhinderung illegaler Palästina-Einwanderung aus dem Wege über Syrien ergriffen. Die Jerusalemer Regierung hat festgestellt, daß in Syrien eine arabische Menschenschmugglerbande am Werke ist, die sich systematisch mit der Einschmuggelung von Juden nach Palästina befaßt. Diese Bande arbeitet mit den üblichen Lockmitteln. Dem Wunsche der Palästinaregierung entsprechend, lassen die syrischen und libanesischen Behörden keine Schiffsreisenden landen, die nicht über Visa zu dauerndem Aufenthalt in Syrien oder Palästina verfügen. Bis jetzt wurden an der syrisch-palästinensischen Grenze 116 Personen angehalten, die versucht hatten, ohne Visum die Grenze nach Palästina zu überschreiten. In Marseille sind neuerdings mit einem Schiffe aus Beirut 27 polnische Chaluzim angekommen, die an der syrisch - palästinensischen Grenze festgenommen worden waren, als sie versucht hatten, die Grenze nach Palästina ohne Visum zu überschreiten, nachdem vor einigen Tagen bereits 45 Chaluzim aus Polen aus dem gleichen Grunde von Beirut nach Marseille zurückgeschickt worden waren. Diese Palästinawanderer sind aller Mittel entblößt, da ihnen die arabischen Grenzschmuggler die gesamte Barschaft abgenommen hatten. Mehrere der Wanderer wurde von den Schmugglern direkt den palästinensischen Gendarmen übergeben. Jüdische Hilfsorganisationen nehmen sich der gescheiterten Palästinawanderer an, die wohl nach Polen werden zurückkehren müssen. Arbeitermangel in Palästina. Jerusalem, 23. Febr. Bon der Allgemeinen Palästinensischen Arbeitersöderation (Histadruth) wird der ITA. mitgeteilt, daß gegenwärtig im ganzen Lande ein akuter Mangel an jüdischen Arbeiterhänden herrscht; die Histadruth hat. an die Palüstina-Aemter im Auslande appelliert, sofort alle Juden, für die Einwanderungszertifikate ausgegeben wurden, für die Reise nach Palästina auszurüston. In den letzten Tagen'haben jüdische Kolonien von der Histadruth 1400 Arbeiter beansprucht, die die Histadruth nichk beizustellen in der Lage war. Die Nachfrage nach jüdischen Arbeitern hat jetzt steigende Tendenz, so daß die Gefahr besteht, daß die jüdischen Unternehmer, falls ihnen nicht sofort jüdische Arbeiter zur Verfügung stehen, anläßlich des Bgeinns der Pflanzungssaison nichtjüdische Arbeiter einstellen werden. Histadruth mobilisiert alle neueingetroffenen Chaluzim für Sofortarbeit, um halbwegs der Situation gerecht werden zu können. Neu auf genommen Die \ Markender Tangermü nder- Schokoladenfabrik. Alleinvertrieb durch die F. i r ID 3 Neu aufgenommen 3. Slnfdn «Älcxondcp, Berlin 310.18 tz-as.». laaa ^aaa^ nOS 78 7t£j Landsberger Straße 91 1103 78 1WD