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Der Israelit · 1933-03-02 · Heft 9 (2.3.1933) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 9 (2.3.1933)
Date
1933-03-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Stcrmmesg'tt und bald ein Volksg'tt. Weil sie den Ernst religiöser Wahrheitspflicht nicht kennen, darum halten sic es für möglich, daß pfäffische Priester bit Rachkemuien Mosches aus ihrem Amt gedrängt u^'ö ihre niedrige Abkunft durch Fälschung von Stnmmeslisten oder sonstige Manipulationen von Rrkundenfälschern nachträglich sanktioniert haben. „Geschichtsschreibung ist die persönliche Vision dessen, der Geschichte schreibt," wie es S. Xl-heißt." -' - Das ist ein wahres Wort. Die Geschichte, die -uns A u e r b a ch. auftischst -ist das S e l b st b e g r e i - fen des modernen M e n s ch e n. Für uns äst und bleibt sie ein tiefbedauerliches Anzeichen einer restlosem. geistigen Assimilation eines e n t j u d e t e n I u d e n t u m s , eines kranipfhaften Versuches, die Geschichte --Israels dem Musterbild anderer Völker gleichzumächen. II, , Vichts ist bezeichnender für die Geifteshaltung der jüdischen Epigonen der Libelkritik, als daß sie getreu dein Vorbild der liberalen Theologie jüdische Erklärer, Talmud und Rabbineu, nicht kennen und nicht nennen. Ihre Unwissenheit wird durch diesen affektierten Hochmut des Totschweigens glücklich'verdeckt, ihre Objektivität und Unabhängigkeit — für uns wie für jene — vorteilhaft illustriert. 0o kennt auch Auerbachs Buch „Wüste und gelobtes Land" keine -„jüdischen" Duellen. Cr gibt z. B. für dm Ramen -Benjamin , die Erklärung: Lind des Südens, als wäre sie ein Uovum, das die Ueberlieferung über den Haufen wirft, obwohl R a s ch i schon zu Gen. 58, l 8 die gleiche Deutung gibt; er stellt als ein die Berichterstattung der Bibel negierendes Faktum aus den Mumienfunden fest, daß der Pharao des Auszugs im Schilfmeer nicht untergegangen sei, obwohl in der Mechilta zu Cxod. 14, 28 Rabbi Rcchemia die Rettung Pharaos ausdrücklich -erzählt. " Wir erklären ein für alle Mal: w e r a n die Bibel oder a n die L r g r ü n d u n g-d e r jüdischen Vergangenheit ohne Kenntnis und genaueste Berücksichtigung von Talmud, M i d r a s ch u n d Rabbi neu herantritt,istunsvonvornhereinal'S inkompetent, o b e r f l ä ch l i ch u n d u n - wissenschaftlich gerichtet. Wer über, die jüdische Tradition etwas ausmachen will, und zugleich die jüdische Tradition mißachtet und ignoriert, hat sich selbst als in sich widerspruchsvoll, als Phantast und Dilettant entlarvt. Der einzige Jude, den Auerbach in seinem "Literaturverzeichnis neben der formalen Erwähnung von Dubnow nennt, ist ein typischer Geistesverwandter: Harry Torczyner mit seinem Buche „die Bundeslade und die Anfänge der Religion Israels." Dieser hat das Verdienst, daß durch ihn die Bibelkritik in die Lehrhallen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums einzieht, und wenn wir Glück haben, dann werden bald auf allen'liberalen Raitzeln,der ,-,Höchgebirgsgott" Schaddai-und der „Vulkangott" Haschem auftreten, und wie seine sonstigen blasphemischen Deutungen der jüdischen- G'ttesn'ämen - lauten mögen. "; : Die Methodik, mit' welcher Torczyner seine herausfordernden grundstürzenden Aufstellungen beweisen will, kann gar nicht scharf genug gegeißelt und zurückgewiesen werden, denn ist es auch. Unsinn, hat es doch Methode. Das Resultat steht jedesmal a priori fest. Da die Offenbarung am Sinai mit Blitz, Donner und Rauchgewölk vor sich'ging, so muß irgendein natürliches Ereignis der „Sage" zugrunde liegen, also kann der Sinai nur ein Vulkan sein. Da der Sinai, was nunmehr als gesichertes „Resultat der Wissenschaft" gelten kann, ein Schofar blstsender Vulkan war, der ausgerechnet; solang die Verkündigung der zehn Worte dauerte, Donner und Blitz hören ließ, aber nachher für jedermann zum Tanz auf der glühend-flüssigen Lava freigegeben war, so muß also der jüdische G'ttesnamö, der Schein hawaja, „vnlkangott" sein. Run aber -bedeutet arabisch „wahawa" das Brüllen des Löwen, — und wo wäre ein Unterschied zwischen Löwengebrüll und Vulkanen! — so ist die Bedeutung: brüllender v ul kan - 0O.U,' (sic) absolut gesichert. Wer könnte daran zweifeln? Dann u-erden noch ein paar Verse zum Bewerfe herangezogen, deren überlieferter Text natürlich als falsch deklariert wird und die solang korrigiert werden, bis sie . dern Zweck geeignet-'appretiert sind. Endlich werden' von den Indern und ans Ovid imposante. -Beispiele', beigebracht, daß l sie ^ähnliche Gstteserlobnisse angesichts tätiger..Vulkane.gehabt..haben, und der Beweis ist komplett.' ' Für jeden Einsichtigen ist diese ganze Methodik eine petiiio principii. eine Spiegelfechterei. Das hebräische wort haja oder seind Rebenform hawa .hat nach Gesenius die folgenden 6 Bedingungen: 1. in den Abgrundfallm; 2. elnfallen, eintreffen; 'o. begehren; 4;. verderben, abgesehen von der Rormalbedeutung: sein, existieren. Wir könnten also aus dem Bereich der hebräischen Sprache selbst fünf neue Bedeutungen uns zurechtkonstruieren: der Abgrundgott, der Gott j, des Verderbens, der begehrliche Gott, der Cinfallsgott ' usw. ufw. Wir machen uns anheischig mit den Mitteln des Herrn Torczyner für jede dieser Bedeutungen eine neue Konstruktion der jüdischen Geschichte zusammenzubringen, und''wir'sind auch fest überzeugt, daß wenn nach 4 Wochen der Vulkangott müde Und überdrüssig geworden ist, — Auerbach liebt ja'z. B^ die Vulkane nicht so sehr, er ist mehr für den Ouellcngott in Kades und will den ganzen Sinai än die Bitterwasser von Mara versenken — wir auch noch im Anschluß an die Korachgeschichte einen Abgrundgott, im Anschluß an die Pestplage Aegyptens und evtl, an die Aussatzgesetzgebung einen G'tt der hawothpestgott serviert bekommen. Oder da haja verwandt ist mit chaja-chäwa,' so werden sie' uns einen Dorfgott oder einen Weibesgott, oder in Verbindung mit chaja, aramäisch chiwja, einen- Schlangengott präsentieren, woraus sich die Geschichte von der kupfernen Schlange ja wunderbar ergibt. Wenn man noch gar das Lexi? kon aller andern semitischen Sprachen-zu Hilfe nimmt, so dürfte die Leistung keine allzu ^schweresein, ' wie Torczyner, gleich einem tätigen Vülkaa bei jeder Mondcrneuerung einen neuen etymologischen G'tt auszuspeien. ' , , 1 Aber gesetzt der Fäll, es würde der Rachweis gelingen, daß in Urzeiten die hebräische Sprache den Stamm „Wahawa" gehabt hätte,- m/ä: WF daß die etymologischen Voraussetzungen so sicher wären, wie sie' in Wirklichkeit völlig in der Lust hängen, selbst dann bewiesen die Spielereien Torczyners gar nichts. Ich habe bereits einmal in einer Kritik der Buber- Rosenzweig'schen Bibelübersetzung den Irrtum festgestellt, den Sinn des einzelnen Wortes in der Bibel lediglich nach seiner sprachlichen Urbedeutung behandeln zu wollen, als ob es keinen Bedeutungswandel gäbe, als ob nicht das entscheidend wäre, was das Wort im Gebrauch der biblischen Sprecher wirklich darstellte. Gibt es etwas Gewisseres, als daß das Wort „misbeach" von sawach —' schlachten herkommt und Schlachtstätte bedeutet? Dennoch ist es falsch, zu behaupten, der Pentateuch verstehe unter dem Wort misbeach Schlachistättc. vielmehr faßt' er das Wort genau so'abgeblaßt wie wir im Deutschen das Wort- Altar, denn sonst hätte es keinen misbach häktoreth, keine Bildung wie'den R"äu ch e r altar gegeben.' So haben iv'ic .gar kein Interesse'daran, die Urbedeutung' irgend eines biblischen Wöres-'zu kennen, es fragt sich lediglich und -alleinj was hat Alofche darunter verstanden, was bedeutet das WoR im bisslisch-en Sprachgbrauch? Alles andere mögen ' philologische Museumsstücke fein; für die Erfassung und zum Verständnis der Bibel und des Judentums sind sie völlig belanglos. Rach Torczyner aber wäre aus der Ausdmcksform. Misbach haktvreth zweifelsfrei bewiesen, daß die alten Juden ihren Weihrauch geschlachtet Haben. ■ ' ' .! wir sind gewiß die Letzten, hie düs Recht bestreiten, durch - Sprachvergleichung ''hebräische Stämme 'aufzuklärcii, ein Verfahren, das; seit dem'Talmud alle maßgeblichen jüdischen Erklärer ' -geÄt 'haben, Aber zu einer Sprachwutzel aus 'einem fremden' sernitischen Sprachgebiet nimmt man nur dort seine Zuflucht, wo das uns geläufige Hebräische selber versagt. Wenn z. B. in Hiob 24, H8 vom Verbrecher gesagt wird: lo jifne öerech k'ramim, er wendetvsi'ch. nicht 'den Weg. der Weinberge (wie stoch, Kautzsch übersetzt), so gibt das'keinen Sinn. Da mm das Arabische einen Sjamm „karim", - wie in. dem Ramen Abd-el-krim, aus denselben Buchstaben mit. der Bedeutung „edel" hat, so kann die Deutung „er wendet sich nicht den Weg der Edlen" als eine bessere Beleuchtung der Stelle dankhär angenommen. werdecks<I)glu?Räsch4s;z. St., dev Mit genialer IntuitioWwiese Deutung-vorwegnimmt.) / Aber wenn jemand das wichtig,sie,Mört der. ganzen biblischen Literatur, den^^ochstest Begriff, den wir .Juden kennen,..dessen Bedeutung..ist der 'Bibel., ganz klar und deutlich ausgesprochen ist, nur weil den Herren von der Fakultät 6er' Bibelkritiker An- Fnteresse ihres Cntwlcklüngssch.emas, in welchem das Judentum 'als Vorstufe des Christentums aus Heidentum sich entwickelt haben muß, so gefällt, auf eine arabische Wurzel, die kein ^An^logchyim:,Hebräischest hat, zurückzusühren usttöMimmtp Nm den -jüdischen"G'tt zu einem Fetisch zuAearadieren, so ist ,das mehr wie ein verbrechen., eS'ist eme Dutnmheit. '■ > >t .. . (Fortsetzung folgt.) Deutsches Reich. Zur Lage. Berlin, 28. Febr. » KsOiMie« TI,71 mmm Die Lage ist so verworren, daß man aus dem Chaos nur einige Momente herausgreifen kann, um sie für sich oder symptomatisch zu deuten. Von einer P.a n i k st i mmung unter den Juden Berlins und- Deutschlands, über die die jüdische Auslandspresse in großer Aufmachung, berichtet/kann keine Rede sein, wenn auch die Lage.ernst genug' ist. ' Unter den nationalsozialistischen Blättern ist es der von Dr. Goebbels herausgegebene „Angriff", der die schärfste Waffe wähl- und hemmungslos gegen uns führt, die sich keine Gelegenheit entgehen läßt, im Juden die Quelle alles Uebels seinen gläubigen Lesern zu zeigen. Es ist gewiß nicht unsere Schuld, daß das Ausland heute mit angehaltenem Atem und gespitzten Ohren die Entwicklung der innerdeutschen Dinge verfolgt, und es kann nicht wunder nehmen, daß auch die Französische Kammer eine Interpellation über die Vorgänge und Zustände in Deutschland beschäftigt. Flugs beeilte' sich der „Angriff", in großer aufreizender Aufmachung diese Interpellation als Folge' jüdischer Hetze im Auslande gegen die deutsche Nation hinzustellen. Es wird den Juden Unterstellt, daß sie mit Vorbedacht aus den Rückschlag des deutschen Warenmarktes hingearbeitet hätten, um damit die schlechten Wirkungen des neuen Regierungsprogrammes zu demonstrieren. Wer sich in diesen verworrenen Zeiten noch einen letzten Rest von klarer Vernunft bewahrt hat, muß sich ja sagen, daß die ersten Leidtragenden des Marktrückschlages ja die Juden sind und so -Unmöglich >o.uf ihren, eigenen Ruin htngearbeitet habtzg. können: hgß. ferner die Judengewiß keinen Einfluß auf,die,Auslandspreise oder gar auf die,-Parlamente haben und .daß die jüdischem.Zeitungen Deutschlands imrper und immer, wieder die,Auslandspresse vor Ueber- -treibungeu warnten, daß; prominente Judenletzthin in Amerika in. Por'txägtzn nach. Möglichkeit Aber, die deutsche Lage aufzuklnren. und zu - b e r u h i g e n suchten: Selbst in der zionistischen Presse -und in den zionistischen Versammlungen in Verln, wo naturgemäß die Lage im Sinne der Partei gedeutet -wird, hütet man sich vor unnützen Aufbauschungen und der Erzeugung einer Paniksllmmung'. Vollends die Sprache des Zentral- V er eins'ist offen und eindeutig, aber auch zuversichtlich.' In zwei großen Kundgebungen des Z.-V. unter dem Tiel „Für Heimat und Recht" sprachen sich diese Woche vor großer Zuhörerschaft verschiedene Redner über die Lage aus, u. a., von orthodoxer Seite, Herr Rabb. Dr. M. H i lü es h e iw e r. -Der, Tenor aller! Reden war: Kampf um.unser.Recht, das bürgerliche wie das religiöse, auf dem Boden der Verfassung, Absage an Kurt Blumenfeld und' die von, ihm gepredigte, „Distanz" (siehe auch Wochenrunöschau). Jüdisches. .Selbstbewußtsein, aber felbstverständlich auch Anteil und' Mitarbeit an der üeut- 'chen Kultur, wie es Bürgern mit gleichen Pflichten und Rechten geziemt. Daß einige Zeitungen sogar, den .Reichstagsbrand von Montag nacht.aüsnutz'en würden, um im Feuerscheine dieser' verruchten' Tat'den'„jüdischen Bol-

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