Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 74 (1933)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1933)
- Date
- 1933-03-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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- Safed 2× ep/1046078
- Amoraim 1× ep/1003430
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mit 6cm Aufbau der Heißen (Quellen gezeigt wie viele unbegrenzte Möglichkeiten dieser alte Boden für Unternehmer in seinem Innern noch birgt. Wal, Safed und Hebron betrifft, so käme für diese Städte ein einziger Abbau in Betracht, der sogar sehr notwendig wäre, nämlich der Abbau des große n B e a m t e n st a b e s und seiner hohen Gehälter. Hier müßte mehr System in die Verwaltung der Sammelgelder hineingetragen werden; mindestens äst zu verlangen, daß ihre Verwendung unter Kontrolle und Mitarbeit der berufenen Instanzen in den Städten selbst und unter voller Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse und Eigenheiten sich vollzieht. Aller erfreuliche Aufbau im neuen Palästina könnte uns nicht im mindesten entschädigen für den Verlust der heiligen Kernpunkte im alten Iischuw. Es geht um die Ieschiwoth, Talmud Thora-Schulen, Kolalim, Waisen- und Krankenhäuser; es geht um die Denkmäler größten jüdischen Heldentumes, die uns die Liebe zu Erez Iäsroel in Jahren bitterster Kot frisch erhalten und nicht zuletzt das neue Aufblühen von heute ermöglicht haben. Man beachte dabei, daß die genannten Städte an sich eine recht gute ökonomische Basis haben. Hebron und Safed gelten als d i e b e st e n L -u f t k u r o c t e des ganzen Landes, Tibevias ist als Badestadt von altersher berühmt. Gerade die neue p a l ä sti n a b e w e g u n g unter den orthodoxen Juden sollte nach' dieser Richtung gelenkt werden. Die Losung muß sein: Neuer Aufbau, aber auch Erhaltung des Alten, u n d d i e C r m ö g l i ch u n g des Neuaufbaus auf altem heiligem Grunde. Wochenrundschau. „Wostehl die deutsche Judenheit?" Nichts wirkt grotesker und widriger, als der Versuch, die derzeitige politische Lage mit all dem, was sie uns Juden an Sorgen und Gefahren bringt, für die national-jüdische Idee auszubeuten. Man liefert damit den Erzfeinden viel trübes Wasser auf ihre Mühlen und erschwert.denen, die für unser bedrohtes Recht als die Heiligsten Besitztümer der Menschehit eintreten, den Kampf. Trotzdem hält es die Zionistische vereinig n'n g f ü r Deutschland für angebracht, von Zeit zu Zeit in Presse und Versammlung die Winde, wenn sie sich gar zu tobend erheben, in ihre Segel zu zwingen. In einem großen Berliner Saal, der,-wie alle politischen Auseinandersetzungen in dieser wildbewegten Zeit, bis zur letzten Ecke von entern unkontrollierbaren Publikum ungefüllt ist, setzt sich Kurt Blumenthal, der Vorsitzende der Z.-v. f. D., .unter dem Titel „Wo 'sieht die deutsche Iudenheit?" mit der A s s im i l a t i o n und dem Ä b w e h r k a m p f auseinander. „Auseinandersetzung" ist vielleicht nicht das richtige Wort, denn ca-; gibt nur Rede und keine Gegenrede. Die Schlußthese könnte schon am Anfang stehen, und jeder kennt sie, bevor noch ein Wort zu ihrer Begründung gesprochen wurde: Absage an die Amwelt, Konzentration der Kräfte in und für Palästina! ... So einfach, wie cs die Führer und Generalsekretäre der deutschen Zionisten vermeinen, gebt aber leider das Rechenexempel nicht auf. Was die Auseinandersetzung mit der A s s i m i l a t,i o n anbelangt, so gibt es für uns thoratreue Juden heute angesichts der Lage nur eine Art von Auseinandersetzung, aus Liebe, aus Erbarmen, aus tiefem brüderlichem Gefühle geboren. Nicht triumphierend, nicht rechthaberisch und schadenfroh stellen wir fest, daß wir, nein, daß unsre v ä't c r, daß unsre heilig e n Bücher recht behalten haben, daß unsere Voraussetzungen und Voraussagungen leider restlos eingetroffcn sind. Und wir knüpfen daran die brüderliche Mahnung: Ihr habt das Höchste und Heiligste als Preis für die Freiheit eingesetzt, wo man von euch diesen Einsatz gar nicht verlangt hat. Zwei Generationen bereits büßen die Sünden der Väter, die da glaubten, das kleine heilige Flämmchen könne beim Einströmen des vollen Lichtes der Kultur wird Freiheit ausgelöscht werden. Run wohl! Die Freiheit ist bedroht, unser Recht, wenn auch auf dem Papiere noch vorhanden, im Empfinden eines großen Volksteiles nicht mehr existent. Es dunkelt im Welträume, und die Schatten umdräuen jene Ecke in diesem Raume, die die Juden einnehmen: ergo, bleibt nichts anderes übrig, als das alte heilige Licht wieder anzuzünden, wo es erloschen ist. Tut ihr es — und ihr findet den Ersatz und d i e innere Sicherheit und Bodenständigkeit, wie wir sie finden, wenn wir uns vor dem Gehen! der Straße in unser Eigenes, in unseren Sabbat, zu unserer Lehre, zu dem Horte unserer Geschichte flüchten. Eine andere Auseinandersetzung kann es heute nicht geben. Es ist nicht Zeit des Kämpfens, sondern des R u f e n s aus dem leeren R a u m e zwischen zwei Welten zurück in die eigene Welt. And was den Abwehcka m p f anbetcifft: Danken wir allen im eigenen, wie noch mehr in außerjüdischen Kreisen, die diesen schweren Kampf mit den friedlichen Waffen des Geistes auf sich nehmen, beten wir zu G'tt, daß ihre Hand gestärkt, ihre Kraft gesteigert wird, unterstützen wir sie mit allen Kräften, die uns zur Verfügung stehen, aber setzen wir nicht unser ganzes Vertrauen auf diesen Kampf. Die tapferen Männer dieses Kampfes, sind von G'tt erkoren als treue Hüter der letzten Reste von Liebe, Recht und Menschlichkeit; die Hilfe selbst aber kann nur von Ihm. kommen, der die Geschicke der Völker leitet, aber „sein Volk nicht verläßt, noch sein Erbteil preisgibt." ■ Weder im ersten noch im zweiten Punkte bewegt 'sich die Ausemandevsetzung Kurt Blumenfelds auf diesem Geleise, auf dieser E i n b a h n j ü d i s ch e it. Denkens durch die wüste der menschlichen Verworrenheit. Cr hält den Liberalen die wirklichen Sünden der Väter und den wirklichen Irrtum der Söhne vor; nicht aber um ihnen zuzurufen: So werfet denn, die Sündett von euch und logt die Irrtümer ab, laßt euch von den tobenden Stürmen durchwehen und durchschütteln, daß alles Fremde und Falsche abfällt wie die welken Blätter vom Baume, und der Stamm gesunde. Rein, das tut Blumenfeld nicht, er malt ibttcit den Teufel an die Wand so schwarz, wie nur möglich, noch schwärzer als er ist. Cr macht sie gruseln mit der S t a b i l i t ä t d e s h e u t i g e n Kurses, mit dem „klaren Programm" der pro-- grammlosigkeit in der heutigen Regierungspartei, mit der „seelischen Grundhaltung" jener Bewegung zur Erneuerung der Art, die aus die Ausrottung der Juden berechnet fei. Wie die französische Revolution Ober Leichenberge und durch Ströme von Blut zu ihrem Ziele gelangt ist, so werde auch jene Bewegung zu ihrem letzten Ziele gelangen, über.. Und die Schlußfolgerung für den deutschen Juden? Distanz, wie dies bis zur Emanzipation die Haltung der Iuöenheit zur Welt gewesen war. So weit scheint alles noch, — bis zum stark hinkenden Vergleich mit der französischen Revolution — folgerichtig gedacht zu sein. Run aber gibt es einen Gedankensprung, der sich in kühnem Schwünge über alle Logik und geschichtliche Erfahrung hinwegsetzt. Distanz zur Umwelt wie vor der Emanzipation! Wer kennt nicht diese Distanz, wer weiß nicht, wie die reiche jüdische Innenwelt ausgesehen hat, in der und von der aus der Jude stolz und unerschütterlich diese Distanz wahren konnte! Für Kurt Blumcnfeld heißt aber diese Distanz A u t o e m a n z i p a t i o n , Konzentration der jüdischen Kraft auf das Judentum ist für ihn gleichbedeutend mit Konzentration aller Kraft auf einen äußeren jüdischen S t a a t s r a h m e n in Palästina, innerhalb dessen der Jude sich nach seinen religiösen und kulturellen, oder auch unreligiösen, antireligiösen und unkulturellen Anschauungen, frei ausleben kann, wie jeder Mensch innerhalb seines Staatsrahmens. Also mit anderen Worten: Das Los des Fremdseins in Europa auf uns nehmen und im eigenen Heim, auf eigenem Bodön, fremder denn je und sonstwo, weil außerhalb des jüdischen geistigen Raumes, bleiben, vollends Ifsf Etwas über das Kaddisch. (2Ius dem Nachlasse von Direktor Dr. Deutsch in Fürth, zu seiner ersten Jahrzeit am 10. Adar / 8. März). Die erste Kunde über das Kaddisch-Gebet stammt aus dem Anfang des 4. Jahrhunderts und wurde von dem Amoräer Raba als jhe schme rabbo angeführt. Seit der Zerstörung des Tempels wird die Welt nur durch die Rezitation der Keduscha und des jhe fchme rabbo erhalten (Sota 49a) -xrm*n 831 "UV 'N'81 8TJ'01 ,1V1ip8 Ö”pa 8? '808 8)obs Es wird dort cmsgeführt, daß Thorastudium und die Heiligung des g'ttlichen Wesens den sittlichen Fortbestand der Welt verbürgt. Es entsprach demnach einer ganz richtigen Auffassung von der Bedeutung und dem Entstehen dieses Gebetes, wenn man später Thorastudium (sogen. Schiurlernen) mit dem Kaddisch in Verbindung brachte, ebenso, daß man es da anwendete, wo ein geliebter Verstorbener das Zeitliche gesegnet und der ohnehin seit der Tempelzerstörung erschütterte Bestand der Welt (der Ausspruch schließt sich an den Satz anainv» nv»8 't«8 ib»a fs«s5.*i'3J rinm Träger und Stützpunkt verloren. Das andachtsvolle Zitieren des jhe wird (Sabbat 119b) als überaus verdienstlich und die Pforten des "Paradieses erschließend, angesehen. •irn ui ib i’srnp ima baa -pa» 8ai "vv 8fp ]ö8 nnyn ba b'a'is Aus Berachoth 3a ergibt sich gleichfalls, daß das jhe schme rabbo erst nach und nach durch die Zerstörung des Tempels an Bedeutung gewonnen. biirn 8v' piyi msmn viabi nvoaa 'nab poiai brriv'v nytzn 12 IH’33 1018 P0b?7317 1-731 '1P8 173181 11781 737373 <T3pn 111373 orras pbiw bvx iba» onab Bnb 'ixi vaa n>? nbzrm 38b ib n» Im Tempel wurden die vorgetragenen Segenssprüche nicht mit Amen, sondern mit dem Satz i-bnava von den sämtlichen Andächtigen beantwortet (Taanith 16b, Sota 40b): nach dessen Zerstörung wurde das Amen durch das jhe schme rabbo erweitert in das in Anlehnung an Ezech. 38, 23 und Sech. 14 im Hinblick auf das messianische Reich und den allgemeinen Menschen- und Dölkersrieden eingeführte Jitgadalgebet (s. Tur. orach chajim 56 ausführlich), welches herrliche Gebet mit Rücksicht auf die ungelehrte Allgemeinheit in der Landessprache gesprochen wurde (Tossafot berachoth das.). Nachdem man in der eifrigen Pflege des Gesetzesstudiums Trost für das verlorene Heiligtum und Hoffnung auf Erlösung in der Zukunft erblickte, wurde es erweitert jaa-, bv, hauptsächlich hierfür rwiani 8ai '’öta 8,t bestimmt und in weiterer Folge dort gesprochen, wo durch das Hinscheiden eines Frommen (u’pbs rra ns'-itaa n-p'is nn’» n»p) dieser Hoffnung und der Vorbedingung zu ihrer Verwirklichung ein Stützpunkt entzogen .wurde (f. m. Anm. zu Z.B.M.26,44.*) Bei dem Ableben eines Exilsfürsten oder Jeschiwaoberhauptes wurde die Formel demgemäß gestaltet 'o) ronvn)- Der Name Kaddisch wird erwähnt in Massechet sofrim 16, 12; 19. 1, 12 nicht als Trauergebet, sondern als Gebetslobpreisung, wie maiip (6. Jahrh.) An letzterer Stelle wird das Kaddisch als Gebet der Trauernden und im Zusammenhang mit Lehrvorträgen genannt. Im Jalkut Jes. 296 wird nach einer Hervorhebung der Bedeutung des Amen berichtet: „G'tt trögt im Paradiese, umgeben von der Schar seiner Engel und der Geister ab- *) Ein hebräisch geschriebener Kommentar des Verewigten bn zum vsin liegt handschriftlich vor. geschiedener Frommen, die neue Lehre vor. welche er der Welt durch den Messias einst geben wird. Rach der Beendigung des Hagadahvortrags erhebt sich Serubabel von seinem Platze und spricht vipri'i biair und seine Stimme dringt durch alle Weltenräume, in welchen man überall Amen dazu spricht,- selbst die Weilenden im Gehinnom fallen in dieses Amen ein. das zu G'tt dringt, der sich gerührt alsdann ihrer erbarmt und Michael und Gabriel den Auftrag gibt, die Abgeschiedenen aus dem Gehinnom zu erlösen und sie ins Paradies zu bringen." Hier erscheint das Kaddischgebet nicht als Verherrlichung G'ttes durch feine Frommen, sondern als Mittel der Erlösung von den Leiden und Strafen des Gehinnom. (7. Jahrh.). Als solches Mittel wird es in einer bekannten Agadah bezeichnet, die R. Akiba und einen verstorbenen Holzträger zum Gegenstand hat und in welcher esder Sohn ist, der durch den Vortrag des Kaddisch die Seele des Vaters erlöst, da nach dem Ausspruch des Talmud die Seelen 12 Monate lang ihre Sünden abbüßen und die Nachkommen imstande wären, diese Pein zu mildern (Rosch-ha-schana 17a, Sanhedrin 104). So hat sich die Sitte eingebürgert, das Kaddisch ein Jahr lang zu sprechen. Dabei kam man in Verlegenheit, es als solches Mittel zu gebrauchen, da hierdurch indirekt gesagt wäre, daß der Verstorbene solcher Erlösung durch den Sohn bedürfe. Um solchen Schluß abzuweisen, ward die Einrichtung, es nur 11 Monate im Jahr zu sprechen, getroffen. Das Kaddisch ist kein eigenk liches Seelengedächtnisgebet, es fetzt ein solches voraus und beschließt diese Andacht mit den in ihm enthaltenen Trostesworten. Das Andenken der Eltern . soll in den Kindern den Vorsatz erwecken, an Israels Aufgaben zu arbeiten. Diese Aufgabe besteht in der Heiligung des g'ttlichen Namens, in der Anteilnahme, an Israels Geschick und dev Zugehörigkeit zu Israel.