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Der Israelit · 1933-03-02 · Heft 9 (2.3.1933) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
74 (1933)
Issue
Heft 9 (2.3.1933)
Date
1933-03-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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erisrae Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum s § mm Deükürr!>st VS» Dk. & Ahm mm In Main» DegrÜrr-sk vsrr Dr. Lshmmvr in Mainz. IV, mm a Abonnenrsnt ab 3ult -1939: Deutschland 150 Mark monatlich; Ausland: Vterteliahrpreis« (sntspeschöttder» deutsche» IttlandSvreiS zmügflch Kosten des Ttretsband-Berfandes) Deutsch-Lsterreich: Schilling ö.—; Amerika 1 Dollar; England 0 sh.; ab 1 Takt Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.27. Belga5. Holland 8 fl.; Italien ab 1.1.38.18 Lire; Jugo» .slavien 55 Din.; Litauen 750 Lit.; Rumänien ab l. 7. 37. 180 Lei; Polen 4 deutsche Gold» -mark zum Tageskurs oder 7 Zloty; Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 35 Kronen; Ungarn Pengö 6 ab 1. Juli 1837; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.50 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfenntge. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate SO Goldpf. für die stebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahle« bei Stellengesuche« und Familienanzeigen nur 40 Pf. Die 75 mm breite Reklamezeile r letzte Textseile 3.— Mk., vorletzte Textseite 3.50 Mk.; Thiffregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriespvrtvs. Rabatt nach Darts. Bei laufende» Jnserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz. Vorbehalt. Jnferatenannahme durch de« Verlag des Israelit T. m. o. Frankfurt a. M.. Rechnetarabenftrake 7, Tel. Hansa 31084 sow. durch samt!. Annoncen-Erped. d. In» und Auslands. Alleinige Jnseratenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Ostendflratze 83 Tel. 45888. Platzvorfchr. ohne Berbiudlichk. m 4i ahlungen direkt an de« Verlag auf Postscheckkonto Frankfurt sMatn) Pc. 18802. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79005. —Postsparkassenamt Budapest Nr. 18434.—Postscheckkonto Warschau Nr. 190767. — Postscheckamt Zürich Nr. Vlll 7354. — Postscheckamt Amsterdam Nr.34869 — Postscheckamt Prag Nr. 79.000 — Rumänische Kreditbank Bukarest und ihre sämtl. Filiale». , Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten fich ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Deo alte Iischuw in Gefahr. Ls ist doppelt tragisch, in einer Zeit, da alle Welt von Aufbau, Prosperität und Ausstieg in Palästina spricht, aus diesem „Lande ohne Krise" über Abbau und Verfall berichten zu müssen, verfall dessen, was uns am meisten am Herzen liegt, nämlich der Kernpunkte des alten Iischuw in I e r n -ü salem, Hebron, Safed und T i b e r i a s. Wenn ein deutscher Schriftsteller voriges Jahr seine Eindrücke in ' Erez Iisroel unter dem Titel „Zwischen Ruine n und Aufbau" zusammengefaßt hat) so hat. er schon mit dieser Antithese allein intuitiv vielleicht mehr ausgesprochen, als ihm in der kurzen Zeit klar vor Augen trat und deutlich zum Bewußtsein kam. Cs ist schon so, daß in einer Acra des üppigen Wachstums, der gesteigerten Alija, da sich ganze Terrains in blühende Drangerien verwandeln, da eine fieberhafte Laubewegung alle Hände beschäftigt und unter Ausnutzung der natürlichen Kräfte des Lodens sich überall kleine und größere Fabriken und Betriebe auftun, im Heiligen Lande selbst gilt ly ’n’jbsna i'rv n^n tji '■»nnn ’rww- Die 'üiirrnrr vairr wie man jene vier Städte liebevoll nannte/gehen mitten im Blühen des Landes einer Verelendung entgegen. Der in ihnen früher wirkende Lebensnerv des alten Iischuw wird übergangen, er wird von der flutenden Welle des Ausbaus einfach überrannt, weggefchwemmt. Was soll aus den Menschen, was soll ans den Institutionen werden, die als Wahrzeichen uns die Liebe zu Lrez Iisroel durch die Jahrhunderte lebendig erhalten haben? von den genannten vier Festungen des alten Palästina scheint die eine, nämlich H e b r oA , vollständig abgetragen und erledigt. Der sllSN I2NN ging unter Umständen und Begleiterscheinungen vor sich, daß man glauben mußte, die ganze Liebe der gesamten jüdischen Welt würde in Wirksamkeit treten, um die alte Väterstadt aufzubau'en. Cs schien auch so, denn von den Sammelgeldern, die nach dem blutigen August eintrafen, war ein guter Teil für Hebron bestimmt. Das kümmerte aber die Herren^ die die Vormundschaft in und für Lrez Iisroel ausüben, sehr wenig. Der Hilfsstrom floß an Hebron vorbei. Die wenigen sefardischen Familien, die, allen Gefahren trotzend, sich von der Schölle in der Rahe des Machpelagrabes nicht 'trennen können, diese Märt^rerhelden, die mehr Ruhm und Anerkennung verdienen, als viele Lhaluzim, die in neuen Niederlassungen Sümpfe Mströckirekiir, aber neue geistige Sumpfe 'fchufenf sie sind vollkommen vergessen, leben, abgeschnitten von Verkehr, Handel und Gewerbe, in größter Not. Die kleine Siedlung wird notdürftig unterstützt, aber cs ist eine spärliche Almosenunterstützung, die eine Basis zur weiteren Tntwicklung nicht schaffen kann, noch will und auch keine neuen Einwanderer anzulocken vermag. Bald werden die heiligen Gräber, die uralten wie die ganz neuen, ganz den 'Arabern a u s g e l i -e s e r t s e i n. In der Rähe von Hebron befand sich die Kolonie Rilgdal Eder, gegründet von orthodoxen Juden aus Polen. Eine Anzahl Familien lebte dort in geordneten Verhältnissen und mit dein Ausblick auf eine gute Zukunft als Pflanzer und Bodenarbeiter. Die Kolonie war eine gute Stütze des Stadtlebens in Hebron und empfing von diesem geistige Impulse, von der Zerstörung Hebrons ist Migdal Eder mit erfaßt worden. Die Kolonie ist heute noch eine Ruine, die von früheren guten Zeiten zeugt. Safed teilte im August 1929 zum Glück nicht ganz das Schicksal Hebrons. Aber die jüdische Bevölkerung befindet sich auch dort numerisch wie wirtschaftlich im steten Riedergange. Die Jugend verläßt fluchtartig die Stadl, die ihnen keine Existenz bietet und keine Zukunft eröffnet. Hier wiegt die Sünde der diktatorischen Vormünder noch schwerer; als in Hebron. Denn hier war noch nicht alles verloren, hier gab es noch natürliche, bodengowachfeneAnsätze, an die der Wiederaufbau hätte anknüpfen müssen. Wan tat es nicht. Rund 15.000 Pfund wurden für Safed verwendet, wobei man sich über die eigentlichen Bedürfnissen und Interessen der Stadt im Sturm hinwegsetzte. Man behandelte die Menschen mir als (Objekte der Hilfstätigkeit und leitete diese in Lahnen, die den natürlichen Voraussetzungen der alten Stadt und ihren traditionellen Eigenheiten zuwiderliefen. Und der Erfolg? Das Geld ist bin und die Stadt geht einer Verödung entgegen. In Tiberias, der Stadt, die von. den blutigen Ausschreitungen ganz verschont geblieben ist, sehen die Dinge nicht viel anders aus. Die gleichen Methoden wurden unten in Tiberias wie oben in Safed angewandt und die gleichen traurigen Erfolge erzielt. ' Schließlich verschlimmert sich -die Lage auch im a l t e n I e r u s a l e m von Tag zu Tag. Alles, was an Menschen, Kapital und Initiative ins Land strömt, konzentriert sich um die Landwirtschaft und Industrie im Küstengebiet, in der Hauptsache in oder um T e l- A w i w und H a i f ach die Stadt der Zukunft. -Jerusalem hat keine jüdisch-agrarische Umgebung, hat auch keine versprechenden industriellen Unternehmen. Die Baubewegung, die eine Zeitlang anhielt, ist im Abflauen, was zur Folge hat, daß Arbeiter in Scharen die Stadt verlassen, um an anderen Plätzen Arbeit zu suchen.' Der Hausbesitz wirft hier bei weiteni nicht so viel ab, wie in Tcl-Awiw, daher die Stagnation in der Bautätigkeit. , Wie schwer unter diesen Umständen die alten Lchrhäuser und Wohlfahrtsinstitutioncn in der Heiligen Stadt leiden, ist kaum vorstellbar. Die zwei Hauptquellen, die das alte Jerusalem wie überhaupt den alten Iischuw in Palästina bislang nährten, waren Rußland und Amerika. Rußland ist ans den Spendenbüchern der alten Institute längst gestrichen. Aus 'Amerika kommen seit einigen Jahren keine Gelder mehr, um so mehr Menschen, die mit ihrer letzten Habe sich in Tei-Awiw, in Haifa, in den Kolonien, überall nur nicht in Jerusalem, eine Position zu gründen suchen. Der Beitrag des deutschen Judentums — das merkt mau erst heute — zur Erhaltung des alten Iischuw überlras prozentual den aller anderen Länder; er wurde von der Krisis so gut wie gestrichen. Die unausbleibliche Folge ist, daß in den Thoraschulen, wie in den Wohlfahrtsinstituten, Angestellten wie Insassen, Lohcer wie Jünger, buchstäblich darben. Aber nicht allein das: In der Altstadt vermindern sich die jüdischen Geschäfte mit -jedem Tage. Die Juden siedeln in die neuen viertel über, wo es ihnen auch nicht viel bester geht. Wären es nicht die alten Thoragelehrten, die alte erdenklichen Leiden und Prüfungen auf sich nehmen, und am alten heiligen Boden hängen, die Altstadt Jerusalems wäre längst judenrein. . Von dieser Misere ist auch die Umgegend Jerusalems in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Kolonie M o z a h , die von den ersten Siedlern noch mit großer Zähigkeit gehalten wird, ist im verfalle, hat keinen Zuzug und keine Zukunft. Dicht besser geht es dem Dorfe K c f a r I w r i nördlich von Jerusalem mit seinen fünfzig Häusern, von denen mehr als die Hälfte leer stehen. So ist die Lage der sogenannten mxiK smK in Lrez Iisroel, denen sich früher die Liebe und das Interesse der jüdischen Diaspora in erhöhtem Maße als dem Kernpunkte der Helligkeit zuw-'andten. Was könnte dagegen geschehen? Wenn unsere Kapitalisten auch geistige Interessen ins Land mitbrächten und nicht -alles nur unter dem Gesichtspunkte der größeren Prosperität ansehcn würden, sie fänden auch in Jerusalem, der Landeshauptstadt, Möglichkeiten genug, ihre eigene Existenz aufzubaucn und. damit zum Aufbau Jerusalems beizutragen. Man kann auch in Jerusalem gute Geschäfte machen, wenn man nur Idealismus genug besitzt, um sich nicht gleich von den ersten Chancen an der Küste fesseln zu lassen. In Tiberias hat der Anfang

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